Home
http://www.faz.net/-gv6-2e1a
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Sonntag, 12. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Gast-Kommentar US-Kreditverknappung könnte zur Konjunkturbremse werden

01.12.2000 ·  Von der zunehmenden Kreditknappheit gehen Gefahren für die amerikanische Konjunktur aus. Die Vergabekriterien verschärfen sich weiter.

Von David M. Blitzer, Standard & Poor`s
Artikel Lesermeinungen (0)

In den letzten Monaten stand der Ölpreis so im Vordergrund, dass man etwas wichtiges aus dem Auge verloren hat: Neben Kohlenstoff gibt es noch andere bedeutende Dinge für die Wirtschaft. Zum Beispiel Kredite. Nicht Konsumentenkredite oder Hypotheken sind gemeint, es geht um die Vergabe von Unternehmenskrediten. Ohne sie nimmt das arbeitende Kapital der Unternehmen ab, die Auftragsbücher leeren sich und das Geschäft schrumpft. Immer wenn das Wirtschaftswachstum zurückgeht oder die Zinsen steigen, wird die Verfügbarkeit von Krediten zur kritischen Größe.

So tauchen auch mit Blick auf die vergangenen Monate entsprechende Bedenken auf. Zunächst wurden wegen der steigenden Zahl von Insolvenzen die Zinsen für die risikolastigen Hochzinsanleihen erhöht. Der Zinsunterschied zu sicheren Anleihen vergrößerte sich. Letzte Woche zeigte dann der Quartalsbericht der amerikanischen Notenbank (Fed) zur Kreditvergabe einen weiteren dramatischen Hinweis auf die schrumpfende Verfügbarkeit von Krediten: Zum dritten Mal in Folge verschärften viele Banken ihre Kreditvergaberichtlinien.

Konjunkturabkühlung möglich

Wir erwarten kein weiteres Drama wie zu Zeiten der Russlandkrise. Da wurden die Banken vorsichtig und die Aktienkurse brachen ein. Schließlich musste sogar die Fed eingreifen, um einen großen Hedge-Fonds zu retten. Wir glauben auch nicht, dass die jüngsten Daten die Notenbank dazu bringen werden, bald die Zügel locker zu lassen. Es bleibt die Sorge, dass die Banken wegen der steigenden Zahl von säumigen Schuldnern weniger Geld verleihen wollen. Damit könnte sich die Lage der amerikanischen Wirtschaft verschlechtern.

Bei Krediten gibt es Zeiten, in denen der Preis nicht der einzige Faktor ist, der das Angebot begrenzt. So hat laut der Fed-Studie zwar jede zweite Bank den Risikozuschlag bei Krediten erhöht und damit die Kredite verteuert, aber die wahre Gefahr liegt in den gestiegenen Vergabeanforderungen. Manche Schuldner können nun überhaupt keine Kredite mehr erhalten, egal welchen Preis sie dafür zahlen würden. Damit wird einigen Firmen mit geringer Kreditwürdigkeit bald der Bankrott drohen. Offensichtlich ist dies wiederum schlecht für die Wirtschaft und das Vertrauen der Anleger.

Rezession unwahrscheinlich

Die Banken verschärfen ihre Kriterien natürlich nicht nur aus Spaß. Sondern sie tun das mit Blick auf das sich verlangsamende Wirtschaftswachstum und die weniger günstigen Geschäftsbedingungen. Viele Banken sind zur Zeit mit steigenden Kreditausfällen konfrontiert und verschließen jetzt die Tür des Tresors - selbst wenn der Schatz schon längst weg ist.

Heißt das alles nun dass eine Rezession unabwendbar ist und der Aktienmarkt in sich zusammenbrechen wird? Nein. Es müsste schon erstaunlich viel schief gehen um eine Ökonomie aus der Bahn zu werfen, die so stark ist wie die derzeitige in den USA. Trotzdem gilt es zu bedenken, dass es einige beträchtliche Risiken gibt. Der Anleger sollte im Hinterkopf haben, dass nicht nur kreditsuchende Unternehmen unter Druck geraten können.

David M. Blitzer ist Chefinvestmentstratege bei Standard & Poor`s in New York

Quelle: @cri
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
10.02.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.692,96 −1,41%
 OK
10.02.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.692,96 −1,41%
FAZ-INDEX 1.495,13 −1,32%
TecDAX 769,89 −0,43%
MDAX 10.249,10 −1,04%
SDAX 4.985,13 −0,71%
REX 421,06 −0,02%
Eurostoxx 50 2.480,76 −1,65%
F.A.Z. EURO INDEX 80,01 −1,60%
Dow Jones 12.801,20 −0,69%
Nasdaq 100 2.547,32 −0,65%
S&P500 1.342,64 −0,69%
Nikkei225 8.947,17 −0,61%
EUR/USD 1,3195 −0,67%
Rohöl Brent Crude 117,61 $ −0,91%
Gold 1.711,50 $ −2,09%
Bund Future 138,62 € +1,01%