Laut einem Bericht in der „Süddeutschen Zeitung“ werde auf europäischer Ebene darüber verhandelt, ob Geld aus dem Euro-Schutzschirm direkt an den spanischen Bankenrettungsfonds Frob gezahlt werden könne.
Dem gegenüber stehen allerdings Aussagen des Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder. Demnach müsse Spanien unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen. „Ich denke schon, dass Spanien nicht wegen des Landes, sondern wegen der Banken unter den Rettungsschirm muss“, sagte Kauder am Mittwoch im ARD-“Morgenmagazin“. Nicht möglich sei es hingegen, Geld aus dem Rettungsschirm direkt an einen spanischen Bankenfonds zu zahlen.
Stützend wirkte auch die Meldung, wonach die verstaatlichte spanische Bank Bankia weniger Hilfen benötige, als die gegenwärtig im Raum stehenden 19 Milliarden Euro. Daneben dürften auch die guten Vorgaben aus den Vereinigten Staaten die Märkte stützen. Zudem erhofften sich die Marktakteure von den Konjunkturprognosen der EZB Hinweise darauf, ob und wann die Währungshüter die Geldpolitik lockern werden, schrieb Investmentanalyst Wolfgang Albrecht von der Landesbank Baden-Württemberg. Für heute rechnet der Experte allerdings noch nicht mit einem Zinsschritt.
Ungeachtet der Ratingabstufung einiger deutscher und österreichischer Banken durch Moody’s legen die Papiere der Commerzbank und der Deutschen Bank um rund 0,8 Prozent zu. Wie der Gesamtmarkt profitieren sie von den Berichten zum spanischen Bankenrettungsfonds und dem möglicherweise geringen Kapitalbedarf der Bankia. Die Ratingagentur Moody’s hatte zuvor die Kreditwürdigkeit der Commerzbank wegen der europäischen Schuldenkrise um eine Stufe auf „A3“ gesenkt. Eine Neubewertung der Deutschen Bank sei ebenfalls im Gange, aber noch nicht abgeschlossen.
MAN gewinnen 1,7 Prozent, nachdem Volkswagen sich am Vortag die Dreiviertelmehrheit an dem Lkw- und Dieselmotorenproduzenten gesichert hat. Zudem hatte Equinet die Anlageempfehlung am Morgen von „Hold“ auf „Buy“ erhöht. Im freundlichen Marktumfeld steigt auch der Kurs der Deutschen Post um 0,5 Prozent. Nach FAZ-Informationen muss der Logistikkonzern womöglich mehr Subventionen zurückzahlen. Dies belastet zunächst aber nicht.
Der größte deutsche Energieversorger Eon kommt beim Verkauf seiner Abfallsparte offenbar nicht so schnell voran wie erhofft. Der Termin für die Abgabe bindender Gebote sei ein weiteres Mal verlängert worden, sagte am Mittwoch eine mit der Situation vertraute Person zu dpa-AFX und bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Da es sich nur um eine kleine Sparte handele, sei das zwar keine allzu bewegende Nachricht, doch könnten die fortgesetzt negativen Meldungen den Kurs belasten, fügte der Experte hinzu. Der Kurs steigt dennoch um 0,2 Prozent.
Rentenmarkt gibt vor EZB-Sitzung nach
Vor der Sitzung der Europäischen Zentralbank am Mittwochmittag gibt der deutsche Rentenmarkt nach. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, verliert 30 Basispunkte auf 144,56 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future 7 Basispunkte auf 127,21 Prozent.
Die Helaba ortet für den Juni-Kontrakt auf den Bund bei 145,00 Prozent eine technische Unterstützung. Ein Widerstand liege bei 146,89 Prozent. „Am Donnerstag steht der Kontraktwechsel an, der zurzeit mit einer negativen Rolldifferenz von 90 Basispunkten einhergeht“, merkt die Helaba an. Auch im September-Kontrakt weise die Charttechnik auf eine überkaufte Marktlage hin. „Hinweise auf eine deutliche Korrekturbewegung gibt es aber nicht“, sagt Viola Julien von der Helaba.
Euro ringt mit der Marke von 1,25 Dollar
Der Euro ist am Mittwoch zeitweise über die Marke von 1,25 Dollar gestiegen. Händler nannten die gute Stimmung an den asiatischen Aktienmärkten als Hauptgrund. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung bis zu 1,2516 Dollar und damit einen halben Cent mehr als am Vorabend. Aktuelle liegt der Kurs aber wieder leicht unter den 1,25 Dollar.
Der Mittwoch steht ganz im Zeichen der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie wird - feiertagsbedingt einen Tag früher als üblich - ihre neuen Entscheidungen bekanntgeben. EZB-Beobachter rechnen zwar mehrheitlich nicht mit einer Zinssenkung oder neuen Krisenmaßnahmen. Viele Bankvolkswirte weisen aber darauf hin, dass angesichts der heiklen Lage in Spanien und Griechenland nichts auszuschließen sei. Die anschließende Pressekonferenz dürfte thematisch breit gefächert sein, sich aber auf die Euro-Schuldenkrise konzentrieren.
Hoffnung auf Notenbanken stützen Börsen in Asien
Hoffnungen auf weitere geldpolitische Maßnahmen durch die amerikanische Notenbank (Fed) sorgen am Mittwoch an den Aktienmärkten in Asien für steigende Notierungen. Mit Spannung werde zudem auf die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) geblickt. Eine Zinssenkung oder die Aussicht auf zusätzliche Liquidität für die auf hohen faulen Krediten und löchrigen Bilanzen sitzenden Banken wollen Marktteilnehmer nicht ganz ausschließen. Dagegen sorgt die ohne konkretes Ergebnis gebliebene G-7-Telefonkonferenz der Finanzminister der sieben führenden Industriestaaten nur für leichte Enttäuschung.
Der S&P-ASX-200 in Australien legt um 1 Prozent zu. In Tokio zieht der Nikkei-225 um 1,6 Prozent an und in Hongkong der HSI um 1,1 Prozent. Knapp im Minus liegt dagegen der Index der Börse in Schanghai. Hier drücken weiter Konjunktursorgen auf die Stimmung.
Laut einem Bericht des Wall Street Journal könnte die Fed angesichts der jüngsten schwachen Konjunkturdaten und angeschlagenen Finanzmärkte zu weiteren geldpolitischen Maßnahmen greifen. Allerdings sei das Treffen des Offenmarktausschusses am 19. und 20. Juni wohl ein zu früher Zeitpunkt für solche Entscheidungen. Weiter steht die Schuldenkrise in der Eurozone und hier vor allem die Situation in Spanien im Fokus. Am Vortag hatte der spanische Finanzminister erklärt, das Land habe praktisch keinen Zugang zu den Kapitalmärkten mehr. Und auch die Unsicherheit vor der Wahl in Griechenland am 17. Juni belastet weiter.
Gestützt wird die Stimmung vom besser als erwartet ausgefallenen ISM-Index für das Dienstleistungsgewerbe aus den Vereinigten Staaten. Die Börse in Sydney wird zusätzlich von deutlich besser als erwarteten Zahlen zum heimischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) beflügelt. Hier wurde für das erste Quartal eine Zunahme von 1,3 Prozent vermeldet, während die Schätzungen lediglich bei 0,7 Prozent lagen. Dies beflügelt den australischen Dollar, der vor allem gegenüber dem Greenback zulegt.
In Tokio sind vor allem die Exportwerte gesucht, die von einem leicht schwächeren Yen profitieren. Hier gewinnen Toyota Motor 2,4 Prozent und Mazda legen um 5,3 Prozent zu. „Der Markt ist überverkauft, so das es auch zu verstärkten Gelegenheitskäufen kommt“, sagt ein Händler. Der Nikkei-225 habe im Zeitraum März bis Juni ein stärkeres Minus verzeichnet als nach den Naturkatastrophen im Jahr 2011.
Nachbörsliche Kurse und Meldungen aus Amerika
Fester präsentierten sich die Aktienkurse im nachbörslichen amerikanischen Handel am Dienstag im Vergleich zum regulären Geschäft. Der Nasdaq After Hours Indicator stieg um 1,46 Punkte auf 2488,96 Zähler.
Der Kurs der Mattress Firm Holding fiel um 13,1 Prozent auf 30,66 Dollar, nachdem der Hersteller und Vertreiber von Matratzen mit seinem Quartalsumsatz die Prognosen des Marktes verfehlte. Die auf 1,46 bis 1,50 Dollar je Aktie angehobene Prognose für den Gewinn je Aktie stützte den Kurs nicht, zumal Analysten bislang mit 1,51 Dollar rechneten.
Mitcham Industries rutschten um 8,5 Prozent auf 16,75 Dollar ab. Der Anbieter von Ausrüstung für geophysikalische Aktivitäten hatte bei Gewinn und Umsatz die Markterwartungen verfehlt. Für Bob Evans Farms ging es um 6,2 Prozent auf 37,95 Dollar abwärts. Der Restaurantbetreiber sorgte mit einem unter den Analystenerwartungen liegenden Ausblick für Enttäuschung.
Guidewire Software legten dagegen um 2,6 Prozent zu auf 24,90 Dollar. Der Hersteller von Software für den Versicherungssektor übertraf mit seinem Quartalsergebnis die Erwartungen der Analysten.
Amerikanische Anleger finden Zuversicht in heimischer Konjunktur
Ein Wechselbad der Gefühle hat am Dienstag den Handel an der Wall Street geprägt. Zunächst sorgten die Alarmsignale aus Spanien auch in New York für Unruhe: Das Land räumte Probleme ein, an den Finanzmärkten an Geld zu kommen. Daneben trieb die Anleger die ernüchternde Erkenntnis um, dass auch Deutschland die Krise zu spüren bekommt. Später keimte aber nach überraschend robusten Zahlen aus dem amerikanischen Dienstleistungssektor neue Hoffnung auf. Der ISM-Service-Index stieg um 0,2 auf 53,7 Punkte. Analysten hatten im Schnitt einen unveränderten Wert von 53,5 Punkten vorhergesagt.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging 0,2 Prozent fester bei 12.127 Zählern aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P-500 stieg um 0,6 Prozent auf 1285 Stellen. Die Nasdaq stieg um 0,7 Prozent auf 2778 Punkte. Doch die Erholung dürfte Beobachtern nur vorübergehend sein und moderat ausfallen, weil die Stimmung in New York weiterhin am Boden ist. „Europa bereitet uns natürlich Sorgen und führt schon seit Wochen zu Aktienverkäufen“, sagte Peter Boockvar von Miller Tabak & Co. Angesichts von so viel Zurückhaltung sei schon eine nur etwas besser als erwartet ausgefallene Zahl aus dem Dienstleitungsgewerbe eine Erleichterung. „Der Markt hat große Angst vor den Konjunkturdaten.“ Selbst wenn sie ungefähr wie vorhergesagt ausfielen, führe dies zu einem Stoßseufzer - weil sie immerhin nicht die Prognosen verfehlten.
Bankaktien gehörten zu den gefragten Titeln. So legten die Papiere von Morgan Stanley mehr als vier Prozent zu, die Anteilsscheine von Citigroup 3,8 und die von JP Morgan 3,2 Prozent. Bank of America schaffte es auf ein Plus von 2,9 Prozent, während sich Goldman Sachs mit einem Gewinn von 1,3 Prozent begnügen musste.
Das Augenmerk der Anleger lag auch am Dienstag wieder einmal auf Facebook. Die Aktie verlor 3,8 Prozent. Eine Studie hatte ergeben, dass Werbung auf Facebook bislang wenig Wirkung zeigt. Ein Drittel der Facebook-Mitglieder in den Vereinigten Staaten verbringen zudem weniger Zeit in dem weltgrößten Internet-Netzwerk als noch vor einem halben Jahr.
Gewinnmitnahmen schicken amerikanische Anleihen ins Minus
Die amerikanischen Staatsanleihen haben am Dienstag nachgegeben. Nach der jüngsten Rally nahmen Anleger ihre Gewinne mit, wie Händler berichteten. In der vergangenen Woche waren die Renditen auf Rekordtiefs gefallen. Die zehnjährigen Papiere verloren 14/32 auf 102-01/32. Die Rendite lag bei 1,57 Prozent. Die dreißigjährigen Anleihen sanken um 1-21/32 auf 107-12/32 und rentierten mit 2,64 Prozent.
