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Teure Leistung : Höhere Gebühren für Bankkarten und Überweisungen

Für die Kunden zahlreicher Banken und Sparkassen steigen in diesen Tagen die Gebühren deutlich an. Bild: dpa

Weil sie Negativzinsen schwer weitergeben können, drehen viele Banken und Sparkassen nun an der Gebührenschraube.

          Für die Kunden zahlreicher Banken und Sparkassen steigen in diesen Tagen die Gebühren rund um das Girokonto. „Es lohnt sich, da genau hinzuschauen“, sagt Sigrid Herbst von der FMH-Finanzberatung, die bundesweit Bankkonditionen verfolgt.

          Es scheint dabei vor allem drei Fälle von Gebührenerhöhungen zu geben: Eine erste Gruppe von Instituten hebt die jährlichen Kontoführungsgebühren für das Girokonto unmittelbar an oder stellt die Kontomodelle so um, dass damit indirekt eine Gebührenerhöhung verbunden ist.

          Eine zweite Gruppe verlangt für bestimmte Überweisungen – etwa am Selbstbedienungsterminal in der Filiale – Gebühren, die es bislang für den jeweiligen Kontotyp nicht gab. Und eine dritte Gruppe nimmt jetzt eine jährliche Gebühr für die Bankkarte (früher: EC-Karte) oder hebt die Gebühren für Kreditkarten an.

          Die Sparda-Bank West in Essen beispielsweise sorgte im Ruhrgebiet gerade für Schlagzeilen, weil sie zum 1. April eine Gebühr für die Bankkarte des bist dato unentgeltlichen Girokontos einführt. Für die Karte zahlen die Kunden künftig zehn Euro im Jahr. Sie ist damit allerdings nicht die einzige, wie die einschlägigen Vergleichstabellen im Internet zeigen.

          Die Sparda-Bank in Berlin war die erste, die nach der Einführung der negativen Einlagenzinsen durch die Europäische Zentralbank ihre Kunden angeschrieben und verkündet hatte, das mache zu ihrem Bedauern einige Anpassungen der Gebühren notwendig. Unter anderem gibt es dort seither das früher gebührenfreie Girokonto nur noch für Genossenschaftsmitglieder, die Bankkarte kostet extra. Und die Kreditkarte wurde teurer.

          „Preisanpassung“

          Bei den Sparkassen gab es zuletzt mehrere Fälle, in denen die Gebühren für das Girokonto deutlich erhöht wurden. Zum Teil war das verbunden mit einer Umstellung der Kontomodelle, die das Ganze etwas weniger leicht durchschaubar macht. Im westfälischen Halle beispielsweise hat die Kreissparkasse die Kontomodelle zum Januar umgestellt, das „Haller Kreisblatt“ hat das einmal durchgerechnet und kommt auf eine Gebührenerhöhung um 30 Prozent für die Standard- und 10 Prozent für die Online-Variante.

          Am Niederrhein hebt die Sparkasse Kleve laut „Westdeutscher Allgemeiner Zeitung“ die Gebühren für das klassische Privatgirokonto („Giro flat“) zum 1.April um 34 Prozent an. Und auch die Sparkasse in Leipzig hat zu diesem Termin neue Kontomodelle mit zusätzlichen Leistungen, aber auch höheren Gebühren („Preisanpassungen“) angekündigt.

          Für einige Irritationen sorgte die Gebührenanhebung der Sparkasse im ostwestfälischen Gütersloh. Dort kostet die Basiskreditkarte „Silber“ künftig 42 Euro im Jahr statt bisher 30 Euro, und die Kreditkarte „Gold“ 84 Euro. Weil die Sparkasse es versäumt hatte, alle Kunden rechtzeitig zu benachrichtigen, musste die Gebührenerhöhung offenbar vom Jahreswechsel auf Februar verschoben werden.

          Als einen Grund für höhere Kartengebühren nennen Banken dabei auch die gesetzliche Deckelung derjenigen Gebühren, die sie selbst vom Handel verlangen können, wenn Kunden dort ihre Einkäufe mit Kredit- oder Bankkarte bezahlen. Diese Entgelte waren im vergangenen Jahr in ganz Europa auf maximal 0,2 Prozent für Bankkarten und 0,3 Prozent für Kreditkarten begrenzt worden.

          Gebühren steigen deutlich

          Übereinstimmend berichten die Internetportale Biallo und FMH zudem davon, dass einige Sparkassen jetzt Gebühren für Überweisungen am Selbstbedienungsterminal nähmen, die sie früher nicht erhoben hätten. Andere Institute hätten diese Gebühren angehoben. Zum Teil kosteten solche Überweisung nicht wenig: Die Stadtsparkasse Wuppertal etwa verlange 1,90 Euro, die Sparkasse Augsburg 1,50 Euro; jeweils zumindest bei bestimmten Kontomodellen.

          Bereits Ende vorigen Jahres hatten einige private Banken die Gebühren fürs Geldabheben von Fremdkunden an ihren Geldautomaten deutlich angehoben, darunter die Deutsche Bank (3,95 Euro statt 1,95 Euro) und die Commerzbank (3,90 Euro statt 1,95 Euro).

          Alternative Bank wird beschimpft

          Unmittelbar negative Zinsen für Privatkunden hat in Deutschland nur die Skatbank im thüringischen Altenburg eingeführt, und auch das nur für sehr große Beträge. Für Firmenkunden ist das stärker verbreitet. In der Schweiz nimmt die Alternative Bank in Olten (Kanton Solothurn) mit Filialen in Zürich, Genf und Lausanne seit dem Jahreswechsel auf ihrem Alltagskonto auch von Privatkunden 0,125 Prozent Negativzinsen für Einlagen bis 100.000 Franken, bei größeren Einlagen 0,75 Prozent.

          Sie musste mit Beschimpfungen und dem Abzug von Geldern leben. Die GLS Bank in Deutschland, die ähnlich aufgestellt ist, will ihr darin nicht folgen. Stattdessen hat sie am Dienstag angekündigt, die Einführung eines „Grundsolidarbeitrags“ zu prüfen – einer monatlichen Gebühr für Sparer, die nicht direkt von der Höhe der Einlagen abhängt, in einer Größenordnung von 5 bis 15 Euro.

          Quelle: F.A.Z.

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