Die Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen eines möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone hat dem deutschen Aktienmarkt am Mittwoch abermals zu schaffen gemacht. Der Dax fiel nach der Eröffnung um 1,5 Prozent auf 6305 Punkte und lag damit auf dem niedrigsten Stand seit Januar. Der marktbreite FAZ-Index fiel ebenfalls um 1,5 Prozent auf 1385 Punkte. Der Euro Stoxx 50 rutschte zeitweise auf ein neues Fünfeinhalb-Monats-Tief von 2160 Zählern ab. „Die unmittelbaren Kosten eines Euro-Austritts wären für Griechenland zwar enorm, aber beherrschbar“, sagte Finanzmarkt-Expertin Michala Marcussen von der Société Générale. „Unsere Sorge gilt den Ansteckungseffekten. Eine schnelle und kraftvolle Reaktion wäre nötig. Dies ist eine Frage des politischen Willens.“
Börsianer befürchten, dass bei den anstehenden Neuwahlen in Griechenland die Sparkurs-Kritiker weiteren Zulauf erhalten und die neue Regierung den Sanierungspakt mit EU und Internationalen Währungsfonds (IMF) aufkündigt. Investoren gehen davon aus, dass der hoch verschuldete Mittelmeer-Anrainer damit auf die Zahlungsunfähigkeit zusteuert. Zu den größten Verlierern zählten einmal mehr die Finanzwerte, die üblicherweise sensibel auf alle Nachrichten rund um die Schuldenkrise reagieren. Deutsche Bank verloren 1,6 Prozent und Commerzbank 2,2 Prozent. Der europäische Bankenindex büßte 1,4 Prozent ein.
Rekordjagd auf deutsche Anleihen geht weiter
Am deutschen Anleihemarkt haben die Kurse am Mittwoch ihre Rekordjagd vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden Griechenland-Krise fortgesetzt. Im frühen Handel verpasste der richtungweisende Euro-Bund-Future nur knapp ein neues Rekordhoch und stieg zeitweise bis auf 143,69 Punkte. Im weiteren Handel fiel der Future wieder etwas zurück und stand zuletzt bei 143,52 Punkten. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel um 2 Stellen auf 1,45 Prozent.
Die Spekulationen über einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone nehmen zu, hieß es in einer Einschätzung der Landesbank Hessen-Thüringen. Das von der Pleite bedrohte Euroland befinde sich nach der gescheiterten Regierungsbildung „in einer politischen Sackgasse und Neuwahlen im Juni sorgen für Nervosität“. Mit Blick auf die verfahrende Lage in Griechenland sei das Risiko für die Anleger hoch und die Investoren suchen die als sicher geltenden deutschen Bundesanleihen, hieß es weiter. Im weiteren Handelsverlauf dürften Versteigerungen von Staatsanleihen in den Fokus der Anleger rücken. Am Primärmarkt treten zur Wochenmitte die beiden größten Euro-Volkswirtschaften Deutschland und Frankreich mit Auktionen in Erscheinung. Fundamental dürften Daten zur amerikanischen Industrieproduktion am Nachmittag auf Interesse stoßen.
Euro rutscht unter 1,27 Dollar
Der Euro hat am Mittwoch weiter nachgegeben und ist erstmals seit Mitte Januar unter die Marke von 1,27 Dollar gerutscht. Im Tief kostete die Gemeinschaftswährung 1,2697 Dollar und damit so wenig wie zuletzt am 17. Januar. Ein Dollar war 0,7876 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstag auf 1,2843 (Montag: 1,2863) Dollar festgesetzt.
Nachdem Griechenland nunmehr vor Neuwahlen steht, macht an den Finanzmärkten das Wort „Grexit“ immer stärker die Runde. Gemeint sind damit eine Pleite Griechenlands und der Austritt aus dem Währungsraum. Der Euro wird durch dieses Szenario stark belastet. Infolge der gescheiterten Regierungsbildung und der gestrigen Ankündigung von Neuwahlen hat die Gemeinschaftswährung deutlich um eineinhalb Cent nachgegeben.
Asiatische Aktienmärkte mit deutlichen Verlusten
Auf die gescheiterte Regierungsbildung in Griechenland haben die asiatischen Börsen am Mittwoch mit mehrheitlich deutlichen Verlusten reagiert. In Japan zwangen laut Marktbeobachtern zusätzlich schwache Konjunkturdaten den Nikkei in die Knie. „Der Druck in Europa wächst, aber offenbar brauchen wir eine weitere Mini-Krise, bevor die Politik endlich einschreitet“, sagte ein Investmentstratege. Das Problem sei, dass die asiatischen Märkte und Wirtschaften stark vom Export abhängig seien, daher würden auch hier die Teilnehmer unruhig. Im pleitebedrohten Griechenland muss nun neu gewählt werden. Als wahrscheinlicher Wahltermin gilt der 17. Juni. Am heutigen Mittwoch soll über die Bildung einer Interimsregierung beraten werden.
Der MSCI Asia Apex 50, der die Aktienkurse der 50 größten Unternehmen Asiens exklusive Japan abbildet, fiel um 3 Prozent auf 779 Punkte. An der Börse in Tokio verlor der japanische Leitindex Nikkei 225 in der letzten Handelsstunde 1,3 Prozent auf 8782 Punkte. In China rutschte der Shenzhen CSI 300 Index, der die Aktien der 300 größten Unternehmen vom chinesischen Festland mit einer Börsennotierung in Shanghai oder Shenzhen enthält, um 0,9 Prozent auf 2593 Punkte. Der Hongkonger Hang-Seng-Index verlor noch deutlicher: Das Börsenbarometer fiel um 2,7 Prozent auf 19.346 Punkte. Der südkoreanische Kospi gab um 2,3 Prozent auf 1855 Punkte nach. In Singapur rutschte der FTSE Straits Times Index um 1,3 Prozent auf 2839 Punkte ab, und in Mumbai verlor der Sensex um 1,8 Prozent auf 16.038 Punkte.
Nachbörse Nyse: J.C. Penney mit Quartalsbericht unter Druck
Deutlich fester präsentierten sich die Aktienkurse im nachbörslichen amerikanischen Handel am Dienstag im Vergleich zum regulären Geschäft. Der Nasdaq After Hours Indicator stieg um 2,48 Punkte auf 2583,23 Zähler.
Im Gefolge eines enttäuschenden Erstquartalsberichts haben sich die Aktien von J.C. Penney am Dienstag im nachbörslichen Handel drastisch verbilligt. Der Einzelhändler hat einen Nettoverlust von 0,75 Dollar je Aktie verbucht. Vor Sonderposten belief sich der Verlust auf 0,25 Dollar je Anteilsschein, während Experten mit einem Verlust von 0,01 Dollar gerechnet hatten. Die Aktie brach bis 19.59 Uhr auf nasdaq.com um 12,2 Prozent auf 29,25 Dollar ein. General Motors steigerten sich dagegen um 4,6 Prozent auf 22,41 Dollar. Nach Börsenschluss wurde berichtet, dass Berkshire Hathaway - das Unternehmen des Großinvestors Warren Buffett - 10 Millionen Titel des Autobauers erworben hat.
Griechen-Drama drückt Wall Street ins Minus
Die Neuwahlen in Griechenland haben den amerikanischen Börsen schlussendlich doch die Stimmung verhagelt. Kurz vor Handelsschluss drehten die Aktienmärkte ins Minus, der S&P rutschte sogar auf ein Drei-Monats-Tief. Börsianer beunruhigte die Unsicherheit. Derzeit lässt sich kaum absehen, wie es mit dem Mittelmeerland weitergeht. „Europa bleibt der Stachel im Fleisch des Marktes“, sagte Andre Bakhos von Lek Securities. Unter den Investoren wächst die Angst, dass bei den Neuwahlen in Griechenland die Spar-Gegner siegen und das hoch verschuldete Euro-Land aus der Währungsgemeinschaft treiben. Gute Konjunkturdaten konnten die Atmosphäre nur vorübergehend verbessern. Die Industrie im wichtigen Bundesstaat New York gewann im Mai merklich an Schwung. Der Index für das Verarbeitende Gewerbe stieg auf 17,09 Punkte von 6,56 Zählern im April und damit deutlicher als erwartet. Der Dow Jones Index schloss mit einem Minus von 0,5 Prozent bei 12.632 Punkten. Im Handelsverlauf pendelte der Leitindex zwischen 12.608 und 12.758 Stellen. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,6 Prozent auf 1330 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq büßte lediglich 0,3 Prozent ein auf 2893 Stellen. Die Nasdaq hielt sich besser, weil Amazon um 0,7 Prozent zulegten. Credit Suisse hatte das Kursziel erhöht. Der Dax in Frankfurt ging mit einem Minus von 0,8 Prozent auf 6401 Punkten aus dem Handel.
Bergab ging es vor allem mit der Aktie des Kosmetik-Konzerns Avon, die um rund 10 Prozent abrutschte. Der von der deutschen Milliardärsfamilie Reimann kontrollierte Parfümhersteller Coty zog seine Übernahmeofferte für Avon zurück. Unter Druck gerieten auch die Titel von Home Depot, die 2,4 Prozent verloren. Die Baumarktkette verfehlte mit ihren Umsatzzahlen die Erwartungen. Chesapeake-Aktien brachen 5,6 Prozent ein. Der Energie-Konzern kündigte an, seine Verbindlichkeiten auszuweiten. Zudem stufte S&P die Kreditwürdigkeit herab. Gegen den Trend setzten sich die Papiere von JP Morgan durch, die Aktie stieg um knapp 1,3 Prozent. Das Papier hatte in den vergangenen Tagen nach Bekanntwerden des Handelsskandals deutlich eingebüßt. Auch Groupon konnte seine Kursgewinne verteidigen. Die Anteilsscheine des amerikanischen Gutscheinportals legten nach Bekanntgabe des ersten Quartalsgewinns 3,7 Prozent zu. Im Sog der Begeisterung vor dem anstehenden Facebook-Börsengang legten die Papiere von Konkurrenten des weltgrößten sozialen Netzwerkes zu. Die Aktie des chinesischen Wettbewerbers Renren stieg nach überzeugenden Zahlen um 6 Prozent.
Amerikanische Anleihen knapp im Minus
Die amerikanischen Staatsanleihen haben sich am Dienstag nur wenig von der Stelle bewegt. Gute Wirtschaftsdaten aus den Vereinigten Staaten und das endgültige Scheitern der Regierungsfindung in Griechenland hoben sich gegenseitig mehr oder weniger auf. In der Summe zeigten sich die Rentenpapiere aber moderat leichter, nachdem sie den Anlegern zuletzt wegen der massiven Sorgen um die Eurozone als Zuflucht gedient hatten. Während die gute Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe im Bundesstaat New York den amerikanischen Aktienmarkt stützte und umgekehrt die Nachfrage nach den Staatsanleihen drosselte, blieben Anleger wegen der unsicheren Lage in Griechenland weiterhin sehr angespannt.
Zweijährige Anleihen verloren 1/32 Punkte auf 99 29/32 Punkte. Sie rentierten mit 0,286 Prozent. Fünfjährige Anleihen fielen um 3/32 Punkte auf 100 22/32 Punkte. Sie rentierten mit 0,734 Prozent. Richtungweisende zehnjährige Anleihen gaben um 3/32 Punkte auf 99 23/32 Punkte nach. Sie rentierten mit 1,780 Prozent. Lang laufende Anleihen mit einer Laufzeit von dreißig Jahren lagen mit 5/32 Punkten im Minus bei 101 11/32 Punkten. Sie rentierten mit 2,931 Prozent.
