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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Blick auf den Finanzmarkt Deutsche Aktien freundlich

 ·  Den Rücksetzer des Vortages nutzen am Mittwoch einige Anleger zum Einstieg in den deutschen Aktienmarkt. Börsianer warnten allerdings vor überzogenen Kurs-Erwartungen.

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Der deutsche Aktienmarkt tendiert am Mittwoche freundlich. Der Dax gewinnt 0,7 Prozent auf 7107 Punkte. Für den marktbreiten FAZ-Index geht es um ebenfalls 0,7 Prozent auf 1572 Punkte nach oben. Die Sorgen um ein sich abschwächendes chinesisches Wirtschaftswachstum hätten zuletzt zu einer Überreaktion der Märkte geführt, sagen Börsianer. Die Börsen in Asien hätten sich jedoch bereits von ihren Tiefs erholt, zumal auch die Vorgabe der Wall Street mit dem festeren Future auf den amerikanischen Leitindex Dow Jones Industrial positiv war.

Auf Unternehmensseite stehen am Mittwochvormittag endgültige Zahlen etwa von Brenntag und Bilfinger Berger auf der Agenda. Brenntag hatte sich bereits vor Handelsbeginn geäußert. Laut DZ Bank-Analyst Peter Spengler lagen die endgültigen Zahlen des Chemikalienhändlers exakt im Rahmen der bereist veröffentlichten Eckdaten. Die Dividende treffe seine Schätzung ebenfalls genau. Der Aktienkurs legt um 1,1 Prozent zu.

SAP steigen um 0,6 Prozent nach den Zahlen des Konkurrenten Oracle. Der Rivale der Walldorfer hat in dem Ende Februar abgeschlossenen dritten Geschäftsquartal deutlich mehr verdient und auch die Erlöse lagen mit plus drei Prozent höher als erwartet. Metro verzeichnen einen Kursverlust von rund drei Prozent. Hier gab es nach den Zahlen am Vortag einige negative Analystenkommentare.

Rentenmarkt tendiert schwächer

Nach dem Plus des Vortags sorgt die wieder etwas entspanntere Sicht auf die konjunkturelle Entwicklung Chinas am Mittwoch für negative Vorzeichen bei den deutschen Renten-Futures. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, verliert 10 Basispunkte auf 135,57 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future 3 Basispunkte auf 122,62 Prozent.

Die Agenda der makroökonomischen Kennziffern ist am Mittwoch äußerst spärlich bestückt. Aus den Vereinigten Staaten werden lediglich die Verkäufe bestehender Häuser im Februar erwartet. Ökonomen rechnen mit einem Plus von 1,3 Prozent gegenüber dem Vormonat. Daneben werden sich Federal-Reserve-Chef Ben Bernanke und amerikanischen Finanzminister Timothy Geithner am Nachmittag vor House Committee on Oversight and Government Reform äußern. Ihr Thema: Die Staatsschuldenkrise in Europa. Dem bereits veröffentlichten Manuskript zufolge sieht Bernanke dieses Thema mittlerweile gelassener, warnt aber vor weiter bestehenden Risiken.

Charttechnisch liegen die nächsten Unterstützungen für die Bund-Futures bei 135,00, 134,04 und 133,00 Prozent. Widerstände finden sich um 136,04, 136,56 und 136,86 Prozent.

Euro legt weiter zu

Weiter aufwärts geht es am Mittwochmorgen mit dem Euro. Mit 1,3270 Dollar ist er nur noch knapp unter der 1,33er-Marke in den Handel gestartet. Gegen den Yen aus Japan sprang er sogar auf den höchsten Stand seit viereinhalb Monaten. Händler sprechen weiter von Erleichterung internationaler Investoren seit der erfolgreichen Auktion von griechischen Kreditversicherungen am Montag. Dies habe das Vertrauen geweckt, dass Europa noch einige Zeit sicher durch die Schuldenkrise steuern könne.

„Die Sorgen über die europäischen Schuldenprobleme sind nicht komplett verschwunden, aber Investoren richten zumindest nicht mehr ihre volle Aufmerksamkeit darauf“, sagte Takao Yahata, Chef-Devisenhändler von Mitsubishi UFJ Trust & Banking.

Daneben profitiert der Euro auch von einem entspannteren Blick auf die Entwicklung der Wachstumslokomotive China. Dies fördere die Bereitschaft zu Investitionen in riskante Anlagen wie den Euro. Hier stützt ein Bericht der New York Times, dass China die Kapitalverkehrskontrollen lockern und mehr fremdes Geld ins Land lassen will. Wichtigere Impulse dürften aber in der kommenden Nacht vom HSBC-Einkaufsmanager-Index für China ausgehen.

Sorge um Chinas Wachstum drückt Kurse an asiatischen Börsen

An Asiens Börsen haben die Investoren am Mittwoch auf die Bremse getreten. Auslöser für die Kursverluste waren Sorgen um die Konjunkturentwicklung in China. Dies hatte bereits am Dienstag die amerikanischen Aktienmärkte belastet.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index ging 0,6 Prozent tiefer mit 10.086 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste Topix-Index gab 1,1 Prozent nach auf 859 Stellen. Der MSCI-Index für Aktien aus der Asien-Pazifik-Region mit Ausnahme Japans verlor 0,6 Prozent. Abwärts ging es unter anderem an den Märkten in Hongkong, Schanghai und Australien. „Die asiatischen Aktien haben seit den Tiefständen vom Oktober auf breiter Front und ohne größere Schwierigkeiten zugelegt“, sagte Anlagestratege Hirokazu Yuihama von Daiwa Capital Markets in Tokio. „Daher gibt es natürlich gewisse Anreize, nun Gewinne mitzunehmen.“ In Tokio machten Investoren vor allem bei Exporttiteln Kasse. Toyota büßten 1,5 Prozent ein. Nissan verloren 2,9 Prozent, Sony 4,5 Prozent.

Aktienbörse in China im Verlauf leichter

Die Börse in China tendiert am Mittwoch nach einem wenig veränderten Start im Verlauf leichter. Händler sprechen von einer anhaltenden Korrekturbewegung und relativ hohem Druck auf die Kurse. Für eine Stimmungseintrübung sorgen Aussagen des chinesischen Staatsfonds, wonach lokale Pensionsfonds unter seiner Kontrolle in erster Linie in Festzinsprodukte investieren werden. Der Shanghai Composite Index verliert 0,5 Prozent auf 2.365 Punkte, der HSI hin Hongkong 0,6 Prozent auf 20.758 Zähler.

Zunächst hatten Erwartungen noch den Markt gestützt, der National Social Security Fund (NSSF) werde 15,9 Milliarden Dollar des Pensionsfonds der Provinz Guangdong an den Aktienmärkten investieren. Sollte der NSSF einige Gelder doch in Aktien anlegen, dürfte dies nur eher langsam geschehen, erklären Börsianer die enttäuschten Hoffnungen des Marktes.

Nachbörsliche Kurse und Meldungen aus Amerika

Gut behauptet präsentierten sich die Aktienkurse im nachbörslichen amerikanischen Handel am Dienstag im Vergleich zum regulären Geschäft. Der Nasdaq After Hours Indicator stieg um 2,24 Punkte auf 2,739.87 Zähler.

Oracle legten nach der Bekanntgabe von besser als erwartet ausgefallenen Ergebnissen für das dritte Quartal um 1,5 Prozent auf 30,54 Dollar zu. Erneut glich das gute Geschäft mit Computerprogrammen die Schwächen beim Verkauf von Servern aus. Für das Ende Februar abgelaufene Vierteljahr wies der SAP-Konkurrent einen Überschuss von 2,5 Milliarden Dollar aus, was je Aktie einem Gewinn von 49 Cent und damit einem Zuwachs von 18 Prozent entsprach.

Bereinigt um aktienbasierte Vergütung, Zukäufe und andere Einmaleffekte erreichte der Gewinn je Anteilsschein einen Wert von 62 Cent. Analysten hatten im Durchschnitt lediglich mit 56 Cent gerechnet.

Gesucht waren auch Krispy Kreme Doughnuts, die um 3,7 Prozent auf 8,80 Dollar zulegten. Die Schnellrestaurant-Kette, die hauptsächlich Gebäck wie Donuts, aber auch Kaffee verkauft, hat im vierten Quartal wieder den Sprung in die Gewinnzone geschafft. Das Unternehmen gab einen Gewinn je Aktie von 6 Cent bekannt, nachdem noch im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres ein Verlust von 2 Cent verzeichnet worden war. Das Ergebnis lag im Rahmen der Analysten-Erwartungen.

China-Sorgen stoppen Wall Street

Die amerikanischen Börsen haben am Dienstag nach der jüngsten Rally eine Verschnaufpause eingelegt und leichte Kursverluste verbucht. Neue Hinweise auf einen Konjunkturabschwung in China hätten einige Anleger zu Gewinnmitnahmen veranlasst, sagen Händler. So prognostizierte der weltgrößte Bergbaukonzern BHP Billiton eine abebbende Zunahme der Eisenerz-Nachfrage, weil die Regierung in Peking die boomende chinesische Wirtschaft auf einen langsameren, nachhaltigeren Wachstumspfad führen wolle. Analysten äußerten sich jedoch zuversichtlich, dass der seit Monaten anhaltende Aufwärtstrend an der Wall Street noch nicht zu Ende ist.

Die Gewinnserie seit Jahresbeginn hatte den S&P-Index zuletzt auf den höchsten Stand seit fast vier Jahren und damit ein Niveau getragen, das nur noch etwa zehn Prozent unter seinem Allzeit-Hoch von Oktober 2007 liegt. Grund für Optimismus lieferten neue Daten vom Immobilienmarkt: Die Zahl der Baugenehmigungen erreichte im Februar den höchsten Stand seit fast dreieinhalb Jahren. Daher wollten Experten auch noch nicht von der seit langem erwarteten Kurskorrektur sprechen.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,5 Prozent schwächer bei 13.170 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 büßte 0,3 Prozent auf 1405 Zähler ein. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,1 Prozent auf 3074 Punkte.

Zu den Gewinnern in New York gehörte der berühmte Juwelier Tiffany. Der Schmuckhersteller rechnet für das laufende Geschäftsjahr mit einem Umsatzplus von zehn Prozent, was der Markt mit einem Kursplus von 6,7 Prozent honorierte. Die Aktie des weltgrößten Onlinehändlers Amazon gewann 3,7 Prozent. Die Anleger begrüßten damit die am Vorabend bekanntgebene Übernahme des Spezialisten für Lagerhaus-Roboter, Kiva Systems, für 775 Millionen Dollar.

Auch die in New York gehandelten Papiere chinesischer Solarfirmen legten kräftig zu. Sie profitierten von einer Meldung, dass die amerikanischen Regierung zunächst nur niedrige Ausgleichsabgaben wegen des Vorwurfs staatlicher Beihilfen auf chinesische Billigsolar-Importe beschlossen habe. Die Aktien von Trina Solar gewannen fast acht Prozent, die Titel von Suntech sogar 14 Prozent.

Der Software-Konzern Adobe enttäuschte dagegen mit seinen Umsatzzahlen. Der Kurs des Photoshop- und Acrobat-Entwicklers büßte deshalb fast vier Prozent ein.

Amerikanische Staatsanleihen ziehen leicht an

Die Preise amerikanischer Staatsanleihen haben am Dienstag leicht zugelegt. Hintergrund waren Händlern zufolge Spekulationen, dass die Inflation wegen der anziehenden Konjunkturerholung rascher steigen und damit die amerikanische Notenbank zu einem rascheren Anziehen der Geldpolitik gezwungen sein könnte. An den Kreditmärkten stiegen die zehnjährigen Staatsanleihen um 5/32 auf 96-25/32. Sie rentierten mit 2,365 Prozent. Die 30-jährigen Bonds kletterten um 18/32 auf 93-31/32 und hatten eine Rendite von 3,449 Prozent.

Quelle: FAZ.NET, dpa-AFX, Reuters, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Dow Jones
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