15.07.2005 · Steuerschlupflöcher, die Anleger in geschlossenen Fonds gerne genutzt haben, werden zunehmend verstopft. Einige dieser Fonds sind daher regelrecht eingebrochen. Geschlossene Fonds werden daher zu „ganz normalen Anlageobjekten“.
Das erste Halbjahr 2005 ist für die Initiatoren geschlossener Fonds mehr als enttäuschend verlaufen: Das Volumen der Plazierungen ist nach Zahlen des Analysehauses Scope um rund 12 Prozent hinter dem Vorjahresergebnis zurückgeblieben. Immobilienfondsinitiatoren plazierten rund 18 Prozent weniger Eigenkapital als im Vorjahreszeitraum, bei Schiffsfonds waren es 20 Prozent weniger und Medienfonds brachen mit einem Minus von 40 Prozent regelrecht ein. Ursachen dieser Entwicklung sind nicht nur die rechtliche Unsicherheit bezüglich der zukünftigen steuerlichen Behandlung dieser Produkte und institutionelle Sonderfaktoren, sondern auch die Tatsache, daß es den Initiatoren solcher Fonds immer schwerer fällt, attraktive Anlageobjekte für ihre Anleger zu finden.
Dazu trägt bei, daß der Gesetzgeber zunehmend die Steuerschlupflöcher verstopft, welche die Anleger in geschlossenen Fonds gerne genutzt haben: Bei einem Grenzsteuersatz von mehr als 40 Prozent wurden sogar Anlageobjekte, die, renditetechnisch betrachtet, eher fußlahm waren, in der Nachsteuerbetrachtung zum Rennpferd - zumindest auf dem Papier. "In den Zeiten der Steuersparmodelle haben sich viele Objekte von selbst gerechnet - jetzt müssen die Fondsinitiatoren nach echter Vorsteuerrendite suchen", sagt Frank Heimsaat, Analyst im Bereich Geschlossene Fonds der Scope Group.
Deutsche Immobilien kaum zu vermitteln
Hinzu kommt laut Heimsaat, daß auf vielen traditionellen Märkten der geschlossenen Fonds die guten Investitionsobjekte zusehends knapp werden: "Auf dem amerikanischen Immobilienmarkt sind die Preise mittlerweile sehr hoch - dadurch fällt es den Initiatoren schwer, ein attraktives Produkt zu lancieren", erklärt er. Deutsche Immobilien hingegen seien schon aufgrund ihres derzeit eher negativen Rufs beim Vertrieb derzeit kaum zu vermitteln. Auch auf dem Markt für gebrauchte Lebensversicherungen und auf dem Markt für Schiffsbeteiligungen würden die Anlagemöglichkeiten rarer, sagt Heimsaat: "Unter Nachhaltigkeitsaspekten sind die Charterraten und damit die Preise für Schiffe mittlerweile zu hoch", erklärt er.
Damit sei bei den Anbietern geschlossener Fondsmodelle die Zeit der Spezialisten angebrochen, meint Peter Kastell vom Analysehaus Fondsmedia: "Die Akquise ist in den traditionellen Märkten sehr schwer geworden, sie müssen auch in alternative Märkte ausweichen, wenn sie attraktive Objekte finden wollen." Im Zuge dieses Prozesses setzen sich die guten Anbieter, welche die Erfahrung und die Expertise haben, solche Objekte zu finden, immer deutlicher von den schlechten Anbietern ab, deren Geschäftsmodell lediglich in der Vermittlung von Steuersparmöglichkeiten bestand. "Geschlossene Fonds werden ganz normale Anlageobjekte, die sich zunehmend besser mit anderen Anlageformen vergleichen lassen - und sich damit einem stärkeren Wettbewerb stellen müssen", erklärt Kastell. Besonders schlimm erwische der Wegfall des Steuerspararguments die Medienfonds, glaubt er: "Ohne Steuervorteil geben sich sogar die Initiatoren dieser Fonds selbst kaum eine Zukunft", meint er.
„Schlußverkauf“ nach der Wahl?
Doch der Einbruch in den Plazierungszahlen im ersten Halbjahr ist auch auf Sonderfaktoren zurückzuführen: Zum einen waren viele Initiatoren im ersten Halbjahr noch nicht am Markt, weil sie an Prospekten feilten, die nach der neuen Prospektrichtlinie ab dem 1. Juli der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) vorgelegt werden müssen. Zum anderen hat die Diskussion um die rückwirkend beabsichtigte Einschränkung der Verlustzuweisungsmöglichkeiten das Geschäft mit den geschlossenen Fonds stark beeinträchtigt. Sowohl Heimsaat als auch Kastell rechnen aber damit, daß das Geschäft zum Ende des Jahres noch einmal anziehen wird: Sobald feststeht, daß auch eine mögliche neue Regierung die Steuervorteile dieser Produkte beerdigen wird, dürfte ein allerletzter Schlußverkauf stattfinden. Danach wird die Ära steuerlich verzerrter Investitionsentscheidungen zumindest in diesem Segment weitgehend beendet sein.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |