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Investitionen in Infrastruktur : Geld verdienen im Untergrund

Londoner Abwasserkanal, angelegt 1860. Neue Rohre sind nötig - und werden mit privatem Geld gebaut. Bild: ANDREW TESTA/The New York Times/

Investitionen in Infrastruktur sind nicht sexy, aber sie zahlen sich aus. Dabei sind mindestens vier Prozent drin.

          Werbewirksame Fotos wird das neueste Milliarden-Investment der Allianz wohl nicht produzieren. Ein Konsortium unter Führung des Münchner Versicherungskonzerns investiert 5,9 Milliarden Euro – in einen 25 Kilometer langen Abwasserkanal unter der Londoner Themse. Die Einheimischen haben das Projekt schon unbritisch frech „Super-Kloake“ getauft.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der neue Tunnel soll das uralte Kanalsystem entlasten, das zu großen Teilen noch aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammt. Regelmäßig laufen bei starken Regenfällen Abwässer ungeklärt in die Themse, weil die alten Rohre nicht mehr aufnehmen können.

          Und genau dafür interessiert sich nun die Allianz. Sie wurde als bevorzugter Bieter für den Ersatzkanal ausgewählt, im August soll sie den endgültigen Zuschlag bekommen. Für den Versicherer wäre das wichtig. Denn er sucht wie die ganze Branche verzweifelt nach Alternativen zu Anleihen, die mehr als 0,5, null oder, schlimmer noch, minus 0,5 Prozent (Anleihen mit kurzen Laufzeiten) abwerfen. Investments wie das in London versprechen mehr. Genau weiß man das nicht, weil die Details nicht offenliegen. Aber vier bis fünf Prozent Rendite im Jahr könnten es schon mindestens sein.

          Infrastrukturinvestments immer beliebter

          Ähnliches kann auch der australische Infrastrukturinvestor Macquarie erwarten, der in der vergangenen Woche ein Angebot für das Verbundnetz Gas in Leipzig abgegeben hat und sich auch für die deutsche Tank & Rast interessiert, die die Gaststätten an den Autobahnen betreibt. Dabei konkurriert Macquarie unter anderem mit der Allianz um den Zuschlag.

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          Autobahnraststätten, Abwasserkanäle oder Gasnetze sind dabei nur ein kleiner Teil der großen Anlageklasse Infrastruktur. Dazu gehören auch Flug- und Seehäfen, Eisenbahngesellschaften, Mautstraßen sowie Strom- und Telekomnetze. Immer mehr Möglichkeiten gibt es auch, in Schulen und Krankenhäuser zu investieren. Manche zählen zudem Wind- und Solarparks zur Infrastruktur.

          Solche Projekte werden zunehmend mit privatem Kapital wie dem der Allianz erstellt. Die Infrastrukturbetreiber, in London zum Beispiel der Wasserversorger Thames Water, zahlen dann an die Investoren laufende Gebühren, die zum Teil davon abhängen, wie stark die Infrastruktur genutzt wird. Große Versicherer investieren direkt in das Projekt, kleinere Versicherungen und Pensionskassen bieten ihr Geld geschlossenen Fonds an, die Kapital von mehreren Investoren bündeln und dann in ein Vorhaben stecken. Von beiden Wegen profitieren die Kunden von Lebensversicherungen, die auf eine etwas bessere Wertentwicklung hoffen können.

          Solche Infrastrukturinvestments werden seit Jahren immer beliebter. Nicht nur unter Versicherern, sondern auch bei Pensionskassen und anderen auf Sicherheit und langfristige Erträge bedachte Anleger. Denn genau das bieten die Projekte. Die Erträge sind gut zu prognostizieren, weil die Nutzung der Infrastruktur nicht so heftig schwankt, wie der Umsatz von Unternehmen einbrechen kann. Die Menge an Abwasser oder die Nutzung von Schulen hängt eher an der Bevölkerungszahl als an der Wirtschaftslage. Auch die Inanspruchnahme eines Mobilfunknetzes leidet nicht dramatisch unter einer Rezession. Selbst Mautstraßen haben einen stabilen Sockel an Fahrten, wenn auch die Laster in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten etwas weniger unterwegs sind.

          Risiko liegt in der Bauphase

          Hinzu kommt: Die Preise sind oft staatlich reguliert und werden an die Inflation angepasst. Das heißt, sie schwanken kaum und bieten einen guten Inflationsschutz, wenn der mal wieder irgendwann nötig sein sollte. Da die Betriebskonzessionen über viele Jahre, teilweise Jahrzehnte vergeben werden, fließen diese gut zu errechnenden Einnahmen auch noch über einen langen Zeitraum. Und Wettbewerber gibt es erst mal nicht.

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