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Medienschau Amazon plant möglicherweise eigenes Smartphone

 ·  Bundesbankpräsident Jens Weidmann kritisiert die Gipfel Beschlüsse, Boeing verkauft mehr Flugzeuge und die Schiffsfinanzierung für deutsche Reeder ist schwierig. Außerdem bescheren Galaxy-Smartphones Samsung einen Rekordgewinn.

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Unternehmensnachrichten

Airbus-Rivale Boeing liefert mehr Flugzeuge aus

Europas Flugzeugbauer Airbus muss aufpassen: Wenige Tage vor Beginn der wichtigen Luftfahrt-Messe im britischen Farnborough glänzt der amerikanische Rivale Boeing mit einem florierenden Geschäft. Im zweiten Quartal hat der amerikanische Hersteller 150 Maschinen an die Kunden übergeben. Im Vorjahreszeitraum waren es lediglich 118. Die Zahlen veröffentlichte Boeing am Donnerstag.

Neben der starken Nachfrage nach dem weit verbreiteten Kurz- und Mittelstreckenflieger 737 machte sich vor allem bemerkbar, dass die Produktion des modernisierten Jumbo-Jets 747-8 sowie der mittelgroßen Langstreckenmaschine 787 „Dreamliner“ zwischenzeitlich angelaufen ist. Bei beiden Modellen hatten technische Schwierigkeiten zu jahrelangen Verzögerungen geführt. (dpa-AFX)

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Galaxy beschert Samsung Rekordgewinn

Die reißende Nachfrage nach seinen Galaxy-Smartphones hat dem südkoreanischen Elektronikkonzern Samsung erneut einen Rekordgewinn beschert. Der operative Gewinn sei binnen Jahresfrist um 79 Prozent auf 5,9 Milliarden Dollar (6,7 Billionen Won) gestiegen, teilte Samsung am Freitag mit. Gegenüber dem ersten Quartal ist dies eine Steigerung von 14,5 Prozent. Die Smartphones dürften sich erneut als Ertragsperle erweisen. Damit hätte Samsung seine Marktführerschaft vor Apple und Nokia ausgebaut. Den detaillierten Zwischenbericht will Samsung gegen Ende des Monats vorlegen.

Sorgen bereitet den Koreaner jedoch die Schuldenkrise in Europa. Diese könnte die Nachfrage nach Fernseh- und Haushaltsgeräten beeinträchtigen. „Europa ist unser größter Markt für Verbraucherelektronik und wir könnten gezwungen sein, Kosten zu senken und Preise zu erhöhen, sollte der Euro weiter fallen“, sagte ein Manager, der anonym bleiben wollte, da die Pläne noch intern sind. „Unsere Smartphones gehen weg wie warme Semmel, aber das verzerrt die Perspektive.“ Die schwache Weltwirtschaft und der schwache Euro seien eine Herausforderung. (Reuters)

Finanzinvestor bietet knapp 600 Mio Euro für Küchenausrüster WMF 

Der Besteck-, Topf- und Kaffeemaschinen-Hersteller WMF wechselt den Besitzer. Der amerikansiche Finanzinvestor KKR bietet mehr als 586 Millionen Euro für das Traditionsunternehmen aus dem schwäbischen Geislingen an der Steige, wie er am Freitag mitteilte. Die Mehrheit der Stammaktien hat KKR bereits sicher: Der schweizerische Finanzinvestor CapVis verkauft seine Anteile für mindestens 238 Millionen Euro an die Amerikaner. KKR hat sich vorgenommen, mit WMF ins Ausland zu expandieren. Es gehe darum, das „erhebliche Potential des Unternehmens zur weiteren Marktdurchdringung und internationalen Expansion (zu) realisieren“, hieß es in der Mitteilung. „Dies gilt insbesondere für Asien und den amerikanischen Markt.“ KKR bietet 47 Euro je Stammaktie - das ist fast ein Viertel mehr als der Schlusskurs vom Donnerstag. Damit hofft KKR auch den zweiten WMF-Großaktionär zu locken: Der österreichische Unternehmer Andreas Weißenbacher, Chef des Wasseraufbereitungs-Spezialisten BWT, hält weitere 37 Prozent der Stammaktien. Er hatte erklärt, seine Anteile nicht verkaufen zu wollen. Seine Haltung hatte den Prozess erschwert, seit Capvis WMF im Frühjahr zum Verkauf gestellt hatte. Auch ein zweiter Börsengang war erwogen worden. Für die Schweizer ist der Ausstieg lukrativ: Der Mittelstands-Investor hatte 2006 nur 92 Millionen Euro für seinen Anteil bezahlt. (Reuters)

Flughafen-Debakel lastet auf Air Berlin

Die kurzfristig abgesagte Eröffnung des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg hat bei Air Berlin zu einem Passagierrückgang geführt. Im Juni beförderte Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft rund 3,3 Millionen Fluggäste und damit fünf Prozent weniger als im Vorjahresmonat, wie die Lufthansa -Konkurrentin am Freitag mitteilte. Die Auslastung sank um einen Prozentpunkt auf 79 Prozent. Der Passagierrückgang sei auf die kurzfristig angekündigte Rückverlagerung des Berliner Flugverkehrs vom zukünftigen Flughafen Berlin-Brandenburg zurück nach Berlin-Tegel und die damit verbundenen Flugplanänderungen zurückzuführen. Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn hatte wegen der überraschenden Verschiebung des Eröffnungstermins für den neuen Flughafen wiederholt Schadenersatz von der Betreibergesellschaft gefordert. Statt Anfang Juni dieses Jahres soll der neue Airport nun am 17. März des nächsten Jahres in Betrieb gehen. (Reuters)

Kreise: Amazon will ins Handygeschäft einsteigen

Amazon will offenbar ins Handygeschäft einsteigen. Der weltgrößte Onlinehändler arbeite mit dem chinesischen Auftragsfertiger Foxconn an einem Gerät, das mit Apples iPhone konkurrieren soll, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen schrieb. Als Betriebssystem setze Amazon auf Googles Android. Zudem erwerbe das Unternehmen derzeit Patente für drahtlose Technologien, um mögliche Klagen von vornherein abzuwehren. Ein Amazon-Sprecher wollte die Informationen nicht kommentieren.

Der Onlinehändler hat bereits Erfahrung mit dem Verkauf von Hardware - seit Ende 2007 bietet Amazon den E-Book-Reader Kindle an. Dieser ist vor allem eine billige Alternative zu Tablets wie dem Apple-Gerät iPad, mit der Amazon-Kunden Bücher und Zeitschriften lesen können. Das Gerät hat sich vor allem in den Vereinigten Staaten zu einem wichtigen Absatzkanal des Unternehmens entwickelt. Mit dem Handy wollen sich die Amerikaner jetzt einen Teil vom derzeit stark wachsenden Markt für Smartphones sichern, der derzeit von Apple und Samung dominiert wird. (dpa-AFX)

BC Partners verkauft restlichen Brenntag-Anteil

Der Finanzinvestor BC Partners trennt sich mit einer mehr als 600 Millionen Euro schweren Platzierung vorzeitig von seiner restlichen Beteiligung am Chemiehändler Brenntag. BC Partners begann am Donnerstagabend mit dem Verkauf von 6,9 Millionen Brenntag-Aktien an Investoren, wie Reuters am Freitag von zwei Beteiligten erfuhr. Die Papiere hatten im Xetra-Handel bei 91,81 Euro geschlossen und waren im Späthandel auf 90,20 Euro gefallen, nachdem die Plazierung bekannt wurde. Organisiert wird sie von Goldman Sachs und der Deutschen Bank. Der Verkauf umfasst rund 13,3 Prozent an Brenntag. Mit dem Ergebnis der Platzierung wird noch am Freitag gerechnet.

Die BC-Partners-Aktien unterlagen eigentlich noch einer sechsmonatigen Haltefrist bis Ende August. Diese kann aber mit Zustimmung der begleitenden Banken aufgehoben werden. (Reuters)

RWE erwartet bald Gebote für Tochter Net4Gas

Der Energiekonzern RWE erwartet Branchenkreisen zufolge bis zum 22. Juli vorläufige Gebote für seine tschechische Pipelinetochter Net4Gas. Gerechnet werde mit Kaufofferten von drei Unternehmen, sagten zwei mit den Sondierungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Es handle sich um das tschechische Unternehmen Energeticky a Prumyslovy Holding (EPH), den Finanzkonzern KKCG und den polnischen Gasnetzbetreiber Gaz-System. Alle drei Unternehmen hatten bereits in der Vergangenheit Interesse signalisiert.

Einer der Insider sagte, Net4Gas könne mit rund 1,4 Milliarden Euro bewertet werden. Dagegen hatten Analysten von HSBC das Unternehmen in der Vergangenheit auf 2,4 Milliarden Euro taxiert. Sie hatten jedoch erklärt, der Kaufpreis könne durch die Eröffnung konkurrierender Pipelines für den Gastransport aus Russland nach Westeuropa belastet werden. (Reuters)

Sieben Gebote für Explosionsschutz-Spezialisten Bartec

Der Verkauf des Sicherheitstechnik-Unternehmens Bartec macht Kreisen zufolge Fortschritte. Mindestens sieben Bieter haben die erste Runde in dem Auktionsprozess überstanden, darunter drei amerikanische Industrieunternehmen und drei Beteiligungsgesellschaften, wie mehrere mit dem Verfahren vertraute Banker am Donnerstag Reuters sagten. Diese Interessenten haben alle mindestens 600 Millionen Euro für das Unternehmen aus Bad Mergentheim in Baden-Württemberg geboten, das dem Schweizer Finanzinvestor Capvis gehört.

Aus den Finanzinvestoren Permira, EQT, Charterhouse und Clayton, Dubilier & Rice sowie den amerikanischen Konzernen Danaher, Ametek und Honeywell sollen im nächsten Schritt drei in die engere Wahl genommen werden. Die entscheidenden Gebote werden dann für Anfang August erwartet, wie die Banker sagten. (Reuters)

Siemens und Areva erringen Teilsieg im Streit um finnisches AKW

Im Streit um Verzögerungen beim Bau eines Atomkraftwerks in Finnland haben die Partner Siemens und Areva einen Etappensieg über ihren Auftraggeber TVO errungen. Ein internationales Schiedsgericht habe den finnischen Energieversorger zu einer Zahlung von 125 Millionen Euro an das deutsch-französische Lieferantenkonsortium verurteilt, teilte Areva am Donnerstag mit. Der  Betrag umfasse vertragswidrig zurückgehaltene Zahlungen von 100 Millionen Euro und Zinsen. Darüber hinaus müsse TVO die Kosten des Rechtsstreits tragen. (Reuters)

Schiffsfinanzierung für deutsche Reeder schwierig

Die Bundesregierung befürchtet eine langfristige Schwächung des Schifffahrtsstandorts Deutschland. Durch den teilweisen Rückzug der Banken aus der Schiffsfinanzierung seien nicht nur Reeder, sondern auch Werften und Zulieferer betroffen. „In Asien gibt es derzeit wesentlich bessere Finanzierungsbedingungen“, sagte der Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, Staatssekretär Hans-Joachim Otto (FDP), dem „Handelsblatt“ (Freitag).

Otto hatte den Angaben zufolge am Donnerstag führende schiffsfinanzierende Banken in Deutschland wie die HSH Nordbank, Commerzbank, NordLB, Unicredit, FSE, KfW Ipex-Bank und die Deutsche Bank nach Berlin eingeladen, um die Lage zu erörtern. Zuvor hatte die Commerzbank ihren Rückzug aus der Schiffsfinanzierung erklärt. Die Reederei-Branche befindet sich seit Jahren in der Krise, die durch Überkapazitäten im Transportbereich geprägt ist. (dpa-AFX)

Auch Real wirbt um ehemalige Schlecker-Mitarbeiter

 Nach der Drogeriekette Rossmann zeigt auch der SB-Warenhausbetreiber Real Interesse an der Übernahme von früheren Schlecker-Mitarbeitern. „Wer bei Schlecker gearbeitet hat, bringt in der Regel gute Voraussetzungen für einen Arbeitsplatz bei Real mit“, sagte Real-Personalchef Andreas Schrödinger den Zeitungen der Essener WAZ-Gruppe (Freitag). „An der einen oder anderen Stelle haben wir schon Schlecker-Frauen eingestellt.“ Real beschäftigt in Deutschland rund 45.000 Mitarbeiter an 316 Standorten.

Rossmann hatte bereits Anfang Juni angekündigt, Mitarbeitern der insolventen Drogeriekette Schlecker eine neue Chance zu geben. Es sollen insbesondere in Süddeutschland Ex-Schlecker-Mitarbeiter eingestellt worden sein, genaue Zahlen konnten die Burgwedeler nicht nennen. Konzernweit beschäftigte Rossmann Ende 2011 insgesamt etwa 33.000 Menschen. (dpa-AFX)

Steuergewerkschaft fordert Offenlegung von VW-Porsche-Deal

Die Deutsche Steuergewerkschaft (DSTG) fordert die Offenlegung der Verträge über die restlichen Porsche-Anteile durch Volkswagen. „Porsche und VW sollten darüber nachdenken, die Verträge bei einem Anwalt offenzulegen“, sagte der DSTG-Vorsitzende Thomas Eigenthaler der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Freitagsausgabe). „Offenbar waren hier Gestaltungsakrobaten am Werk, um dem Fiskus möglichst viel Geld zu entziehen“, sagte Eigenthaler weiter.

Die Komplettübernahme des operativen Geschäfts durch die „Verschiebung“ einer einzigen Aktie habe ein „Geschmäckle“. Er kenne die Verträge zwar nicht, vermute aber, dass die beiden Unternehmen aus einem klaren Kaufgeschäft eine steuerrechtlich privilegierte Umstrukturierung gemacht hätten. „Die Finanzbehörden hätten prüfen müssen, ob VW und Porsche nicht die rechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten missbraucht haben, lediglich um Steuern zu sparen“, sagte Eigenthaler. Der Fall von VW und Porsche torpediere die deutsche Steuermoral. (AFP)

Airport Hahn gegen EU-Pläne für Bodendienste

Die Verantwortlichen des Flughafens Hahn sehen die EU-Pläne für mehr Wettbewerb bei der Bodenabfertigung skeptisch und warnen vor Sicherheitsproblemen. „Wir halten eine neue Regelung für nicht notwendig“, sagte der kaufmännische Geschäftsführer der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH, Wolfgang Pollety, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Es sei problematisch, dass Flughäfen hohe Sicherheitsstandards und gleichzeitig niedrige Preise für  Bodenverkehrsdienste bieten sollen. „Das Problem hoher Sicherheit bei niedrigen Kosten wird auf uns ausgelagert“, sagte Pollety.

Die EU will, dass Europas Flughäfen ihre Bodenabfertigung mehr für den Wettbewerb öffnen. Darauf hatten sich die EU-Verkehrsminister im März im Grundsatz geeinigt, wobei das Europaparlament die Pläne noch billigen muss. Ziel ist es etwa, dass mehr Anbieter um Dienste wie Gepäck- und Frachtabfertigung, das Betanken von Flugzeugen und den Passagiertransport zwischen Flugzeug und Terminal konkurrieren. (dpa)

Wirtschaftsnachrichten

Weidmann: EU-Gipfel brachte keine Klarheit über Zukunft der Währungsunion

Der jüngste EU-Gipfel hat laut Bundesbankpräsident Jens Weidmann keine Klarheit über die Zukunft der Währungsunion gebracht. „Unbeantwortet bleibt vor allem, ob der Maastricht-Rahmen weiterhin Geltung haben soll oder ob ein Mehr an Integrationen einschließlich der Aufgabe nationaler Souveränität - im fiskalischen Bereich - angestrebt wird“, sagte Weidmann am Donnerstag in Frankfurt. Solange dies unklar bleibe, sei die Ankündigung neuer Hilfen für Krisenländer kritisch zu sehen.

Das ursprüngliche Konzept, das Unterstützung nur gegen strikte Auflagen und Überwachung vorgesehen habe, werde durch die Gipfelentscheidungen weiter aufgeweicht, sagte Weidmann. Die Balance werde wieder ein Stück in Richtung Gemeinschaftshaftung
verschoben. Der EU-Gipfel hatte einen erleichterten Zugang auf Mittel des Rettungsschirme verabredet. Eine weitere Ausdehnung von Gemeinschaftshaftung setzt laut Weidmann allerdings strenge Regeln sowie zentrale Kontrollmöglichkeiten und Durchgriffsrechte voraus. (dpa-AFX)

Deutsche Unternehmen investieren weniger im Ausland

Die Exportnation Deutschland liegt bei Investitionen im Ausland weit hinter der Konkurrenz: Während internationale Konzerne im vergangenen Jahr wieder erheblich mehr investiert haben als vor der Finanzkrise, sanken deutsche Direktinvestitionen in anderen Ländern 2011 um fast die Hälfte auf 54,4 Milliarden Dollar. Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Investitionsbericht der Vereinigten-Nationen-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) hervor.

Für 2010 hatte die Organisation bei deutschen Unternehmen noch einen enormen Zuwachs bei den Direktinvestitionen im Ausland von 78 Milliarden Dollar (2009) auf 105 Milliarden Dollar verzeichnet. Das nun vorgelegte Bild für 2011 sieht gänzlich anders aus: Dem schon immer unangefochtenen Spitzenreiter Vereinigte Staaten (397 Milliarden Dollar) bleibt am ehesten Japan auf den Fersen. Dessen Direktinvestitionen im Ausland
verdoppelten sich auf 114 Milliarden Dollar. Mit großem Abstand vor Deutschland liegt nun auch noch Großbritannien. Unternehmen von der Insel steckten im vergangenen Jahr 107 Milliarden Dollar in ausländische Projekte - laut UNCTAD eine Steigerung um 171 Prozent. (dpa-AFX)

EU-Gipfel-Beschlüsse spalten die Ökonomen

Die Beschlüsse des EU-Gipfels aus der vergangenen Woche haben einen heftigen Streit unter prominenten deutschsprachigen Ökonomen ausgelöst. Auf einen offenen Brief von 160 Wirtschaftswissenschaftlern, in dem diese vor allem den Schritt in die Bankenunion kritisiert haben, reagierten Ökonomen unterschiedlichster Denkrichtungen mit einer kritischen Stellungnahme, die dem „Handelsblatt“ (Freitagsausgabe) vorliegt.

Die Öffentlichkeit sei durch Ängste geprägt, die sich mehr aus unbestimmten Gefühlen als aus sachlichen Informationen speisten. Es könne „nicht die Aufgabe von Ökonomen sein, mit Behauptungen, fragwürdigen Argumenten und in einer von nationalen Klischees geprägten Sprache die Öffentlichkeit durch einen Aufruf weiter zu verunsichern“, kritisierten die Autoren, zu denen Ex-Sachverständigenratschef Bert Rürup, der Chef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, und der Chef des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, Gustav Horn, zählen.(AFP)

Vereinigte Staaten rufen im Handelsstreit mit China erneut die WTO an

Die Vereinigten Staaten schalten im Handelsstreit mit China erneut die Welthandelsorganisation (WTO) ein. Washington sei besorgt, dass China durch „unfaire“ Strafzölle auf amerikanische Autos internationale Bestimmungen verletze, teilte der amerikanische Handelsbeauftragte Ron Kirk am Donnerstag mit. Es gehe um ein Handelsvolumen von drei Milliarden Dollar (2,42 Mrd Euro). Die WTO solle helfen, diese Zölle zu eliminieren.

„Wir haben keine Angst davor, zu konkurrieren“, begründete Präsident Barack Obama den Schritt bei einem Wahlkampfauftritt in Maumee (Ohio). Aber die Konkurrenz müsse fair agieren, forderte er. Deshalb habe seine Regierung das Tempo angezogen, was Maßnahmen gegen Chinas Handelspraktiken angehe. Das ganze solle auch der Jobsicherheit in der amerikanischen Autoindustrie dienen, sagte er vor Anhängern.

Peking hatte die Strafzölle bis zu 12,9 Prozent im Dezember vergangenen Jahres angekündigt, nachdem es amerikanische Zölle auf chinesische Reifen auch mit einem Gang vor die WTO nicht abwenden konnte. 80 Prozent der amerikanischen Autoexporte nach China seien betroffen, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney. Vor allem die Firmen General Motors und Chrysler hätten darunter zu leiden. (dpa)

 
Öl-Embargo fügt Iran Milliardenschaden zu 

Das Ölembargo der Europäischen Union fügt nach Einschätzung von Branchenkennern dem Iran Milliardenverluste zu. Im Juli dürften sich die Ölexporte der Islamischen Republik verglichen mit dem Vorjahresmonat mehr als halbieren, hieß es in den Kreisen am Donnerstag. Teheran werde monatlich über drei Milliarden Dollar an Einnahmen verlieren. „Sie müssen letzten Endes ihre Produktion einstellen. Derzeit sieht es nicht danach aus, dass die Strafmaßnahmen bald wieder gelockert werden“, sagte ein Manager eines Ölkonzerns, der lange Zeit Handelsbeziehungen mit dem Iran pflegte. Die Ausfuhren dürften im Juli maximal 1,1 Millionen Barrel pro Tag betragen, sagten Personen, die mit den monatlichen Öllieferplänen des Irans vertraut sind. 2011waren es noch 2,2 Millionen Barrel pro Tag. (Reuters)

Japans Finanzminister warnt vor Zahlungsschwierigkeiten

Japan droht wegen einer politischen Blockade Ende Oktober  das Geld auszugehen. Der Finanzminister des Landes, Jun Azumi, appellierte am Freitag an die beiden größten Oppositionsparteien einem für die Finanzierung des laufenden Haushalt wichtigen Gesetz zuzustimmen. Dieses erlaubt der Regierung, Staatsanleihen auszugeben, um nahezu die Hälfte des Etats finanzieren zu können. „Ohne dieses Gesetz fällt der Haushalt zusammen“, sagte Azumi. (Reuters)

Ratingagentur Egan Jones sagt Deutschland schwere Zeiten voraus

Die Beschlüsse des EU-Gipfels lösen nach Einschätzung der Ratingagentur Egan-Jones die langfristigen Probleme der Euro-Zone nicht. Investoren müssten weiter eine Ansteckung anderer Länder fürchten, sagte der Geschäftsführer der Agentur, Sean Egan, dem zu Reuters Thomson gehörenden Informationsdienst IFR am Donnerstag. Vor allem seien die Bonitätswächter um die Stabilität Deutschlands und Frankreichs besorgt. Die beiden Euro-Länder bekämen die Schuldenlast der anderen angeschlagenen EU-Staaten deutlich zu spüren. „Deutschland und Frankreich werden die Gipfel-Beschlüsse zu schaffen machen“, sagte Egan. Die Kreditqualität der zwei Länder werde zur Stützung der schwächeren Staaten genutzt. Die Verschuldung der Wackelkandidaten steige aber zunehmend. Eine Kehrtwende sei nicht abzusehen. (dpa-AFX)

Britisches Parlament beschließt Banken-Untersuchung

Nach dem Skandal um Zinsmanipulation bei der Großbank Barclays hat sich das britische Unterhaus auf eine parlamentarische Untersuchung des Falles geeinigt. Die Abgeordneten nahmen mehrheitlich den Vorschlag des britischen Premierministers David Cameron an, möglichst bald eine Untersuchung zu beginnen, an der Vertreter aller Parteien teilnehmen sollen. Die oppositionelle Labour Partei kündigte an, mitzumachen, aber weiter für eine größere, umfassende richterliche Untersuchung des Bankenwesens einzutreten. (dpa-AFX)

Quelle: FAZ.NET, dpa-AFX, Reuters, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Dow Jones
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