Unternehmensnachrichten
Microsoft schreibt Milliarden aufs Online-Geschäft ab
Weil die Geschäfte von Microsoft im Internet schlechter laufen als erhofft, schreibt der weltgrößte Software-Konzern 6,2 Milliarden Dollar auf seine Online-Service-Sparte ab. Zu dem Online-Zweig gehört unter anderem die Suchmaschine Bing. Im Jahr 2007 hatte Microsoft für 6,3 Milliarden Dollar die Online-Werbefirma Aquantive gekauft. Doch die Erwartungen haben sich nicht erfüllt. Alleine in den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres lag der operative Verlust der Online-Service-Sparte bei mehr als 1,4 Milliarden Dollar. (dpa-AFX)
Dell kauft Quest
Dell will mit dem Kauf des SAP -Konkurrenten Quest sein Softwaregeschäft breiter aufstellen und die Abhängigkeit vom schwächelnden PC-Markt verringern. Der Computerkonzern übernimmt das Softwareunternehmen für 2,4 Milliarden Dollar. Mit seiner Bar-Offerte über 28 Dollar je Aktie konnte sich Dell im monatelangen Bieterkampf gegen den Finanzinvestor Insight Venture Partners durchsetzen. (Reuters)
Permira zieht halbe Milliarde Euro aus Iglo
Nach dem Scheitern des Verkaufs von Bird’s Eye Iglo will sich der Finanzinvestor Permira Bankern zufolge an dem Tiefkühlkost-Hersteller selbst schadlos halten. Permira könne sich eine kreditfinanzierte Sonderdividende von rund einer halben Milliarde Euro auszahlen lassen, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Banker der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Der Eigentümer hatte eine gemeinsame Offerte über 2,5 Milliarden Euro von Blackstone und BC Partners für Iglo in der vergangenen Woche zurückgewiesen. Permira hatte sich mindestens 2,8 Milliarden Euro erhofft.
Iglo hatte mit einer Schuldenlast von 1,4 Milliarden Euro als reif für einen Verkauf gegolten. Nun arbeitet Permira zusammen mit Credit Suisse und der Deutschen Bank an einer Refinanzierung von 1,9 Milliarden Euro über vorrangige Kredite und nachrangige Anleihen, wie die Banker sagten. Die Differenz könnte sich Permira ausschütten lassen. Bei einer Übernahme wäre die Schuldenlast von Iglo auf bis zu 2,4 Milliarden Euro gestiegen. Mit der neuen Finanzierung könnte sich Permira nach den Worten der Banker verpflichten, für weitere zwei bis drei Jahre an Iglo festzuhalten. Der Investor hatte Iglo 2006 von Unilever gekauft und seither durch Zukäufe gestärkt. Nach Daten von Thomson Reuters LPC wäre die „Rekapitalisierung“ von Iglo die größte seit 2007, als die damaligen Eigentümer der Flugbuchungsfirma Amadeus sich 1,4 Milliarden Euro auszahlen ließen. (Reuters)
Orderbuchumsatz auf Xetra geht im Juni weiter zurück
Der Orderbuchumsatz auf der elektronischen Handelsplattform Xetra und im Frankfurter Xetra-Spezialistenhandel ist im Juni im Jahresvergleich weiter gesunken. Mit 93,8 Milliarden Euro lag das Minus bei rund 15 Prozent. Im Mai war der Umsatz um rund 27 Prozent gesunken, nach einem Minus von 8 Prozent im April. Im Xetra-Kernhandel gingen die Erlöse im Juni um 15 Prozent auf 89,2 Milliarden Euro zurück, im Spezialistenhandel verharrte er bei 4,6 Milliarden Euro. (dpa-AFX)
Peugeot will in Frankreich noch mehr Stellen streichen
Der Autobauer Peugeot will laut einem Gewerkschafter in Frankreich im laufenden Jahr mehr Stellen abbauen als bisher bekannt. „Allein in Frankreich wird das Stellenstreichziel auf 8.000 bis 10.000 angehoben“, sagte der Chef der zweitgrößten Gewerkschaft FO, Christian Lafaye, in einem Interview am Montag. Um die Kosten zu senken wolle der Autobauer in Frankreich jede zehnte Stelle abbauen. Ein Unternehmenssprecher gab keinen Kommentar zu den Äußerungen ab. Im November hatte Peugeot noch den Abbau von 6.000 Stellen in der Region angekündigt. (dpa-AFX)
Wirtschaftsnachrichten
Bundesfinanzagentur gibt Privatkundengeschäft auf
Der Bund steigt einem Zeitungsbericht zufolge aus dem Geschäft mit privaten Anlegern aus. Nur noch bis Ende 2012 könnten Privatkunden ihr Geld über die Finanzagentur direkt in Bundesschatzanweisungen, Bundesobligationen und Bundesanleihen investieren, berichtete das „Handelsblatt“ (Dienstagausgabe) unter Berufung auf ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums vorab. Danach sei der Erwerb nur noch über Kreditinstitute möglich. Zuletzt soll das Geschäft mit Privatkunden weniger als zwei Prozent zur Refinanzierung des Staates beigetragen haben. Derzeit haben private Kunden dem Blatt zufolge rund 8,5 Milliarden Euro angelegt. (Reuters)
Chinas Servicesektor gewinnt im Juni wieder an Fahrt
Nach zwei rückläufigen Monaten hat das Wachstum in der chinesischen Dienstleistungsbranche im Juni wieder an Tempo gewonnen. Der offizielle Einkaufsmanagerindex (PMI) stieg auf 56,7 Punkte von 55,2 im Vormonat, wie der Logistik- und Einkäuferverband erklärte. Am Sonntag hatte der offizielle PMI für die Industrie gezeigt, dass der Sektor nur noch sehr mager zulegt. Indexstände über 50 signalisieren ein Wachsen einer Branche, während darunter liegende Werte auf ein Schrumpfen deuten. (Dow Jones)
Australische Notenbank hält Leitzins stabil
Die australische Zentralbank hat den Leitzins unverändert gelassen. Die Währungshüter entschieden bei ihrem Treffen, den geldpolitischen Schlüsselsatz bei 3,50 Prozent zu halten, nachdem sie diesen im Juni um 25 Basispunkte und im Mai um 50 Basispunkte gesenkt hatten. Volkswirte halten aber weitere Zinsschritte nach unten für denkbar, vor allem wenn die Inflation so niedrig bleibt wie bisher.
Bei ihrer Entscheidung haben die Notenbanker das überraschend starke Wachstum der heimischen Wirtschaft im ersten Quartal berücksichtigt. Die Beschlüsse auf dem EU-Krisengipfel Ende vergangener Woche scheinen ebenfalls ein wenig von der großen Unsicherheit genommen zu haben, die von der europäische Schuldenkrise ausgeht.
Trotzdem bleibt die Lage für die Notenbank herausfordernd, weil der Boom im Bergbausektor die Teuerung treiben könnte. Außerdem ist die australische Wirtschaft geteilt, in den Sektor Bergbau und Rohstoffe auf der einen und mit dem hohen Wert des Australischen Dollars kämpfenden Bereichen, wie dem verarbeitenden Gewerbe, auf der anderen Seite. Während für den einen Teil der Wirtschaft das Zinsniveau zu hoch sein könnte, ist es für den anderen zu niedrig. (Dow Jones)
Weltbank bringt sich als Griechenland-Helfer ins Spiel
Die neue Weltbank-Führung deutet einen fundamentalen Kurswechsel an und bringt eine Unterstützung für entwickelte Länder wie Griechenland ins Spiel. Im scharfen Gegensatz zu seinem Vorgänger Robert Zoellick sagte Weltbank-Präsident Jim Yong Kim am Montag zum Amtsantritt, die Weltbank könnte Ländern mit strukturellen Problemen wie dem angeschlagenen Euro-Land mit technischer Hilfe beratend zur Seite stehen. Zoellick hatte ein Engagement Griechenland stets abgelehnt und vor Risiken für die Weltbank gewarnt.
Der ausgebildete Mediziner Kim erklärte, er sehe es als seine Hauptaufgabe, in dieser „entscheidenden Stunde“ für die weltweite Konjunktur auch entwickelte Länder zu schützen. Bislang hat die Institution ihre Ressourcen und Expertise auf Schwellen- und Entwicklungsländer konzentriert. Kernaufgabe ist die Förderung ärmerer Staaten. (Reuters)
Brasiliens Handelsbilanzüberschuss sinkt deutlich
Brasilien hat in den ersten sechs Monaten einen Rückgang seines Handelsbilanzüberschusses von über 45 Prozent hinnehmen müssen. Die sechstgrößte Volkswirtschaft exportierte im ersten Halbjahr Waren im Wert von 117,2 Milliarden Dollar. Die Importe beliefen auf 110,1 Milliarden Dollar, woraus sich der im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich geringere Überschuss von 7,1 Milliarden Dollar ergab (2011: 13 Milliarden).
Das Ministerium für Entwicklung, Industrie und Außenhandel zeigte sich am Montag besorgt. Dies sei das schlechteste Halbjahresergebnis seit 2002. Unter anderem sorgten fallende Eisenerz-Preise für einen Rückgang der Exportzahlen. Brasiliens Zentralbank hatte vorige Woche die Wachstumsprognose für das Bruttoinlandsprodukt für 2012 von 3,5 auf 2,5 Prozent gesenkt. (Reuters)
Kurzsichtige Finanzagentur
Michael Radloff (melursus)
- 03.07.2012, 09:15 Uhr
