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Geldanlage Fondsgesellschaften an Wall Street trotzen dem Skandal

22.01.2004 ·  Trotz des sich ausweitenden Skandals um unlautere Handelsmethoden und Interessenkonflikte haben amerikanische Fondsgesellschaften im vergangenen Quartal offenbar gute Geschäfte gemacht.

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Trotz des sich ausweitenden Skandals um unlautere Handelsmethoden und Interessenkonflikte haben amerikanische Fondsgesellschaften im vergangenen Quartal offenbar gute Geschäfte gemacht. William Katz, Analyst bei der Buckingham Research Group, rechnet damit, daß der Gewinn bei börsennotierten Fondsgesellschaften im vierten Quartal durchschnittlich um über 25 Prozent gestiegen ist.

Das resultiert aus einem erwartet kräftigen Anstieg von Umsatz und verwaltetem Vermögen. Selbst Fondsgesellschaften, die wie Alliance Capital und Janus Capital stark in den Skandal verstrickt waren, sagen Fachleute ein zweistelliges Gewinnwachstum voraus. Ein Grund dafür ist die Kurserholung an der Börse, die für Wachstum des verwalteten Vermögens und entsprechend höhere Gebühreneinnahmen sorgte. Zudem wuchs mit steigenden Aktienkursen auch das Vertrauen der Privatanleger in den Aktienmarkt. Trotz des Skandals verfielen die Anleger nicht in Panik, sondern investierten insgesamt mehr Geld in Aktienfonds. Einzig Fondsgesellschaften, die wegen unsauberer Praktiken am Pranger stehen, verbuchten Abflüsse.

„Verrat an der treuhänderischen Verantwortung“

"Obwohl die Skandale ein Verrat an der treuhänderischen Verantwortung der Unternehmen sind, ist das aus Sicht der Privatanleger nicht mit dem Verlust des gesamten Depotwerts in einem Debakel wie Enron zu vergleichen", sagt Rosanne Pane, Analystin beim Finanzinformationsdienst Standard & Poor's, mit Verweis auf die Insolvenz des großen Energiehändlers Enron vor etwas mehr als zwei Jahren. "Aktien sind für die Leute weiter attraktiv, wenn die Kurse steigen", resümiert Pane.

Der Skandal weitet sich dessenungeachtet aus. Zunächst ging es bei den Ermittlungen der Behörden um unlautere Handelsmethoden wie Späthandel oder Market-Timing. Beim illegalen Späthandel ermöglichten die Fonds bevorzugten Kunden noch nach Börsenschluß zum Preis des Vortages zu handeln, obwohl das den meisten Anlegern verwehrt war. Beim Market-Timing nutzten Anleger Preisunterschiede auf internationalen Finanzmärkten aus. Sie handelten deswegen häufig mit den Fondsanteilen, was gegen die Statuten der meisten Fondsgesellschaften verstieß.

SEC will neue Regeln

Kürzlich eröffnete die Börsenaufsicht SEC noch eine weitere Front. Sie wirft Fondsgesellschaften vor, Anleger nicht über Zahlungen an Wertpapierhäuser informiert zu haben, damit diese ihre Fondsanteile bevorzugt vertreiben. Die SEC will neue Regeln verabschieden, die einen Verhaltenskodex für Fondsgesellschaften und verschärfte Offenlegungspflichten für bestimmte Angestellte von Fonds vorsehen.

Der Fondsskandal wird zudem im Kongreß heiß diskutiert. Allerdings ist nicht klar, ob es zu verschärften Gesetzen kommen wird. Im Senat werden zwar Gesetzesvorschläge vorbereitet. Die werden aber möglicherweise nicht eingebracht, solange die SEC die Angelegenheit im Griff zu haben scheint. Das Repräsentantenhaus hatte im vergangenen Jahr bereits einen Reformkatalog verabschiedet, der die Offenlegungspflichten für Fonds erhöhen und die Unabhängigkeit der Verwaltungsräte stärken würde. Die SEC hat jüngst ähnliche Regeln eingeführt. Im Senat werden zusätzlich Strafen für Fondsbetrug und die Schaffung einer speziellen Aufsicht für Fondsgesellschaften diskutiert, die die SEC ergänzen würde. Für die Verabschiedung eines Gesetzes muß der gesamte Kongreß, also Senat und Repräsentantenhaus, einem Vorschlag zustimmen.

Außergerichtliche Vergleiche

Einige Fondsgesellschaften haben die Vorwürfe inzwischen durch außergerichtliche Vergleiche mit den Behörden beigelegt. Alliance Capital hatte sich wegen der Vorwürfe unlauterer Handelsmethoden im vergangenen Monat mit dem New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer und der SEC verglichen.

Alliance will 250 Millionen Dollar zurückerstatten und für mindestens fünf Jahre die Gebühren senken. Trotz einer dadurch bedingten Sonderbelastung im Quartal erwarten Analysten ein Gewinnwachstum von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach Angaben der Gesellschaft hatten Anleger im November und im Dezember Geld abgezogen. Bei Janus, wo wegen ähnlicher Vorwürfe im Oktober und November Milliardenbeträge abgeflossen waren, rechnen Investoren mit einem Gewinnwachstum um 25 Prozent. Die Gesellschaft hatte im Dezember die Rückerstattung von 31,5 Millionen Dollar an Investoren bekanntgegeben, die unter Market-Timing gelitten haben. Auch Invesco, die in Deutschland stark präsente Sparte der angloamerikanischen Fondsgesellschaft Amvescap, strebt einen Vergleich mit Spitzer und der SEC an. Die Behörden werfen Invesco vor, massiv ein System betrieben zu haben, in dem sie bevorzugten Kunden den häufigen Handel mit Fondsanteilen ermöglichten.

Anleger investieren in sauber gebliebene Gesellschaften

Fondsgesellschaften, die nicht von dem Skandal betroffen sind, profitieren stärker, weil Anleger bevorzugt in sauber gebliebene Gesellschaften investieren. Die Fondsgesellschaft Legg Mason aus Baltimore etwa steigerte ihren Gewinn im vergangenen Quartal aufgrund des stark gestiegenen Verwaltungsvolumens um 69 Prozent. Für den ebenfalls in Baltimore ansässigen Fondsanbieter T. Rowe Price prognostizieren Analysten ebenfalls eine Steigerung des Quartalsgewinns um über 40 Prozent.

Trotz des allgemeinen Optimismus für die Branche rechnen Fachleute zukünftig mit einer leichten Dämpfung der Wachstumsraten aufgrund der Kosten, die durch die Ermittlungen der Aufsichtsbehörden und ein schärferes Regelwerk verursacht werden. Für Generalstaatsanwalt Spitzer ist das Engagement gegen Mißbrauch an der Wall Street indes nicht unbedingt ein Freifahrschein für den nächsten Karriereschritt. Spitzer, der sich als Anwalt der Kleinanleger profiliert und die Ermittlungen gegen die Fonds angestoßen hatte, gilt als interessiert am New Yorker Gouverneursposten. Bisher wurden ihm gute Chancen für die 2006 anstehende Wahl eingeräumt. Bei einer Umfrage unter Mitgliedern der demokratischen Partei favorisierte die Mehrheit der Befragten aber den derzeitigen New Yorker Senator Charles Schumer. Nur 29 Prozent sprachen sich für Spitzer aus. Schumer hat bisher kein Interesse angemeldet und befindet sich im Wahlkampf um die Wiederwahl für den Senat. Spitzer hat offiziell auch keine Kandidatur angemeldet. Aber er hat bereits ein Komitee gegründet, das Spenden für den Wahlkampf sammeln soll.

Quelle: nks., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.01.2004, Nr. 19 / Seite 19
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