Der deutsche Aktienmarkt hat am Dienstag an seine vorsichtige Erholung vom Vortag angeknüpft und freundlich eröffnet. Der Dax gewann in den ersten Handelsminuten 0,3 Prozent auf 6645 Punkte. Der M-Dax kletterte um 0,15 Prozent auf 10.562 Punkte. Der Tec-Dax legte um 0,02 Prozent auf 775 Punkte zu. Der marktbreite FAZ-Index gewann 0,1 Prozent auf 1477 Punkte.
Trotz eines vollen Konjunkturkalenders an diesem Dienstag - erwartet werden Daten aus Deutschland, der Eurozone und den Vereinigten Staaten - richte sich das Marktinteresse eindeutig auf Spanien, wo sich die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen in den vergangenen Tagen über der kritischen Marke von 6 Prozent etabliert haben, sagte Händler Markus Huber von ETX Capital. Insofern seien die für Dienstag terminierten Geldmarkt-Auktionen in Spanien ein Test des Anlegervertrauens und würden mit Spannung erwartet. Huber fürchtet, dass am Dienstag selbst gute Wirtschafts- und Unternehmensnachrichten nicht ausreichen werden, um die aktuellen Spanien-Befürchtungen zu überlagern. Positiv wirke sich der auffällig stabile Euro aus, sagte Aktienhändler Chris Weston von IG Markets.
Deutsche Anleihen vor ZEW-Daten kaum verändert
Am deutschen Anleihenmarkt sind die Kurse am Dienstag vor der Veröffentlichung wichtiger Konjunkturdaten und im Zuge einer leichten Entspannung bei den Renditen spanischer Staatsanleihen kaum verändert in den Handel gestartet. Der für den Handel richtungsweisende Euro-Bund-Future fiel zum Handelsauftakt um 0,04 Prozent auf 140,33 Punkte. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, verlor 5 Basispunkte auf 140,33 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future blieb unverändert bei 124,88 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 1,723 Prozent.
Nach Einschätzung der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) warten die Anleger „mit Spannung“ auf die Veröffentlichung des ZEW-Konjunkturindikators am späten Vormittag. Volkswirte rechnen mit einer Eintrübung. Ein überraschend schwaches Abschneiden des ZEW-Indikators könnte den als besonders sicher geltenden Bundesanleihen neuen Auftrieb verleihen, hieß es von Händlern. Im Handelsverlauf dürfte zudem die Lage am spanischen Anleihenmarkt in den Fokus rücken. Sollte die Rendite für die richtungsweisenden 10-jährigen spanischen Anleihen im Handelsverlauf wie bereits am Vortag über die Marke von 6 Prozent steigen, könnte das den Bundesanleihen ebenfalls Auftrieb verleihen. Zum Handelsauftakt rutschte die Rendite der spanischen Papiere aber zunächst wieder ganz knapp unter die Marke von 6,0 Prozent auf 5,965 Prozent.
Euro nach Kurserholung weiter über 1,31 Dollar
Der Euro hat sich am Dienstag nach der kräftigen Kurserholung vom späten Montagabend weiter über der Marke von 1,31 Dollar halten können. Nach einem Start bei etwa 1,3135 Dollar stand die Gemeinschaftswährung am Morgen bei 1,3110 Dollar. Im späten Montagshandel hätten Kursgewinne amerikanischer Standardwerte nach guten Konjunkturdaten die Risikofreude der Anleger geweckt und dem Euro Auftrieb verliehen. Am Montagmittag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs noch auf 1,3024 (Freitag: 1,3148) Dollar festgesetzt.
Trotz der jüngsten Kurserholung sprechen Experten der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) vor dem Hintergrund der Euro-Schuldenkrise weiterhin von einer „großen Nervosität“ am Markt. Vor allem die Sorge über die konjunkturelle Entwicklung in Spanien habe den Euro in den vergangenen Tagen unter Verkaufsdruck gesetzt. Im weiteren Handelsverlauf dürften die Investoren nach Einschätzung von Händlern die Lage am spanischen Anleihenmarkt im Blick haben. Sollte die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen spanischen Staatsanleihen weiter über die Marke von 6 Prozent steigen, dürfte das den Kurs des Euro belasten. Nach Einschätzung der Helaba erwarten die Anleger auch „mit Spannung“ die Veröffentlichung des ZEW-Konjunkturindikators am späten Vormittag. Volkswirte rechnen mit einer Eintrübung. Ein überraschend schwaches Abschneiden des ZEW-Indikators könnte die Gemeinschaftswährung ebenfalls unter Verkaufsdruck setzen, hieß es weiter von Händlern.
Asiatische Aktienmärkte verzeichnen Verluste
Die asiatischen Börsen haben am Dienstag überwiegend mit moderaten Verlusten an die Abgaben vom Montag angeknüpft. Die Börse in Tokio konnte am Dienstag zunächst die freundlichen Vorgaben aus Europa und den Vereinigten Staaten aufgreifen. Im späten Handel drehte der Markt dann jedoch leicht ins Minus. Besonders deutliche Verluste gab es in China, was Händler mit einer sinkenden Investitionsbereitschaft ausländischer Investoren begründeten. Mit Spannung warteten Börsianer zudem auf eine am Dienstag anstehende Geldmarkt-Auktion in Spanien.
Der MSCI Asia Apex 50, der die Aktienkurse der 50 größten Unternehmen Asiens exklusive Japan umfasst, fiel um 0,87 Prozent auf 834 Punkte. Im Gegensatz zu den kräftigen Verlusten vom Vortag wiesen die Kurstafeln in Tokio nur ein knappes Minus aus: Der Nikkei 225 stand kurz vor Handelsschluss 0,03 Prozent tiefer bei 9468 Punkten, nachdem er zum Wochenauftakt unter der psychologisch wichtigen Marke von 9500 Punkten geschlossen hatte. Der breiter gefasste Topix verlor lediglich 0,01 Prozent auf 805 Punkte. Klar gegen den Markt stemmten sich die Aktien des Online-Spieleherstellers Gree, die nach einer optimistischen Analystenstimme um knapp 8 Prozent anzogen. Der Hang-Seng-Index in Hongkong büßte deutlichere 0,7 Prozent auf 20.466 Punkte ein. Aktien der China Construction Bank litten hier mit minus 2,3 Prozent unter dem schwindenden Interesse ausländischer Investoren. Der Shanghai Shenzhen CSI 300 Index, der die Aktien der 300 größten festlandchinesischen Unternehmen mit einer Börsennotierung in Shanghai oder Shenzhen enthält, begab sich mit 0,6 Prozent auf 2559 Punkte auf Talfahrt. Der FTSE Straits Times Index in Singapur fiel um 0,44 Prozent auf 2979 Punkte und in Seoul sank der Kospi in ähnlichem Maße um 0,4 Prozent auf 1984 Punkte. Einzig der indische Sensex in Mumbai konnte sich gegen die Marktrichtung stemmen: Er gewann 0,95 Prozent auf 17.314 Punkte.
Nachbörse Wall Street: ICU Medical und Teekay gesucht
Leicht fester präsentierten sich die Aktienkurse im nachbörslichen amerikanischen Handel am Montag im Vergleich zum regulären Geschäft. Der Nasdaq After Hours Indicator stieg um 0,29 Punkte auf 2670,39 Zähler.
Die Aktien von ICU Medical haben am Montag im nachbörslichen Handel auf nasdaq.com zugelegt. Das Unternehmen hatte im ersten Quartal zwar einen Gewinnrückgang verzeichnet, aber seine Jahresziele bekräftigt. Bis 19.59 Uhr Ortszeit stiegen ICU um 1,9 Prozent auf 49,95 Dollar. Teekay Corp legten bis 18.15 Uhr Ortszeit um 2,2 Prozent auf 5,55 Dollar zu. Die Reederei will 13 ihrer 17 Tankschiffe an ihre Tochter Teekay Tankers verkaufen und die Erlöse reinvestieren. Endocyte bauten ihre Kursgewinne aus dem regulären Handel aus und gewannen bis 19.59 Uhr Ortszeit 2,4 Prozent auf 7,80 Dollar. Bis zur Schlussglocke hatte sich der Kurs der Aktien verdoppelt, nachdem Merck & Co dem Unternehmen eine Vorauszahlung von 120 Millionen Dollar zur Entwicklung des Krebsmedikaments Vintafolide zugesagt hatte.
Amerikanische Aktienmärkte uneinheitlich
Der amerikanische Aktienmarkt hat zum Wochenauftakt uneinheitlich tendiert. Während ein starker Einzelhandel den Standardwerten Auftrieb gab, zogen Gewinnmitnahmen bei Apple die Technologiewerte nach unten. Besondere Aufmerksamkeit galt am Montag den Quartalszahlen der Unternehmen. Während Citigroup positiv überraschte, enttäuschte Mattel. Insgesamt legen in dieser Woche 86 der S&P-500-Unternehmen ihre Bilanzen vor. Der Dow-Jones-Index schloss um 0,6 Prozent höher bei 12.921 Punkten. Im Verlauf pendelte er zwischen 12.986 und 12.850 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 notierte kaum verändert bei 1369 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq ging dagegen um 0,76 Prozent tiefer bei 2988 Punkten aus dem Handel. Der Dax hatte in Frankfurt 0,6 Prozent fester mit 6625 Punkten geschlossen.
Trotz der hohen Benzinpreise konsumierten die amerikanischen Bürger im März mehr als erwartet. Vielen Anleger werteten das als Hinweis auf eine stabile Konjunkturerholung. Die Verbraucherdaten werden von den Börsianern mit Spannung verfolgt, da der Konsum eine wesentliche Stütze der amerikanischen Wirtschaft ist. „Im Schnitt ist die Lage besser als vor einem Jahr“, sagte Tim Holland vom Aston/TAMRO Diversified Equity Fund. „Das wird sich in den Unternehmenszahlen niederschlagen.“ Andere Experten warnten, dass die Schuldenkrise den Händlern weiter aufs Gemüt schlägt. „Europa ist wieder ein Thema“, sagte Frank Lesh von FuturePath Trading in Chicago. „Das ganze Gerede über Spanien beunruhigt den Markt.“
Bei den Einzelwerten stand die Großbank Citigroup im Mittelpunkt. Die Börsianer zeigten sich von dem unerwartet hohen Gewinn angetan, die Aktie legte fast 1,8 Prozent zu. Der weltgrößte Spielzeughersteller Mattel enttäuschte dagegen mit einem Umsatzrückgang im Quartal. Unter anderem verkaufte Mattel weniger Barbie-Puppen und erhielt dafür mit einem Kursabschlag von 9,1 Prozent die Quittung. Das Börsenschwergewicht Apple gab um 4,1 Prozent nach. Experten sprachen von charttechnischen Gründen. „Das sind klassische Gewinnmitnahmen“, erklärte Shaw Wu von Sterne Agee. Zudem gebe es „einen gewissen Schneeball-Effekt“. Zuletzt war der Kurs des iPad-, iPhone- und Mac-Herstellers von Rekordhoch zu Rekordhoch geeilt.
Amerikanische Anleihen kaum verändert
Die amerikanischen Staatsanleihen haben sich am Montag kaum bewegt. Experten sahen die Kurse der festverzinslichen Wertpapiere im Spannungsfeld steigender Sorgen über die europäische Schuldenkrise und durchwachsener amerikanischer Konjunkturdaten gefangen. Während die Risikoprämien für spanische Staatsanleihen stiegen und sowohl die Stimmung des Verarbeitenden Gewerbes im Bundesstaat New York wie der NAHB-Wohnungsmarktindex enttäuschten, begünstigten die unerwartet stark gestiegenen Einzelhandelsumsätze die Wall Street. Dort legte der Dow-Jones-Index zuletzt um knapp 1 Prozent zu.
Zweijährige Anleihen notierten praktisch unverändert bei 99 30/32 Punkten und rentierten mit 0,274 Prozent. Gleiches galt für die fünfjährigen Anleihen bei 100 24/32 Punkten. Sie rentierten mit 0,845 Prozent. Richtungweisende zehnjährige Anleihen verteuerten sich um 2/32 Punkte auf 100 6/32 Punkte und rentierten mit 1,977 Prozent. Lang laufende Anleihen mit einer Laufzeit von dreißig Jahren stiegen um 7/32 Punkte auf 100 4/32 Punkte. Sie rentierten mit 3,118 Prozent.
