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Geldanlage : Wie viel Risiko halte ich aus?

Wer nicht der Typ dazu ist und trotzdem Risiken eingeht, bekommt Schweißausbrüche und kann nicht mehr schlafen. Bild: Thilo Rothacker

Alle raten dazu, Aktien zu kaufen. Zu Recht. Doch wer sich an die Börse wagt, sollte vorher seine Nervenstärke testen. Aber wie kommt man zu einem aussagekräftigen Ergebnis?

          „Das soll fürs Alter sein. Sicher soll es sein. Und sich gut verzinsen.“ Das ist in etwa die Standardantwort eines Deutschen, wenn er dem Anlageberater in der Bank die Wünsche für seine Geldanlage formuliert. Früher, in normalen Zinszeiten, war das machbar. Doch heute, wo Bundesanleihen nur noch 0,3 Prozent Rendite im Jahr abwerfen, nicht mehr. Irgendeines der Ziele bleibt nun auf der Strecke. Soll es weiter sehr sicher sein, kommt für die Altersvorsorge nicht genug Geld zusammen. Soll es aber fürs Alter reichen, muss mehr Rendite her. Das geht aber nur mit riskanteren Geldanlagen wie zum Beispiel Aktien.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Anleger steckt im Dilemma. Ist er bereit zu mehr Risiken? Die Frage ist schwierig zu beantworten, aber wichtig. Denn sieht er sich als Angsthase, muss er auf Bundesanleihen oder Bausparverträge, Lebensversicherungen, Fonds mit Garantieversprechen und Riester-Rentenverträge vertrauen. Die verlangen üppige Gebühren und werfen wenig Gewinn ab. Geht er aber ins Risiko, obwohl er gar nicht der Typ dazu ist, bekommt er Schweißausbrüche und kann nicht mehr schlafen, wenn die Aktienkurse mal um zehn Prozent fallen. Beides ist irgendwie nicht optimal.

          Tests im Internet sind zu abstrakt

          Es kann also viele Euro kosten oder bringen, wenn man seine Bereitschaft, Risiken einzugehen, gut einschätzen kann. Doch wie geht das? Der Berater in der Bank macht das mit einem Fragebogen. Die Einschätzung ist im Zweifel aus rechtlichen Gründen eher zu konservativ, denn entstehen Verluste durch Falschberatung, haftet die Bank. Auf der anderen Seite wollen sich manche Kunden gegenüber Fremden oder auch Freunden nicht als zu ängstlich darstellen.

          Daher haben die anonymen Tests im Internet ihre Vorteile, die Befragten können ehrlicher sein. Manche Online-Tests sind aber sehr simpel. Die Frage „Wie viel Risiko sind Sie bereit einzugehen?“ und Antwortmöglichkeiten von null, minus 10 oder minus 20 Prozent Wertverlust helfen nicht viel weiter. Das ist zu abstrakt, niemand kann sich vorstellen, wie sich das anfühlt. Im Zweifel würden Anleger sich als risikofreudig einschätzen und trotzdem panisch werden, wenn die Kurse mal um zehn Prozent fallen.

          Anfänger schätzen sich falsch ein

          Klassisch wird gefragt: „Wie viel Prozent Verlust sind Sie im Notfall bereit zu tragen, wenn Sie zehn Prozent Gewinn erzielen können?“ Die meisten antworten darauf, dass sie die Hälfte des möglichen Gewinns als Verlust akzeptieren könnten. Aber auch hier reichen abstrakte Rechnungen nicht aus. Die Antworten werden gewöhnlich noch mit dem Erfahrungsschatz der Anleger abgeglichen.

          Wer niemals Aktien gekauft hat, aber behauptet, 20 Prozent Kursverlust ertragen zu können, dem wird nicht geglaubt, weil er nicht weiß, wie sich das anfühlt. Hinzu kommen Kontrollfragen, die die sogenannte „Ambiguität“ überprüfen. Sie fragen, ob der Anleger zu Geschäften bereit ist, bei denen er kein Gefühl hat, wie hoch die Gewinnchance ist: „Aktien können 30 Prozent gewinnen oder verlieren. Gehen Sie das Risiko ein?“ Wer hier ja sagt, neigt zu Risikofreude.

          Sparziele mit Wahrscheinlichkeiten verknüpfen

          Manche Online-Banken und Finanz-Start-ups (Fintechs) wie Investify, Scalable Capital oder Whitebox versuchen es auf die emotionale Art. Da wird dann gefragt: „Machen Sie schon kleine Verluste nervös?“ oder „Belastet Sie die Gefahr stark, einen Teil Ihres Vermögens zu verlieren?“ Hier können sich die Menschen leichter einsortieren. Aber noch besser ist es, die konkreten Folgen von Kursverlusten in Euro vorzurechnen. „Können Sie es ertragen, wenn Ihr Vermögen am Jahresende um 10000 Euro geschrumpft ist?“ Da wird mancher Anleger, der sich zunächst als nervenstark gab, doch etwas vorsichtiger.

          Noch besser ist es, konkrete Sparziele mit Wahrscheinlichkeiten zu verknüpfen: „Wenn Sie in Aktien investieren, werden Sie genug Geld ansparen, um die in fünf Jahren geplante Weltreise mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent verwirklichen zu können. Ist es das wert, dafür die Risiken und Schwankungen von Aktien einzugehen? Wenn Sie eine höhere Wahrscheinlichkeit wollen, kann es nur eine kleinere Weltreise werden. Was ist Ihnen lieber?“ Wenn man sich das gut überlegt, bekommt man ein Gefühl für die eigene Risikobereitschaft.

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