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Finanzmarktprognosen : Wenn Trump Ernst macht

Was erlaube Trump? Dioe Frage stellen sich derzeit viele - in mehr als einer Hinsicht. Bild: AP

Die Anleger an den Finanzmärkten setzen derzeit darauf, dass der neue amerikanische Präsident ein klassisch-republikanisches Programm durchzieht. Doch was, wenn es wirklich schlimm kommt?

          In jüngster Zeit haben sich die Anleger an den Finanzmärkten mitunter merklich getäuscht. Gerade in großen Fragestellungen lagen sie daneben: der Abstimmung über den Brexit und die amerikanischen Präsidentschaftswahlen sowie die Folgen der tatsächlichen Ergebnisse. Kaum jemand räumt das so offen sein wie Achim Hammerschmitt, der Leiter der Vermögensverwaltung der Fürstlich Castell’schen Bank.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Man sei für den Fall der Wahl Trumps davon ausgegangen, dass der Dollar abwerten, die Aktienkurse deutlich sinken und die Anleihekurse steigen würden. Man habe sich auch in diese Richtung positioniert und die zinssensitiven REITs (liquide Immobilienfonds) verkauft und Gold gekauft.

          Die Bank dürfte mit dieser Positionierung kaum allein gewesen sein. So ist der Goldpreis trotz einer fundamental wenig günstigen Lage in den Wochen vor der Wahl um mehr als 6 Prozent gestiegen. REITs standen schon seit Anfang August im Abseits.

          Dass nicht sein kann, was nicht sein darf

          Ein Grund für die Fehleinschätzungen könnte in den Denkgewohnheiten von Analysten zu suchen sein, deren Aufgabe es ist, die Wahrscheinlichkeit von Szenarien einzuschätzen. Dabei halten sie sich an Modelle, die auf Erfahrungen aus der Vergangenheit beruhen. Wofür aber keine Erfahrungswerte vorliegen, das wird als „Fat-tail risk“ eingestuft: ein außerordentliches und eher unwahrscheinliches Ereignis, das aber im Falle des Eintretens starke Auswirkungen hat.

          Diese Auswirkungen sind dazu geeignet, die heile, weil berechenbare Welt der Finanzmärkte massiv zu stören. Es erscheint insofern rational, wenn auch nicht richtig, wenn die Finanzmärkte nach dem Eintreten eines Fat-tail-Risikos versuchen, die Welt wieder berechenbar zu machen und sich §3 des „Kölsche Jrundjesetz“ befleißigen: „Et hät noch immer jot jejange!“

          Wenn etwa Karsten Junius, Chefökonom der Schweizer Bank Sarasin schreibt, dass die ersten Personalentscheidungen und Kommentare aus dem Trump-Lager so aussähen, als wenn man zunächst eine klassische republikanische Politik zu erwarten hätte, so kann das durchaus richtig sein. Junius bringt auch durchaus stichhaltige Argumente: Trump sei nun erst mal „Auszubildender“.

          Wenn er frühzeitige Erfolge aufweisen möchte, sei er auf seine Partei angewiesen. Er brauche auch öffentlichkeitswirksame Erfolge, um seine Anhänger weiter zu euphorisieren und seine Kritiker zum Schweigen zu bringen.

          Es ist die am häufigsten geäußerte Auffassung: Es werde sich nicht allzu viel ändern. Auch Hammerschmitt erinnert an die Wahl Ronald Reagans im Jahr 1980, zu der es gewisse Parallelen gebe. Auch der habe am Ende auf die Berater gehört, die ihm die Partei an die Seite stellte. Das jüngste staatstragende Auftreten Trumps nähre derartige Hoffnungen.

          Trump ist nicht Reagan

          Dennoch bleibt die Frage offen: Ist dies nur der Versuch, ein „Fat-tail-risk“ beherrschbar zu machen? Für Joe Foster, Portfoliomanager und Stratege für die Gold-Fonds der amerikanischen Gesellschaft Van-Eck, überwiegen jedenfalls die Risiken, die sich durch die Wahl Trumps ergeben. „Die Märkte fokussieren sich einzig und allein auf den potentiell positiven Einfluss von Steuersenkungen und höheren Infrastrukturausgaben auf die Wirtschaft", sagt Foster. „Dieses Wunschszenario wird aber höchstwahrscheinlich nicht zur Realität werden.“

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