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Blick auf den Finanzmarkt Gewinne am Aktienmarkt

15.02.2012 ·  Die Anleger am deutschen Aktienmarkt setzen trotz des anhaltenden Geschachers um weitere Griechenland-Hilfen auf eine baldige Freigabe der Rettungsgelder.

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Eine imposante Erholung der Wall Street im späten Handel und gute Vorgaben aus Asien geben den deutschen Aktienindizes zur Wochenmitte neuen Auftrieb. Der Dax steigt um 1 Prozent auf 6798 Punkte. Der marktbreite FAZ-Index legt um 1,1 Prozent auf 1517 Punkte zu.

Nachdem der Dow Jones Industrial am Vorabend zunächst schwach tendiert hatte und ein Minus von bis zu 0,7 Prozent gesunken war, schaffte er dank einer Rally im späten Handel noch den Dreh ins Plus. Verantwortlich machten Marktteilnehmer neuerlichen Optimismus, dass die griechische Regierung den von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds geforderten zusätzlichen Sparmaßnahmen zustimmen wird. Asien nahm den freundlichen Trend auf - verstärkt durch die nochmalige Zusicherung Chinas, sich in der Rettung der Eurozone zu engagieren. Der Nikkei-225-Index markierte den höchsten Stand seit August vergangenen Jahres.

Kursverluste am Rentenmarkt

Der deutsche Rentenmarkt tendiert am Mittwoch leichter. Nach starken Kursgewinnen an den asiatischen Börsen und Kauflaune an den europäischen Aktienmärkten kurz vor dem Handelsauftakt seien die als sicher geltenden deutschen Staatsanleihen im frühen Handel wenig gefragt gewesen, hieß es von Händlern. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, verliert 22 Basispunkte auf 138,30 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future 8 Basispunkte auf 124,92 Prozent.

Experten der Commerzbank nennen als Ursache einer größeren Risikobereitschaft der Anleger Äußerungen chinesischer Offizieller bei einem Besuch einer EU-Delegation in Peking. Premierminister Wen Jiabao und der Chef der Notenbank hatten weitere Investitionen in den Euro-Rettungsschirm EFSF in Aussicht gestellt.

Dagegen wirkte sich die Absage des für den Abend geplanten Treffens der EU-Finanzminister zur Griechenland-Hilfe laut Händlern kaum auf den Handel am deutschen Rentenmarkt aus.

Euro kräftig erholt

Mit kräftigen Aufschlägen ist der Euro am Mittwochmorgen in das europäisch dominierte Geschäft gestartet. Eine überraschende Kehrtwende Griechenlands und gute Nachrichten aus China treiben den Devisenkurs. Der Euro springt von seinen Tiefständen am Vorabend unter 1,31 Dollar auf mehr als 1,3180 Dollar am Morgen.

Für Entspannung sorgen vor allem Signale aus Athen: Die Führer der beiden griechischen Koalitionsparteien wollen nun doch die von der Eurogruppe geforderten Zusagen über die Implementierung der Sparbeschlüsse im Laufe des Mittwoch abgeben.

Auch aus China kommen zarte Winke, Europa beim Tragen der Schuldenlast behilflich sein zu wollen: Der Gouverneur der People’s Bank of China, Zhou Xiaochuan, stellte in der Nacht während des Pekinger EU-China-Gipfels weitere Käufe von in Euro denominierten Vermögenswerten in Aussicht. Bereits zuvor hatte der Chef der chinesischen Notenbank die jüngsten Aussagen von Ministerpräsident Wen Jiabao wiederholt, denen zufolge das Land den Eurorettungsfonds EFSF stärker unterstützen will.

Angesichts der Staatsschuldenkrise stehen am Vormittag die ersten BIP-Veröffentlichungen für Europa und Italien im Blick. Volkswirte rechnen für das BIP der Eurozone im vierten Quartal mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Für Hoffnung am Morgen sorgte hier schon das überraschend gute BIP aus Frankreich: Es rutschte entgegen der Befürchtung nicht um 0,1 Prozent ins Minus, sondern stieg um 0,2 Prozent.

Aktienbörse in Tokio schließt sehr fest

Die Börse in Tokio hat am Mittwoch auf dem höchsten Stand seit August 2011 geschlossen. Teilnehmer erklärten den starken Anstieg mit der am Vortag erfolgten überraschenden Lockerung der japanischen Geldpolitik und damit verbundenen Erwartungen eines sich abschwächenden Yen. Aber auch die festen Nachbarbörsen hätten für positive Impulse gesorgt, ebenso wie günstige technische Signale nach dem Durchbruch des Nikkei durch die 200-Tage-Durchschnittslinie nach oben. Der Nikkei-225 gewann 2,3 Prozent auf 9.260 Punkte und schloss auf dem höchsten Stand seit August 2011. Der Topix stieg um 2,1 Prozent auf 803 Zähler.

Als weitere stimmungshebende Faktoren wurden Hoffnungen auf bessere Unternehmensgewinne und die Entspannung in der Euro-Schuldenkrise genannt. „Der schwächere Yen hilft den Exporteuren wie den Automobilherstellern, während gleichzeitig die Hoffnung auf weitere geldpolitische Lockerungen zyklische Aktien wie Immobilien- und Finanzwerte beflügelt“, sagte Marktstratege Masashi Akutsu von SMBC Nikko Securities.

Trotz der starken Einzelkursbewegungen sollte das Momentum aber nicht überbewertet werden, warnte Fondsmanager Naoteru Teraoka von Chuo Mitsui Asset Management. Das derzeitige niedrigere Yen-Niveau zum Dollar dürfte die finanzielle Situation einzelner Unternehmen nicht wesentlich verbessern. Wichtig sei ein nachhaltiger Anstieg des Dollar auf über 80 Yen, um langfristig optimistischer für die Exportbranchen zu werden.

Toyota Motor gewannen 4,6 Prozent auf 3.265 Yen, Honda Motor 3,3 Prozent auf 2.888 Yen, Sony 5,7 Prozent auf 1.575 Yen und Komatsu 5,3 Prozent auf 2.238 Yen. Im Immobilien- und Finanzsektor stiegen Mitsui Fudosan um 4,7 Prozent auf 1.436 Yen, Nomura Holdings um 5,4 Prozent auf 334 Yen und Mitsubishi UFJ FG 4,1 Prozent auf 408 Yen.

Unter den Einzelwerten war indessen Elpida Memory das Thema des Tages. Die Aktie des einzigen japanischen DRAM-Chipherstellers brach um 14,4 Prozent ein auf 320 Yen, nachdem sie zwischenzeitlich sogar das für einen Handelstag maximal zulässige Minus von 21 Prozent erreicht hatte. Das Unternehmen hatte mitgeteilt, dass die Gespräche zur Lösung seiner Schuldenprobleme ins Stocken geraten sind und damit Ängste über seine Überlebensfähigkeit geschürt.

Aktienbörse in China fest

Deutliche Kursgewinne verzeichnen die chinesischen Börsen im Handelsverlauf am Mittwoch. Nach Verlusten zu Beginn des Handels seien vor allem zyklische Papiere gesucht, wie Metall- und Energietitel, berichten Händler. Der Shanghai Composite Index gewinnt 1,1 Prozent auf 2.370 Punkte, der HSI in Hongkong steigt um 2 Prozent auf 21.331 Zähler nach oben.

Händler tun sich mit Erklärungen für die deutlichen Aufschläge schwer. „Vielleicht stehen Hoffnungen auf mehr Liquidität hinter den Käufen. Ich glaube, dass die Bankkredite in diesem Monat höher ausfallen werden als im Januar“, so Analyst Zhou Xu von Nanjing Securities. Andere Stimmen verweisen auf Aussagen der chinesischen Notenbank und des Ministerpräsidenten, die Hilfe in der Euro-Schuldenkrise zugesagt hatten.

Unter den Einzelwerten gewinnen beispielsweise Jinan Iron & Steel 6,1 Prozent, Inner Mongolia Baotou Steel Union 1,6 Prozent und Jiangxi Copper 3,3 Prozent.

In Hongkong schafft der HSI unterdessen den Ausbruch aus der Spanne 20.600 bis 21.000 Punkte und hat im Tageshoch den höchsten Stand seit sechs Monaten markiert. Der nächste Widerstand liege nun bei 21.700 Punkten, heißt es. Favorisiert würden Aktien aus dem Immobiliensektor mit Hoffnungen auf eine Erholung der Branche.

Neuigkeiten und Kursbewegungen nach Börsenschluss an der Wall Street

Gut behauptet präsentierten sich die Aktienkurse im nachbörslichen amerikanischen Handel am Dienstag im Vergleich zum regulären Geschäft. Der Nasdaq After Hours Indicator stieg um 1,65 Punkte auf 2576,89 Zähler.

Zynga verbuchten deutliche Verluste, nachdem der Hersteller von Spielen wie Farmville seine Viertquartalszahlen vorgelegt hatte. Zwar übertraf das bereinigte Ergebnis die Erwartungen des Marktes, doch enttäuschte das Nettoergebnis. Zudem war der Aktienkurs in den vergangenen beiden Wochen um 35 Prozent gestiegen. In der regulären Sitzung am Dienstag verbuchte sie ein Plus von fast 7 Prozent. Nachbörslich gab sie um 7 Prozent auf 13,35 Dollar nach.

Given Imaging stiegen dagegen um 12,7 Prozent auf 20,05 Dollar. Das Medizintechnik-Unternehmen hatte das Ergebnis im vierten Quartal um 76 Prozent gesteigert. Hartford Financial verbesserten sich um 5,7 Prozent auf 20,94 Dollar. Hedge-Fonds-Manager John Paulson, dessen Fonds größter Aktionär der Allianz-Tochter ist, hatte Hartford aufgefordert, das Sach- und Haftpflichtgeschäft abzuspalten, um auf diese Weise den Shareholder Value zu verbessern. Paulson verlieh seiner Forderung am Dienstag mit einer Einreichung an die amerikanische Börsenaufsicht Nachdruck. Die Hartford-Aktie hat im vergangenen Jahr rund 30 Prozent eingebüßt.

Apple bauten ihre Kursgewinne nachbörslich aus und legten um 0,4 Prozent auf 511,50 Dollar zu. Die Titel hatten im regulären Handel am Dienstag erstmals die Marke von 500 Dollar überwunden.

New Yorker Börsen treten auf der Stelle

Enttäuschende Konjunkturdaten haben die Wall Street am Dienstag belastet. Neben der Herunterstufung von sechs Euro-Staaten durch die Ratingagentur Moody’s drückte der schwache amerikanischen Einzelhandel auf die Stimmung. Außerdem setzten negative Nachrichten aus Griechenland den Aktienmärkten zu. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss mit 12.878 Punkten kaum verändert. Der breiter gefasste S&P-500 gab 0,1 Prozent auf 1350 Punkte nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq ging mit 2931 Punkten unverändert aus dem Handel.

Anleger nutzten die amerikanischen Daten auch, um Kasse zu machen. „Der Markt fällt nicht auseinander. Die Händler nehmen nur ein paar Gewinne mit“, sagte Ken Polcari von ICAP Equities in New York. Der amerikanische Einzelhandel startete mit einem Plus von 0,4 Prozent schwächer ins neue Jahr als von Analysten erwartet. Diese hatten mit einem Anstieg um 0,7 Prozent gerechnet. Im Dezember, auf den der größte Teil des wichtigen Weihnachtsgeschäftes fiel, stagnierten die Umsätze sogar.

Im Blickpunkt der Anleger stand abermals Apple. Der Konzern will einem Zeitungsbericht zufolge in der ersten Märzwoche eine neue Version des iPads vorstellen. Die Aktie war am Vortag erstmals auf über 500 Dollar geklettert. Sie legte 1,4 Prozent auf 509,46 Dollar zu.

Trotz roter Zahlen im vierten Quartal verteuerten sich die Aktien des Kosmetikherstellers Avon um 1,5 Prozent. Auf den Verkaufszetteln der Börsianer standen die Papiere der Bank of America, nachdem Citigroup die Aktien auf „neutral“ von „buy“ heruntergestuft hatte. Die Aktien fielen 3,3 Prozent. Gegen den Markttrend stiegen die Anteilsscheine von Micron Technology um mehr als sechs Prozent. Die Aktie des Chipherstellers profitierte von positiven Analystenkommentaren.

Amerikanische Anleihen sehr fest

Schwache Einzelhandelsdaten aus den Vereinigten Staaten und neue Hiobsbotschaften aus Europa haben am Dienstag Anleger in den vermeintlich sicheren Hafen der amerikanischen Anleihen getrieben. Im späten New Yorker Handel stiegen zehnjährige Anleihen mit einem Kupon von 2,000 Prozent um 16/32 auf 100-24/32 und rentierten mit 1,92 Prozent. Der mit 3,125 Prozent verzinste Longbond gewann 1-4/32 auf 101-7/32, seine Rendite fiel damit auf 3,06 Prozent.

Die Daten zum Einzelhandel versetzten den Konjunkturaussichten einen herben Dämpfer. „So ganz unerwartet kommen die Daten freilich nicht. Allgemein ist mit einem schwachen Konsum zum Start in das neue Jahr gerechnet worden“, erläuterte Marktstratege Dan Greenhaus von BTIG den Datenkranz. Konjunkturskeptiker fühlten sich durch die Daten in ihrem Ruf nach neuen quantitativen Lockerungen durch die amerikanische Notenbank bestätigt.

Stärkeren Auftrieb erhielten die Notierungen auch vom griechischen Schuldendrama: „Der Markt verarbeitet weiter die Auswirkungen der griechischen Sparbeschlüsse. Bei der Umsetzung dürfte es viele Unwägbarkeiten geben, das hilft natürlich den amerikanischen Anleihen“, sagte ein Rentenstratege mit Blick gen Europa.

Im Handel war aber auch von verstärkten Investitionen und Umschichtungen in den Markt für Unternehmensanleihen die Rede. Insbesondere die niedrigen Renditen bei amerikanischen Staatsanleihen hätten diesen Trend begünstigt, hieß es. Gefragt waren vor allem Papiere mit hohen Renditen und damit solche, die von Unternehmen mit schwacher Kreditwürdigkeit emittiert wurden.

Quelle: FAZ.NET, dpa-AFX, Reuters, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Dow Jones
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S&P500 1.317,82 −0,22%
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