Nach enttäuschenden Konjunkturdaten geben die Kurse der deutschen Aktien am Donnerstag leicht nach. Der Dax sinkt um 0,6 Prozent auf 7030 Punkte. Der marktbreite FAZ-Index fällt 0,3 Prozent auf 1561 Zähler.
In China hat sich die Stimmung in der Industrie eingetrübt. Der vom Bankhaus HSBC und dem Forschungsinstitut Markit ermittelte Einkaufsmanagerindex sank im März von 49,6 auf 48,1 Punkte. Das ist der tiefste Stand seit vier Monaten. Zudem liegt der Frühindikator nunmehr seit fünf Monaten unter der wichtigen Expansionsschwelle von 50 Punkten, die Wachstum von Kontraktion trennt. Der HSBC-Chefökonom für das riesige Land, Hongbin Qu, nannte sowohl eine schwache inländische wie ausländische Nachfrage als Grund für die trübere Wirtschaftsstimmung. Zudem hatte sich die Stimmung unter den Einkaufsmanagern in der französischen Industrie im März eingetrübt.
Bevor im Verlauf weitere Konjunkturdaten aus Europa und den Vereinigten Staaten bewegen können, bewerten die Anleger noch Zahlen aus der zweiten Reihe. Besonders erfreulich fiel das Urteil für den Spezialchemiekonzern Lanxess aus, dessen Kurs um 9,5 Prozent auf 61,65 Euro steigt. Das Unternehmen hat Umsatz und Gewinn 2011 kräftig gesteigert. Insbesondere die hohe Nachfrage der Autoindustrie nach Spezialkautschuk sorgte für einen Gewinnsprung. Nach Ansicht des Analysten Peter Spengler von der DZ Bank waren die Zahlen überraschend positiv. Zudem habe der Konzern einen guten Jahresauftakt in Aussicht gestellt.
Gewinne von 2,7 Prozent verbuchen die Papiere der SGL Group, nachdem der Kohlenstoffspezialist mit seinem Dividendenvorschlag die Anleger erfreut hatte. Ferner erreichte das Unternehmen seine Umsatz- und Gewinnziele für 2011. Die Aktien von Fuchs Petrolub legten um 0,1 Prozent zu. Der Mannheimer Schmierstoff-Hersteller will auch im laufenden Jahr an die gute Entwicklung der vergangenen Jahre anknüpfen.
Drillisch ziehen um 2,3 Prozent an. Der Mobilfunkanbieter und die Deutsche Telekom legen ihren Rechtsstreit bei. Die Vereinbarung beendet Drillisch zufolge die Auseinandersetzung der beiden Konzerne, die zur Kündigung von Verträgen der Telekom Deutschland mit dem Mobilfunkanbieter und zu gerichtlichen Verfahren geführt hatte.
Der Aktienkurs von Solarworld fällt um mehr als 3 Prozent. Im vergangenen Jahr hatte die Branchenkrise auch das bislang vergleichsweise erfolgreiche Solarunternehmen voll erwischt. Ein Analyst monierte vor allem die Aussagen zum Photovoltaikmarkt: Diese unterstrichen seine kurzfristig negative Einstellung zur Branche. Vor allem die Aussagen über mögliche Risiken für die finanzielle Stabilität des Unternehmens wertet er als alarmierend.
Rentenmarkt tendiert fester
Der deutsche Rentenmarkt tendiert am Donnerstag fester. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, gewinnt 27 Basispunkte auf 136,60 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future 12 Basispunkte auf 123,18 Prozent.
Am Vormittag werden auf europäischer Seite die Einkaufsmanagerindizes aus Frankreich, Deutschland und der Eurozone für den März veröffentlicht. Der Einkaufsmanagerindex der Eurozone hat sich zuletzt wieder der bedeutenden Schwelle von 50 Punkten angenähert. Mit einem Überschreiten dieser Hürde rechnet die DZ-Bank allerdings derzeit nicht.
Charttechnisch habe der Kontrakt nach der kräftigen Aufwärtsbewegung sein Potenzial mit dem Pullback an die ehemalige und momentan bei etwa 136,45 Prozent mündende ehemalige Unterstützungslinie von Anfang Dezember ausgeschöpft. Von einem nachhaltigen Sprung über diese Unterstützungslinie geht die DZ-Bank derzeit nicht aus.
Euro zieht vor Einkaufsmanagerindizes an
Der Euro zieht am Donnerstagmorgen vor neuen Daten zur Lage der Wirtschaft im Euroraum zum Dollar an. Auf dem Programm steht die erste Veröffentlichung der Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor im März. „Positive Vorgaben liefern die Sentix- und ZEW-Umfragen, während der leicht vorlaufende ISM-Index dafür spricht, dass die Erwartungen nicht zu hoch gesteckt werden sollten“, warnt Ulrich Wortberg von der Landesbank Hessen-Thüringen. Positives Überraschungspotential macht er daher nicht aus.
Aus den Vereinigten Staaten könnte am Nachmittag wie jeden Donnerstag die Entwicklung der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe für neue Impulse sorgen. Daneben stehen aus der größten Volkswirtschaft der Welt der FHFA Hauspreisindex für Januar und der Index der Frühindikatoren für Februar aus der Agenda.
Charttechnisch liegen die nächsten Widerstände für den Euro zum Dollar bei 1,3284, 1,3291 und 1,3333 Dollar. Unterstützungen finden sich um 1,3050, 1,3003 und 1,2974 Dollar.
Konjunkturdaten aus China stimmen Anleger in Asien vorsichtig
Neue Hinweise auf eine Konjunkturabkühlung in China haben am Donnerstag die Börsen in Asien gebremst. Vorsichtig stimmten die Anleger frische Daten zur Entwicklung der chinesischen Industrie. Deren Geschäftsrückgang hat sich im März beschleunigt, wie der vorläufige Einkaufsmanagerindex der Großbank HSBC zeigt. In Tokio hingegen sorgten ermutigende Außenhandelsdaten für etwas mehr Auftrieb.
„Die Daten aus China sind nicht toll, aber auch keine Katastrophe“, sagte Naohiro Niimura von Market Risk Advisory. „Investmentfonds nahmen dies vermutlich zum Anlass, um Gewinne mitzunehmen.“ Cameron Peacock von IG Markets ergänzte: „Die Einkaufsmanager-Daten aus China werden zweifellos zunächst die Stimmung beherrschen, zumindest bis die Einkaufsmanager-Indizes aus Europa auf den Tisch kommen.“ Insgesamt halten Marktteilnehmer nach der Rally der vergangenen Monate weitere Kurskorrekturen bis Ende März für möglich. Der MSCI-Index für Aktien aus der Asien-Pazifik-Region mit Ausnahme Japans lag nur noch 0,2 Prozent höher, nachdem er vor Veröffentlichung der Daten aus China noch stärker im Plus notiert hatte.
In Tokio ging der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,4 Prozent fester auf 10.127 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste Topix-Index rückte ebenfalls 0,4 Prozent vor auf 862 Stellen. Die Ausfuhren Japans sind im Februar nicht so stark gefallen wie befürchtet, was dem Land erstmals wieder einen Handelsüberschuss bescherte. An der Börse legten Exportwerte wie Toyota und Nissan zu. Gegen den Trend unter Druck standen die Aktien des Brokerhauses Nomura. Die Papiere fielen um 1,3 Prozent, nachdem sie schon am Mittwoch 4,1 Prozent nachgegeben hatten. Kreisen zufolge soll ein Nomura-Mitarbeiter der Tippgeber in einem Fall von Insiderhandel gewesen sein.
Aktienbörse in China leichter
Trotz eines auf ein Viermonatstief gesunkenen Einkaufsmanagerindex (PMI) des Verarbeitenden Gewerbes zeigt sich der chinesische Aktienmarkt am Donnerstag mit nur moderaten Einbußen. Der Shanghai Composite Index verliert 0,4 Prozent auf 2.369 Punkte. Der HSI in Hongkong steht fast unverändert bei 20.856 Punkten. Die derzeitige Marktkorrektur dürfte sich fortsetzen, bis es klare Signale aus Peking für eine wachstumsstützende Politik gebe, so Analyst Wu Yu von Gold State Securities. Kurzfristig sei damit nicht zu rechnen, mittelfristig sei schon eher Aufwärtspotential für den Markt zu sehen.
Der schwach ausgefallene PMI werde von einigen Investoren möglicherweise sogar begrüßt, erklärt Analyst Simon Wang von Guoyuan Securities die kaum merkliche Marktreaktion auf den wichtigen Indikator. Dass sich das Konjunkturwachstum in China verlangsame sei ohnehin bekannt, möglicherweise trage der schwache PMI aber dazu bei, dass Peking flexibler werde für eine weniger restriktive Wirtschaftspolitik im weiteren Jahresverlauf.
Nachbörsliche Kurse und Meldungen aus Amerika
Gut behauptet präsentierten sich die Aktienkurse im nachbörslichen amerikanischen Handel am Mittwoch im Vergleich zum regulären Geschäft. Der Nasdaq After Hours Indicator stieg um 1,43 Punkte auf 2738,31 Zähler.
Die Ankündigung von Diamond Foods, die Zahlung der Dividende auszusetzen, brachte den Aktienkurs leicht unter Druck. Wie das Unternehmen mitteilte, ist die geplante Aussetzung Teil einer Kredit-Restrukturierung. Noch im Januar hatte Diamond Foods die Zahlung einer Dividende in Höhe von 4,5 Cent bestätigt. Der Kurs fiel um 1,3 Prozent auf 25,32 Dollar.
Ebenfalls Abgaben verzeichneten Discover Financial Services, die 0,8 Prozent auf 31,40 Dollar fielen. Das Unternehmen gab für das erste Quartal einen Umsatz von 1,84 Milliarden Dollar bekannt und traf damit die Erwartungen der Analysten. Der Gewinn je Aktie lag bei 1,18 Dollar je Aktie, während Analysten lediglich mit 0,94 Dollar gerechnet hatten. Zur Begründung für die negative Tendenz verwiesen Teilnehmer auf leichte Gewinnmitnahmen, nachdem die Titel im vergangenen Jahr um 40 Prozent zugelegt hatten.
Wall Street gelingt keine Fortsetzung der Rally
Nach der monatelangen Aufholjagd kommen die amerikanischen Börsen nicht mehr vom Fleck. Nach der Verschnaufpause am Tag zuvor konnten sich die wichtigsten Indizes am Mittwoch abermals nicht zu deutlichen Kursbewegungen durchringen - über ihre jüngsten Höchststände wagten sie sich damit nicht hinaus. Zumindest überkamen die Anleger teilweise ihren anfänglichen Schreck über enttäuschende Daten vom Immobilienmarkt: Die Hausverkäufe gingen im vergangenen Monat zurück. Dies gab Optimisten einen Dämpfer, die während der Rally der vergangenen Wochen auf eine zügige Erholung der Wirtschaft gesetzt hatten.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging 0,4 Prozent schwächer bei 13.124 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,2 Prozent auf 1402 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq dagegen konnte sich minimal auf 3075 Stellen verbessern.
Viele Finanzprofis halten eine Kurskorrektur nach den kräftigen Gewinnen der vergangenen Monate für überfällig. „Die Leute warten auf einen Kursrückgang“, sagte Carol Pepper von Pepper International. „Es ist zurzeit wie ein bekanntes Phänomen zum Frühlingsanfang, wenn man nach den ersten warmen Tagen nicht weiß, ob der Frühling nun tatsächlich da ist, oder ob es noch einmal kalt wird.“ Viele Anleger strahlten jedoch gleichzeitig weiter einen grundsätzlichen Optimismus aus, dass sich die Rally sich nach einer solchen Korrektor fortsetzen wird.
Oracle konnte dank florierender Geschäfte mit Software-Lizenzen einen heftigen Umsatzeinbruch in der PC-Sparte ausbügeln und schnitt so im dritten Geschäftsquartal besser ab als erwartet. Damit entkräftete der Technologiekonzern auch die Sorgen, Unternehmen und Behörden könnten den Gürtel noch enger schnallen. Die Anleger entschieden sich jedoch offenbar nach anfänglichen Kursaufschlägen zu Gewinnmitnahmen, so dass die Titel 2,3 Prozent nachgaben.
Hewlett-Packard konnte die Investoren mit seinen Plänen für einen Konzernumbau nicht überzeugen. Die Aktie gab 2,2 Prozent nach. Das Unternehmen will die PC- und Drucker-Geschäfte zusammenlegen und sich mit schlankeren Strukturen gegen die Smartphone- und Tablet-Computer-Konkurrenz wehren.
Amerikanische Anleihen dank weiterer Anleihenkäufe der Fed fester
Die Kurse amerikanischer Staatsanleihen sind am Mittwoch nach anfänglichen Verlusten am langen Ende noch ins Plus geklettert. Anleihekäufe der Notenbank haben Händlern zufolge - wie schon am Vortag - dem Markt geholfen. „Es gibt weiterhin Käufe der Fed in dieser Woche und der scharfe Ausverkauf hat gestoppt. Wir sehen nun wieder erste Käufer, die die erhöhten Renditen nutzen“, sagte Anleihestratege Suvrat Prakash von BNP Paribas in New York. Auch die überraschend geringen Verkäufe bestehender Häuser stützten.
Zweijährige Anleihen legten um 1/32 auf 99 23/32 Punkte zu. Sie rentierten mit 0,387 Prozent. Fünfjährige Anleihen gewannen 9/32 auf 98 23/32 Punkte und rentierten mit 1,141 Prozent. Richtungweisende zehnjährige Anleihen kletterten um 18/32 ins Plus auf 97 11/32 Punkte. Das entsprach einer Rendite von 2,299 Prozent. Bonds mit der Laufzeit von dreißig Jahre stiegen um 1 Punkt und 5/32 auf 95 6/32 Punkte. Sie rentierten mit 3,382 Prozent.
