02.01.2012 · Solarworld erwartet in den Vereinigten Staaten eine schwierige Situation, LDK Solar will Sunways übernehmen. Porsche wird wegen der VW-Übernahme weiter verklagt, Venezuela muss Exxon Mobil mehr als 900 Millionen Dollar Schadenersatz zahlen Hyundai Heavy spürt den Konjunkturabschwung, Merck nur in Teilbereichen, die Bundesbank warnt vor einer Kreditklemme in den Euro-Krisenländern, aber Chinas Einkaufsmanagerindex steigt über 50 Punkte.
Solarworld sieht sich bei der Umsatzentwicklung 2011 auf Zielkurs und kann sich vorstellen, von der Pleite des Konkurrenten Solon zu profitieren. Den Vorjahresumsatz von 1,3 Milliarden Umsatz werde man aber nicht erreichen, sagte Vorstandschef Frank Asbeck der Wirtschaftszeitung „Euro am Sonntag“. Während der Absatz in Deutschland im vierten Quartal gut gelaufen sei, sei die Situation in Amerika schwieriger. „Solange dort subventionierte chinesische Hersteller mit unanständigen Preisen agieren, tun wir uns schwer.“ (dpa-AFX)
Das chinesische Solarunternehmen LDK Solar steigt bei dem Konstanzer Solarzellen-Hersteller Sunways ein und will die Firma komplett übernehmen. Über eine Kapitalerhöhung erwirbt eine Tochter von LDK Solar ein Drittel der Anteile, teilte Sunways am Samstagabend mit. Anschließend wollen die Chinesen den übrigen Aktionären ein Übernahmeangebot zum Preis von 1,90 Euro je Aktie machen. Am Freitag lag der Schlusskurs der Sunways-Papiere bei 1,54 Euro. Das Bundeskartellamt muss beide Schritte noch genehmigen.
Sunways schrieb unter anderem wegen des Preisverfalls bei Solarmodulen im dritten Quartal hohe Verluste, unterm Strich lagen sie bei 8,7 Millionen Euro. Der Umsatz betrug 23,2 Millionen Euro, was einem Rückgang von 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entsprach. Die Sunways-Aktien sind nach bisherigen Angaben zu 78 Prozent im Streubesitz, der Rest gehört Vorstand und Aufsichtsrat. (dpa-AFX)
Mehrere Investmentfonds wollen mit einer neuen Klage gegen den Sportwagenbauer Porsche Schadenersatz von fast zwei Milliarden Euro erstreiten. Hintergrund ist der gescheiterte Versuch Porsches, 2008 den viel größeren Volkswagen-Konzern zu übernehmen. Die Dachgesellschaft Porsche SE habe ihre Strategie zunächst verheimlicht und auf diese Weise später Kursturbulenzen verursacht, hieß es am Samstag in der Mitteilung einer Frankfurter Kanzlei. Ähnliche Vorwürfe gegen Porsche wurden bereits mehrfach von Aktionären vor Gericht geltend gemacht.
Eine Sprecherin erklärte, die Klage sei am Freitag beim Landgericht Stuttgart eingereicht worden. Welche Anteile die insgesamt sieben angelsächsischen Investmentgesellschaften - darunter auch Hedge-Fonds - genau hielten, konnte sie nicht sagen. Ein Porsche-Sprecher sagte, das Unternehmen kenne die Klage bislang nicht.
Der Absatz des Sportwagenbauers soll 2012 stärker als der Markt wachsen. Weltweit sei laut dem Marktforschungsinstitut Polk in diesem Jahr mit einem Anstieg des Pkw-Absatzes um 6,5 Prozent auf 66 Millionen Einheiten zu rechnen, sagte Porsche Vertriebs- und Marketingvorstand Bernhard Maier der Fachzeitschrift „Automotive News Europe“ (ANE). (dpa-AFX)
Die Schiffbaubranche bekommt den globalen Konjunkturabschwung immer stärker zu spüren. Die weltgrößte Werft Hyundai Heavy Industries rechnet nach Angaben vom Montag damit, dass sich ihr Auftragswachstum 2012 um mehr als die Hälfte auf 20 Prozent verlangsamt nach einem Plus von noch 48 Prozent im vergangenen Jahr. Das südkoreanische Unternehmen geht für dieses Jahr nun von Bestellungen im Volumen von umgerechnet rund 24 Milliarden Euro aus. Zuletzt hatten die unsicheren Konjunkturaussichten und die zurückhaltendere Kreditvergabe der Banken zu einer Reihe von Auftragsstornierungen in der Schiffbaubranche weltweit geführt. (Reuters)
Ein internationales Schiedsgericht hat Venezuela zur Zahlung von fast 908 Millionen Dollar (knapp 700 Millionen Euro) Schadenersatz für die Verstaatlichung von Firmeneigentum des texanischen Ölkonzerns Exxon Mobile verurteilt. Wie ein Unternehmenssprecher am Sonntag mitteilte, stellte die Internationale Handelskammer (ICC) fest, dass die staatliche Ölgesellschaft Petroleos de Venezuela für den entstandenen Schaden haften müsse. Exxon Mobile hatte das Schiedsgericht nach der Verstaatlichung eines Ölförderprojekts im Jahr 2007 angerufen. Die venezolanische Regierung äußerte sich am Sonntag zunächst nicht zu dem Schiedsspruch. (dapd)
Der deutsche Pharma- und Chemiekonzern Merck spürt nur in Teilen seines Geschäftes eine wirtschaftliche Abkühlung. Der Konzern produziere unter anderem Flüssigkristalle für die Elektronikindustrie und habe bereits im Sommer Schwächen im Endmarkt vermeldet, sagte Finanzvorstand Matthias Zachert der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. In der ersten Hälfte 2012 werde hier eine moderate Abschwächung erwartet. „Von einem Einbruch der Aufträge kann aber keine Rede sein“, so Zachert. Für eine Prognose für das Jahr 2012 sei es noch zu früh, diese wolle der Darmstädter Konzern im ersten Quartal geben. (Dow Jones)
Der Pharmakonzern Stada übernimmt entgegen der ursprünglichen Absicht nur einen Teil des Markenprodukt-Portfolios der Grünenthal GmbH. Von dem Kauf des Portfoliopaktes in den zur EU gehörigen Märkten Mitteleuropas trat Stada am Sonntag zurück. Die zuständigen Kartellbehörden hatten der Transaktion bis zum Jahresende 2011 nicht zugestimmt. Entsprechend sei Stada, wie angekündigt, von dem Vertrag zum Kauf dieses Portfolios zurückgetreten. Der Kaufpreis für das restliche Paket reduziere sich infolgedessen auf rund 152 Millionen Euro von 360 Millionen Euro.
Im Juli hatte der Konzern aus Bad Vilbel die Übernahme des Markenprodukt-Portfolios inklusive der dazugehörigen Vertriebsstrukturen für zahlreiche Märkte in Mittel- und Osteuropa sowie im Nahen Osten vereinbart. Das übernommene Paket bestehe zum größten Teil aus verschreibungspflichtigen Produkten im Indikationsbereich Schmerz, hieß es seinerzeit. (Dow Jones)
Ehemaligen Führungskräften der geretteten HSH Nordbank droht ein Nachspiel vor Gericht. Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat nach Informationen der FAZ Anklage gegen sechs frühere Vorstandsmitglieder erhoben, wie aus dem Kreis der Beschuldigten verlautete. Ihnen wird Untreue im besonders schweren Fall und Bilanzfälschung vorgeworfen. Beschuldigt werden unter anderem die ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Dirk Jens Nonnenmacher und Hans Berger. Alle sechs Ex-Vorstände weisen die Vorwürfe entschieden zurück. Der Anwalt Nonnenmachers bezeichnete sie als „absurd“ bezeichnet.
Wirtschaftsnachrichten
Die EU-Kommission überprüft die neuen ungarischen Gesetze zur Einschränkung der Unabhängigkeit der heimischen Nationalbank. Das ungarische Parlament hatte am Freitag mit den Stimmen der rechts-konservativen Regierungsmehrheit die Gesetze angenommen. Ein neuer Verfassungszusatz ermöglicht es, die Notenbank jederzeit mit der Finanzmarktaufsicht zu fusionieren. Laut Kritikern könnte damit Nationalbank-Chef Andras Simor entmachtet werden.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hatte bereits vor Weihnachten dem Ministerpräsidenten Viktor Orban seine Bedenken mitgeteilt. Laut EU-Vertrag sind die Europäische Zentralbank (EZB) und die nationalen Notenbanken unabhängig. Der Vertrag erlaubt es der Kommission, gegen Mitgliedstaaten ein Verfahren wegen Verletzung der Rechtstexte zu eröffnen. Solche Prozeduren können in einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) münden. (dpa-AFX)
Die Bundesbank befürchtet angesichts der Schulden- und Bankenkrise eine Kreditklemme für Unternehmen in den Euro-Krisenländern und in Osteuropa, nicht jedoch in Deutschland. Angespannter stelle sich die Lage laut Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret in den Euro-Peripherieländern dar, denn dort seien die Kapitallücken der Banken deutlich größer, so das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. „Auch in Osteuropa könnte es zu Problemen kommen.“
Hintergrund ist die Vorgabe der EU, dass die europäischen Banken bis Ende Juni 2012 ihr Eigenkapital aufstocken müssen, um besser für eine Verschärfung der Krise gewappnet zu sein. Es wird befürchtet, dass die Finanzinstitute deshalb ihre Kreditvergabe an Unternehmen zurückfahren, was wiederum eine Rezession auslösen könnte. Gleichzeitig müssen die Geldhäuser ebenso wie die Staaten Anfang 2012 enorme Mengen an Fremdkapital neu aufnehmen.
Der Vorstandsvorsitzende der DZ Bank, Wolfgang Kirsch, erwartet dagegen aufgrund der neuen regulatorischen Anforderungen an die Banken ernste Probleme bei großvolumigen Finanzierungen, Immobilienkrediten oder strukturierten Finanzierungen, so die „Börsen-Zeitung“ (Samstag). Sollten diese gefährlichen Entwicklungen eintreten, könne kein Politiker sagen, er habe es nicht gewusst. (dpa-AFX)
Chinas industrieller Sektor dürfte im Dezember wieder gewachsen sein. Der offizielle Einkaufsmanagerindex des Verarbeitenden Gewerbes stieg auf 50,3 Punkte von 49,0 im November, wie der Verband der Einkaufsmanager am Sonntag mitteilte. Der Anstieg erfolgte überraschend, Volkswirte hatten einen Stand von 49,0 prognostiziert. Im Vormonat war der Index erstmals seit Februar 2009 unter die Marke von 50 Zählern gefallen, was auf eine Schrumpfung der Industrie hindeutete.
Der überraschende Anstieg sollte die Befürchtungen über einen Abschwung der zweitgrößten Volkswirtschaft dämpfen. Als Grund für die Verbesserung verwiesen Beobachter auf eine verstärkte Wirtschaftsaktivität vor den Weihnachtsferien und dem Jahreswechsel in China; in dieser Zeit zieht der Konsum erfahrungsgemäß deutlich an. (Dow Jones)
Die Bürger müssen aus Sicht eines Experten für die geplante Energiewende noch gehörig umdenken. „Um den Verbrauch fossiler Energieträger bis 2050 auf unter 20 Prozent herunterzufahren, ist schon eine Verhaltensänderung der Verbraucher nötig“, sagte Ortwin Renn, Stuttgarter Professor und Mitglied der Bundes-Ethikkommission Energie, der Nachrichtenagentur dpa. Sehr viele würden den Ausbau regenerativen Energien aus Sonnen-, Wind- oder Wasserkraft fordern, „aber keiner will die damit verbundenen Belastungen“. Widerstand gebe es vor allem auf lokaler Ebene.
Viele Verbraucher würden sich aber nicht klarmachen, welche Infrastruktur für ihre Nutzung notwendig sei, sagte der Forscher. „Der Bau von Pumpspeicherkraftwerken oder der Ausbau der Netzwerke ist nicht unbedingt erwünscht. In der Wärmedämmung sind die höchsten Effizienzgewinne bei den geringsten Kosten möglich.“ (dpa-AFX)
Gute Nachricht
Karl Eichner (eichikarl)
- 02.01.2012, 15:29 Uhr
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