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Gebühren Kostenlose Girokonten sind nicht immer günstig

15.01.2007 ·  Mit „Clevergiro“, „Topgiro“ oder „Giro Plus“ buhlen Banken um Privatkunden. Doch ein Blick hinter die Werbefassade lohnt - sonst zahlt der Kunde am Ende doch saftige Gebühren für sein angeblich „kostenloses“ Konto.

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Die großen Banken in Deutschland verschärfen den Wettbewerb um die kleinen Kunden. Nachdem in den vergangenen Jahren Tausende Normalverdiener zu Direktbanken gewechselt waren, haben es die Großbanken in Deutschland ihren Konkurrenten mittlerweile gleichgetan und bieten - begleitet von millionenschweren Werbekampagnen - gebührenfreie Girokonten an.

Das kommt offenbar gut an: Die Hypo-Vereinsbank hat nach eigenen Angaben mit dem vor einem halben Jahr eingeführten kostenlosen „Willkommenskonto“ mehr als 60.000 Kunden gewonnen. Bei der Commerzbank, die seit dem 8. Dezember ein kostenloses Girokonto anbietet, sind es 15.000. Und die ING-Diba, eine der erfolgreichsten Direktbanken, die bisher 4 Euro je Monat verlangt, plant für dieses Jahr ebenfalls ein gebührenfreies Girokonto. „Das erfordert der Wettbewerb“, sagt ein Sprecher der Bank.

Tankgutscheine oder Koffersets für Neukunden

Zusätzlich werden Neukunden und Neukundenwerber mit Startguthaben - die Commerzbank zahlt 50 Euro nach dem ersten Gehaltseingang -, Tankgutscheinen, Körperfettwaagen oder Koffersets gelockt. Von solchen Bonbons sollte man sich allerdings die Geschmacksnerven nicht ruinieren lassen, meinen Finanzfachleute. „Die 50 Euro zum Beispiel kann man natürlich mitnehmen“, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung, „sie sollten aber nicht Grundlage sein für eine Entscheidung.“

Dasselbe gilt für das Etikett „kostenlos“, mit dem mittlerweile drei Dutzend Banken in Deutschland ihre Angebote schmücken. Kostenlos bedeutet nämlich nicht gleich günstig: Um in den Genuss der Kostenlosigkeit zu kommen, muss bei einigen Banken ein monatlicher Mindestbetrag auf dem Konto eingehen - 650 Euro bei der Dresdner Bank, 1.200 Euro bei der Commerzbank oder 1.250 Euro bei der Postbank.

Nicht immer ist das Konto gebührenfrei

Nach Ansicht der Stiftung Warentest sollte sich für ein solches Produkt nur derjenige entscheiden, der die Mindesteinkommensvorgabe problemlos erfüllen kann. Sonst kann es teuer werden: Bei der Dresdner Bank zahlt man monatlich 2,75 Euro, bei der Postbank 5,90 und bei der Commerzbank gar 7,90 Euro Kontoführungsgebühr.

Bei der Wüstenrot-Bank dagegen oder bei den Sparda-Banken ist das Girokonto in jedem Fall gebührenfrei. Auszubildende und Studenten müssen sich darüber noch nicht den Kopf zerbrechen: Für sie bieten die meisten Banken wie die Deutsche Bank oder die Commerzbank Einsteigerpakete an, bei denen das Girokonto unabhängig vom Eingang kostenfrei ist. Manche fordern einen geringen Eingangsbetrag - bei der Hypo-Vereinsbank sind es 300 Euro monatlich.

Auch auf den Zins schauen

Dass es nicht nur auf die Kontoführungsgebühren ankommt, zeigen die Vergleichsrechner, die man im Internet - zum Beispiel auf der FMH-Seite oder unter FAZ.NET-Service: Girokontenrechner - kostenlos mit persönlichen Daten füttern kann. Bei der ING-Diba etwa bezahlt der Bankkunde zwar monatliche Gebühren. Er bekommt aber im Gegensatz zur Dresdner Bank oder zur Commerzbank auch einen Guthabenzins von 1,5 Prozent und bezahlt einen um mehrere Prozent niedrigeren Dispo-Zins. „Das Commerzbank-Konto lohnt sich also allenfalls für Leute“, sagt Finanzberater Herbst, „deren Konto meist in der Nähe von Null steht.“

Auch das Kreditkartenangebot der Commerzbank ist nicht unbedingt ein Grund, dort ein Girokonto zu eröffnen. Mit 20 Euro Jahresgebühr (die der Kunde bei einem Jahresumsatz von mindestens 5.900 Euro erstattet bekommt) liegt sie im Mittelfeld, wobei man im Ausland nicht gebührenfrei abheben kann. Die Citibank bietet diesen Komfort weltweit, verlangt dafür aber, dass der Kunde zum Preis von 30 Euro jährlich eine Visa-Goldkarte nimmt.

DKB-Angebot von Fachleuten als attraktiv bewertet

Die DKB Deutsche Kreditbank wiederum, deren kostenloses Girokonto die Fachleute übereinstimmend als attraktiv bewerten, bietet diesen Service ohne Zusatzkosten für die Karte. Außerdem verzinst die DKB das Visa-Kreditkartenkonto mit 3,3 Prozent.

Aber auch bei der DKB ist nicht alles Geld, was glänzt. Um das 3,3-Prozent-Angebot nutzen zu können, muss der Kunde laufend Überweisungen von seinem Girokonto, das mit lediglich 0,5 Prozent verzinst wird, auf das Visa-Konto tätigen. Außerdem verfügt die DKB über kein Filialnetz. Das bedeutet, dass Kunden ihr Konto online führen müssen. Wer sich davor nicht scheut, wird im Allgemeinen günstigere Bedingungen erhalten als Kunden mit einem Konto bei einer Filialbank. Eine Studie der Investors Marketing AG zeigt allerdings, dass nur knapp 30 Prozent der Kunden im Gegenzug für einen Preisnachlass bereit sind, auf den Service der Bankfilialen zu verzichten.

Günstigere Konditionen für Neukunden

Für einen Bankenwechsel gibt es laut Stiftung Warentest eine Faustregel: Wenn Kunden in ihrer Filialbank für ihr Konto inklusive Kreditkartengebühr mehr als 80 Euro im Jahr zahlen, sollten sie sich eine andere Bank suchen. Für Online-Kunden gilt dasselbe von 40 Euro an.

Bei der neuen Bank darf man gegenwärtig auf einen freundlichen Empfang hoffen: Manche wie die Hypo-Vereinsbank oder die Citibank gewähren Neukunden ausdrücklich günstigere Konditionen als Bestandskunden. Außerdem kümmern sich die meisten Banken um die Auflösung der bestehenden Konten und richten Daueraufträge sowie Einzugsermächtigungen neu ein. Es ist allerdings zu empfehlen, das Girokonto bei der früheren Bank noch eine gewisse Zeit weiterzuführen - etwas schiefgehen kann nämlich selbst beim besten Produkt.

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