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Dienstag, 18. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Blick auf den Finanzmarkt Konjunktursorgen drücken auf die Märkte

 ·  Deutsche Aktien verlieren zum Handelsstart mehr als ein Prozent. Denn die Investoren sorgen sich um die Konjunktur, und Amerikas Notenbank scheint keine Pläne für eine Zinssenkung zu haben.

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Nach einer zwei Tage anhaltenden Erholungsbewegung ist der deutsche Aktienmarkt am Freitag mit Verlusten in den Handel gestartet. Händler verwiesen als Belastung auf die nachgebenden Asien-Börsen sowie die Nachwirkungen enttäuschender Aussagen von US-Notenbankchef Ben Bernanke. Der Dax fiel im frühen Geschäft um 1,03 Prozent auf 6080 Punkte. Schon am Vortag hatte Bernanke den Anlegern die gute Laune wieder ein Stück weit verdorben und dafür gesorgt, dass der deutsche Leitindex einen Großteil seiner zuvor erzielten Gewinne wieder aufgab. Letztlich  hatte der Dax an den vergangenen beiden Handelstagen aber dennoch fast 3 Prozent zugelegt.

Der MDax fiel im frühen Freitagshandel um 0,66 Prozent auf 10.161 Zähler. Der TecDax verlor 1,09 Prozent auf 740 Punkte. Der F.A.Z.-Index gab um 1,1 Prozent auf 1330 Punkte nach.

Laut Roger Peeters, Vorstand von Close Brothers Seydler Research,
war Ben Bernanke am Vortag ein „Spielverderber“. „Seine pessimistischen Worte haben keine neuen Einsichten in die weitere Geldpolitik der Amerikaner gegeben“, so der Experte. In Sorge um die wirtschaftlichen Aussichten seien daher im späten New Yorker Handel Gewinne mitgenommen worden. Entsprechend liegen die US-Futures über Nacht im Minus. Gepaart mit dem schwachen Abschneiden der asiatischen Börsen gebe dies eine negative Tendenz für die europäischen Märkte vor.

Die Anleihenkurse steigen

Die deutschen Staatsanleihen sind am Freitag dagegen mit spürbaren Kursgewinnen in den Handel gegangen. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future stieg um 0,31 Prozent auf 143,50 Punkte. Händler nannten die sehr schwachen Aktienmärkte als Grund für die hohe Nachfrage nach sicheren Anlagen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe sank um vier Stellen auf 1,33 Prozent.

Angesichts der großen Sorgen um das Euroland Spanien, das insbesondere mit einer Bankenkrise kämpft, dürften deutsche Staatsanleihen zum Wochenausklang gut gefragt bleiben. Zuletzt hatte die Ratingagentur Fitch zusätzliches Öl ins Feuer gegossen. Die Agentur senkte die Bonität der viertgrößten Euro-Wirtschaft am Donnerstagabend um gleich drei Noten auf „BBB“. Das sind nur noch zwei Noten über dem sogenannten „Junk-Status“, der spekulative Anlagen kennzeichnet. Da der Ausblick für das Rating negativ ist, drohen weitere Abstufungen.

Der Euro fällt

Der Euro hat am Freitag spürbar nachgegeben und ist unter die Marke von 1,25 US-Dollar gesunken. Händler nannten die schwachen asiatischen Börsen als größten Belastungsfaktor. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,2495 Dollar und damit einen halben Cent weniger als am Vorabend. Ein Dollar war zuletzt 0,8003 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstagmittag auf 1,2595 (Mittwoch: 1,2485) Dollar festgesetzt.

Trotz der jüngsten Euro-Verluste und großer Sorgen um das Euroland Spanien, das mit einer Bankenkrise kämpft, hat sich die Gemeinschaftswährung seit Wochenbeginn etwas erholen können. In der Spitze lagen die Gewinne bei rund zwei Cent, aktuell noch bei gut
einem Cent. Als ausschlaggebend gilt die etwas bessere Stimmung an den europäischen Aktienmärkten. Diese Entwicklung lockte einige
Investoren am Devisenmarkt aus „sicheren Häfen“. Der Dollar wurde
hierdurch belastet, der Euro konnte profitieren.

Asiens Märkte geben nach

Schon die Mehrzahl der asiatischen Aktienmärkte hat am Freitag Verluste verzeichnet. Die Anleger waren enttäuscht darüber, dass die amerikanische Notenbank (Federal Reserve) wider Erwarten keine Konjunkturstimuli vorbereitet. 

US-Notenbankchairman Ben Bernanke hatte in seiner Anhörung vor dem Wirtschaftsausschuss des US-Kongresses keine Hinweise auf eine neuerliche Lockerung der Geldpolitik gegeben und damit die Märkte enttäuscht. Nach der Zinssenkung in China hatten viele Anleger erwartet, dass andere Notenbanken, allen voran die Fed, nachziehen würden.

Der MSCI Asia Apex 50, der die Aktienkurse der 50 größten Unternehmen Asiens exklusive Japan abbildet, rutschte um 1,42 Prozent ab auf 747,60 Punkte. Zudem standen an einigen Handelsplätzen lokale Konjunkturdaten im Fokus. In Japan legte die Regierung Daten zum Bruttoinlandsprodukt für das erste Quartal vor. Der Nikkei 225 in Tokio reagierte zuletzt mit einem Minus von 2,11 Prozent auf 8.547,02 Punkte. Der breiter gefasste Topix rutschte um 1,98 Prozent auf 716,26 Punkte.

In China schwächelte der Shenzhen CSI 300 mit dem nahenden Handelsende. Der Index, der die Aktien der 300 größten Unternehmen vom chinesischen Festland mit einer Börsennotierung in Shanghai oder Shenzhen enthält, notierte mit minus 0,05 Prozent auf 2.540,85 Punkte zuletzt knapp unter dem Vortagesniveau. Noch deutlicher rutschte der Hang-Seng-Index in Hongkong: Der Index gab um 0,60 Prozent auf 18.563,65 Punkte nach. Der südkoreanische Kospi verlor
0,53 Prozent auf 1.838,11 Zähler, und in Mumbai ging der Sensex um 0,40 Prozent auf 16.581,15 Zähler zurück. Der FTSE Straits Times Index in Singapur notierte zuletzt um 0,59 Prozent tiefer bei 2.743,07 Punkten.

Unter den Einzelwerten fielen in vor allem stark exportorientierte Werte, wie etwa die Papiere von Sony und Mazda mit zum Teil deutlichen Kursverlusten auf. Zum Wochenschluss standen zudem die Papiere der australischen Fluggesellschaft Qantas im Blick. Nachdem die Airline Anfang der Woche einen Gewinneinbruch für das laufende Jahr vorhergesagt hatte, verzeichneten die Aktien am Freitag den vierten Handelstag in Folge Verluste. Die Aktien fielen erstmals nter die Marke von einem australischen Dollar.

Viele Investoren hielten  sich aber auch deshalb zurück, weil am Samstag mehrere wichtige chinesische Konjunkturdaten erwartet werden. Unter anderem sollen Daten zur Industrieproduktion und zu den Verbraucherpreisen veröffentlicht werden. Die überraschende Zinssenkung habe den Verdacht geweckt, dass die Daten sehr schwach ausfallen werden, sagt Zhang Yanbin, Analyst bei Zheshang Securities.

Amerikanische Aktien bewegen sich nachbörslich kaum

Im nachbörslichen amerikanischen Handel bewegten sich die Kurse kaum. Der Nasdaq After Hours Indicator stieg um 0,06 Punkte auf 2536,92 Zähler.

Die Aktien von Altera waren nachgefragt, nachdem der Chiphersteller seine Umsatzerwartungen bekräftigt hatte. Das Unternehmen rechnet demnach unverändert damit, dass der Umsatz des zweiten Quartals um 14 bis 18 Prozent über dem des ersten Quartals liegen wird. Im  Auftaktquartal hatte Altera 383,8 Millionen Dollar umgesetzt. Die Aktie legte bis 19.59 Uhr Ortszeit um 1,6 Prozent auf 33,55 Dollar zu.

Molina machte nach einem Kurseinbruch im regulären Handel wieder  Boden gut. Die Titel stiegen bis 19.59 Uhr um 17,7 Prozent auf 20,91 Dollar, nachdem sie bis zur Schlussglocke über 30 Prozent verloren hatten. Auslöser der heftigen Verluste war, dass der Anbieter medizinischer Leistungen wegen hoher Kosten im amerikanischen Bundesstaat Texas seine Jahresprognose kassiert hatte. Nach Börsenschluss meldete Molina dann, dass sie im Staat Ohio Marktanteile zurückgewonnen habe. Dort wird ab dem kommenden Jahr nun doch die staatliche Krankenversicherung für Bedürftige (Medicaid) für Leistungen aufkommen, die Molina erbringt.

Bernanke sagt keine neuen Geldspritzen zu

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging 0,4 Prozent fester mit 12.460 Punkten aus dem Handel. Im Verlauf pendelte das Barometer zwischen 12.416 und 12.555 Stellen. Der breiter gefasste S&P-500 blieb mit 1315 Zählern nahezu unverändert, der Index der Technologiebörse Nasdaq sank 0,5 Prozent auf 2831 Stellen.

Im Kampf gegen eine Konjunkturflaute senkte Chinas Notenbank erstmals seit der Weltfinanzkrise vor vier Jahren den Leitzins, und zwar um einen Viertelprozentpunkt auf 6,31 Prozent. Die Aktien von amerikanischen Rohstoffkonzernen, die besonders viel in China absetzen, profitierten zunächst deutlich von der Zinssenkung. Im Handelsverlauf gaben sie diese Gewinne jedoch wieder vollständig ab, so dass Steel Corp 0,7 Prozent schwächer schloss und Freeport-McMoRan Copper 0,2 Prozent.

Neue Daten zeigen, dass sich der Arbeitsmarkt in den USA weiter erholt. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sind in der vergangenen Woche erstmals seit April zurückgegangen. Auch in der Euro-Krise nahmen die Börsianer dank der spanischen Auktion etwas Entspannung war. Das gebeutelte Land lieh sich mehr als zwei Milliarden Euro zu zwar höheren, aber noch erträglichen Zinsen. Zudem sprachen Anleger von Anzeichen für Bewegung in der Krise. „Es sieht so aus, als ob Deutschland langsam seinen Widerstand gegen die Unterstützung von Ländern am Rande der Euro-Zone aufgibt“, erklärte Stephen Massoca von Wedbush Morgan.

Die Rating-Agentur Fitch senkte mitten im Handelsverlauf die Bonitätsnote Spaniens auf „BBB“ von zuvor „A“, ohne dadurch jedoch einen Kursrutsch auszulösen. Die Experten versahen die Bewertung zudem mit einem negativen Ausblick und signalisierten damit, dass eine weitere Verschlechterung droht. Das Land sei wegen seiner hohen Auslandsverschuldung besonders anfällig für eine  Verschärfung der Schuldenkrise, erklärte Fitch. Zudem hieß es, Spaniens Banken könnten bis zu 100 Milliarden Euro benötigten. Das entspräche neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Zu den großen Verlierern gehörten Titel von Navistar, die nach der Meldung eines Verlustes um 14 Prozent abstürzten. Außerdem senkte der Lastwagen-Hersteller seine Geschäftsprognose für das Gesamtjahr. Auch die Titel von Best Buy mussten Federn lassen, nachdem Gründer Richard Schulze die Elektronik-Kette verließ. Die Titel fielen um rund ein Prozent.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 0,85 Milliarden Aktien den Besitzer. 1378 Werte legten zu, 1628 gaben nach und 111 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,64 Milliarden Aktien 1015 im Plus, 1480 im Minus und 131 unverändert.

Amerikanische Anleihen kaum verändert

Die US-Staatsanleihen haben am Donnerstag nur sehr geringe Kursveränderungen verbucht. Händler sagten, der Markt werde weiterhin vor allem von dem stark schwankenden Bedürfnis der Anleger nach Sicherheit bestimmt. In der vergangenen Woche hätten die Treasuries von der Verunsicherung durch die Schuldenkrise profitiert, in dieser Woche dagegen wegen der Gewinne am Aktienmarkt überwiegend nachgegeben. Äußerungen von Fed-Chef Ben Bernanke zur Geldpolitik ließen den Markt dagegen weitgehend kalt, hieß es.

Die zehnjährigen Staatsanleihen legten 5/32 zu auf 100-31/32. Sie rentierten mit 1,64 Prozent. Die 30-jährigen Bonds notierten stabil mit 105-12/32 und hatten eine Rendite von 2,74 Prozent.

Quelle: FAZ.NET, dpa-AFX, Reuters, dpa, dapd, AFP, Bloomberg, Dow Jones
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