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Vermächtnis von Brexit : Europas Metropolen kämpfen um Londons Banker

„Tired of the fogs? Try the frogs!“: Paris wirbt nach dem Brexit bei Banken als Londons Nachfolger. Bild: Reuters

Nach dem Brexit wollen viele europäische Finanzplätze das neue London werden. Paris wirbt nun mit neuen Zahlen für sich. Bekommt Frankfurt nur die Krümel?

          Das Schaulaufen ist eröffnet, die Finanzplätze des europäischen Kontinents buhlen immer offener um die Brexit-Flüchtlinge aus der Londoner City. Die Lobbyorganisation der Finanzbranche in der französischen Hauptstadt, Paris Europlace, hat am Dienstag eine Studie vorgelegt, in der sie Paris als den führenden Finanzplatz von Kontinentaleuropa bezeichnet – und mit der sie sich vor allem gegenüber Frankfurt behaupten will. „Unser Finanzsektor ist am stärksten diversifiziert, und er ist solide.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Reglementierung ist robust und wettbewerbsfähig. Sie hat die Akteure vor den Turbulenzen der Krise geschützt“, sagte der Präsident von Paris-Europlace, Gérard Mestrallet, vor der Presse in Paris. Selbst für das sonst gescholtene Steuer- und Arbeitsrechtssystem findet der Manager, der hauptberuflich Präsident des Energiekonzerns Engie ist, lobende Worte: „Entgegen der verbreiteten Annahme, ist das Fiskalregime für Unternehmen und für die Individuen günstig. Beim Arbeitsrecht haben die Reformen der jüngeren Zeit mehr Flexibilität gebracht, auch wenn neue Fortschritte notwendig sind.“

          Paris-Europlace hat seine Studie in Zusammenarbeit mit einer Beratungsgesellschaft erarbeitet, die nicht genannt werden will; dem Vernehmen nach war es McKinsey. Danach werden 12 Kriterien für die Bewertung der Finanzplätze angelegt, darunter die Börsenkapitalisierung, die Zahl der gelisteten Unternehmen, Anleiheemissionen, Rohstoff- und Derivatehandel, die Höhe der verwalteten Vermögen, Stand der Beschäftigung sowie Ausbildung und Forschung.

          Paris ist Frankfurt überlegen

          Bis auf 2 Kriterien stuft sich Paris in allen Einzelbewertungen als überlegen gegenüber Frankfurt ein. Nur beim Handel mit Derivaten sowie bei der Größe der jeweiligen Volkswirtschaft gesteht Paris-Europlace Frankfurt den Spitzenplatz zu. Bei der Börsenkapitalisierung bedient sich die Organisation allerdings eines Kunstgriffs. Zu dem Wert der in Paris gelisteten Aktiengesellschaften addiert sie den der anderen Euronext-Mitgliedsbörsen Brüssel, Amsterdam und Lissabon – Paris sei „das Zugangstor“ zu diesen Märkten.

          Ansonsten betonen die Franzosen, dass im Großraum Paris mit seinen 12 Millionen Einwohnern viele französische und ausländische Konzerne mit ihren Haupt- oder Europa-Sitzen vertreten seien – anders als in der „reinen Bankenstadt“ Frankfurt. „Ein hoher Vertreter einer japanischen Bank sagte mir kürzlich, in Frankfurt treffe ich auf meine Konkurrenten, in Paris auf meine Kunden“, berichtete der Paris-Europlace-Geschäftsführer Arnaud de Bresson. Die französischen Banken, von denen, gemessen an der Bilanzsumme, vier zu den größten sechs kontinentaleuropäischen Instituten gehören, stärkten den französischen Finanzplatz zusätzlich. In Paris träfen die Unternehmen auch auf eine ausgereifte Szene von Fondsmanagern. Mit einem verwalteten Vermögen von 3600 Milliarden Euro sei Paris die Nummer eins.

          Für Deutschland geben die Pariser zum Vergleich ein verwaltetes Fondsvermögen von gerade einmal 1600 Milliarden Euro an, was sich allerdings nicht mit den Angaben des deutsche Branchenverbands BVI deckt – dort war für 2015 von 2600 Milliarden Euro die Rede.

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