Nach dem starken Jahresauftakt hat der deutsche Aktienmarkt zur Handelseröffnung am Donnerstag keinen klaren Trend gezeigt. Der Dax sank in den ersten Minuten um 0,1 Prozent auf 7767,6 Punkte. Die Erleichterung über die Kompromisslösung im amerikanischen Haushaltsstreit hatte den deutschen Leitindex am Mittwoch noch um mehr als 2 Prozent auf den höchsten Stand seit Januar 2008 getrieben. Für den M-Dax ging es am Morgen um 0,1 Prozent auf 12.160 Punkte nach oben, und der Tec-Dax stieg um 0,2 Prozent auf 844,8 Punkte. Der marktbreite FAZ-Index verliert 0,1 Prozent auf 1670,9 Punkte.
Am Nachmittag werde vor allem der Bericht des Arbeitsmarkt-Dienstleisters Automatic Data Processing (ADP) zur Beschäftigtenzahl im amerikanischen Privatsektor die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, schrieb Analyst Christian Schmidt von der Landesbank Hessen-Thüringen in einem Kommentar. Die ADP-Daten geben bereits einen ersten Hinweis darauf, wie die offiziellen amerikanischen Arbeitsmarktdaten Ende der Woche ausfallen werden.
Deutsche Anleihen starten kaum verändert
Die deutschen Staatsanleihen sind am Donnerstag kaum verändert in den Handel gegangen. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future fiel am Morgen geringfügig um 0,01 Prozent auf 144,06 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe hielt sich bei 1,43 Prozent.
Nach den starken Kursverlusten vom Vortag infolge des Kompromisses im amerikanischen Haushaltsstreit rechnet Experte Ulrich Wortberg von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) mit einer Stabilisierung der Kurse. Die anstehenden Konjunkturdaten sollten „kaum negative Impulse“ für die Bundesanleihen liefern. Am Nachmittag dürften vor allem Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Auf dem Programm stehen Daten zur Lage auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt. Die Anleger versprechen sich Hinweise auf den offiziellen Arbeitsmarktbericht der Regierung in Washington, der am Freitag veröffentlicht wird.
Euro rutscht deutlich unter 1,32 Dollar-Marke
Der Kurs des Euro hat am Donnerstag an die Kursverluste des Vorabends angeknüpft und weiter nachgegeben. Am Morgen stand die Gemeinschaftswährung bei 1,3244 Dollar, nachdem sie zuvor ein Tagestief bei 1,3123 erreicht hatte. Damit hielt sich der Euro etwa einen halben Cent niedriger als am späten Mittwochabend. Am Vortag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,3262 (Montag: 1,3194) Dollar festgesetzt.
Der Euro konnte nur für kurze Zeit vom Kompromiss im amerikanischen Haushaltsstreit profitieren, hieß es von Händlern. Im weiteren Handelsverlauf dürften Daten vom amerikanischen Arbeitsmarkt am Nachmittag in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Die Anleger versprechen sich wichtige Hinweise auf den offiziellen Arbeitsmarktbericht der amerikanischen Regierung, der am Freitag veröffentlicht wird.
Überwiegend Gewinne an asiatischen Märkten nach positiven Konjunkturdaten
Positive Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten und China haben am Donnerstag den meisten Börsen in Asien weiteren Auftrieb gegeben. Einige litten allerdings unter Gewinnmitnahmen, so dass der länderübergreifende MSCI Asia Apex 50, der die Aktienkurse der 50 größten Unternehmen Asiens exklusive Japan enthält, um 0,3 Prozent auf 919,9 Punkte nachgab. Einen weiteren Tag geschlossen blieben die Börsen in Tokio und der Volksrepublik China. Dort wird erst wieder am Freitag gehandelt.
Auslöser für die neuen Kursgewinne war einerseits, dass der ISM-Index für die amerikanische Industrie im Dezember wieder über die Wachstumsschwelle gestiegen und zudem auch besser als erwartet ausgefallen war. Andererseits hellte sich die Stimmung der chinesischen Einkaufsmanager im Bereich Dienstleistungen so stark auf wie zuletzt vor vier Monaten. Ein Börsianer meinte dazu: „Nach positiven Daten aus dem Verarbeitenden Gewerbe in China und den Vereinigten Staaten stärken auch die aktuellen Daten aus dem chinesischen Dienstleistungssektor die Zuversicht über die weltweite wirtschaftliche Entwicklung.“
Tags zuvor hatte eine regelrechte Euphorie geherrscht, nachdem der monatelange amerikanische Haushaltsstreit in einem ersten Schritt mit einem Kompromiss beigelegt worden war. In Mumbai stieg nun der Sensex um 0,2 Prozent auf 19.755,7 Punkte. Der FTSE Straits Times Index in Singapur gewann 0,4 Prozent auf 3213,5 Punkte. In Hongkong verlor der Hang Seng moderate 0,2 Prozent auf 23.273,8 Punkte, nachdem er am Mittwoch um fast 3 Prozent gestiegen war. In Seoul litt der Kospi-Index ebenfalls unter Gewinnmitnahmen und schloss mit minus 0,6 Prozent bei 2019,4 Punkten.
Nachbörse Nyse: Hot Topic und Landec gesucht
Leichter präsentierten sich die Aktienkurse im nachbörslichen amerikanischen Handel am Mittwoch im Vergleich zum regulären Geschäft. Der Nasdaq After Hours Indicator fiel um 3,01 Punkte auf 2743,46 Zähler.
Gute Verkaufszahlen haben der Aktie des Einzelhändlers Hot Topic im nachbörslichen amerikanischen Handel am Mittwoch Auftrieb verliehen. Der flächenbereinigte Umsatz von Hot Topic war in der Weihnachtssaison um 2,2 Prozent gestiegen. Zudem rechnet das Unternehmen 2013 mit einem bis zu 35 Prozent höheren Gewinn als 2012. Die Aktie legte auf nasdaq.com bis 18.49 Uhr Ortszeit New York um 2,7 Prozent auf 9,98 Dollar zu. Ein Plus von 6,9 Prozent auf 10,50 Dollar verzeichneten die Papiere des Herstellers von Nahrungsmittelverpackung Landec. Das Unternehmen hatte für sein zweites Geschäftsquartal über den Erwartungen liegende Geschäftszahlen gemeldet und zudem seinen Ausblick angehoben. Steil abwärts ging es dagegen mit dem Kurs von Mellanox Technologies. Er verlor 13,8 Prozent auf 52,75 Dollar, nachdem das Datenspeicherunternehmen seine Umsatzprognose für das vierte Quartal wegen einer schwachen Nachfrage deutlich gesenkt hatte.
Wall Street feiert Etatkompromiss mit Kursfeuerwerk
Die Einigung im amerikanischen Haushaltsstreit hat zum Jahresstart für ein Kursfeuerwerk an der Wall Street gesorgt. „Das ist eine Befreiungsrally“, fasste Brian Battle vom Investmentberater Performance Trust Capital Partners am Mittwoch das Geschehen zusammen. Er rechnet aber nicht damit, dass der Aufwärtstrend von langer Dauer ist. Die nächste Krise droht mit der bevorstehenden Debatte über die Erhöhung der Schuldengrenze. Die Vereinigten Staaten stoßen voraussichtlich Ende Februar an ihre selbst gesetzte Obergrenze. Nach wochenlangem Tauziehen fanden Republikaner und Demokraten in der Nacht zu Mittwoch einen Kompromiss, mit dem sie zum Jahreswechsel automatisch eintretende Steuererhöhungen für praktisch alle Amerikaner sowie Ausgabenkürzungen weitgehend verhinderten und die Gefahr einer Rezession abwendeten. Der Dow-Jones-Index mit den 30 Standardwerten schloss knapp 2,4 Prozent höher auf 13.412 Punkten. Im Handelsverlauf pendelte der Leitindex zwischen 13.104 und 13.412 Stellen. Der breiter gefasste S&P 500 rückte 2,5 Prozent auf 1462 Zähler vor. Der Nasdaq kletterte sogar um 3,1 Prozent auf 3112 Punkte.
Zu den Gewinnern zählten Aktien, die üblicherweise besonders stark auf die Stimmung an den Märkten reagieren. Gefragt waren Finanztitel. Bank of America legten um 3,7 Prozent zu, Citigroup-Aktien verteuerten sich um 4,2 Prozent. Zu den Favoriten im europäischen Bankenindex zählten die Titel der Commerzbank und Société Générale mit Kursgewinnen von 3,9 beziehungsweise 5,3 Prozent. Die Anteilsscheine der Deutschen Bank schlossen 3,7 Prozent fester. Neben den Finanzwerten standen in New York Apple und Zipcar im Fokus. Die Papiere des iPhone- und iPad-Herstellers legten 3,2 Prozent zu. Medienberichten zufolge testet der Konzern bereits das Nachfolger-Modell des iPhone 5. Zipcar-Anteilsscheine sprangen mehr als 47 Prozent in die Höhe. Der Auto-Vermieter Avis kauft den Carsharing-Anbieter für eine halbe Milliarde Dollar. Avis-Aktien stiegen um 4,8 Prozent. Auch Hewlett-Packard lieferte einen starken Jahresstart ab. Die Aktie gewann 5,4 Prozent, nachdem der Kurs 2012 fast 45 Prozent in die Tiefe gerauscht war.
Amerikanische Anleihen verlieren nach Kompromiss im Haushaltsstreit
Die Kurse von amerikanischen Staatsanleihen sind am Mittwoch nach dem Kompromiss im Haushaltsstreit unter Druck geraten. An den Finanzmärkten gebe es nach der Einigung ein Aufatmen bei Investoren, wodurch deren Risikofreude gestiegen sei, begründeten Händler die Kursverluste bei den als sicher geltenden Anleihen. Mit dem Kompromiss in Washington wird die größte Volkswirtschaft der Welt nach Einschätzung von Volkswirten eine Rezession vermeiden können. Allerdings sollte das Umschiffen der sogenannten Fiskal-Klippe nicht darüber hinweg täuschen, dass die Politik der Vereinigten Staaten noch viele weitere Steine aus dem Weg räumen müsse, hieß es.
Zweijährige Anleihen fielen um 1/32 Punkte auf 99 23/32 Punkte. Sie rentierten mit 0,26 Prozent. Fünfjährige Papiere gaben um 5/32 Punkte auf 99 30/32 Punkte nach. Sie rentierten mit 0,76 Prozent. Richtungweisende zehnjährige Anleihen verloren 22/32 Punkte auf 98 2/32 Punkte. Ihre Rendite betrug 1,84 Prozent. Lang laufende Anleihen mit einer Laufzeit von dreißig Jahren rutschten um 1 24/32 Punkte auf 94 8/32 Punkte ab. Sie rentierten mit 3,04 Prozent.
