Home
http://www.faz.net/-gw7-72lgx
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Medienschau Moody’s senkt Ausblick für EU auf negativ

 ·  Die spanische Bankia erhält Finanzspritze von 4,5 Milliarden Euro, Flugbegleiter der Lufthansa streiken in Berlin, Frankfurt und München, Volkswagen stellt seinen neuen Golf 7 offiziell vor und der Versicherer Talanx geht bald an die Börse.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Unternehmensnachrichten

Spanische Bankia erhält Finanzspritze von 4,5 Milliarden Euro

Die angeschlagene spanische Großbank Bankia erhält vom Staat eine Finanzspritze von 4,5 Milliarden Euro. Wie der staatliche Madrider Bankenrettungsfonds Frob am Montag entschied, bekommt das viertgrößte Geldhaus des Landes den Kapitalzuschuss mit sofortiger Wirkung. Damit solle sichergestellt werden, dass die Bank nach ihren jüngsten Verlusten weiterhin über die gesetzlich vorgeschriebene Quote an Eigenkapital verfüge. Bankia hatte im ersten Halbjahr ein Minus von 4,45 Milliarden Euro verbucht. Wirtschaftsminister Luis de Guindos hatte am Freitag einen Kapitalzuschuss für das Unternehmen angekündigt, aber noch keine konkrete Summe genannt.

Die Finanzspritze wird nach Angaben des Frob über eine Kapitalerhöhung bei der Dachgesellschaft der Bankengruppe BFA vollzogen, zu der Bankia gehört. Der Zuschuss muss noch von der spanischen Zentralbank und von der EU-Kommission genehmigt werden. Die Kapitalhilfe wird nach Angaben des Fonds im Vorgriff auf die zugesagten EU-Hilfen in Höhe von bis zu 100 Milliarden Euro für angeschlagene spanische Banken vorgenommen. Bankia benötigt nach eigenen Angaben vom Staat insgesamt rund 24 Milliarden Euro. Die EU hatte für den Notfall eine erste Tranche von 30 Milliarden Euro für die spanischen Banken bereitgestellt. (dpa-AFX)

Flugbegleiter streiken in Berlin, Frankfurt und München

Wieder müssen Passagiere der Lufthansa um ihre Flüge bangen. In Berlin-Tegel legten die Flugbegleiter am Dienstag um 5.00 Uhr ihre Arbeit nieder, eine Stunde später auch am Drehkreuz Frankfurt. Acht Stunden sollen die Ausstände dauern. Die bislang längste Streikaktion beginnt um 13.00 Uhr in München; sie soll bis Mitternacht dauern. Am Abend hatte die Gewerkschaft zunächst Berlin und Frankfurt im Abstand von einer Stunde bekanntgegeben; der Münchner Streik wurde am Morgen angekündigt.

Zum Ende vergangener Woche hatten die Flugbegleiter in einer ersten Welle für acht Stunden schon einmal in Frankfurt die Arbeit niedergelegt und damit Deutschlands größten Flughafen teilweise lahmgelegt. Auch am Dienstag kann Lufthansa die Personalengpässe nicht ausgleichen und muss zahlreiche Flüge streichen. Etwa die Hälfte aller Kurz- und Mittelstreckenflüge und sogar einige Langstreckenflüge müsse die Airline in der Zeit der Ausstände annullieren, sagte ein Sprecher am Dienstagmorgen. Sollte das Unternehmen nach der zweiten Streikwelle am Dienstag bei seiner „arroganten Linie“ bleiben, machten weitere Nadelstiche voraussichtlich keinen Sinn mehr, sagte Gewerkschaftschef Nicoley Baublies. Am Mittwoch sei ein flächendeckender Streik aber noch „unrealistisch“ und wegen der zu erwartenden Auswirkungen der zweiten Streikwelle vom Dienstag auch nicht notwendig. Man wolle der Lufthansa zudem auch Zeit für eine Reaktion einräumen. (dpa)

Volkswagen stellt neuen Golf 7 offiziell vor

Weltpremiere für das wichtigste VW-Modell: Europas größter Autobauer stellt heute die neueste Version seines Verkaufsschlagers Golf vor. Zur Präsentation der siebten Auflage werden zahlreiche Gäste und Manager der VW-Spitze in der Neuen Nationalgalerie in Berlin erwartet.

Der Golf 7 ist für die Niedersachsen der entscheidende Modellanlauf des Jahres 2012. Er gilt außerdem als Nagelprobe für den Modularen Querbaukasten (MQB) - eine Produktionstechnik, die konzernweit bislang nur beim Audi A3 zum Einsatz kam, die Fertigung vereinheitlichen und die Kosten drücken soll. Die ersten Fahrzeuge werden schon seit Anfang August gebaut. (dpa-AFX)

Versicherer Talanx macht mit Börsengang Ernst

Der drittgrößte deutsche Versicherungskonzern Talanx macht mit seinen Börsenplänen Ernst. „Wenn die Rahmenbedingungen weiterhin stabil bleiben, wollen wir noch im Herbst an die Börse gehen“, kündigte Vorstandschef Herbert Haas am Montag an. Nach Informationen aus Finanzkreisen soll der Börsengang innerhalb von vier Wochen über die Bühne gehen, spätestens Anfang Oktober. Das Volumen des Börsengangs soll rund eine Milliarde Euro erreichen, wie eine mit den Einzelheiten vertraute Person sagte. 300 Millionen Euro davon soll der japanische Lebensversicherer Meiji Yasuda beisteuern, der 2010 schon mit Blick auf den Börsengang eine Wandelanleihe in dieser Höhe gezeichnet hatte. Diese soll nun in Talanx-Aktien getauscht werden. Der Rest des Emissionsvolumens fließt Talanx selbst zu.

Die Einnahmen will Haas zur Expansion ins Ausland einsetzen, vor allem in den strategischen Märkten Lateinamerika sowie Zentral- und Osteuropa. In Polen hat Talanx zusammen mit Meiji Yasuda zwei Versicherer für zusammen fast eine Milliarde Euro gekauft. Der bisherige Alleinaktionär, der HDI Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, bleibt mit einer klaren Mehrheit beteiligt. Der Streubesitz soll den Finanzkreisen zufolge bei maximal 20 Prozent liegen. Damit bräuchte Talanx die Zustimmung der Deutschen Börse, um wie angestrebt in den Nebenwerteindex M-Dax aufgenommen zu werden. An die Börse federführend begleitet wird Talanx von der Citigroup, der Deutschen Bank und JP Morgan, in der zweiten Reihe stehen Barclays und Berenberg. Rothschild wurde als Berater engagiert. (Reuters)

Deutsche Börse verzeichnet im August geringe Orderbuchumsatz auf Xetra

Der Orderbuchumsatz auf der elektronischen Handelsplattform Xetra und dem Frankfurter Xetra-Spezialistenhandel ist im August im Jahresvergleich weiter kräftig gesunken. Mit 83,8 Milliarden Euro habe das Minus bei rund 54 Prozent gelegen, teilte der Betreiber Deutsche Börse am Montag mit. Im Juli war der Umsatz schon um gut ein Fünftel gesunken. Im Xetra-Kernhandel gingen die Erlöse im August um 54 Prozent auf 79,4 Milliarden Euro zurück, im Spezialistenhandel sank er um 47 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. In Aktien wurden an den Kassamärkten der Deutschen Börse 69,7 Milliarden Euro umgesetzt, wovon 67,9 Milliarden Euro allein auf den Xetra-Kernhandel entfielen. Die Zahl der abgeschlossenen Geschäfte auf Xetra sackte um 55 Prozent auf 14,4 Millionen ab. Umsatzstärkster Titel im Dax waren auf Xetra die Aktien von Siemens mit 5,6 Milliarden Euro. Im M-Dax führten die Papiere von Continental mit 813,4 Millionen Euro die Liste an, im Tec-Dax waren die Titel von Freenet die am stärksten auf Xetra gehandelten Titel mit 132,7 Millionen Euro Umsatz.

Auch das Handelsvolumen an den internationalen Terminmärkten der Eurex Group ist im August im Jahresvergleich weiter zurückgegangen. Börsentäglich wurden laut Deutscher Börse an den Terminmärkten der Eurex Group im August im Schnitt etwa 7,2 Millionen Kontrakte gehandelt. Ein Jahr zuvor waren es 13,2 Millionen gewesen. Im August 2011 waren aufgrund der Turbulenzen in der Eurozone ungewöhnlich hohe Volumen verzeichnet worden. Insgesamt wurden im August des laufenden Jahres 117,2 Millionen Kontrakte an der Eurex und 49,1 Millionen Kontrakte an der ISE umgesetzt. Vor einem Jahr lagen die entsprechende Kennzahlen bei knapp 210 Millionen beziehungsweise rund 95 Millionen. (dpa-AFX)

Anhörung im Patentstreit um Bayer-Arznei in Indien

Der Streit um eine Zwangslizenz in Indien für das umsatzstarke Krebsmedikament Nexavar von Bayer geht in die nächste Runde. An diesem Montag hätten in Chennai die Anhörungen in dem Fall vor dem Intellectual Property Appellate Board (IPAB) begonnen, bestätigte eine Bayer-Sprecherin. Wann mit einer Entscheidung zu rechnen sei, lasse sich nicht sagen. Das indische Patentamt hatte Bayer im März gezwungen, sein Schutzrecht für Nexavar an den heimischen Generika-Hersteller Natco weiterzugeben. Die Entscheidung hatte international hohe Wellen geschlagen. Es war die erste zwangsweise Patentabtretung für ein Arzneimittel in Indien. Bayer hatte gegen die Entscheidung Anfang Mai Berufung eingelegt.

Die Pharmabrache befürchtet, der Beschluss des indischen Patentamts könnte ein Präzedenzfall werden und den Schutz geistiger Eigentumsrechte in dem Schwellenland gefährden. Die Hersteller sorgen sich, dass Indien trotz seines rasanten Wirtschaftswachstums ein Land bleibt, in dem sich Arzneimittelpatente nur schwer durchsetzen lassen. Zu dem Bayer-Präparat hatte das Patentamt entschieden, der heimische Generikahersteller Natco dürfe das Mittel zur Behandlung von Nieren- und Leberkrebs zu einem deutlich niedrigeren Preis produzieren. Natco müsse allerdings Lizenzgebühren in Form einer Umsatzbeteiligung an Bayer zahlen. In Indien können solche Zwangslizenzen nach drei Jahren Patentvergabe angeordnet werden, wenn das Präparat als zu teuer eingestuft wird. (Reuters)

Rechtsstreit von Oracle und SAP geht in neue Runde

Oracle lässt im Rechtsstreit mit seinem Erzrivalen SAP nicht locker: Das jahrelange Verfahren zwischen den beiden Konzernen um den Diebstahl von Software-Daten geht vor einem amerikanischen Berufungsgericht in die nächste Runde. Oracle habe am Freitag Berufung eingelegt, sagte ein SAP-Sprecher am Montagabend und bestätigte damit einen Bericht der Tageszeitung „Mannheimer Morgen“. Damit steht dem Weltmarktführer für Unternehmenssoftware eine Verlängerung der jahrelangen Hängepartie ins Haus: „Schlechtestenfalls dauert das Berufungsverfahren zwei Jahre“, sagte der SAP-Sprecher. Das Verfahren komme vor ein Berufsgericht in San Francisco.

In erster Instanz war SAP in dem seit 2007 anhängigen Gerichtsverfahren von einem Geschworenengericht wegen unerlaubter Daten-Downloads zu einem Rekordschadenersatz von 1,3 Milliarden Dollar verurteilt worden. Eine Berufsrichterin kassierte diesen Juryspruch jedoch im vergangenen Jahr als „völlig überzogen“ und kürzte den an Oracle zu zahlenden Schadenersatz auf 272 Millionen Dollar. Diese Summe akzeptierte Oracle Anfang August, legte aber nun Berufung ein, um in zweiter Instanz - vor einem neuen Gericht - von SAP eine höhere Entschädigung für unerlaubte Software-Downloads durch eine inzwischen liquidierte amerikanische Tochter zu erreichen. SAP war anfänglich von einer Schadenersatzsumme von 40 Millionen Euro ausgegangen, Oracle schwebt weiter eine Entschädigung in Milliardenhöhe vor. (Reuters)

Toshiba investiert mit anderen Firmen in Windparks

Die Industriekonzerne Toshiba und Hitachi investieren einem Medienbericht zufolge neben anderen Firmen massiv in Windparks. Insgesamt seien Ausgaben in Höhe von 120 Milliarden Yen (umgerechnet 1,2 Milliarden Euro) in den kommenden zehn Jahren vorgesehen, meldete die Wirtschaftszeitung „Nikkei“ am Montag. Zudem seien JFE Steel, Sumitomo Electric Industries, Toa sowie Toyo Construction beteiligt.

Die Finanzierung erfolge über eine gesonderte Firma. Die Produktionskapazität soll nach dem Bericht bei rund 300.000 Kilowatt liegen. Als ein Ort für die Windparks in hoher See werde die Küstenregion Kyushu im Süden Japans in Betracht gezogen. Japan hat es sich zum Ziel gesetzt, die Windenergie auszubauen und orientiert sich dabei vor allem an Großbritannien. (Reuters)

Kanadischer Valeant-Konzern kauft amerikanische Pharmafirma Medicis

Der kanadische Pharmakonzern Valeant setzt seine Einkaufstour fort. Am Montag gab Kanadas Branchenführer bekannt, den amerikanischen Konkurrenten Medicis Pharmaceutical für 2,6 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen.

Mit der Transaktion will Valeant seine Stellung im Dermatologie-Sektor ausbauen und verstärkt Medikamente gegen Akne und andere Hautkrankheiten anbieten. Die Offerte von 44 Dollar je Aktie entspricht einem Aufschlag von 39 Prozent auf den Medicis-Schlusspreis von Freitag. Am Montag waren die Börsen in den Vereinigten Staaten wegen des Labor Days geschlossen. (Reuters)


Wirtschaftsnachrichten

Moody’s senkt Ausblick für EU auf negativ

Moody’s hat die EU vor einer Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit gewarnt. Die Ratingagentur senkte in der Nacht zum Dienstag den Ausblick für die Top-Bonitätsbewertung der Europäischen Union auf negativ. Sie begründete dies mit den negativen Aussichten für die Spitzennote der vier Schwergewichte Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die Niederlande, die am meisten zum EU-Haushalt beitragen. Die Spitzen-Bewertung „AAA“ für die EU behielt Moody’s zwar bei. Trotzdem könnte der Warnschuss den Druck auf die Europäische Zentralbank erhöhen, bei ihrer Sitzung am Donnerstag einen detaillierten Plan zur Bekämpfung der europäischen Schuldenkrise vorzulegen.

Im Juli hatte Moody’s die Top-Note für die Bonität Deutschlands, der Niederlande und Luxemburgs bestätigt, nahm aber den Ausblick von „stabil“ auf „negativ“ zurück. Als Grund nannte sie wachsende Unsicherheiten rund um ein mögliches Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone. Damit würden die Risiken für Italien und Spanien steigen. Hinzu komme das Risiko zunehmender Vergemeinschaftungen von Haftungen und Krisenhilfen im Währungsraum. (Reuters)

Exportflaute wirft Schweizer Wirtschaft zurück

Die Euro-Krise und der starke Franken machen der Schweizer Wirtschaft zunehmend zu schaffen. Im weiten Quartal sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal überraschend um 0,1 Prozent, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Dienstag mitteilte. Rückläufig waren insbesondere die Dienstleistungs- und Warenexporte sowie die Ausrüstungsinvestitionen.

In den beiden Quartalen davor hatte das Wachstum von Quartal zu Quartal 0,5 beziehungsweise 0,4 Prozent betragen. Im Vergleich zum Stand vor einem Jahr erhöhte sich der Wert der Waren und Dienstleistungen in der Schweiz von April bis Juni um 0,5 Prozent. Volkswirte hatten im Schnitt gegenüber dem Vorquartal einen BIP-Anstieg von 0,2 Prozent erwartet und mit 1,6 Prozent Wachstum gegenüber dem Vorjahr gerechnet. (Reuters)

Quelle: FAZ.NET, dpa-AFX, Reuters, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Dow Jones
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Emittenten-News
Anzeige
Für die Inhalte sind die Emittenten verantwortlich
Weitersagen
Finanzmärkte aktuell
Name Wert Änderung
  F.A.Z.-Index --  --
  Dax --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  F.A.Z.-Anleih… --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
  Bund Future --  --
Wertpapiersuche