01.02.2010 · Die meisten Deutschen sind bereit, für eine neutrale Finanzberatung ein Honorar zu bezahlen. Mehr als 50 Euro will aber kaum jemand ausgeben. Das zeigt eine am Montag veröffentlichte repräsentative Umfrage der Innofact AG.
Die meisten Deutschen sind bereit, für eine neutrale Finanzberatung ein Honorar zu bezahlen. Wie aus einer am Montag veröffentlichten repräsentativen Umfrage der Innofact AG im Auftrag der Beratungsgesellschaft BBDO Consulting hervorgeht, gaben die meisten Befragten jedoch an, weniger als 50 Euro als einen fairen Preis für eine umfassende Finanzberatung anzusehen.
"Für die Finanzdienstleister, die sich vom Provisions- zum Gebührenmodell entwickeln wollen, ist es offenbar noch ein langer Weg", sagt Adel Gelbert, Partner und Geschäftsführer von BBDO Consulting in München.
Anlageberatung ist nie kostenlos
Es habe sich über Jahrzehnte hinweg der Eindruck festgesetzt, Bankberatung sei etwas Kostenloses. "Diese Einschätzung wird sich so schnell wohl nicht ändern, auch wenn in der Umfrage ein deutlich größeres Misstrauen gegenüber Banken geäußert wurde als noch vor der Finanzkrise."
Dass die Bankberatung auch schon heute nicht kostenlos ist, weil die Banken am Verkauf der Finanzprodukte über Provisionen kräftig verdienen, will das Bundesverbraucherschutzministerium künftig noch deutlicher machen. In der am Montag vorgelegten Bilanz nach 100 Tagen in der schwarz-gelben Koalition nennt das Ministerium von Ilse Aigner (CSU) im Bereich Verbraucherrechte die Qualitätsoffensive Verbraucherfinanzen an erster Stelle. Ziel sei unter anderem die Neuregelung des Vermittlerrechts, damit der Kunde immer wisse, wer ihm gegenübersitzt: ein unabhängiger Berater, der gegen Honorar arbeitet und keine Provision erhält, oder ein Verkäufer, der vom Verkauf eines Finanzprodukts profitiert. Neben dieser Klarstellung sei es auch nötig, die Vertriebs- und Anreizsysteme klar der kundengerechten Beratung unterzuordnen. Provisionen seien nichts Verwerfliches, dürften aber nicht das Hauptmotiv für eine Anlageempfehlung sein.
Unabhängige Berater gegen provisionsgetriebene Verkäufer
Das Ministerium sieht sich in seinen Vorhaben durch eine Studie der Zeitschrift "Finanztest" bestätigt, die in ihrer Januar-Ausgabe eklatante Mängel in der Anlageberatung festgestellt hatte. Die Tester hatten in 21 Banken und Sparkassen 147 Beratungsgespräche geführt. Die beste vergebene Note war eine 3,4, die meisten Banken wurden mit ausreichend, zwei auch mit mangelhaft bewertet. Es habe "krasse Fehlleistungen" in der Beratung gegeben. Elementare Fragen zur Person, die das Wertpapierhandelsgesetz vorschreibt, seien vielfach nicht gestellt worden. Die Empfehlungen der Berater passten in der Regel nicht zu den geäußerten Wünschen der Tester. Die meisten Banken empfahlen zudem komplizierte und teure Produkte des eigenen Hauses. Bei diesen Produkten verdienen Bank und Berater am meisten.
Eine unabhängige Finanzberatung gegen Honorar verordnen möchte das Ministerium bislang dennoch nicht. "Ich habe noch ein klein bisschen Hoffnung, dass sich die Finanzbranche von selbst bewegt", sagte Verbraucherschutzministerin Aigner in einem Gespräch mit dem "Rheinischen Merkur": "Wir bereiten uns aber natürlich auf weitere Schritte vor." Auch auf europäischer Ebene würden Vorbereitungen getroffen. Der Kunde erkenne bislang noch nicht, dass die vermeintlich kostenlose Beratung auch jetzt schon nicht kostenlos sei, sondern im Hintergrund über andere Mechanismen finanziert werde.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |