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Fusionen Das Übernahmefieber ist wieder da

16.09.2005 ·  Die Finanzbranche registriert eine wachsende Welle von Unternehmensübernahmen. Niedrige Zinsen und Wachstumsinvestitionen beflügeln das Fusionsgeschäft. Und diesmal mischen deutsche Unternehmen kräftig mit.

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Das Übernahmefieber ist wieder da. In letzter Zeit vergeht fast kein Tag, ohne daß eine milliardenschwere Fusion oder Übernahme angekündigt würde. Einer Studie von Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW) zufolge wurden von Jahresbeginn bis Mitte August global schon 9300 Übernahmegeschäfte im Gesamtvolumen von 1,3 Billionen Dollar abgeschlossen.

„Damit zeichnet sich ab, daß 2005 für Fusionen und Übernahmen das beste Jahr seit dem Rekordjahr 2000 wird“, sagt DrKW-Analyst Philip Isherwood. In Deutschland könnte zudem ein Sondereffekt das Geschäft stimulieren, meint Stefan Schießer, Chefaktienstratege bei der DZ Bank. Weil eine künftige Bundesregierung die Steuerfreiheit von Beteiligungsverkäufen aufheben dürfte, könnte es vorher noch zu einem „Schlußverkauf“ kommen.

Ein Milliardengeschäft jagd das nächste

Allein in der zurückliegenden Woche wurden mindestens vier Milliardengeschäfte angekündigt: Die Allianz beabsichtigt die vollständige Übernahme des italienischen Versicherers RAS; der Softwarekonzern Oracle will den kleineren Mitbewerber Siebel kaufen; das Internetauktionshaus Ebay schluckt Skype, einen Spezialisten für Internettelefonie; Ford verkauft seinen Autovermieter Hertz für 15 Milliarden Dollar an ein Konsortium von Finanzinvestoren - die größte Übernahme durch „Private Equity“ seit dem legendären Kauf von RJR Nabisco durch das Beteiligungsunternehmen KKR im Jahre 1989.

Schon diese Auflistung zeigt, daß das Übernahmegeschäft nicht länger hauptsächlich von Beteiligungsunternehmen, den sogenannten Heuschrecken, angetrieben wird. „Quer durch alle Branchen treten in letzter Zeit auch Unternehmen als Käufer auf“, berichtet Isherwood. Ein wichtiges Motiv sei dabei, daß viele Unternehmen den Spielraum für internes Gewinnwachstum ausgereizt hätten. Um ihre Profitabilität dennoch hochzuhalten oder weiter zu steigern, verfolgten sie die Strategie, durch Übernahme von Mitbewerbern Kostensynergien zu erzielen. Angeheizt wird das Übernahmefieber zudem durch das niedrige Zinsniveau sowie den Aufschwung an den Aktienmärkten rund um den Globus. „Gute Stimmung an den Aktienmärkten bedeutet, daß die wirtschaftlichen Aussichten als günstig eingeschätzt werden“, erläutert Isherwood. „Das regt dann auch zu Übernahmen und Fusionen an“ (siehe Graphik).

Deutsche mischen mit

Anders als in früheren Jahren mischen nun auch deutsche Unternehmen im internationalen Übernahmegeschäft kräftig mit. Gestärkt durch interne Umstrukturierungen und gutgefüllte „Kriegskassen“, wendeten sich deutsche Konzerne zusehends der Erschließung ausländischer Wachstumsmärkte zu, sagt Holger Bross, Co-Chef des Investmentbanking bei Merrill Lynch in Frankfurt. Beispiele dafür sind die Übernahme des amerikanischen Sportartikelherstellers Reebok durch Adidas sowie die Übernahme-Offerten von Eon für Scottish Power, von Tui für die kanadisch-britische Container-Reederei CP Ships und von der Deutschen Post für den britischen Logistikspezialisten Exel. Weitere solcher grenzüberschreitender Geschäfte dürften folgen, ist man sich bei Merrill Lynch sicher.

Abgesehen davon könnte die sich abzeichnende Abschaffung der Steuerfreiheit für Erlöse aus Beteiligungsverkäufen noch einige deutsche Unternehmen dazu veranlassen, sich von Beteiligungen zu trennen, sagt DZ-Aktienstratege Schießer. Schließlich habe die CDU/CSU für den Fall eines Wahlsiegs angedeutet, solche Erlöse von kommendem Jahr an wieder mit 15 oder 20 Prozent zu besteuern. Auch eine Große Koalition könnte dies beschließen. Einer Studie der DZ Bank zufolge haben zahlreiche Unternehmen die im Februar 2002 eingeführte Steuerbefreiung genutzt: So habe sich der Marktwert der börsennotierten Beteiligungen allein des Finanzsektors seither von 108 auf zuletzt rund 20 Milliarden Euro verringert.

Das Ende des Steuerprivilegs dürfte die Verkaufsbereitschaft noch einmal stimulieren, vermutet Schießer. Die DZ Bank nennt 16 deutsche Börsenunternehmen, von denen durch so motivierte Verkäufe größere Aktienpakete auf den Markt kommen könnten, darunter Commerzbank (Verkäufer: Münchener Rück und Generali), Daimler-Chrysler (Verkäufer: Deutsche Bank), Linde (Verkäufer: Allianz, Commerzbank, Deutsche Bank), Münchner Rück (Verkäufer: Allianz, Hypo-Vereinsbank) und Schering (Verkäufer: Allianz). Der Verkauf großer Aktienpakete könne die betreffenden Aktien unter Kursdruck bringen, sagt Schießer. Bei Daimler-Chrysler und Münchener Rück sehe er dieses Risiko. Demgegenüber dürften die Titel der Commerzbank und von Linde letztlich davon profitieren, wenn die „Deutschland AG“ weiter entflochten werden sollte.

Quelle: bf., F.A.Z., 17.09.2005, Nr. 217 / Seite 25
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