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Geld für den Nachwuchs Sparplan schützt nicht vor schlechtem Timing

23.12.2005 ·  Sparpläne haben vor allem den Vorteil, daß sich auch bei geringer Liquidität Vermögen aufbauen läßt. Da für gibt es allerdings weniger Rendite. Und wie bei Einmalanlagen hängt auch hier viel vom rechten Einstigeszeitpunkt ab.

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Wenn es darum geht, Anleger zum Investieren in Fonds zu bewegen, war die Branche schon immer erfinderisch. Nicht jeder hat genügend Mittel auf der hohen Kante, um sie in einen Fonds umzuplazieren. Doch bekanntlich macht ja auch das berühmte Kleinvieh Mist.

Daher haben die Fondsgesellschaften die Sparpläne erfunden, die das Sparen in fonds ermöglichen soll, analog zum heimischen Porzellanschweinchen, aber wesentlich mehr Rendite abzuwerfen verspricht.

Entscheidend ist das Verhältnis zum Durchschnittspreis

Argumentiert wird dabei gern mit dem sogenannten Cost-Average-Prinzip (Durchschnittskostenmethode). Damit könne der Anleger Preisschwankungen der Anteilwerte vorteilhaft ausnutzen. Bei gleichbleibenden monatlichen Einzahlungen in einen Fonds erhält er bei fallendem Anteilwert automatisch mehr, bei steigendem Anteilwert weniger Anteile. Damit profitiere er von niedrigen Kursen in stärkerem Maße als er bei entsprechend höheren absoluten Kursen beim Einkauf einbüße.

Diese Argumentation funktioniert allerdings nur bedingt. Das gebietet eine simple Logik. Wer bei schwankenden Preisen regelmäßig kauft, erhält den Durchschnitt der Preisentwicklungskurve über die Zeitdauer. Ist der Preis aber zu Beginn der betrachteten Periode unterdurchschnittlich, so hat der Anleger mit einer Einmalinvestition billiger gekauft.

Nur wenn der Preis am Anfang der Zeitperiode über dem Durchschnitt lag, fährt der Sparplan-Anleger günstiger. Indes bedeutet dies aber in der Regel, daß die Anteilspreise entweder über die Zeit gefallen sind oder aber, daß der Beginn der Sparperiode durch außergewöhnlich hohe Preise gekennzeichnet war.

Nur wenn der Anteilspreis sich richtig entwickelt, lohnen Sparpläne

Nur im zweiten Fall kann sich der Sparplan überhaupt unter dem Strich lohnen. Im ersteren Fall war die gesamte Geldanlage ein Fehlschlag. Ein vereinfachtes Beispiel:

Zu Beginn der Anlage liegt der Anteilspreis bei 100, in der Mitte bei 50 und 60 und am Ende bei 80 Euro. Der Einmalanleger erleidet einen Verlust von 20 Prozent. Der Sparplananleger hat im Schnitt zu 70 Euro gekauft und macht damit einen Gewinn von 14,3 Prozent. Auch bei fallenden Kursen kommt der Sparplananleger günstiger weg.

Verläuft aber die Entwicklung beispielsweise so, daß der Anteilspreis zunächst auf 120 Euro steigt, dann auf 90 fällt und mit 80 abschließt, so kauft der Sparplananleger durchschnittlich zu 103,33 Euro und erleidet die höheren Verluste.

Es zeigt sich, daß die Vorteilhaftigkeit des Sparplans gegenüber der Einmalanlage einen bestimmten Verlauf der Anteilspreiskurve voraussetzt. Zwangsläufig stellt sich die Frage, inwieweit diese Annahmen in der Realität erfüllt werden.

Sparpläne bringen meist deutlich weniger Rendite

Zieht man die Statistik des Bundesverbands der Investmentgesellschaften BVI zu Rate, so könnte das empirische Ergebnis über zehn und 20 Jahre nicht eindeutiger sein. Lediglich in zwei von 178 Fällen wäre die Ablaufleistung eines Sparplans höher als die einer Einmalanlage gewesen. In diesen beiden Fällen waren die Renditen schlecht. Die Einmalanlage im Japan-Pazifik Fonds der NordLB-Tochter Nordinvest brachte über 20 Jahre einen durchschnittlichen Verlust von 1,5 Prozent, aber auch der Sparplananleger hätte am Ende weniger zurückerhalten als er eingezahlt hat.

Und der Warburg Select-Fonds brachte dem Einmalanleger eine durchschnittliche Rendite von 1,9 Prozent. Dies bedeutete nach 20 Jahren und angelegten 12.000 Euro einen Endwert von 17544 Euro. Ein Sparplan hätte 614 Euro mehr eingebracht.

Langfristig ist die Einmalanlage weniger riskant als angenommen

Wer also die Wahl zwischen einem Sparplan und einer Einmalanlage hat, sollte sich in normalen Börsenzeiten jedenfalls für die Einmalanlage entscheiden. Je mehr aber mit kurzfristigen Wertsteigerungen argumentiert wird, desto eher sollte man auf einen Sparplan setzen, da dann möglicherweise eine Korrektur an den Märkten bevorsteht. Zeigt sich danach wieder eine einigermaßen stabile Aufwärtsentwicklung, so sollte man den Sparplan kündigen und den Rest der geplanten Summe in eine Einmalanlage stecken.

Das schützt zwar vor Pech mit einem schlechten Timing nur ungefähr. Betrachtet man indes die Entwicklung des seit 1897 berechneten Dow Jones Aktien-Index und vergleicht man die Indexstände zu Jahresanfang zeigt sich, daß lediglich in 14 von 91 Perioden (15 Prozent) ein Verlust oder praktisch kein Gewinn verbucht worden wäre. Das wäre zwar nur ein schwacher Trost für die Anleger der in dieser Beziehung tristen Jahre 1924 bis 1935, doch zeigt es, daß die Risiken gerade bei Langfristanlagen weniger hoch sind als angenommen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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