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Veröffentlicht: 12.06.2017, 12:25 Uhr

Geldirrtümer Keine Angst vor Aktien!

Statt nur Risiken zu bergen, kann die Investition in Aktien auch große Vorteile bringen. Wer etwas Zeit mitbringt, kann damit nicht viel falsch machen.

von Christoph Kaserer
© Getty Die langfristigen Risiken einer diversifizierten Aktienanlage werden überschätzt – und ihre Vorteile unterschätzt.

Trotz der aktuellen Debatte um die Stärkung der privaten Altersvorsorge muss man festhalten, dass diese in Deutschland ein Schattendasein führt. Andere Länder, etwa die Niederlande, die Schweiz oder Großbritannien, haben in großem Umfang ein kapitalgedecktes Altersvorsorgesystem aufgebaut. Erschwerend kommt hinzu, dass hierzulande private Altersvorsorge in erheblichem Umfang der Staats- und Bankenfinanzierung dient, weil der überwiegende Anteil der Ersparnisse in Staatsanleihen und Pfandbriefen angelegt wird.

Es wird in diesem Zusammenhang oft argumentiert, dass die Abneigung der Deutschen gegenüber einer Aktienanlage kulturelle Hintergründe habe und in einer hohen Risikoaversion begründet sei. Dieses Argument ist wenig überzeugend. Denn dabei wird übersehen, dass es für die niedrige Aktienquote bei Pensionskassen und Lebensversicherungen regulatorische Gründe gibt. Und mit der Schweiz und den Niederlanden haben wir zwei Nachbarn, bei denen die Altersvorsorge zu einem erheblichen Teil auf Aktienanlagen beruht.

Der vermeintliche kulturelle Unterschied zu diesen Ländern besteht wohl vor allem darin, dass wir es hierzulande seit vielen Generationen (genau genommen seit den Bismarckschen Sozialreformen) – gewohnt sind, dass sich der Staat um unsere Krankheits- und Altersvorsorge kümmert. Als Folge haben große Teil der Bevölkerung über die Jahrzehnte jegliches Interesse – und damit auch Verständnis – für die Geschehnisse auf den Kapitalmärkten verloren.

Vorteile werden unterschätzt

Dies ist vielleicht ein Teil der Erklärung, warum es hierzulande ein Misstrauen gegenüber Aktienmärkten gibt. Zumeist wird dies mit den überaus hohen Risiken dieser Märkte begründet, weshalb sie allenfalls für kurzfristige Spekulation, nicht aber für Zwecke der Altersvorsorge geeignet seien. Genau das Gegenteil ist aber richtig: Die langfristigen Risiken einer diversifizierten Aktienanlage werden überschätzt – und deren Vorteile unterschätzt.

Erstens: Aktienmärkte sind in der Tat hohen Kursschwankungen ausgesetzt. Dies wird einer breiteren Öffentlichkeit immer dann bewusst, wenn es zu krisenhaften Erscheinungen kommt und die Kurse innerhalb von wenigen Tagen um 10 oder gar 20 Prozent fallen. Auch auf Jahresbasis betrachtet, gibt es eine sehr hohe Volatilität. So hatten wir in Deutschland seit 1954 immerhin elf Jahre, in denen die Kurse des Gesamtmarktes um mehr als 10 Prozent gefallen sind. Das schlimmste Jahr war 2008, als die Kurse um knapp 40 Prozent fielen; das beste Jahr war 1954, als sie um 85 Prozent stiegen. Auch vergeht kein Jahrzehnt, in dem es nicht zu einer Krise am Aktienmarkt kommt. In den 2000er Jahren hatten wir sogar zwei große Krisen: das Platzen der Internetblase von 2001 an und die Finanzmarktkrise 2008/09.

So (ver-)störend diese Krisen für Anleger sein mögen, so unerheblich sind sie auf die lange Frist. Was viel mehr zählt, ist Folgendes: Seit 1954 hat es in Deutschland noch nie einen dreißigjährigen Zeitraum gegeben, in denen man mit einer Aktienanlage weniger verdient hätte als mit einer Anlage in langfristige Staatsanleihen. Und es gab auch nur einen einzigen 25-jährigen Zeitraum, in dem die Aktienanlage tatsächlich schlechter abschnitt als ein Staatsanleiheportfolio.

Langfristig selten schlechter als Staatsanleihen

Für die Vereinigten Staaten, wo man über längere Zeitreihen verfügt, ist das Bild ähnlich. Seit dem Jahr 1928 gab es weder einen 30- noch einen 25-jährigen Zeitraum, in denen Aktien schlechter abgeschnitten hätten als langfristige Staatsanleihen. Und selbst bei einem 20-jährigen Zeitraum findet sich lediglich ein einziger Einstiegszeitpunkt, bei dem es am Aktienmarkt zu einer schlechteren Rendite kam als mit Staatsanleihen.

Selbstverständlich bedeutet dies nicht, dass man mit Sicherheit davon ausgehen kann, über einen 25- oder 30-jährigen Zeitraum in jedem Fall besser abzuschneiden als mit dem Erwerb einer Staatsanleihe. Japan ist ein Beispiel dafür, dass dies durchaus passieren kann. Aber empirisch betrachtet, ist die Wahrscheinlichkeit dafür extrem niedrig.

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