01.12.2000 · Von der zunehmenden Kreditknappheit gehen Gefahren für die amerikanische Konjunktur aus. Die Vergabekriterien verschärfen sich weiter.
Von David M. Blitzer, Standard & Poor`sIn den letzten Monaten stand der Ölpreis so im Vordergrund, dass man etwas wichtiges aus dem Auge verloren hat: Neben Kohlenstoff gibt es noch andere bedeutende Dinge für die Wirtschaft. Zum Beispiel Kredite. Nicht Konsumentenkredite oder Hypotheken sind gemeint, es geht um die Vergabe von Unternehmenskrediten. Ohne sie nimmt das arbeitende Kapital der Unternehmen ab, die Auftragsbücher leeren sich und das Geschäft schrumpft. Immer wenn das Wirtschaftswachstum zurückgeht oder die Zinsen steigen, wird die Verfügbarkeit von Krediten zur kritischen Größe.
So tauchen auch mit Blick auf die vergangenen Monate entsprechende Bedenken auf. Zunächst wurden wegen der steigenden Zahl von Insolvenzen die Zinsen für die risikolastigen Hochzinsanleihen erhöht. Der Zinsunterschied zu sicheren Anleihen vergrößerte sich. Letzte Woche zeigte dann der Quartalsbericht der amerikanischen Notenbank (Fed) zur Kreditvergabe einen weiteren dramatischen Hinweis auf die schrumpfende Verfügbarkeit von Krediten: Zum dritten Mal in Folge verschärften viele Banken ihre Kreditvergaberichtlinien.
Konjunkturabkühlung möglich
Wir erwarten kein weiteres Drama wie zu Zeiten der Russlandkrise. Da wurden die Banken vorsichtig und die Aktienkurse brachen ein. Schließlich musste sogar die Fed eingreifen, um einen großen Hedge-Fonds zu retten. Wir glauben auch nicht, dass die jüngsten Daten die Notenbank dazu bringen werden, bald die Zügel locker zu lassen. Es bleibt die Sorge, dass die Banken wegen der steigenden Zahl von säumigen Schuldnern weniger Geld verleihen wollen. Damit könnte sich die Lage der amerikanischen Wirtschaft verschlechtern.
Bei Krediten gibt es Zeiten, in denen der Preis nicht der einzige Faktor ist, der das Angebot begrenzt. So hat laut der Fed-Studie zwar jede zweite Bank den Risikozuschlag bei Krediten erhöht und damit die Kredite verteuert, aber die wahre Gefahr liegt in den gestiegenen Vergabeanforderungen. Manche Schuldner können nun überhaupt keine Kredite mehr erhalten, egal welchen Preis sie dafür zahlen würden. Damit wird einigen Firmen mit geringer Kreditwürdigkeit bald der Bankrott drohen. Offensichtlich ist dies wiederum schlecht für die Wirtschaft und das Vertrauen der Anleger.
Rezession unwahrscheinlich
Die Banken verschärfen ihre Kriterien natürlich nicht nur aus Spaß. Sondern sie tun das mit Blick auf das sich verlangsamende Wirtschaftswachstum und die weniger günstigen Geschäftsbedingungen. Viele Banken sind zur Zeit mit steigenden Kreditausfällen konfrontiert und verschließen jetzt die Tür des Tresors - selbst wenn der Schatz schon längst weg ist.
Heißt das alles nun dass eine Rezession unabwendbar ist und der Aktienmarkt in sich zusammenbrechen wird? Nein. Es müsste schon erstaunlich viel schief gehen um eine Ökonomie aus der Bahn zu werfen, die so stark ist wie die derzeitige in den USA. Trotzdem gilt es zu bedenken, dass es einige beträchtliche Risiken gibt. Der Anleger sollte im Hinterkopf haben, dass nicht nur kreditsuchende Unternehmen unter Druck geraten können.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |