http://www.faz.net/-gv6-8wxxb

Markt für Edelprodukte wächst : Lust auf Luxus

Diamanten von Tiffany. Die Aktie des Unternehmens hat in den vergangenen Monaten deutlich zugelegt. Bild: Tiffany

Edelmode und teure Accessoires verkaufen sich wieder blendend. Denn man kann sie jetzt auch online bestellen. Die Käufer aus aller Welt freut’s. Und auch die Aktionäre.

          Die Sache mit dem Luxus war ja schon immer widersprüchlich: Luxus ist einerseits etwas, was niemand wirklich braucht. Kleider von Dior, Edelchronometer am Handgelenk, funkelnder Schmuck oder Manolo-Blahnik-Schuhe, ohne all das kommt man blendend durchs Leben – aber schön sind sie doch. Zudem kosten solche Dinge ein kleines Vermögen, zum Preis einer Hermès-Handtasche etwa könnte man sich mühelos einen Kleinwagen leisten.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aber auch das hält viele Käufer nicht ab. Warum also geben so viele Menschen ihr Geld dafür aus? Weil Luxusgüter zweierlei tun: Sie vermitteln dem Käufer ein spezielles Lebensgefühl und Selbstbelohnung. Und anderen signalisieren sie: Hier hat jemand Prestige und das Sparen gar nicht nötig. Darum war der Weltmarkt für persönliche Luxusgüter bisher ein Selbstläufer, den jene antrieben, die sich um Geld wirklich keine Gedanken machen müssen. Aber das ändert sich gerade.

          Zuletzt gaben gerade die angestammten Reichen ihr Geld zurückhaltender für Edelprodukte wie Mode, Lederwaren und Accessoires aus, das verpasste dem Absatz vieler Luxuslabels eine gehörige Delle. Dafür drängt nun eine neue Käuferschicht in den Markt: Die Aufsteiger aus der Mittelschicht decken sich zunehmend mit Premiummarken ein. Und weil die Gruppe der Halb- und Neureichen weltweit immer größer wird, wächst der Markt für Luxusgüter künftig wieder, sagen Studien der Unternehmensberatungen Bain & Company und Boston Consulting Group.

          Die neuen Kunden ticken anders

          Aber sie warnen auch: Die neuen Kunden ticken anders, darauf müssen sich die Edelmarken einlassen. Die Käufer sind ungeduldiger, warten also keine zwei Jahre darauf, bis ihre persönliche Birkin-Bag-Handtasche genäht ist. Sie kaufen außerdem gern im Internet, statt zum Luxusstore zu fahren und dort auf Einlass zu warten. Und sie sind vor allem preisbewusster und geben nicht mehr jede Summe aus, sondern suchen sogar bei Statussymbolen nach Schnäppchen.

          Bereits die vergangenen drei Jahre machten die Branche nachdenklich: Während die Wirtschaft weltweit brummte und die Aktienkurse in den Himmel schossen, dümpelten die Verkäufe vieler Luxuslabels vor sich hin. Selbst große Marken wie Gucci, Burberry oder Prada kämpften mit schwächelnden Umsätzen und mauen Gewinnen. Weil sie alle jedes Jahr horrende Summen fürs Marketing ausgeben, müssen ihre Verkäufe jährlich steigen, damit das Ergebnis stimmt.

          BURBERRY GROUP LS-,0005

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Bei den Uhrenherstellern geriet das Geschäft zeitweise ganz ins Stocken, ihre Margen halbierten sich sogar. Besonders an den Börsenkursen ließ sich die Schwächephase der Luxusindustrie ablesen: Der S&P Global Luxury Index sackte Anfang 2014 ab. Er bündelt die 30 Größten der Branche, darunter Schwergewichte wie LVMH (Louis Vuitton Moet Hennessy) und Kering (Gucci, Yves Saint Laurent, Bottega Veneta und andere), Hermès, Dior, Burberry und Prada. Auch 2016 brach der Index kräftig ein. Doch seit Juni geht es wieder bergauf.

          Statt auf Einzelaktien können Anleger auch auf Fonds setzen

          „Die Zeichen für eine Kehrtwende im Luxussektor sind offensichtlich“, sagt Fondsmanagerin Scilla Huang Sun vom Vermögensverwalter GAM. Der Uhrenbereich wird wohl noch eine Weile hinterherhinken. Er muss zuerst hohe Lagerbestände abbauen. Bei Mode, Accessoires, Lederwaren und Spirituosen zieht das Geschäft bereits mächtig an. Die aktuelle Bain-Luxusstudie prognostiziert dem 250-Milliarden-Euro-Markt drei bis vier Prozent jährliches Wachstum bis 2020.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Brexit-Verhandlungen : Ohne Qualen geht es nicht

          Theresa May flehte diese Woche in Berlin, Paris und Brüssel um Hilfe bei den Brexit-Verhandlungen. Die Europäer blieben hart. Aber sie gaben sich Mühe, nett zu sein.

          SPD : Der wahre Sieger der Bundestagswahl

          So ein bisschen freuen sich die Sozialdemokraten über das katastrophale Ergebnis der Bundestagswahl. Endlich sind sie die Union los. In der Opposition soll alles besser werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.