Zum Handelsschluss stand der Dax mit 0,74 Prozent bei 7833,39 Punkten im Plus. Die Wochenbilanz des Dax ist trotz zwischenzeitlichem Fünfjahreshoch mit minus 0,31 Prozent negativ. Auch der M-Dax nahm am Freitag mit plus 1,48 Prozent auf 12 757,00 Punkte wieder Kurs auf sein Rekordhoch. Der Tec-Dax rückte um 1,61 Prozent auf 880,32 Punkte vor. Der breite FAZ-Index gewann derweil 0,86 Prozent auf 1688,93 Punkte.
Der Dow Jones hat hingegen am Freitag kurzzeitig die Marke von 14 000 Punkten geknackt ist auf den höchsten Stand seit mehr als fünf Jahren geklettert. Zuletzt unterschritt der Leitindex Dow Jones Industrial Average die Schwelle wieder leicht und notierte bei 13 996 Zählern. Der breit gefasste S&P-500-Index erreichte ebenfalls den höchsten Stand seit mehr als fünf Jahren.
Am Devisenmarkt stieg der Euro dank des Rückenwindes durch die Konjunkturdaten am Abend auf 1,3711 Dollar. Damit war er so teuer wie zuletzt im November 2011.
Infineon an der Dax-Spitze
Den Tagesgewinner im DAX stellte Infineon, die Aktie schoss um 3,7 Prozent auf 6,89 Euro in die Höhe. Infineon stößt unter Analysten zunehmend auf Gegenliebe. Die Experten machen überwiegend Fortschritte bei der Geschäftsentwicklung aus. Am Morgen hatten die Analysten von Jefferies die Aktie auf Buy hochgenommen, die Experten der UBS und von Barclays setzten das Kursziel nach oben.
Ansonsten kamen die größten Gewinner aus unterschiedlichen Branchen. An der Börse heißt es, die Aufwärtsbewegung gewinnt an Breite. Dies ist in der Regel ein positives Zeichen. Es ist nicht nur ein Industriezweig, der für das Index-Plus verantwortlich ist. Für viele Marktteilnehmer ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann der DAX die 8.000-Punkte-Marke knackt.
Einen holprigen Start an die Börse hatte die Aktie von LEG-Immobilien. Am Abend notierte sie bei 44 Euro und damit genau beim Ausgabepreis. Trotz des verhaltenen Starts sind die Aussichten für die Aktie nicht schlecht, steht doch der deutsche Immobilienmarkt bei den Anlegern derzeit hoch im Kurs. Grund für das starke Interesse ist die anhaltende Nachfrage nach Wohnraum bei einem niedrigen Zinsumfeld.
Wochenausblick: 8000er-Marke bleibt in Reichweite
Der Dax wird sich nach Einschätzung von Börsianern in der neuen Woche in Reichweite der psychologisch wichtigen Marke von 8000 Punkten halten. Ein baldiger Sprung über diese Hürde sei aber nicht zu erwarten, schreiben die Analysten der Landesbank Berlin (LBB) in einem Kommentar. „Aufgrund des wirtschaftlich schwachen vierten Quartals dürften sich die positiven Impulse der Berichtssaison im Euroraum in engen Grenzen halten. Zudem rücken die Wahlen in Italien immer näher, was für Verstimmung sorgen könnte.“
Einen größeren Rückschlag für den deutschen Leitindex befürchten Börsianer aber auch nicht. In der alten Woche büßte der Dax ein halbes Prozent ein. „Der Sprung über die 8000er Marke ist nur eine Frage der Zeit“, sagt Aktienstratege Carsten Klude von MM Warburg. Die Konjunktur werde im aktuellen Quartal deutlich besser laufen als im Vorquartal. Dass der deutsche Aktienmarkt derzeit im europäischen Vergleich hinterherhinke, liege an seiner starken Kursentwicklung im Jahr 2012, ergänzt der MM Warburg-Experte. Im vergangenen Jahr hatte der Dax mit einem Plus von 30 Prozent viele andere Aktienindizes hinter sich gelassen. „Für diejenigen Anleger, die noch unterinvestiert sind, ist die relative Schwäche vielleicht eine gute Gelegenheit zum Einstieg“, betont Klude. Auf der anderen Seite:
Vielleicht ist die Stimmung einfach schon zu gut. Der Sentix-Index, der den Launen der Anleger nachspürt, ist im Januar kräftig und zum fünften Mal in Folge gestiegen. Die Erwartungen seien so hoch gesteckt wie schon seit Februar 2011 nicht mehr. Viele Bullen und wenige Bären bedeutet aber auch, dass schon viele Anleger am deutschen Markt investiert sind. Der Rückenwind für die nächste Etappe der Rally könnte also noch auf sich warten lassen.
„Das gute Sentiment erinnert an den Februar 2012. Damals folgte eine 15-prozentige Korrektur für den DAX“, sagt Andreas Hürkamp von der Commerzbank. Mehr als eine Verschnaufpause dürfte es diesmal aber nicht werden. Denn vor einem Jahr habe der Einbruch an den Anleihemärkten in Spanien und Italien die Aktienbörsen mit nach unten gerissen. Diese haben sich seitdem dank der Unterstützung durch die EZB kräftig erholt. Die Renditen sind wieder stark gefallen, was den Schuldnern Luft verschafft hat.
Positive deutsche Konjunkturdaten erwartet
Unter den deutschen Konjunkturdaten sind für Investoren vor allem die Auftragseingänge der deutschen Anlagenbauer am Dienstag sowie der deutschen Industrie am Mittwoch von Interesse. Bei letzterem sagen von Reuters befragte Analysten für Dezember im Schnitt ein Plus von 0,6 Prozent voraus, nach einem Minus von 1,8 Prozent im Vormonat.
Am Donnerstag stehen Zahlen zur Industrieproduktion an. Ihr Wachstum hat sich voraussichtlich auf 0,1 von 0,2 Prozent abgeschwächt. Diese Zahl sollte aber nicht überinterpretiert werden, warnt Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. „Denn die saison- und arbeitstäglich bereinigten Dezember-Daten werden sehr stark von der Lage der Weihnachtsfeiertage beeinflusst.“ In den USA stehen keine potenziell marktbewegenden Konjunkturdaten auf der Agenda.
Zahlenwelle geht weiter
Bei den Unternehmen richten sich die Augen am Dienstag auf die Münchener Rück, die Eckdaten zur Geschäftsentwicklung bekanntgeben will. Experten rechnen im Schnitt mit einem Reingewinn von 3,15 Milliarden Euro. Am Donnerstag ist Daimler mit der Veröffentlichung seiner Gesamtjahresbilanz an der Reihe. Bei Daimler könnten die Ergebnisse jedoch in den Hintergrund treten:
Denn am Mittwoch entscheidet der Aufsichtsrat, wie lange der CEO Dieter Zetsche das Steuerrad noch in der Hand halten wird. Zur Rede stehen weitere fünf Jahre, aber am Markt kursierten Gerüchte, es könnten nur drei Jahre werden. Aus der zweiten und dritten Reihe gewähren Kuka (Dienstag), Gea (Mittwoch) und Heidelberger Druck (Donnerstag) Einblick in ihre Bücher.
Von den Ratssitzungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bank von England (BoE) erwarten Börsianer zwar keine Veränderungen der Geldpolitik. Neben Dieter Zetsche dürfte aber einmal mehr Mario Draghi in der kommenden ein gefragter Mann sein. Die Fragen der Journalisten werden sich am Donnerstag nach der EZB-Sitzung auf den Euro konzentrieren. Dieser scheint zum Dollar und zum Yen kein Halten mehr zu kennen. Und er wird sich voraussichtlich kritischen Fragen zu möglichen Versäumnissen bei der Bankenaufsicht während seiner Zeit als italienischer Notenbank-Chef stellen müssen.
In Großbritannien rechnen Analysten trotz einer drohenden neuen Rezession nicht mit einer Ausweitung der Anleihekäufe durch die BoE. „Dies würde der Realwirtschaft nur marginal helfen, während es die längerfristigen Inflationsrisiken schürt“, betont David Kern, Chef-Ökonom der British Chambers of Commerce.
