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Positive Entwicklung : Ansturm auf die Schwellenländer

Zuletzt führte die Nordkorea-Krise auf den asiatischen Märkten für Kursschwankungen. Bild: dpa

Das Wachstum in den Schwellenländern treibt die Börsenkurse nach oben. Anleger können davon profitieren. Ein gewisses Restrisiko allerdings bleibt.

          Schwellenländer sorgen ständig für Schlagzeilen, aber nicht immer sind es gute. In dem einen Land herrscht eine Regierungskrise, in einem anderen Staat ist ein Autokrat an der Macht, anderswo leidet ein Volk an hoher Verschuldung. Mitunter kommt sogar alles zusammen. Derzeit leben vor allem die Schwellenländer Asiens mit hohem Risiko, allerdings nicht wegen hausgemachter Probleme, sondern weil der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un einen Konflikt heraufbeschwört und dadurch bei dem direkten Nachbarn im Süden und den anderen umliegenden Schwellenländern Furcht und Schrecken verbreitet. Der Machthaber spielt mit dem Feuer, und der amerikanische Präsident Donald Trump als Widerpart wirkt keineswegs mäßigend, sondern droht selbst mit dem Atomarsenal.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auch Anleger halten den Atem an. Politische Risiken wie in Brasilien oder der Türkei seien in der Regel eher lokale Angelegenheiten, sagt Elke Schoeppl-Jost, Asien-Expertin der Deutschen Asset Management in Hongkong: „Aber der schwelende Konflikt zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten ist ganz klar ein globales Risiko für die Märkte.“

          Doch allen schlechten Nachrichten zum Trotz: Es entwickelt sich viel Gutes in den Schwellenländern und an ihren Börsen: Investoren, die noch bis vor gut einem Jahr ihr Geld fernab der Emerging Markets angelegt haben, kehren nun massenhaft zurück. Und zwar so sehr, dass der Aktienindex MSCI Emerging Markets seit Jahresbeginn stärker an Wert gewonnen hat als Dax und Dow Jones. Und das will etwas heißen, haben die Börsenbarometer aus Deutschland und Amerika doch unlängst Rekordhochs erreicht.

          Nur Brasilien und Russland schwächeln weiterhin

          Von einer Aufholbewegung nach jahrelang schwachem Abschneiden ist die Rede. Manch ein Marktbeobachter spricht gar von „Enthusiasmus“ der Anleger, wenn es um die Schwellenländer geht. Die Zahlen bestätigen die Einschätzung: Allein in der ersten Augustwoche sind global 2,2 Milliarden Dollar in Schwellenländer-Aktienfonds geflossen – so viel Geld in so kurzer Zeit wie seit 2014 nicht mehr. Was treibt die Anleger, die ihr Geld plötzlich in jene Länder stecken, deren Lage in jüngerer Vergangenheit oft instabil war, die in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckten und deren Firmen sich hoch verschuldeten?

          Selbstverständlich suchen Anleger angesichts von mickrigen Zinsen nach guten Renditen. Dass aber die Schwellenländer derart in den Fokus gerückt sind, liegt an deren wirtschaftlicher Erholung. Das globale Wirtschaftswachstum macht vor ihnen nicht halt. Das Wachstum von durchschnittlich rund vier Prozent wird unterstützt durch einen wieder stärkeren Export, erhöhten privaten Konsum und wirtschaftlichen Reformen. Das Gewinnwachstum der Unternehmen in den Schwellenländern beschleunigt sich, von einem Zuwachs von 18 Prozent gehen Marktbeobachter aus. „Nur die schwächelnden Märkte in Brasilien und Russland passen nicht in die Entwicklung“, sagt Leigh Innes, Fachmann für Emerging-Markets-Portfolios bei der amerikanischen Investmentgesellschaft T. Rowe Price. Doch auch diese beiden Länder profitieren, nämlich vom inzwischen stabilen Ölpreis. Wegen des vorherigen Ölpreisverfalls waren Russland und Brasilien in eine Rezession gerutscht.

          Bild: F.A.Z.

          Hinzu kommt, dass sich die Verschuldung in vielen Ländern und ihren Firmen verlangsamt hat; selbst in China, wo die Kreditvergabe immer noch vergleichsweise hoch ist. Und auch die Befürchtung, Trump könnte mit seinen protektionistischen Ankündigungen ernst machen, erwiesen sich bislang als verfehlt. Selbst in Mexiko hat sich die Börse vom amerikanischen Wahlschock erholt und steht nun besser da als im vergangenen November. Zudem hat Trump bisher nichts von seinem Programm umsetzen können, was den Dollar stärken und die Währungen der Schwellenländer schwächen würde. Aber was passiert, wenn der Dollar steigt? „Wir schätzen, dass einige Schwellenländerbörsen bei einem stärkeren Dollar korrigieren dürften“, sagt Elke Schoeppl-Jost von der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank.

          Für Privatanleger empfehlen sich Indexfonds

          Wer als Privatanleger am Erstarken der Schwellenländer teilhaben möchte und sich von politischen Risiken und damit einhergehenden Kursschwankungen nicht schrecken lässt, für den empfiehlt sich als Einstieg ein Indexfonds (ETF). Solch ein ETF bildet einen gesamten Index ab und folgt dessen Wertentwicklung. Am gängigsten sind ETF auf den Index MSCI Emerging Markets, der auf dem Markt als Maßstab gilt. Darin sind aktuell 843 Unternehmen aus 24 Schwellenländern gelistet, der überwiegende Teil aus China und Südkorea; also zwei Staaten, die vom derzeitigen Säbelrasseln in Nordkorea-Konflikt unmittelbar betroffen sind. Zu den größten Einzelwerten zählen die Technologiekonzerne Samsung und Alibaba. Privatanleger können sich für den in Dollar aufgelegten ETF Comstage MSCI Emerging Markets (Isin: LU0635178014 ) mit seiner geringen Gebühr von 0,25 Prozent entscheiden. Gleichfalls zur Depot-Beimischung eignet sich der mit 0,2 Prozent etwas günstigere Amundi ETF MSCI Emerging Markets (Isin: FR0010959676 ).

          Seit 2000 hat der MSCI-Schwellenländerindex im Schnitt rund 9 Prozent jährlich an Wert gewonnen, jedoch bei starken Schwankungen. Im vergangenen Jahr erzielte er ein Plus von elf Prozent. Im kommenden Jahr wird sich die Zusammensetzung des Index leicht verändern, weil der Anbieter MSCI vor wenigen Wochen entschieden hat, nicht nur wie bisher chinesische Aktien, die in Hongkong oder Amerika notiert sind, zu berücksichtigen, sondern er auch A-Aktien vom Festland aufnimmt. Allerdings werden sie im Index nur ein Gewicht von 0,73 Prozent haben.

          Quelle: F.A.S.

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