Unternehmensnachrichten
Yahoo nimmt durch Alibaba-Anteilsverkauf Milliarden ein
Yahoo ist nach dem Verkauf der Hälfte seiner Anteile am chinesischen Internetkonzern Alibaba um 4,3 Milliarden Dollar reicher (3,3 Milliarden Euro). Soviel bleibt nach Abzug von Steuern und Gebühren vom Kaufpreis übrig. Der amerikanische Konzern gab am Dienstag den Abschluss des Geschäfts bekannt, das seit Mai angekündigt war. Yahoo-Chefin Marissa Mayer sagte, die Transaktion sei reibungslos über die Bühne gegangen. 3 Milliarden Dollar gehen nun an die eigenen Anteilseigner zusätzlich zu den 643 Millionen Dollar, die Yahoo seit Mai bereits ausgeschüttet hat. Das ist weniger als ursprünglich erwartet, aber mehr als zwischenzeitlich von Mayer angedeutet.
Der Anteil von 40 Prozent an Alibaba galt als der wertvollste Posten in den Yahoo-Büchern. Nach langen Verhandlungen kauften die Chinesen etwa die Hälfte der Aktien zurück zum Preis von 6,3 Milliarden Dollar in bar sowie 800 Millionen Dollar in Vorzugsaktien. Hinzu kommen 550 Millionen Dollar durch eine Lizenzvereinbarung. (dpa-AFX)
Deutsche Bahn kauft erstmals Züge aus Polen
Die Deutsche Bahn macht ernst und sichert sich laut einem Pressebericht Alternativen zu ihren bisherigen Zuglieferanten. An diesem Mittwoch werde der Konzern seinen ersten Vertrag mit dem polnischen Zughersteller Pesa abschließen, berichtet die „Financial Times Deutschland“ (Mittwochausgabe). Bis 2018 könne die Bahn dann bis zu 470 Dieseltriebzüge abrufen - im Gesamtwert von etwa 1,2 Milliarden Euro, heißt es weiter in dem Bericht ohne Angabe von Quellen. Weitere Verträge könnten ebenfalls in Zukunft an Hersteller gehen, von denen die Bahn bisher noch keine Züge bezogen hat.
Die Bahn hatte im vergangenen Jahr angekündigt, ihre Lieferantenbasis zu verbreitern. Bisher wurden die Züge vor allem von den großen drei Herstellern Siemens, Bombardier und Alstom bezogen. Die Bahn gehört weltweit zu den größten Bestellern von Zügen und hatte sich zuletzt verärgert gezeigt über große Lieferverzögerungen bei Siemens und Bombardier. Der Vertrag mit Pesa soll den Nachschub sichern für den Fall, dass die Bahn wie erwartet einen Großteil der vielen Regionalstrecken in Deutschland gewinnt, die in den nächsten Jahren ausgeschrieben werden. (dpa-AFX)
SAP will stärker auch Software für Privatnutzer anbieten
Der deutsche Softwarekonzern SAP, bislang spezialisiert auf Profinutzer in Unternehmen, drängt in das Geschäft mit Konsumenten. „SAP wird immer stärker ein Hersteller von Software für Konsumenten“, sagte die SAP US-Chefin Geraldine McBride dem „Handelsblatt“ (Mittwochausgabe). Es spreche nichts dagegen, dass SAP-Software in ein paar Jahren in einem Kühlschrank oder einem Stromableser stecke, sagte die SAP-Managerin. Dort könne das Programm etwa den Stromverbrauch optimieren.
63 Prozent der Umsätze, die Unternehmen oder Institutionen weltweit verbuchen, laufen an zumindest einer Stelle durch ein SAP-Programm. Doch nun nimmt SAP eine neue Kundschaft ins Visier: die Privatanwender. Erste Produkte gibt es bereits. So hat der Schweizer Handelskonzern Coop am Züricher Hauptbahnhof ein Plakat mit einem virtuellen Supermarktregal aufgestellt. Kunden können mit einem Programm, das SAP mit Hilfe von Partnern entwickelt hat, Waren per Handy nach Hause bestellen. Möglich ist das vor allem durch neue mobile Geräte wie Smartphones oder Tablet-Rechner. (dpa-AFX)
Japan Airlines kehrt an Börse zurück
Die japanische Fluggesellschaft Japan Airlines (JAL) ist nur zwei Jahre nach ihrer Pleite an die Börse zurückgekehrt. Zum Handelsbeginn in Tokio wurde das Papier am Mittwoch mit 3810 Yen gehandelt, nur leicht über dem Ausgabepreis auf 3790 Yen je Aktie. Es ist nach Facebook der größte Börsengang des Jahres. Gemessen an der Marktkapitalisierung dürfte JAL ihren heimischen Konkurrenten All Nippon Airways (ANA) als wertvollste japanische Fluggesellschaft ablösen.
JAL hatte 2010 Konkurs anmelden müssen und sich danach einer Rosskur unterzogen. Es war eine der schnellsten Sanierungen eines Unternehmens in der japanischen Wirtschaftsgeschichte gewesen. Marktteilnehmer hatten erwartet, dass das Papier an seinem ersten Handelstag anziehen dürfte angesichts des als relativ billig angesehenen Ausgabepreises und der robusten Bilanz. Inzwischen zählt Japan Airlines wieder zu den profitabelsten Fluglinien der Welt. (dpa-AFX)
’FTD’: Siemens-Lichttochter Osram schreibt knapp 100 Millionen Euro ab
Die Siemens-Lichttochter Osram räumt einem Pressebericht zufolge mit Blick auf die bevorstehende Abspaltung von der Mutter die Bilanz auf. Per Ende Juni habe Osram knapp 100 Millionen Euro auf ihre Tochter Siteco abgeschrieben, berichtet die „Financial Times Deutschland“ (Mittwoch) vorab unter Berufung auf Osram-Kreise. Dies entspricht rund einem Drittel des Kaufpreises, den Siemens mit 260 Millionen Euro angibt.
Osram hatte die oberbayerische Leuchtenfirma erst im Februar 2011 erworben, um sich für den Gang an die Börse aufzuhübschen. Dieser war zunächst für Herbst 2011 geplant, soll nun aber 2013 via Spin-off stattfinden. Siemens hat die Abschreibung bislang nicht mitgeteilt. Bei der Quartalsveröffentlichung Ende Juli sprach Finanzchef Joe Kaeser lediglich von 180 Millionen Euro „Transformationskosten“ bei Osram, die auch die Kosten für den 2011 angekündigten Abbau von 1000 Stellen enthalten. (dpa-AFX)
General Electric erhält von Petrobras Milliardenauftrag
General Electric hat in Brasilien einen Auftrag aus der Ölindustrie an Land gezogen. Der amerikanische Konzern hat von dem Ölriesen Petrobras einen Vertrag über die Lieferung von Ausrüstung zur Förderung von Öl und Gas auf dem Meeresboden über knapp 1,1 Milliarden Dollar erhalten.
Der Vertrag sei der weltweit größte seiner Art, wie die General Electric Co mitteilte. Mehr als drei Viertel der Ausrüstung wollen die Amerikaner in Brasilien herstellen. Der Liefervertrag mit Petrobras basiert auf einer schon bestehenden Zusammenarbeit der beiden Unternehmen, wie es in der Mitteilung des amerikanischen Konzerns weiter hieß. (Dow Jones)
Blackberry-Anbieter RIM schließt Patent-Deal mit Microsoft
Der um seine Zukunft kämpfende Blackberry-Anbieter RIM hat einen Patent-Deal mit Microsoft geschlossen. Mit der Vereinbarung könne Research In Motion (RIM) das neue Datei-System exFAT in seinen Geräten einsetzen, teilte Microsoft am Dienstag mit. Damit sollen unter anderem große Audio- und Video-Dateien schneller zugänglich sein.
An der Börse wurde der Deal als gutes Zeichen aufgefasst: Die schwächelnde RIM-Aktie legte zeitweise um mehr als 2 Prozent zu. Das Unternehmen arbeitet gerade daran, sein nächstes Betriebssystem Blackberry 10 Anfang kommenden Jahres mit neuen Geräten auf den Markt zu bringen. Derzeit geht der Smartphone-Pionier durch eine Durststrecke mit sinkenden Marktanteilen und roten Zahlen. (dpa-AFX)
Siemens streicht 615 Windkraft-Jobs in den Vereinigten Staaten
Wegen ausbleibender Aufträge für Windkraft-Anlagen verlieren bei Siemens in den Vereinigten Staaten etwa 615 Mitarbeiter ihren Job. Momentan zählt die entsprechende Sparte 1650 Leute. Hintergrund sind nach Angaben des Konzerns auslaufende Steuervergünstigungen für die Windkraft in den Vereinigten Staaten sowie der Trend zu Gaskraftwerken wegen der günstigen Gaspreise.
Die betroffenen Mitarbeiter sollen ein Abfindungspaket bekommen. Mehr als 400 Jobs gehen alleine in der Rotorblatt-Fertigung in Fort Madison im amerikanischen Bundesstaat Iowa verloren. Siemens hatte erst 2006 den Grundstein für die Fabrik gelegt, 2010 hatte Präsident Barack Obama den Standort besucht. Weitere Arbeitsplätze werden im Werk Hutchinson in Kansas abgebaut, wo Maschinenhäuser montiert werden, sowie in der Verwaltung und im Außendienst. (dpa-AFX)
Finanzdaten-Anbieter VWD wird an Finanzinvestor verkauft
Der Finanzinvestor Carlyle schluckt den Frankfurter Finanzdaten-Anbieter VWD für bis zu 72 Millionen Euro. Die bisherigen Großaktionäre von VWD, darunter der SAP-Gründer Dietmar Hopp (28 Prozent) und die börsennotierte Beteiligungsfirma Deutsche Balaton AG (35 Prozent), hätten bereits zugesagt, ihre Anteile für je 2,80 Euro zu verkaufen, teilte Carlyle am Dienstagabend mit. Der Private-Equity-Fonds habe damit 90 Prozent der Anteile sicher. Die übrigen Aktionäre sollen ein Übernahmeangebot in gleicher Höhe erhalten. Es liegt 21 Prozent über dem Schlusskurs vom Montag. Im Späthandel stieg die VWD-Aktie um 19 Prozent auf 2,75 Euro.
Geschäftsführer Edmund Keferstein, der knapp 15 Prozent an VWD hält, und zwei Manager der VWD-Tochter EDG sollen indirekt auch künftig an dem Unternehmen beteiligt bleiben. Carlyle finanziert die Übernahme aus seinem 530 Millionen Euro schweren Technologiefonds CETP II, in dem unter anderem der Wiesbadener Softwaredienstleister P&I liegt. VWD war 1949 als Nachrichtenagentur gegründet worden. VWD beschränkt sich auf die Vermarktung von Finanzmarktdaten an Banken und Privatkunden. Durch Zukäufe wurde das Angebot um Applikationen für die Analyse von Marktdaten erweitert. Die Tochterfirma EDG bietet Ratings und Risikoklassifizierungen für Derivate an. 2011 setzte VWD mit 465 Mitarbeitern 81 Millionen Euro um und schrieb 2,3 Millionen Euro Verlust. (Reuters)
Bis zu 300 Forschungsstellen bei Bayer sollen weg aus Berlin
Der Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern Bayer plant am Standort Berlin den Wegfall von bis zu 300 Stellen in Forschung und Entwicklung. Dies bestätigte das Unternehmen am Dienstag. Der Schritt sei notwendig, um die Arzneimittelentwicklung „weiter zu optimieren und zu beschleunigen und dadurch wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagte der Leiter der Division Pharmaceuticals von Bayer, Andreas Fibig. Der Betriebsrat und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) äußerten hingegen Unverständnis.
Das Unternehmen wolle 170 Arbeitsplätze nach Wuppertal und Leverkusen verlagern und 130 Stellen streichen, berichtete die Gewerkschaft nach einer Sitzung des Wirtschaftsausschusses, in der die Pläne bekanntgegeben wurde. Es werde keine betriebsbedingten Kündigungen geben, sagte Manager Fibig. Berlin bleibe „Pharmazentrale und einer unserer beiden Hauptforschungsstandorte“. Bayer hat in Berlin derzeit rund 4500 Angestellte. Der Konzern hatte die Berliner Schering AG 2006 übernommen. Anfang 2011 wurde der Name Bayer Schering Pharma für den Berliner Standort getilgt. (dpa-AFX)
American Airlines warnt 11.000 Angestellte vor Entlassungen
Die angeschlagene Fluggesellschaft American Airlines hat mehr als 11.000 Angestellte vor einer möglichen Kündigung gewarnt. Der Sprecher des Unternehmens, Bruce Hicks, sagte jedoch am Dienstagabend (Ortszeit), American Airlines rechne eher damit, dass rund 4400 Menschen entlassen würden. Weniger als 40 Prozent derjenigen, die ein Schreiben erhalten hätten, würden ihren Job verlieren, sagte Hicks.
Die Schreiben mit der Warnung gingen den Angaben zufolge an Mechaniker und Bodenpersonal. Diese Gruppen von Angestellten werden demnach von einer Umstrukturierung im Rahmen des Insolvenzverfahrens gegen das Unternehmen betroffen sein. Im Februar hatte American Airlines den Abbau von 14.000 Stellen angekündigt, um Lohnkosten einzusparen. (dapd)
Peugeot will Logistiktochter an russische Bahn verkaufen
Peugeot steht offenbar kurz vor dem Verkauf seiner Logistiktochter Gefco an die russische Bahn RZD. Der russische Staatskonzern habe konkurrierende Interessenten ausgestochen, sagte eine mit den Gesprächen vertraute Person am Dienstag. Peugeot und die russische Bahn wollten nun exklusiv über das Geschäft verhandeln. Eine Einigung könne in den kommenden Wochen vorliegen.
Der französische Autobauer hatte zu Beginn des Jahres angekündigt, stärker sparen und aus diesem Grund Konzernteile verkaufen zu wollen. Für einen Mehrheitsanteil an der Logistiksparte erhofft sich Peugeot eine Milliarde Euro. Gefco transportiert neue Autos von Peugeot und anderen Herstellern von den Werken zu den Händlern. Anfang Juli übertrug die Opel-Muttergesellschaft General Motors einen Großteil seiner Logistikaktivitäten in Europa auf die Peugeot-Tochter Gefco. (Reuters)
Agravis stärkt Osteuropa-Kooperation
Europas zweitgrößter Agrarhändler Agravis und der dänische Partner DLA wollen weitere Marktanteile in Osteuropa erobern. Die Unternehmen, die bereits gemeinsam Rohstoffe einkaufen, stärken ihre Kooperation mit einer neuen Gesellschaft auch im klassischen Agrarhandel sowie bei der Landtechnik. Dies teilte Agravis-Chef Clemens Große Frie am Dienstag in Hamburg mit. Er sei optimistisch, dass die Kartellbehörden die Pläne absegnen. Das Joint Venture kommt auf ein Umsatzvolumen von 400 Millionen Euro, ein Viertel davon entfällt auf Agravis.
Große Frie will die Auslandsexpansion vorantreiben: „Die DLA ist ein starker Partner und zum Beispiel auch in Finnland gut unterwegs.“ Das neue Gemeinschaftsunternehmen firmiert unter dem Namen DLA-Agravis-International. Während sich die Dänen bisher aufs Baltikum konzentrierten, war Agravis in Polen und Tschechien aktiv - „aber nur versprengt“, sagte Große Frie. Im Geschäft mit Futtermittel-Produkten beteiligen sich die Deutschen zudem an dem Spezialanbieter Vilomix. Auch hierbei war das Osteuropa-Potenzial entscheidend, sagte der Agrarhandelskonzern mit Hauptsitz in Münster und Hannover. (dpa-AFX)
Energie-Abrechner Techem geht wieder an Kapitalmarkt
Gut vier Jahre nach dem Abschied von der Börse ist der Energie-Abrechner Techem an den Kapitalmarkt zurückgekehrt. Der Konzern aus Eschborn löste einen Milliarden-Kredit vorzeitig zum Teil durch zwei Anleihen über insgesamt 735 Millionen Euro ab, wie Techem am Dienstag mitteilte. Insgesamt refinanzierte Techem 1,3 Milliarden Euro, die erst 2015 zur Rückzahlung anstanden. „Wir hatten keine Eile“, sagte Finanzvorstand Steffen Bätjer. Dem Unternehmen, das einem Infrastrukturfonds der australischen Bank Macquarie gehört, sei es aber darum gegangen, nicht mehr nur von Krediten abhängig zu sein und die Fälligkeiten der Schulden breiter zu streuen.
An eine rasche Rückkehr an den Aktienmarkt denkt Techem nicht. „Der Schritt an den Kapitalmarkt hat in keiner Weise mit der Vorbereitung eines Börsengangs zu tun“, betonte Bätjer. „Wir haben keine Indikatoren, dass Macquarie verkaufen will.“ Infrastrukturfonds haben meist einen Anlagehorizont von mehr als zehn Jahren. Ein Gesellschafterdarlehen der Australier läuft nach Angaben der Ratingagentur Standard & Poor’s noch bis 2027. Die Anleihen und Kredite seien für Techem günstiger geworden. Für eine vorrangig besicherte Anleihe über 410 Millionen Euro, die bis 2019 läuft, zahlt Techem 6,125 Prozent Zinsen, für eine nachrangige Anleihe mit Laufzeit bis 2020 7,875 Prozent. Die Papiere seien mehr als zehnfach überzeichnet gewesen, sagte der Finanzchef. Die restliche Kreditlinie über 550 Millionen Euro läuft nun bis 2017. Anleihen und Kredite kommen noch von sechs Banken, allen voran JP Morgan, Deutsche Bank und Credit Agricole. (Reuters)
Zara-Mutter Inditex steigert Gewinn
Der spanische Textilkonzern Inditex hat im ersten Geschäftshalbjahr 2012/13 sein hohes Expansionstempo beibehalten und zugleich kräftig verdient. Wie die Mutter von Ketten wie Zara oder Massimo Dutti am Mittwoch in Madrid mitteilte, kletterte der Nettogewinn von Februar bis Juli um fast ein Drittel auf 944 Millionen Euro. Dies war deutlich mehr als Analysten im Schnitt erwartet hatten.
Auch operativ schlug sich Inditex besser. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro. Dazu verhalfen neue Läden, von denen der H&M-Konkurrent im ersten Halbjahr 166 eröffnete. Aber auch flächenbereinigt ergab sich noch ein Umsatzplus von 7 Prozent. (dpa-AFX)
Wirtschaftsnachrichten
Griechischer Notenbankchef kürzt sein Gehalt um weitere 30 Prozent
Der Chef der griechischen Zentralbank hat Kreisen zufolge sein Gehalt um ein Drittel gekürzt. Damit wolle Giorgos Provopoulos seinen Beitrag zu Kostensenkungen bei der Bank von Griechenland und zur Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft beisteuern, hieß es in Bankenkreisen am Dienstag. Provopoulos habe den Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, in einem Brief über seinen Schritt informiert. Zudem habe er in dem Schreiben die bisherigen Schritte zur Kostenreduzierung der Notenbank erläutert.
Die beiden Stellvertreter Provopoulos schlossen sich den Angaben zufolge dem Schritt an. Der Notenbankchef verzichtet damit nun insgesamt auf die Hälfte seines Gehalts, nachdem er seine Bezüge schon 2009 nach unten geschraubt hatte. Insgesamt hat Griechenlands Zentralbank ihre Ausgaben in den beiden vergangenen Jahren mittels Streichung von Überstunden, Reiseausgaben und Verkleinerung von Filialen um 21 Prozent gesenkt. (Reuters)
Bank of Japan wirft ebenfalls die Notenpresse an
Die Bank of Japan (BoJ) folgt dem Beispiel der anderen Zentralbanken: Nach der Federal Reserve, der Europäischen Zentralbank und der Bank of England wirft auch die BoJ die Notenpresse an. Angesichts der jüngsten Yen-Stärke und einer hartnäckigen Deflation im Land beschloss der BoJ-Rat nach einer zweitägigen Sitzung, die Wertpapierkäufe um 10 Billionen Yen aufzustocken - das sind rund 100 Milliarden Euro - und das Kaufprogramm bis Dezember 2013 zu verlängern. Weil der Leitzins schon nahe Null liegt, ist der Kauf von Wertpapieren das Hauptinstrument der Geldpolitik. Das Gesamtvolumen der Wertpapierkäufe steigt damit von 70 Billionen auf 80 Billionen Yen.
Ökonomen waren im Vorfeld geteilter Meinung über den Ausgang der Ratssitzung: Ungefähr die Hälfte erwartete eine zusätzliche Lockerung der Geldpolitik, während die andere Hälfte ein weiteres Abwarten der BoJ vorhersagte. Der Beschluss der neun BoJ-Ratsmitglieder fiel einstimmig aus. Die zusätzliche Summe von 10 Billionen Yen will die BoJ dazu verwenden, um Schatzwechsel und japanische Staatsanleihen für jeweils 5 Billionen Yen zu kaufen. Insbesondere der Beschluss der Federal Reserve, die Geldschleusen wieder zu öffnen, hatte den Yen unter Aufwärtsdruck gesetzt, so dass die BoJ unter politischen Druck geriet, mit einer Aktion dagegenzuhalten. (Dow Jones)
EU-Kommission will Solvency II um ein Jahr aufschieben
Die EU-Kommission hat Verhandlungskreisen zufolge einen Aufschub der neuen Kapitalvorschriften für Versicherer um ein Jahr auf den 1. Januar 2015 vorgeschlagen. Der zuständige Kommissar Michel Barnier habe den Plan am Dienstag Vertretern der EU-Mitgliedstaaten und des Europäischen Parlaments vorgelegt, hieß es in den Kreisen am Abend.
Kern des Vorschlags ist demnach, noch vor dem Start der Vorgaben zu prüfen, welche Auswirkungen die Vorschriften auf die langfristigen Verbindlichkeiten haben, die Versicherungskonzerne zur Absicherung ihrer Produkte eingehen. Die Verhandlungen über die sogenannte „Solvency II“-Richtlinie stocken seit Monaten. Die verschärften Vorgaben sollen zu einem besseren Schutz gegen Finanzkrisen beitragen. (Reuters)
