24.10.2007 · Garantie-Zertifikate sind ein Renner. Denn Anleger erhalten ihren Einsatz in jedem Fall zurück. Doch ob sie zusätzlich viel Rendite machen, ist sehr unsicher.
Von Thomas Schmitt„Sorglos bergauf!“ So wirbt die Finanzbranche gern für Garantie-Zertifikate. Die Hauptsache sei, kein Geld zu verlieren, so die Botschaft. Damit liefert die Finanzbranche genau das, was sich viele Anleger wünschen - und darum verkaufen sich diese Wertpapiere wie Wasser in der Wüste. Die Anleger ziehen ihr Geld aus den Aktienfonds und legen sich stattdessen Garantie-Zertifikate ins Depot. Papiere im Milliardenwert schlummern darum bereits in deutschen Portfolios.
Es werden noch mehr, da sind sich die Zertifikate-Macher sicher. „Es gibt eine Flut neuer Garantieprodukte“, sagt Heiko Weyand von HSBC Trinkaus in Düsseldorf. Denn durch die neue Abgeltungsteuer verlieren diese Produkte ab 2009 einen steuerlichen Nachteil gegenüber anderen Anlagen. Bisher unterliegen sie dem persönlichen Steuersatz von bis zu 45 Prozent, künftig fallen nur noch 25 Prozent Steuern an.
Jede Versicherung kostet Geld
Das Schöne an Garantie-Zertifikaten ist: Im Prinzip lassen sie sich für alle Anlageklassen konstruieren - ob das nun Dax oder Dow sind, Aktien aus Osteuropa und Asien oder Gold und Kupfer. Die entscheidende Frage ist nur: Zu welchem Preis geschieht das?
Hier liegt der Haken. Jede Versicherung kostet Geld, auch die Versicherung gegen Kapitalverlust. „Es gilt die Regel: Je mehr Sicherheit, desto weniger Chance“, sagt Sebastian Bleser von der Société Générale. „Eine Kapitalgarantie kostet immer Geld und drückt auf die Rendite.“
Dies bedeutet: Der Anleger verzichtet in der Regel auf seine Dividenden, denn damit finanzieren die Zertifikate-Erfinder einen Teil ihrer Kosten. Aber eben nur einen Teil. Zusätzliche Rendite kostet der Ausgabeaufschlag des Zertifikats. Und der Anleger muss oft einen Teil der Gewinne abgeben, die die zugrundeliegenden Produkte machen.
Kosten kaum nachvollziehbar
Optimal wäre es, wenn die „Partizipationsrate“ an den Gewinnen bei 100 Prozent läge. Doch in vielen Märkten lässt sich so ein Garantie-Zertifikat gar nicht konstruieren - in anderen werden keine angeboten, obwohl es möglich wäre. Ob es solche Zertifikate gibt, hängt vom Geschick der Macher ab, aber auch von den aktuellen Bedingungen an der Börse. So beeinflussen die Volatilität, also das Ausmaß der Kursschwankungen, und die Zinsen den Preis von Garantie-Zertifikaten stark.
„Je höher der Zins, um so besser ist das für ein Garantieprodukt“, bringt Dirk Heß von Goldman Sachs dies auf eine kurze Formel. Aber das gilt nur für den Käufer eines neuen Zertifikates. Ältere Wertpapiere, die schon länger auf dem Markt sind, reagieren auf steigende Zinsen mitunter gegenteilig, nämlich mit einem Kursverlust.
Am Ende kann kaum ein Anleger noch nachvollziehen, was ihn die Kapitalgarantie kostet. Wer kassiert wie viel und warum? Zumindest den Bankberater sollten Anleger dies fragen, denn nach einem Gerichtsurteil vor einigen Wochen müssen die Verkäufer ihre Vertriebsprovisionen offenlegen.
Spekulieren, aber nur ein wenig
Wer sich trotz der Kosten für ein Garantie-Zertifikat entscheidet, steht gleich vor dem nächsten Problem: Welches Wertpapier ist das beste? Nur auf gängigen Finanzmärkten lassen sich die unterschiedlichen Garantie-Zertifikate gut vergleichen, zum Beispiel im Dax und im Eurostoxx.
Warum greifen Anleger trotz aller Nachteile so oft zu den Garantie-Zertifikaten? „Das Sicherheitsbedürfnis bei deutschen Anlegern ist stark ausgeprägt“, sagt Nicole Plieth von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). „Zum einen, da viele Anleger klassische Sparer sind, und zum anderen, weil in der Vergangenheit häufig schlechte Erfahrungen am Aktienmarkt gemacht wurden.“
Mit anderen Worten: Viele Deutsche wollen spekulieren, aber nur ein wenig. Sie schätzen womöglich auch die Chance einzelner Werte optimistisch ein, wollen aber kein Geld verlieren und zu einem bestimmten Zeitpunkt ihr Kapital zurückholen können, ohne auf bessere Zeiten hoffen zu müssen.
„Nur ganz wenige Garantie-Zertifikate machen Sinn“
Trotzdem haben einige Experten wie Heiko Weyand bei HSBC eine schlechte Meinung von den Produkten. „Nur ganz wenige Garantie-Zertifikate machen Sinn“, sagt er, zum Beispiel einige auf den Dax und den Eurostoxx, mit denen der Anleger an der Aufwärtsentwicklung des Index vollständig teil hat. Wenig hält er von Garantieprodukten auf Rohstoffe oder einzelne Schwellenländer, weil die Kapitalsicherung in diesen Märkten oft sehr teuer ist. „Wer hier investiert, sollte sich eine Meinung bilden“, empfiehlt Weyand - und dann direkt die Aktien kaufen oder den Markt ganz meiden.
Kritiker wie der Buchautor Uwe Lang raten sogar dazu, Garantie-Zertifikate ganz aus dem Depot zu verbannen: „Die Renditen waren in den vergangenen fünf Jahren im Vergleich zum Anstieg der Aktienkurse außerordentlich mies.“ Das räumen auch Spezialisten wie Nicole Plieth mit Blick auf komplizierte Konstruktionen mit Aktienkörben ein. Lang rät: „Wer Angst vor Aktien hat, sollte Aktien im Depot untergewichten und schwerpunktmäßig auf sichere Anleihen oder Genussscheine setzen. Garantie-Zertifikate sind der falsche Weg.“
Dahinter steckt die Überlegung, dass sich jeder Anleger Gedanken über die Struktur seines Vermögens und seine Risikoneigung machen sollte, bevor er einzelne Produkte kauft. Denn aller Erfahrung nach bestimmen die Vorüberlegungen zu 80 bis 90 Prozent die spätere Rendite eines Depots - und nicht die Entscheidung, ob eine bestimmte Aktie oder ein bestimmtes Zertifikat gekauft wird.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |