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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Medienschau Dialysekonzern FMC droht Sammelklage in Amerika

 ·  Die Deutsche Bank verkauft ihr Derivateportfolio, gegen einen Mitarbeiter der IT-Firma Bechtle wird wegen Datenklau ermittelt, Burda kauft die Mehrheit am Karriere-Netzwerk Xing und Google einigt sich mit belgischen Zeitungsverlagen.

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Unternehmensnachrichten

Dialysekonzern FMC droht Sammelklage in Amerika

Der Dialysespezialist Fresenius Medical Care (FMC) sieht sich in den Vereinigten Staaten einer Reihe von Klagen in Zusammenhang mit Dialyselösungen gegenüber. Eine Gruppe von Patientenanwälten habe am 12. Dezember einen Prozessantrag gegen das Unternehmen gestellt, wie die Tochter des Medizinkonzerns Fresenius am Donnerstag mitteilte. Demnach sollen die in den Vereinigten Staaten anhängigen Produkthaftungsklagen gegen die nordamerikanische Tochtergesellschaft Fresenius Medical Care Nordamerika bei den amerikanischen Justizbehörden in Boston zusammengeführt werden.

Die Klagen beziehen sich auf unzureichende Hinweise zu möglichen Nebenwirkungen auf den Etiketten der Dialyselösungen Natura Lyte und Granu Flo. Fresenius Medical Care sieht die Klagen als unbegründet an: „Natura Lyte und Granu Flo sind von der amerikanischen Gesundheitsbehörde seit vielen Jahren zugelassene, sichere und wirksame Dialyselösungen“, wird FMC-Chef Ben Lipps in der Mitteilung zitiert. Er zeigte sich davon überzeugt, dass sich FMC medizinisch nichts vorzuwerfen habe. (dpa-AFX)

Derivateportfolio der Deutschen Bank steht zum Verkauf

Die Deutsche Bank steht einem Medienbericht zufolge vor dem Verkauf eines milliardenschweren Derivateportfolios. Für die Restbestände der Wertpapiere, die im Zentrum angeblicher Bilanztricks standen, gebe es ein reges Interesse von mehreren namhaften Investoren, berichtet die „Welt“ (Donnerstagausgabe) vorab unter Berufung auf Finanzkreise.

Die Deutsche Bank stehe einem Verkauf des Pakets durchaus aufgeschlossen gegenüber - zumal sie nach Einschätzung von Marktteilnehmern auf einen Preis oberhalb ihrer Buchwerte hoffen könne. Ein Deal sei allerdings frühestens Anfang 2013 denkbar, da die meisten Investoren ihre Bücher für dieses Jahr praktisch schon geschlossen hätten. In den vergangenen Jahren war die zeitweise bis zu 130 Milliarden Euro schwere Bilanzposition bereits geschrumpft, teils weil die Papiere ausliefen, teils weil die Bank sie gezielt abbaute. Verblieben sind dem Blatt zufolge Bestände im niedrigen zweistelligen Milliardenbereich. (Reuters)

Ermittlungen gegen Bechtle-Mitarbeiter wegen Datenklau-Affäre

Der schwäbische IT-Händler Bechtle ist in den Skandal um den mutmaßlichen Datenklau im Berliner Gesundheitsministerium involviert. Das berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vorab in ihrer Donnerstag-Ausgabe. „Ein inzwischen freigestellter Bechtle-Mitarbeiter ist in die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen verwickelt“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens am Mittwochabend. „Gegen Bechtle selbst gibt es keine Ermittlungen.“ Derzeit gehe der Konzern davon aus, dass keine weiteren Beschäftigten betroffen seien. Der Bechtle-Mitarbeiter, der Zugang zur EDV des Ministeriums hatte, steht im Verdacht, sich E-Mails, Beschlüsse, Gesetzesentwürfe und andere Daten beschafft und sie an einen Apotheken-Lobbyisten verkauft zu haben. Ziel der Aktion war es offenbar, Informationen über noch geheime Gesetzesvorhaben zu beschaffen und so einen Informationsvorsprung zu erlangen. Die Unterlagen wurden zum Teil auch im Internet veröffentlicht.

Das Ministerium hat inzwischen Strafanzeige gestellt, die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt. Das Gesundheitsministerium, das den Namen Bechtle bisher nicht genannt hat und lediglich über eine externe IT-Firma sprach, hat dem Mann am 20. November Hausverbot erteilt. Als Bechtle davon erfahren habe, sei der Mitarbeiter sofort freigestellt worden, so die Firmensprecherin. Das Ministerium hat mitgeteilt, weiter mit der IT-Firma zusammenzuarbeiten, da ihr nichts vorzuwerfen sei. (Reuters)

Burda-Verlag übernimmt Mehrheit an Karriere-Netzwerk Xing

Das Karriere-Netzwerk Xing gehört künftig mehrheitlich dem Zeitschriften-Verlag Burda. Durch ein Übernahmeangebot hat die Burda Digital GmbH ihre Beteiligung an Xing um 20,8 auf 59,2 Prozent aufgestockt, wie Burda am Mittwoch mitteilte. Burda gab knapp 51 Millionen Euro für die 1,16 Millionen Aktien aus, die dem Verlagskonzern angedient wurden. Der Xing-Vorstand hatte das Engagement aus strategischer Sicht begrüßt, die offerierten 44 Euro aber für zu niedrig gehalten. Eine große Zahl von Aktionären sah das offenbar anders.

Die im Tec-Dax notierte Xing-Aktie schloss am Mittwoch bei 43,79 Euro. Burda hatte sich nicht festgelegt, bei welcher Anteilshöhe das Übernahmeangebot als Erfolg zu werten sei. Es sei nicht geplant, Xing von der Börse zu nehmen. Der Verlag (“Bunte“, „Focus“) ist bei Xing seit 2009 Großaktionär. Ähnlich wie Axel Springer baut Burda sein Internet-Geschäft seit Jahren aus, um die schrumpfenden Print-Umsätze aufzufangen. Burda erzielt 43 Prozent seines Umsatzes im Digital-Geschäft. (Reuters)

Google und belgische Zeitungsverlage schließen Frieden

Google hat mit belgischen Zeitungen eine weitreichende Kooperationsvereinbarung geschlossen. Das teilte der Chef von Google in Belgien, Thierry Geerts, in einem Blogeintrag mit. Google verpflichtet sich dabei, in den Medien der Verlage, die in der Rechteverwertungsgesellschaft Copiepresse zusammengeschlossen sind, für seine Dienste zu werben. Die Verleger wollen im Gegenzug Google-Werbedienste wie Adwords nutzen, um neue Leser zu gewinnen und ihre Reichweite zu steigern. Copiepresse vertritt die Interessen französischsprachiger Print-Medien in Belgien.

Mit der Vereinbarung endet ein jahrelang erbittert geführter Streit zwischen führenden Tageszeitungen in Belgien und Google um die Nutzung von Textausrissen und Vorschaubildern auf Angeboten wie Google News. Die Verleger hatten 2006 wegen Urheberechtsverletzungen durch Google News geklagt und gewonnen. Auch in einem Berufungsverfahren 2011 unterlag Google und entfernte daraufhin zeitweise alle Links auf die Zeitungsseiten aus seinem Index. Nachdem die Copiepresse-Verlage zugesichert hatten, keine Strafzahlungen wegen Urheberrechtsverletzungen mehr einzufordern, wurden die Medien wieder in den Suchindex aufgenommen. Google-Manager Geerts betonte, Google zahle weder an die belgischen Verlage noch an die Autoren Geld, um ihre Inhalte in die Google-Dienste einzuschließen. Allerdings übernimmt Google die Kosten der Verleger, die in der rechtlichen Auseinandersetzung mit dem amerikanischen Konzern angefallen sind. Im Rahmen der Vereinbarung will Google den Verlagen dabei helfen, zusätzliche Vertriebserlöse durch Abos oder Bezahlschranken (“Paywalls“) zu erzielen. Mit Diensten wie Youtube oder der Videokonferenz-Lösung Hangout werde Google die Verlage unterstützen, die Kontakte zu ihren Lesern zu intensivieren. In Deutschland wehrt sich Google gegen ein von der schwarz-gelben Bundesregierung geplanten Leistungsschutzrechtes für Presseverleger, mit dem Textauszüge und Vorschaubilder lizenzpflichtig würden. (dpa-AFX)

Aurubis nach robustem Geschäftsjahr verhalten optimistisch

Der führende europäische Kupferkonzern Aurubis hat den Gewinn vor Steuern im abgelaufenen Geschäftsjahr 2011/12 (Ende September) leicht gesteigert und blickt verhalten optimistisch auf das kommende Jahr. Wie der M-Dax-Konzern am Donnerstag mitteilte, erhöhte sich der Gewinn vor Steuern im operativen Geschäft um ein Prozent auf 296 (Vorjahreszeitraum: 292) Millionen Euro. Der Umsatz legte trotz deutlich niedrigerer Kupferpreise um 3 Prozent auf 13,8 Milliarden Euro zu. Der Gewinn sank unterdessen um 2 Prozent auf 207 Millionen Euro.

Die Dividende soll auf 1,35 (1,20) Euro je Aktie erhöht werden. Die Euro-Schuldenkrise bremste Aurubis nicht ganz so stark wie erwartet. Für das laufende Jahr stellte der seit 1. Januar amtierende Konzernchef Peter Willbrandt bei Kupferprodukten einen Absatz leicht über dem Vorjahresniveau in Aussicht. Der Kupferpreis dürfte hoch bleiben, aber stark schwanken. (dpa-AFX)

Renault will restlichen Volvo-Anteil losschlagen

Der französische Autobauer Renault will mit dem Verkauf seiner restlichen Volvo-Aktien seine Schuldenlast verringern und zugleich sein Investitionspolster aufbessern. Wie der Konzern am Mittwochabend mitteilte, wird er seine verbliebenen 6,5 Prozent an dem schwedischen Konkurrenten Volvo über die Börse verkaufen. Die Platzierung der 138,6 Millionen Volvo-A-Aktien wird die amerikanische Bank Goldman Sachs vornehmen. Der Anteil hat gemessen am letzten Schlusskurs einen Wert von 13,3 Milliarden schwedischen Kronen (1,5 Milliarden Euro).

Renault hat besonders stark mit der schwierigen Lage auf dem europäischen Automarkt zu kämpfen. Im Oktober brach der Absatz der Franzosen in Europa um 18 Prozent ein. Der Schuldenstand von Renault ist inzwischen doppelt so hoch wie vor einem Jahr. Das Geld aus dem Volvo-Verkauf soll nun in den Abbau der Verbindlichkeiten fließen. Aber auch Investitionen in Märkte wie Frankreich, Russland oder China seien dringend nötig, um sich besser für den Wettbewerb zu wappnen und die Expansion voranzutreiben, teilte Renault mit. (dpa)

Unister stellt umstrittene Produkte ein

Die Internetfirma Unister hat auf die Festnahme von Top-Managern wegen Verdachts illegaler Versicherungsgeschäfte reagiert. Das Unternehmen stellt den Verkauf von umstrittenen Stornoschutz-Produkten vorerst ein, wie Unister am Mittwoch in Leipzig mitteilte. Dies gelte solange, bis es eine Gerichtsentscheidung gibt. Unister soll auf seinen Reiseportalen wie fluege.de und ab-in-den-urlaub.de einen Stornoschutz angeboten haben, der einer Versicherung gleichkommt. Eine Genehmigung dafür hat Unister laut Ermittlern aber nicht gehabt. Die Firma kündigte an, nun zunächst „klassische Versicherungsprodukte unserer Versicherungspartner“ anzubieten.

Die beiden verhafteten Top-Manager der Internetfirma schweigen bislang zu den Vorwürfen der illegalen Geschäftemacherei und Steuerhinterziehung. Beim Ermittlungsrichter hätten die Männer keine Angaben gemacht, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in Dresden, Wolfgang Klein, am Mittwoch. Die Unister-Chefs waren am Dienstag bei einer großangelegten Razzia festgenommen worden. Das Unternehmen wies die Vorwürfe am Mittwoch zurück. Die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt gegen insgesamt acht Führungskräfte. Bei den umstrittenen Produkten, die nun vorerst eingestellt wurden, wurde den Ermittlern zufolge keine Versicherungssteuer gezahlt. (dpa-AFX)

Bayer beantragt EU Zulassung für Radium-223-Dichlorid bei Prostatakrebs

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer hat für sein Krebsmittel Radium-223-Dichlorid einen Zulassungsantrag in der EU eingereicht. Bei der europäischen Arzneimittelzulassungsbehörde EMA sei die Zulassung für die Behandlung von Männern mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom (CRPC) und Knochenmetastasen beantragt worden, teilte der Konzern am Mittwoch in Berlin mit. Basis seien positive Studiendaten.

Eine Phase III-Studie habe gezeigt, dass die Behandlung mit Radium-223 das Gesamtüberleben der Patienten signifikant verlängere. Radium-223 ist laut Bayer ein Entwicklungspräparat, das derzeit weder von der europäischen Gesundheitsbehörde EMA (European Medicines Agency) noch von der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) oder anderen Gesundheitsbehörden zugelassen ist. Das Präparat diene zur Behandlung von Krebserkrankungen, die bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) in den Knochen gebildet haben. (dpa-AFX)

Société Générale verkauft ägyptische Banktochter

Die französische Großbank Société Générale versilbert ihre ägyptische Banktochter. Die Qatar National Bank werde den Anteil von gut 77 Prozent an der National Société Générale Bank (NSGB) sowie weitere Aktien für rund 2 Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro) übernehmen, teilte Societe Generale am Mittwochabend mit.

Das französische Institut wird eigenen Angaben zufolge aus der Transaktion einen Gewinn von 350 Millionen Euro verbuchen. Zudem dürfe sich die Kernkapitalquote verbessern. Das Geschäft soll in der ersten Jahreshälfte 2013 unter Dach und Fach sein. (dpa-AFX)

Chef des Rohstoff-Geschäfts verlässt die Deutsche Bank

Der Chef des Rohstoff- und Energiehandels der Deutschen Bank verlässt das Geldhaus Insidern zufolge im Zuge eines größeren Personalabbaus. David Silbert, Global Head of Commodities, werde gehen, sagten mehrere mit den Vorgängen bei der Bank Vertraute am Mittwoch.

In den Vereinigten Staaten und Europa müssten im Zuge der Stellenstreichungen im Investmentbanking Dutzende von Händlern die Bank verlassen. „Sie lassen weltweit mehr als 50 gehen, die meisten in Houston, aber auch in Europa“, sagte einer der Insider. Die stärksten Einschnitte seien im Strom- und Gashandel geplant. Der Energiehandel in Europa leidet derzeit besonders, weil die Subventionierung der erneuerbaren Energien die Preise kaputtmacht und es den Händlern schwer macht, Geld zu verdienen. (Reuters)

Wal-Mart an türkischem Einzelhändler Migros interessiert

Der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart ist einem Medienbericht zufolge an dem türkischen Konkurrenten Migros Ticaret interessiert. Der amerikanische Konzern führe derzeit Gespräche mit der britischen Private-Equity-Gesellschaft BC Partners über den Erwerb von 80 Prozent an Migros, berichtet die „Financial Times“.

Eine Transaktion würde Migros mit über 4 Milliarden Dollar bewerten. Bei Migros war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Ein Wal-Markt-Sprecher sagte, dass das Unternehmen sich nicht zu Gerüchten äußere. (Reuters)

Goldman-Chef erwartet Nachfolger aus dem eigenen Haus

Der Chef der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs, Lloyd Blankfein, rechnet mit einem Nachfolger aus dem eigenen Haus. Es sei nahezu sicher, dass der nächste Vorstandsvorsitzende aus den eigenen Reihen rekrutiert werde, sagte Blankfein am Mittwoch bei einer Veranstaltung der „New York Times“.

Er plane aber nicht, seinen Posten aufzugeben. Der 58 Jahre alte Manager führt die Bank seit 2006. Über seine Nachfolge entscheidet aber nicht er selbst, sondern der Verwaltungsrat. (Reuters)

Wirtschaftsnachrichten

EU einigt sich auf Bankenaufsicht

Die Eurozone bekommt 2014 eine gemeinsame Bankenaufsicht. Das beschlossen die EU-Finanzminister am Donnerstagmorgen nach 14-stündigen Marathonverhandlungen in Brüssel. Mit der Aufsicht soll das gemeinsame Währungsgebiet krisensicherer gemacht werden. „Das ist ein Signal, das sich auch an die übrige Welt richtet“, bilanzierte der französische Finanzminister Pierre Moscovici. „Man kann Europa vertrauen, man kann der Eurozone vertrauen.“ Deutschland und Frankreich ebneten mit einer zweiseitigen Abmachung den Weg für die Einigung aller 27 Partner. Viele EU-Staats- und Regierungschefs hatten dem Vernehmen nach darauf gedrungen, dass der Streit um die Aufsicht nicht wieder ein Gipfeltreffen bestimmt.

Die neue Kontrolle für die Banken der Eurozone soll am 1. März 2014 voll funktionsfähig sein. Das habe der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, versichert, berichtete EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier. Bis zu diesem Termin laufe die Aufbauphase. Die EZB soll nur für Geldhäuser mit mehr als 30 Milliarden Euro Bilanzsumme zuständig sein. Die Notenbank soll aber das Recht haben, notfalls bei jeder der 6000 Banken im gemeinsamen Währungsgebiet durchzugreifen. „Es gibt die totale Information der EZB“, meinte Kommissar Barnier. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) lobte den Kompromiss. Berlin und Paris hatten sich vor dem Sondertreffen bei kritischen Punkten verständigt. Dazu gehörten die Zahl der überwachten Banken und die strikte Trennung von geldpolitischen Entscheidungen und Bankenaufsicht innerhalb der EZB. Berlin hatte dafür gekämpft, Sparkassen und Volksbanken grundsätzlich unter nationaler Aufsicht zu lassen. Die Aufsicht ist Voraussetzung für direkte Finanzspritzen an marode Banken aus dem Rettungsschirm ESM. (dpa-AFX)

Kabinett bringt strengere Fondsregulierung auf den Weg

Immobilienfonds, Hedgefonds und Private-Equity-Fonds sollen in Deutschland künftig strenger überwacht werden. Das Kabinett brachte am Mittwoch den mit Spannung erwarteten Gesetzentwurf zur Umsetzung der EU-Richtlinie für Alternative Investmentfonds-Manager (AIFM) auf den Weg, die bis zum Juli 2013 in allen Mitgliedstaaten umgesetzt werden muss. Damit brauchen künftig alle Arten von Investmentfonds und deren Verwalter eine Zulassung der Finanzmarktaufsicht. Dafür müssen sie ein angemessenes Risikomanagement nachweisen und umfassende Transparenzpflichten erfüllen.

Die Politik will als Lehre aus der Krise keinen Finanzmarktakteur mehr unbeaufsichtigt lassen, wie das Finanzministerium mitteilte. Mit dem AIFM-Gesetz wird in Deutschland ein neues Kapitalanlagegesetzbuch geschaffen, das alle Arten von Investmentfonds einschließt. Wann der Bundestag darüber abstimmt, ist noch unklar. Dort könnte der Gesetzentwurf noch wesentlich verändert werden. Die jetzt vorliegende Version der schwarz-gelben Koalition wurde auf Druck der Fondsbranche, die eine Überregulierung und Standortnachteile befürchtete, deutlich entschärft. So ist das ursprünglich diskutierte Verbot milliardenschwerer Offener Immobilien-Publikumsfonds, von denen etliche in der Finanzkrise in Schieflage gerieten, vom Tisch. Sie sollen künftig aber strikten Anlagebeschränkungen unterliegen. Zudem dürfen Kleinsparer ihre Anteile nur noch einmal pro Jahr zurückgeben, damit die Fonds ihre Liquidität besser managen können. Auch Spezialfonds - also Offene Fonds, die das Geld professioneller Investoren wie etwa Versicherer einsammeln - bleiben erhalten.

Auch in einem anderen Punkt kam die Koalition der Branche entgegen: Künftig soll es neben den Privatanlegern und den institutionellen Investoren eine dritte Kategorie, die semi-professionellen Anleger, geben. Dazu zählen etwa Stiftungen und Verbände, aber auch Fondsmanager selbst. Sie alle können künftig weiter in komplexe Produkte investieren, wenn sie sich zutrauen, die Risiken abzuschätzen. Dafür hatte sich vor allem die Private-Equity-Branche stark gemacht. Hart blieb die Koalition bislang dagegen bei den Beschränkungen für Hedgefonds. Sie sollen für Privatanleger gesperrt bleiben, um sie vor Verlusten zu schützen. Auch ausländische Hedgefonds sollen in Deutschland nur noch an professionelle und semi-professionelle Investoren verkauft werden. (Reuters)

Bernankes Fed druckt noch viel mehr Geld

Im Kampf gegen Arbeitslosigkeit und Wachstumsschwäche in den Vereinigten Staaten wirft die Federal Reserve zum Jahreswechsel abermals kräftig die Notenpresse an. Wie die amerikanische Notenbank am Mittwoch nach der letzten Sitzung ihres Offenmarktausschusses 2012 mitteilte, will sie ab Januar monatlich für 45 Milliarden Dollar Staatsanleihen kaufen. Zusätzlich setzt sie den im September begonnen Aufkauf bestimmter Immobilienpapiere in einem Volumen von 40 Milliarden Dollar pro Monat fort. Beides war an den Finanzmärkten erwartet worden.

Überraschend früh und nicht erst wie erwartet im kommenden Jahr setzten sich die Notenbanker auch konkrete Zielmarken, die sie mit ihrer Geldpolitik anpeilen. So soll der Leitzins, der seit vier Jahren bei quasi null Prozent liegt, so lange nicht steigen, bis die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent sinkt und auf Sicht von ein bis zwei Jahren eine Inflationsrate von höchstens 2,5 Prozent erwartet wird. Bis dato hatte die Fed mitgeteilt, der Schlüsselzins werde wohl nicht vor Mitte 2015 wieder erhöht.

Bernanke mahnte am Mittwochabend (MEZ) vor Journalisten in Washington jedoch, die Federal Reserve müsse sich von ihrer extrem konjunkturstimulierenden Geldpolitik lösen, schon bevor das Endziel der Vollbeschäftigung erreicht werde. Er versicherte aber zugleich, die Fed werde auch nicht zu schnell vom Gas gehen: „Wir sind keineswegs auf Autopilot. Sollte nur einer der Schwellenwerte erreicht werden, heißt das noch nicht, dass automatisch die Unterstützung für die Konjunktur zurückgefahren wird.“ (Reuters)

Quelle: FAZ.NET, dpa-AFX, Reuters, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Dow Jones
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