Nach dem „Ja“ der deutschen Verfassungshüter zum Euro-Rettungsschirm hat der Dax seinen Höhenflug am Mittwoch fortgesetzt. Der Leitindex erreichte bei 7410 Punkten den höchsten Stand seit Juli 2011 und ging letztendlich 0,5 Prozent höher bei 7343,5 Punkten aus dem Handel. Im normalerweise eher gefürchteten Börsenmonat September hat das Kursbarometer damit schon mehr als 5 Prozent zugelegt. Für den Tec-Dax ging es am Mittwoch um 0,5 Prozent auf 811 Punkte hoch, der M-Dax dagegen schloss hauchdünn mit 0,01 Prozent im Minus bei 11.183 Punkten. Der marktbreite FAZ-Index verabschiedete sich 0,6 Prozent höher bei 1568 Punkten aus dem Handel.
Das Bundesverfassungsgericht habe zwar unter Auflagen geurteilt, die Erwartungen aber erfüllt, sagte Händler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade. Für Analyst Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg steht die Architektur der Euro-Rettung: „Die unmittelbaren Gefahren für den Zusammenhalt der Eurozone dürften damit bis auf weiteres beseitigt sein“, so der Experte. Derweil blicken Anleger schon auf den nächsten wichtigen Termin am Donnerstag. „Sollte sich die amerikanische Notenbank Fed nun auch noch zu weiteren Maßnahmen durchringen können, und diese morgen verkünden, dürfte die gute Stimmung an den Märkten noch einige Zeit anhalten“, sagte Marktstratege Lars Kremkow von Activtrades.
Commerzbank an der Spitze
Die Entspannung in der Eurozone ließ sich an tendenziell sinkenden Renditen der Staatsanleihen klammer Euroländer wie Spanien und Italien ablesen, aber auch an den Commerzbank-Papieren, die an der Dax-Spitze um 7,2 Prozent auf 1,575 Euro anzogen. Titel der Deutschen Bank schlossen sich dem jedoch nicht an und verloren gut ein halbes Prozent, nachdem sie am Vortag kräftig von den Aussagen zur Konzernstrategie profitiert hatten.
Außerdem gehörten zyklische Werte zu den größten Gewinnern: Händlern zufolge setzten Anleger nun auf solche Werte, die dem Markt zuletzt hinterher gelaufen waren. Titel des Chipherstellers Infineon rückten daraufhin um 2,4 Prozent vor. Papiere der Autobauer VW und BMW verbuchten Aufschläge von bis zu 2,4 Prozent. Daimler tanzten hier jedoch mit minus 0,4 Prozent aus der Reihe: Begründet wurde dies mit belastenden Aussagen eines amerikanischen Konkurrenten zur Auftragslage bei Nutzfahrzeugen in Nordamerika.
Transportsektor im Aufwind
Im M-Dax ging es für HHLA mit einem Anstieg um mehr als 7 Prozent steil bergauf. Begründet wurde dies mit beruhigenden Aussagen in einer Unternehmenspräsentation, aber auch dem in der Gunst der Anleger weit oben stehenden Transportsektor, in dem die Fraport-Aktien nach vorgelegten Verkehrszahlen um 5,4 Prozent auf 47,285 Euro anzogen. EADS sackten am Indexende dagegen um fast 5 Prozent ab, nachdem berichtet wurde, der Luftfahrt- und Rüstungskonzern spreche mit dem britischen Konkurrenten BAE Systems über eine Fusion.
Der Euro Stoxx 50 schloss 0,3 Prozent höher bei 2564,8 Punkten. In Paris ging der Cac 40 ebenfalls leicht im Plus über die Ziellinie, der „Footsie“ dagegen schloss in London knapp im Minus. Am Rentenmarkt stieg die Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,30 (Vortag: 1,22) Prozent. Der Rentenindex Rex sank um 0,52 Prozent auf 133,28 Punkte. Der Bund Future verlor 0,51 Prozent auf 139,67 Punkte. Der Euro stieg zeitweise über 1,29 Dollar. Zuletzt wurde die Gemeinschaftswährung mit 1,2894 Dollar wieder knapp darunter gehandelt, behauptete sich aber weiter im Plus.
ESM-Urteil gibt auch amerikanischen Börsen Auftrieb
Nach den Märkten in Europa hat das deutsche ESM-Urteil auch den Börsen in den Vereinigten Staaten Auftrieb verliehen: Alle wichtigen Indizes lagen am Mittwoch zu Handelsbeginn im Plus. Damit wechselte das Interesse der Händler auf die amerikanische Notenbank Federal Reserve, die nach ihrer zweitägigen Zinssitzung am Donnerstag über ihre weiteren Kurs informieren wird. Anleger hoffen auf eine dritte Runde von Konjunkturhilfen. Auf Unternehmensseite stand der Technologieriese Apple im Fokus, von dem im Tagesverlauf die Präsentation seines neuen iPhone-Modells erwartet wurde. Der Dow-Jones-Index stieg in den ersten Handelsminuten um rund 0,2 Prozent auf 13.348 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500-Index gewann 0,1 Prozent auf 1435 Zähler. Der Index der Technologie-Börse Nasdaq kletterte um 0,2 Prozent auf 3110 Punkte.
Die Verfassungsrichter in Karlsruhe hatten den Weg für den ESM und den EU-Fiskalpakt unter Auflagen freigemacht. Sie verlangten vor einer Ratifizierung völkerrechtlich sicherzustellen, dass die Haftungsgrenze von 190 Milliarden Euro nur mit Zustimmung des Bundestages erhöht werden kann. Leo Kelly von Hightower Advisors teilte mit, das Urteil sei am Markt erwartet worden. „Bemerkenswerterweise ist aus Europa endlich etwas Handfestes gekommen“, sagte Keith Bliss von Cuttone & Co. Er sprach von einem guten Urteil. Jetzt sei als nächstes die Fed an der Reihe. Der Offenmarktausschuss der Fed berät am Mittwoch und Donnerstag, wie er geldpolitisch auf die hartnäckig hohe Arbeitslosigkeit in der weltgrößten Volkswirtschaft reagieren soll. Da die amerikanischen Zinsen schon bei null Prozent liegen, könnte abermals - zum dritten Mal - die Notenpresse per Anleihe-Käufe angeworfen werden. 60 Prozent der Analysten setzen auf ein neues Anleihenkaufprogramm (“QE3“).
Bei den Einzelwerten standen Technologie-Unternehmen im Fokus. Mit Spannung wurde eine Medienpräsentation von Apple erwartet, auf dem die fünfte Generation des Kassenschlagers iPhone vorgestellt werden dürfte. Einige Analysten gehen davon aus, dass der Konzern etwa acht Millionen Stück im vierten Quartal verkaufen und sogar das amerikanische BIP um bis zu 0,5 Prozentpunkte anheben könnte. Apple-Titel lagen zunächst 0,4 Prozent im Plus, drehten dann aber 0,2 Prozent ins Minus. Aktien des Online-Netzwerks Facebook waren gefragt. Firmengründer Mark Zuckerberg hatte am Dienstag in San Francisco Investoren um Geduld bei der Entwicklung von neuen Produkten gebeten. Das Unternehmen sei inmitten der Ausarbeitung neuer Werbemöglichkeiten. Facebook-Titel legten um 5,3 Prozent zu.
