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Blick auf den Finanzmarkt Deutsche Aktien verzeichnen Verluste

19.09.2011 ·  Der anhaltende Streit um den richtigen Weg zur Lösung der Schuldenkrise schickt die europäischen Aktienmärkte auf Talfahrt. Auch der Euro steht unter Druck und kostet mit 1,3705 Dollar rund einen amerikanischen Cent weniger als zum New Yorker Freitagsschluss.

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Der deutsche Aktienmarkt startet schwach in die neue Woche. Der Dax verliert 1,7 Prozent auf 5481 Punkte. Der marktbreite FAZ-Index gibt 2,1 Prozent auf 1242 Punkte nach.

Händler sprechen von einem Rückschlag. „Die Abgaben an Asiens Börsen sowie die deutlichen Verluste des Euro drücken auf die Kurse“, so ein Händler. Der Markt sei bis Freitag auch durch den großen Verfallstermin an der Terminbörse Eurex unterstützt worden, und diese Unterstützung falle nun weg. „Damit rückt die Schuldenkrise in der Eurozone wieder in den Vordergrund“, so ein Marktteilnehmer.

Finanzminister Schäuble hat Griechenland abermals mit Zahlungsstopp gedroht, sollte das Land seinen Verpflichtungen nicht nachkommen. Begründet wird die abnehmende Risikobereitschaft auch mit dem ergebnislosen Treffen der EU-Finanzminister vom
Wochenende.

Im Handel geht man von einer Fortsetzung des schwankungsanfälligen Geschäfts aus, das vor allem vom Makroumfeld geprägt sein dürfte. Wichtige Unternehmensnachrichten gebe es zu Wochenbeginn nicht zu verarbeiten. Einige Marktteilnehmer hoffen auf die amerikanische Notenbank, die am Dienstag und Mittwoch zur Geldpolitik tagt. Am Markt heißt es, möglicherweise könnte die Notenbank versuchen, nach den kurzen Leitzinsen auch die langen Zinsen am Anleihenmarkt nach unten zu drücken.

Unter der Schuldenkrise leiden laut Händlern abermals die europäischen Finanzwerte. „Auch wenn die Notenbanken die erwarteten Liquiditätsengpässe gelöst haben, das Problem einer möglichen Unterkapitalisierung besteht weiterhin“, so ein Marktteilnehmer mit Blick auf die Bestände an Staatsanleihen in den Bankenportfolios.

Im frühen Handel fallen Deutsche Bank um 3,7 Prozent auf 24,175 Euro und Commerzbank um 3,5 Prozent auf 1,704 Euro. VW verlieren 3,7 Prozent auf 110,75 Euro, nachdem der Kurs zum Handelsschluss am Freitag wegen der Aufnahme in den Euro-Stoxx-50 stark gestiegen war. Relativ gut halten sich einige defensive Werte wie Fresenius mit einem Minus von 0,2 Prozent.

SMA Solar fallen um 4,7 Prozent auf 53,30 Euro, nachdem die Analysten des Unicredit die Aktien auf Verkauf heruntergestuft haben.

Rentenmärkte starten fester

Die wieder in den Fokus gerückte Staatsschuldenkrise im Euroraum lässt den deutschen Rentenmarkt am Montag kräftige Kursgewinne verzeichnen. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, gewinnt 72 Basispunkte auf 137,37 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future 35 Basispunkte auf 122,53 Prozent.

Das Treffen der EU-Finanzminister in Polen ist faktisch ohne Ergebnis geblieben, darüber hinaus stützt die sich abzeichnende Zitterpartie um frische Hilfsgelder für Athen die deutschen Renten-Futures. „Niemand sollte sich Illusionen machen: Ohne eine positive Feststellung der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds, dass Griechenland seinen Verpflichtungen nachkommt, kann die nächste Tranche nicht ausgezahlt werden“, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble der „Bild am Sonntag“.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer steht allerdings bereits die Entscheidung der amerikanischen Notenbank. Die Währungshüter um Federal-Reserve-Chairman Ben Bernanke werden am Dienstag und Mittwoch über ihren geldpolitischen Kurs beraten. Beobachter gehen davon aus, dass der Offenmarktausschuss dabei eine Verlängerung der Restlaufzeit der von der Federal Reserve gehaltenen Staatsanleihen beschließen wird.

Alleine im Rahmen ihrer zweiten Runde quantitativer Lockerungen hat die amerikanische Notenbank bis Ende Juni dieses Jahres 600 Milliarden Dollar in Schuldtitel investiert. „Sollte die Federal Reserve einen verstärkten Ankauf langlaufender Staatsanleihen beschließen, könnte dies auch unterstützend auf den deutschen Markt wirken“, sagt Viola Stork von der Landesbank Hessen Thüringen.

Charttechnisch sieht sie die nächsten Widerstände für die Bund-Futures auf den Niveaus von 138,28 Prozent und 138,91 Prozent. Unterstützungen macht sie in den Bereichen von 135,61 Prozent und 135,12 Prozent aus.

Euro startet schwächer

Nach dem faktisch ergebnislosen Treffen der EU-Finanzminister in Polen startet der Euro schwächer zum Dollar in die neue Woche. Am Montagmorgen kostet die Gemeinschaftswährung nur noch 1,3659 Dollar, im freitäglichen späten Geschäft in New York wechselte sie noch für 1,3802 Dollar den Besitzer. Darüber hinaus belastet die sich abzeichnende Zitterpartie um frische Hilfsgelder für Athen den Euro.

Die Mehrheit im Offenmarktausschuss der Fed sei immer für eine Dollar-negative Überraschung gut, sagt Ulrich Leuchtmann, Chef des Devisen-Research der Commerzbank. „Letztes Mal schockierte uns der Vorschlag, die Fortsetzung der Nullzinspolitik an die Arbeitslosenrate zu koppeln. Wer weiß schon, was den Ultra-Tauben noch so alles einfällt?“

Zu Wochenbeginn dürften die Impulse von der makroökonomischen Seite allerdings ausbleiben, auf der Agenda stehen lediglich Konjunkturdaten aus der bestenfalls zweiten Reihe. Charttechnisch liegen die nächsten Unterstützungen für den Euro auf den Niveaus von 1,3592 Dollar, 1,3559 Dollar und 1,3500 Dollar. Widerstände finden sich in den Bereichen von 1,3900 Dollar, 1,3936 Dollar und 1,4056 Dollar.

Enttäuschung über EU-Treffen drückt Asiens Börsen

Die Enttäuschung über das EU-Finanzministertreffen am Wochenende hat am Montag die Märkte in Fernost nach unten gezogen. Zudem verunsicherte die überraschende Absage einer Vereinigten Staaten-Reise des griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou angesichts der brennenden Probleme seines Landes die Anleger. Mit Spannung wird nun eine Telefonkonferenz des griechischen Finanzministers Evangelos Venizelos im Laufe des Tages mit den Inspektoren von Europäischer Union (EU) und Internationalem Währungsfonds (IWF) erwartet. Venizelos soll darlegen, wie das Land seine Finanzprobleme in den Griff bekommen will. In Tokio blieb die Börse wegen eines Feiertags geschlossen.

„Wir haben keinen deutlich positiven Fortschritt in Europa“, sagte Analyst Kim Soo-Young von KB Investment & Securities. Experten erwarten daher, dass in dieser Woche die nervöse Berg- und Talfahrt an den Aktienmärkten weitergeht. Zudem richten die Börsianer ihren Blick auf das Treffen der amerikanischen Notenbank (Fed) am Dienstag und Mittwoch.

Der MSCI-Index für die asiatischen Aktien außerhalb Japans gab fast 2,5 Prozent nach. Zu den größten Verlierern mit einem Minus von rund 2,4 Prozent gehörte der Hang-Seng-Index in Hongkong. Der chinesische Leitindex lag 1,4 Prozent im Minus. Auch die Märkte in Südkorea , Taiwan und Singapur gaben nach. In Australien zeigte das Börsenbarometer ebenfalls nach unten.

Bei den Einzelwerten gaben in Hongkong abermals die Papiere der Modekette Esprit um mehr als 16 Prozent nach. Die Firma hatte in der vergangenen Woche einen Einbruch beim Jahresgewinn gemeldet. Damit haben die Esprit-Aktien in diesem Jahr mehr als 70 Prozent ihres Werts verloren. Die Papiere von China Coal Energy brachen um 16,8 Prozent ein, bevor sie vom Handel ausgesetzt wurden. In Medienberichten hatte es zuvor geheißen, dass nach einem Unglück in einem Bergwerk mit acht Toten der Bergwerksbetrieb in einer nördlichen Provinz eingestellt würde.

Neuigkeiten und Kursbewegungen nach Börsenschluss an der Wall Street

Gut behauptet präsentierten sich die Aktienkurse im nachbörslichen amerikanischen Handel am Freitag im Vergleich zum regulären Geschäft. Der Nasdaq After Hours Indicator stieg um 2,35 Punkte auf 2308,44 Zähler.

Unter den Einzelwerten stachen Goodrich nach Berichten hervor, der Flugzeugtechnikzulieferer befinde sich in Gesprächen über eine Übernahme durch den Mischkonzern United Technologies. Der Aktienkurs stieg um 20,6 Prozent auf
112 Dollar. United Technologies gaben um 0,6 Prozent nach auf 75,08 Dollar. Vulcan Materials zeigten sich kaum bewegt nach einer Bonitätsabstufung und gingen minimal leichter mit 33,16 Dollar aus dem Tag.

Wall Street setzt auf Fed-Griff in die Trickkiste

Wieder einmal soll Fed-Chef Ben Bernanke den amerikanischen Aktienmärkten zum Glück verhelfen. Nach der besten Börsenwoche seit Anfang Juli blicken die Anleger nun mit gespannter Hoffnung auf die Notenbank, deren Entscheidungsträger am Dienstag und Mittwoch zu einem verlängerten Treffen zusammenkommen. Der Federal Reserve traut die Wall Street zu, selbst nach ihrem Feuerwerk der Konjunkturhilfen doch noch ein neues Programm zur Stärkung der heimischen Wirtschaft aus dem Hut zaubern zu können.

Nüchterner fällt dagegen der Blick über den Atlantik aus: Die Europäer müssten dafür sorgen, dass sie ihre Schuldenkrise wirklich in den Griff bekommen, hieß es in New York. Andernfalls kämen neue Ängste auf, die Schwierigkeiten der Euro-Zone könnten Wirtschaft und Finanzsysteme weltweit beschädigen.

Europa sei wirklich der größte Unsicherheitsfaktor, sagte Gail Dudack, Chefinvestment-Strategin der Dudack Research Group. Die europäische Schuldenkrise habe weiter das Potenzial, die amerikanischen Börsen auf Talfahrt zu schicken. Die Schwierigkeiten ähnelten der Finanzkrise von 2008. Probleme mit Staatsschulden seien allerdings viel schwerer zu lösen als solche mit Hypothekenschulden, sagte Dudack.

Ihr Kollege Paul Mendelsohn sah während der Rally der vergangenen Woche denn auch die Macht des positiven Denkens am Werk. „Die Märkte haben versucht, sich selbst davon zu überzeugen, dass die europäische Angelegenheit nicht außer Kontrolle geraten wird“, sagte der Investmentstratege von Windham Financial Service. Die kommende Woche werde aber klar von der Federal Reserve dominiert.

Die meisten in Politik und Wirtschaft erwarten, dass Fed-Chef Bernanke und seine Kollegen der Wirtschaft abermals unter die Arme greifen werden. Doch statt großer Geschütze rechnen Experten nun mit dem Einsatz kleinerer Waffen wie dem Umschichten des Fed-Portfolios: Die Notenbank würde den Schwerpunkt auf länger laufende Anleihen legen und dadurch die langfristigen Zinsen drücken.

„Das wichtigste Ereignis ist Bernanke“, fasste Joe Saluzzi von Themis Trading die Rolle des Fed-Chefs als Hoffnungsträger der kommenden Tage zusammen. Wenig Erwartungen habe er dagegen an die Zahlen vom Immobilien- und Arbeitsmarkt, die am Dienstag und Donnerstag erwartet werden. „Der Häusermarkt ist tot und wird es auch bleiben, von den Arbeitslosenzahlen verspreche ich mir auch nichts.“

Trotz der mauen Konjunktur haben die Unternehmen zuletzt immer noch ansehnliche Bilanzen präsentiert. Doch Analysten fürchten, dass dies sich unmittelbar ändern könnte, wenn die Finanzbranche den Schock einer Griechenland-Pleite verkraften müsste.

Neue Erkenntnisse über den Zustand der amerikanischen Wirtschaft versprechen sich die Anleger in der kommenden Woche auch von den FedEx -Zahlen. Der Paketdienst, der als Konjunkturbarometer gilt, legt seine Quartalsbilanz am Donnerstag vor. Am selben Tag gibt auch der Adidas-Rivale Nike Einblick in seine Bücher. Ihm vorauseilt schon der SAP -Konkurrent Oracle , der seine Zahlen am Dienstag der Öffentlichkeit vorstellt.

Amerikanische Anleihen etwas fester

Die Notierungen der amerikanischen Anleihen haben am Freitag zugelegt, nachdem sie am Vormittag (Ortszeit) noch im Minus tendiert hatten. Zehnjährige Titel mit einem Kupon von 2,125 Prozent gewannen 6/32 auf 100-18/32 und rentierten mit 2,06 Prozent. Der mit 3,750 Prozent verzinste Longbond stieg um 19/32 auf 107-31/32. Seine Rendite stand bei 3,33 Prozent.

Teilnehmer begründeten die Gewinne mit der wieder zunehmenden Unsicherheit an den Märkten, die sich auch in einem volatilen Verlauf der amerikanischen Aktienbörsen spiegelte. Auch die Schwäche des Euro zeigte die wieder gesunkene Risikoneigung an.

Im Fokus stand das Treffen der Finanzminister der Eurozone in Polen, an dem auch der amerikanischen Finanzminister Geithner teilgenommen hat. Analysten werteten Geithners Anwesenheit als Beleg für die internationalen Sorgen, dass die Probleme der Eurozone eine weltweite Finanzkrise auslösen könnten.

Quellen: FAZ.NET, dpa-AFX, Reuters, dpa, AP, AFP, Dow Jones, Bloomberg, F.A.Z.

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