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Anleihen : Mit deutschen Banken Geld verdienen

Eine Nachranganleihe der Deutschen Bank bringt derzeit 3 Prozent Rendite. Bild: Frank Röth

Finger weg von Banken? Mitnichten. Manche Anleihen deutscher Kreditinstitute lohnen sich derzeit. Doch das setzt voraus, dass die Anleger auch risikofreudig sind.

          Deutschlands Banken zeigen sich in diesen Tagen nicht von ihrer besten Seite. Ihre Kunden verärgern sie mit höheren Gebühren, mitunter muss man gar fürs Geldabheben am Automaten zahlen. Darüber empört sich die Republik. Doch es gibt einen eleganteren Weg, mit der Situation umzugehen: und zwar, indem man den Spieß umdreht und sich das Geld von den Banken zurückholt.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dies soll nun keine Aufforderung zum Bankraub sein, Gott bewahre. Nein, es gibt eine viel bessere Lösung. Man muss einfach nur Gläubiger der Banken werden. Das ist gar nicht so schwierig. Jeder, der eine Bankanleihe kauft (wozu nichts weiter als ein Online-Wertpapierdepot nötig ist), wird automatisch zum Kreditgeber des betroffenen Institutes: Er leiht der Bank Geld und erhält dafür im Gegenzug regelmäßig Zinsen ausbezahlt. Am Ende der Laufzeit der Anleihe zahlt die Bank den Kredit dann zurück.

          Bei allem Charme, den diese Umkehrung der Verhältnisse mit sich bringt, stellt sich aber für Anleger die Frage: Ist es wirklich eine so gute Idee, ausgerechnet Bankanleihen zu kaufen? Schließlich gibt es angesichts des schlechten Zustands insbesondere italienischer Banken gerade eine Debatte über die Überlebenskraft verschiedener europäischer Geldhäuser. Dass die Zinszahlungen immer so verlässlich fließen wie vorgesehen, ist darum in der Praxis längst nicht ausgemacht.

          Bankanleihen lohnen sich

          Deswegen sei klar gesagt: Bankanleihen sind nur etwas für Anleger, die ein gehöriges Maß an Risikofreude mitbringen. Wenn alles gutgeht, kann sich die Investition aber auszahlen. Im Schnitt bringen Bankanleihen mit zehnjähriger Laufzeit zwischen zwei und drei Prozentpunkte mehr Rendite ein als vergleichbare Bundesanleihen. Das ist in Zeiten niedriger Zinsen ein himmelweiter Unterschied. Allerdings lassen sich diese Erträge nur mit einer ganz speziellen Art von Bankanleihen verdienen. Es handelt sich um die sogenannten Nachranganleihen. Diese tragen ihren Namen aus einem einfachen Grund: Im Falle einer Pleite der dahinterstehenden Bank müssen ihre Besitzer vor anderen Gläubigern dafür geradestehen – sie sind also, wie der Name schon andeutet, nicht vom gleichen Rang.

          Anleger sollten sich bewusst sein, dass es sich dabei keineswegs um ein rein theoretisches Risiko handelt. „Gerät eine Bank in Schieflage, ist es mittlerweile erprobte Praxis, dass die Besitzer von Nachranganleihen in Haftung genommen werden“, sagt Corinna Dröse, Finanzanalystin der DZ Bank. Auch wenn sich daraus keine allgemeine Regel ableiten lässt (bei Italiens Problembank Monte dei Paschi ist eine umstrittene staatliche Entschädigung für Besitzer von Nachranganleihen geplant), zeigt dies aber deutlich: Alles hängt davon ab, von welcher Bank man sich Nachranganleihen ins Depot legt.

          Deutsche Bank und Commerzbank nicht die schlechteste Wahl

          Die Deutsche Bank und die Commerzbank sind dabei trotz all ihrer Probleme nicht die schlechteste Wahl. Denn einerseits zählen sie anders als italienische Banken nicht zu den Instituten, denen die Analysten den baldigen Untergang voraussagen. Andererseits sind ihre Geschäfte aber auch nicht so gefestigt, dass ihnen eine glorreiche Zukunft prophezeit wird. Gerade diese Mischung sorgt dafür, dass Anleger mit Nachranganleihen der beiden Banken attraktive Renditen erhalten, sich aber gleichzeitig auch nicht jeden Tag zu sorgen brauchen, ob sie ihr Geld jemals wiedersehen.

          So bringt eine Nachranganleihe der Deutschen Bank (WKN: DB7XJJ) in handlicher 1000-Euro-Stückelung und mit Fälligkeit Anfang 2025 derzeit 2,9 Prozent Rendite pro Jahr. Die gute Nachricht der vergangenen Woche lautet außerdem: Es ist so schnell nicht mehr damit zu rechnen, dass die Deutsche Bank noch einmal ähnliche Schreckenstage erleben wird wie im Herbst 2016. Damals wurde sogar über Staatshilfen für die Bank diskutiert. Am Freitag aber konnte Vorstandschef John Cryan mitteilen: Die Bank hat erfolgreich eine Kapitalerhöhung um acht Milliarden Euro abgeschlossen. Dies macht einen Ausfall ihrer Nachranganleihen unwahrscheinlicher.

          Wer sein Geld lieber der Commerzbank leiht, kann eine Nachranganleihe (WKN: CZ40LD) mit Fälligkeit im März 2026 kaufen. Sie bringt derzeit 3,2 Prozent Rendite. Anleger, die sich nicht selbst an der Auswahl versuchen wollen, können alternativ auf Fonds wie den Phaidros Fallen Angels (WKN: A1KBEL) setzen, der unter anderem in Bankanleihen investiert. Allem Ärger der Kunden zum Trotz: Für Anleger haben Banken auch ihre guten Seiten.

          Quelle: F.A.S.

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