22.03.2007 · Die als Aktionäre auftretenden Hedge-Fonds treiben hiesige Unternehmen immer häufiger in eine Fusion oder Übernahme. Selbst die Bankbranche, die zumeist unberührt von unwillkommenen Übernahmeangriffen blieb, hat der Macht der Hedge-Fonds nichts entgegenzusetzen.
Die als besonders aktive Aktionäre auftretenden Hedge-Fonds treiben hiesige Unternehmen immer häufiger in eine Fusion oder Übernahme. Der Druck der Hedge-Fonds entwickle sich zu einer zusätzlichen Antriebskraft für den europäischen Markt für Unternehmenskäufe (M&A), sagte Berthold Fürst, M&A-Deutschland-Chef der Deutschen Bank. Mit geringen Mitteln könnten Hedge-Fonds bei den Unternehmen viel bewegen. Der Druck dieser agitatorischen Eigner werde zunehmen. „Kein Unternehmen kann sich noch sicher fühlen“, sagt ein Investmentbanker.
Selbst die Bankbranche, die aus regulatorischen Gründen zumeist unberührt von unwillkommenen Übernahmeangriffen blieb, hat der Macht der Hedge-Fonds nichts entgegenzusetzen. Das zeigt die niederländische ABN Amro, die rasch auf den immensen Druck mehrerer Hedge-Fonds reagierte und sich nun in eine Fusion mit der britischen Barclays Bank flüchten dürfte. Auch das geplante Zusammengehen des Reise- und Touristikkonzerns TUI mit dem britischen Wettbewerber First Choice betrachten Beobachter als eine Art Vorwärtsverteidigung gegen aufmüpfige Aktionäre.
Weltweit weniger angekündigte Fusionen
Trotz aufsehenerregender Transaktionen wie TUI oder ABN Amro ist die M&A-Tätigkeit im ersten Quartal aber eher schleppend angelaufen. Weltweit hat das Volumen der angekündigten Fusionen und Übernahmen nach Zahlen des Datenanbieters Thomson Financial im Vergleich zu den ersten 3 Monaten des Vorjahres um 3 Prozent auf 842 Milliarden Dollar abgenommen. In Deutschland brach dieser Wert sogar um mehr als 60 Prozent auf 15 Milliarden Dollar ein. Allerdings hatten im Vorjahr einige besonders große Übernahmen wie der Kauf der britischen BOC durch den Industriegasehersteller Linde das Volumen außergewöhnlich nach oben getrieben.
David Bernard von Thomson Financial erwartet im weiteren Jahresverlauf wieder mehr Aktivität im Übernahmemarkt. Die Bedingungen dafür seien nach wie vor sehr gut - die Zinsen niedrig und die Gewinne der Unternehmen hoch. Die Bewertungen seien auf den ersten Blick zwar stark gestiegen. Doch mit einem europaweiten Schnitt von rund 15 seien die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) der Unternehmen noch nicht überbewertet. Zudem rechneten mehrere Analysehäuser damit, dass die KGVs in den kommenden Jahren auf rund 12 sinken werden.
„Finanzinvestoren werden wieder sehr rege sein“
Auch Fürst ist davon überzeugt, dass sich die Konzerne weiterhin auf die Suche nach Zusammenschlüssen und strategischen Ergänzungen machten. „Das ist eine intakte Antriebskraft des M&A-Marktes.“ Die Konzerne verfügen zudem über gut gefüllte Kassen: Europäische Unternehmen hätten weiterhin ein großes Volumen an Nettoliquidität in ihren Büchern, und die Verschuldung sei recht gering, schreibt JP-Morgan-Analyst Mislav Matejka in einer Studie.
Auch die Finanzinvestoren sind weiterhin sehr rege. Nach den Worten von Bernard haben Beteiligungsgesellschaften im vergangenen Jahr etwa ein Viertel des europaweiten Übernahmemarktes für sich beansprucht. Dass deren Aktivität im ersten Quartal etwas zurückgegangen ist, sehen Beobachter lediglich als eine Art Atempause. „In den kommenden Monaten werden Finanzinvestoren wieder sehr rege sein“, erwartet Fürst. Zumal die jüngsten Turbulenzen an den Aktienmärkten die Beteiligungsfonds kaum getroffen haben: „Auf die Fremdfinanzierungsmärkte hatte das nur sehr geringe Auswirkungen.“
Börsengang - ein sehr guter Ausstiegsweg
Beteiligungsfonds, auch Private-Equity-Fonds genannt, finanzieren ihre Übernahmen zumeist zu mehr als zwei Dritteln mit Schulden, die sie sich mit Hilfe der Banken an den Kapitalmärkten besorgen. Nach Ansicht von Fürst werden die Finanzinvestoren ihre Beteiligungen in diesem Jahr vorrangig an andere Private-Equity-Unternehmen weiterreichen. Trotz der jüngsten Aktienmarkt-Turbulenzen sei aber auch der Börsengang ein sehr guter Ausstiegsweg: „Der Markt ist für große Transaktionen sehr aufnahmefähig, und die Bewertungen sind hoch.“
Oftmals prüften die Finanzinvestoren daher parallel einen Börsengang und einen Verkauf. Jüngstes Beispiel ist das dem Investor CVC gehörende Ableseunternehmen Ista, bei dem hohe Kaufangebote von Beteiligungsfonds aber zuletzt das Pendel in Richtung Verkauf ausschlagen ließen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |