Home
http://www.faz.net/-gw7-6z2k3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Blick auf den Finanzmarkt Deutsche Aktien fester

 ·  Nach dem jüngsten Kurssturz gewinnen die deutschen Aktien wieder an Boden. Die erfreulichen Alcoa -Zahlen seien ein kleines Trostpflaster.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Nach dem Kursrutsch vom Vortag hat sich der deutsche Aktienmarkt am Mittwoch trotz negativer Vorgaben stabilisiert. Der Dax steigt um 0,7 Prozent auf 6650 Punkte. Der marktbreite FAZ-Index gewinnt 0,6 Prozent auf 1478 Zähler.

Der Future auf den amerikanischen Leitindex Dow Jones Industrial verlor seit dem Xetra-Schluss am Vortag 0,5 Prozent, und auch in Asien gaben die Notierungen nach. „Wir haben uns allerdings gestern im späten Handel bereits stabiler gehalten als die amerikanischen Börsen“, sagt ein Börsianer. Diese Tendenz setze sich nun erst einmal fort. Wachstumssorgen sowie die mit den weiter gestiegenen Risikoprämien für spanische und italienische Staatsanleihen wieder im Fokus stehende Schuldenkrise sorgen jedoch weiter für Risikoscheu. Positiv wirkte indes der Auftakt der amerikanischen Berichtssaison, nachdem Alcoa im abgelaufenen Quartal überraschend Geld verdient hat.

Für die Aktien von Thyssen-Krupp geht es nach den Alcoa-Zahlen um 2,1 Prozent auf 17,750 Euro hoch. Auch Bankentitel gehören nach zuletzt deutlichen Verlusten zu den Favoriten. So verteuern sich Deutsche Bank um 2,2 Prozent und Commerzbank um 2,4 Prozent. Händler verweisen auch auf eine Studie der britischen Bank HSBC, deren Experten erstmals seit vier Jahren zu einer Übergewichtung der Branche raten.

Dagegen kann BMW kaum von einem Absatzrekord im ersten Quartal profitieren: Der Aktienkurs des Münchener Autobauers legt nur unterdurchschnittlich um 0,6 Prozent zu. EADS verteuern sich um 1,6 Prozent auf 30,17 Euro. Medienberichten zufolge beabsichtigt die indonesische Fluggesellschaft Garuda nach Angaben der Regierung des Landes, elf Airbus-Langstreckenflugzeuge des Typs A330 zu kaufen.

Symrise gewinnen nach guten Umsatzzahlen des Konkurrenten Givaudan 1 Prozent. Der Schweizer Aromen- und Riechstoff-Hersteller übertraf im ersten Geschäftsquartal auf Konzernebene die Analystenerwartungen, wogegen die Sparte Aromen etwas enttäuschte. Zudem bestätigten die Genfer die im vergangenen Sommer formulierten Fünfjahresziele. Commerzbank-Analystin Yasmin Moschitz warnte allerdings davor, nun bei Symrise ähnlich gute Umsatzzahlen zu erwarten. Givaudan sei stärker als sein deutscher Konkurrent im Bereich Luxusparfümerie (Fine Fragrance) engagiert, der gut abgeschnitten habe.

Die Solarwerte legen aufgrund negativer Nachrichten vom chinesischen Photovoltaikspezialisten LDK Solar zu. Dieser verschob die Veröffentlichung seiner Zahlen für das vierte Geschäftsquartal vom 12. auf den 30. April. SMA Solar verteuern sich um 2,9 Prozent, Centrotherm und Solarworld um 2,9 und 1,8 Prozent.

Rentenmarkt tendiert schwächer

Der deutsche Rentenmarkt tendiert am Mittwoch leichter. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, verliert 27 Basispunkte auf 140,05 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future 14 Basispunkte auf 125,02 Prozent.

Die jüngste Talfahrt der Aktienmärkte dürfte nach unerwartet guten Geschäftszahlen des amerikanischen Aluminiumkonzerns Alcoa vom späten Dienstagabend vorerst gestoppt sein, heißt es von Händlern. Bei den Anlegern sei die Risikofreude zur Wochenmitte etwas gestiegen und das habe die Kurse der als besonders sicher geltenden Bundesanleihen belastet.

Trotz des Rückschlags zur Wochenmitte rechnen Experten im weiteren Handelsverlauf nicht mit deutlichen Kursverlusten bei deutschen Staatsanleihen. Enttäuschende Arbeitsmarktdaten aus den Vereinigten Staaten und die Sorge vor einer Zuspitzung der Euro-Schuldenkrise drücken weiter auf die Stimmung an den Finanzmärkten und geben den Festverzinslichen Auftrieb. Im weiteren Handelsverlauf stehen keine wichtigen Konjunkturdaten zur Veröffentlichung an, die für Impulse im Handel am deutschen Rentenmarkt sorgen könnten.

Euro steigt über 1,31 Dollar

Der Kurs des Euro ist am Mittwoch wieder über die Marke von 1,31 Dollar gestiegen. Am Morgen stieg die Gemeinschaftswährung in der Spitze auf 1,3109 Dollar und erholte sich damit weiter vom Wochentief bei etwa 1,3030 Dollar. Trotz der leichten Kurserholung rechnen Experten im weiteren Handelsverlauf mit Verkaufsdruck beim Euro. Die Euro-Schuldenkrise belaste nach wie vor die Stimmung am Devisenmarkt. Zuletzt hatte ein starker Anstieg der Risikoaufschläge für Staatsanleihen aus Italien und Spanien für Nervosität bei den Investoren gesorgt, sagten Händler.

Seinen mehrtägigen Kursanstieg gegenüber vielen wichtigen Weltwährungen stoppte unterdessen der japanische Yen. Eine ausgebliebene geldpolitische Lockerung der Bank of Japan am Vortag verstärkte nunmehr die Spekulation auf eine Lockerung in der zweiten Monatshälfte, wie es im Handel hieß.

Zuletzt gab die japanische Devise um 0,4 Prozent auf 105,97 je Euro nach und fiel um 0,3 Prozent auf 80,88 je Dollar. Alleine in der zurückliegenden Woche hatte der Yen um 2,5 Prozent gegenüber zehn Weltwährungen aufgewertet.

Konjunktursorgen und Euro-Schuldenkrise drücken Aktienkurse in Asien

Angst vor einem schwächeren chinesischen Wirtschaftswachstum und einer Verschärfung der europäischen Schuldenkrise beherrschen am Mittwoch die asiatischen Aktienmärkte. Dazu gesellen sich negative Vorgaben aus den Vereinigten Staaten. Der Nikkei-225-Index fällt um 1,3 Prozent auf 9.414 Punkte. Der Shanghai-Composite-Index verliert 0,3 Prozent auf 2.299 Punkte. Die Börse in Seoul bleibt wegen der Parlamentswahlen in Südkorea geschlossen.

Die Schuldenkrise in der Eurozone ist wieder stärker ins Bewusstsein der Anleger gerückt, nachdem die Renditen spanischer Staatsanleihen am Dienstag kräftig gestiegen sind. Zudem haben die jüngsten chinesischen Konjunkturdaten Zweifel am Wirtschaftswachstum der Volksrepublik geweckt. Die Inflation war zuletzt stärker als erwartet gestiegen, und der am Dienstag gemeldete Überschuss in der Handelsbilanz war ausschließlich dem unerwartet deutlichen Rückgang der Importe zu verdanken.

Die Angst vor einer schwächeren Konjunktur belastet die Aktien der chinesischen Metallbranche. Jiangxi Copper und Chalco verlieren je über 1 Prozent. Immobilienwerte sind dagegen gesucht, weil die schwächeren Konjunkturdaten Erwartungen geweckt haben, dass China seine Geldpolitik lockern könnte. China Vanke verbessern sich um über 1 Prozent.

In Tokio verlieren Sony über 5 Prozent. Das Unternehmen rechnet aufgrund von Abschreibungen nunmehr mit einem mehr als doppelt so hohen Jahresverlust als bisher. Fanuc profitieren dagegen von den überraschend gut ausgefallenen Februar-Daten zu den Auftragseingängen im Maschinenbau und legen um über 1 Prozent zu. Aktien exportorientierter Unternehmen leiden zusätzlich unter der jüngsten Aufwertung des Yen zum Dollar.

Niedrigere Rohstoffpreise drücken die Aktienkurse im australischen Bergbausektor. BHP Billiton und Rio Tinto verlieren je über 1 Prozent. Woodside Petroleum geben um fast 2 Prozent nach.

Nachbörsliche Kurse und Meldungen aus Amerika

Fester präsentierten sich die Aktienkurse im nachbörslichen amerikanischen Handel am Dienstag im Vergleich zum regulären Geschäft. Der Nasdaq After Hours Indicator stieg um 0,3 Prozent auf 2703,05 Zähler.

Mit Alcoa und Chevron legten gleich zwei Schwergewichte aus dem amerikanischen Rohstoffsektor am Dienstagabend nachbörslich Geschäftszahlen vor. Beide Quartalsausweise stießen dabei auf positive Resonanz, wobei diese bei Alcoa aber deutlich euphorischer ausfiel. Der Kurs des Aluminiumverhütters, der traditionell als erstes Unternehmen von Bedeutung die Berichtssaison in den Vereinigten Staaten eröffnet, stieg bei hohen Umsätzen um 5,4 Prozent auf 9,82 Dollar.

Der Konzern hat im ersten Quartal überraschend mit Gewinn ausgewiesen, dieser lag bei 94 Millionen Dollar oder 0,09 Dollar je Aktie. Analysten hatten mit einem Verlust von 0,03 Dollar gerechnet. Zwar war der Gewinn noch weit entfernt von den 308 Millionen Dollar vor einem Jahr, aber Anleger hatten Schlimmeres erwartet.

In der Gunst der Investoren konnten Chevron da nicht mithalten, dennoch kletterte der Kurs um 0,6 Prozent auf 102,05 Dollar. Via Zwischenbericht ließ der Konzern mitteilen, dass er für die erste Periode Ergebnisse über dem Niveau des Schlussquartals 2011 erwartet. Grund seien höhere Ölpreise und gestiegene Raffineriemargen.

Best Buy legten um 1,3 Prozent auf 21,60 Dollar zu. Medienberichten zufolge wurde ein Prüfungsausschuss eingerichtet, der Verfehlungen von Vorstandschef Brian Dunn untersuchen soll. Dunn sei der Rücktritt vor Ablauf der Untersuchungen nahe gelegt worden. Am Dienstag trat dieser dann auch tatsächlich zurück. Eine Stellungnahme des Unternehmens zu den Hintergründen war kurzfristig nicht einzuholen. Das Unternehmen hatte jedoch zuvor davon gesprochen, dass es keine Unstimmigkeiten zwischen der Gesellschaft und Dunn gebe. Best Buy waren im regulären Handel um 5,9 Prozent gefallen.

Sorgen um Aufschwung belasten Wall Street abermals

Sorgen vor einer gebremsten Erholung der amerikanischen Wirtschaft haben die Wall Street auch am Dienstag deutlich belastet. Vor dem Start der Bilanzsaison mit den Zahlen von Alcoa gaben die wichtigsten Indizes um jeweils rund 1,7 Prozent nach. In den Kursverlusten beim S&P 500, der den fünften Handelstag in Folge nachgab, sahen manche Anleger indes auch günstige Kaufgelegenheiten. Andere sprachen von einer überfälligen Korrektur, nachdem der Index seit Jahresbeginn fast zehn Prozent gewonnen hatte. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 1,7 Prozent schwächer bei 12.715 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gab 1,7 Prozent nach auf 1358 Zähler, der Index der Nasdaq 1,8 Prozent auf 2991 Stellen.

Die Erwartungen an den beginnenden Bilanzreigen seien relativ gering, sagte JJ Kinahan von TD Ameritrade. Deshalb könnten die Angaben der Konzerne als Beschleuniger dienen und den Markt antreiben. Die Verluste am Dienstag seien nicht weiter beunruhigend: Damit würde lediglich die Rally der vergangenen Wochen verarbeitet.

Der angeschlagene Internetpionier Yahoo verlor 0,7 Prozent. Konzernchef Scott Thompson konnte Anleger mit seinen Umbauplänen nicht überzeugen. Yahoo will sich im Kampf gegen die Rivalen Google und Facebook neu aufstellen. Zudem werde der Konzern zunächst sein Kerngeschäft mit Maildiensten, Suchfunktionen und Nachrichten stärken, schrieb Thompson in einer Mail an Mitarbeiter. Erst vor wenigen Tagen hatte er den Abbau von 2000 der 14.000 Stellen im Konzern angekündigt. Alcoa, die nach Handelsschluss ihre Bilanz vorlegten, gaben drei Prozent nach.

Anteilsscheine von Best Buy wurden to tief wie seit Dezember 2008 nicht mehr gehandelt und schlossen 5,9 Prozent schwächer mit 21,32 Dollar. Konzernchef Brian Dunn war nach 28 Jahren bei der weltgrößten Verbraucher-Elektronik-Kette zurückgetreten.

Zu den größten Gewinnern in New York zählten die Aktien von Supervalu mit einem Plus von mehr als 15 Prozent. Die drittgrößte amerikanische Supermarktkette hatte die Anleger mit einem hohen Quartalsgewinn überrascht und für das Gesamtjahr einen höheren Gewinn prognostiziert als bislang von Analysten erwartet.

Amerikanische Staatsanleihen verteuern sich

Die amerikanischen Staatsanleihen haben sich am Dienstag verteuert. Die Preise für zehnjährige Staatsanleihen stiegen um 18/32 auf 100-4/32. Die Rendite lag mit 1,983 Prozent erstmals seit vier Wochen wieder unter zwei Prozent. Der Kurs der 30-jährigen Bonds stieg um 39/32 auf 99-26/32, die Rendite betrug 3,135 Prozent. Grund für die Entwicklung war nach Angaben von Händlern, dass die Anleihen als sicherer Hafen wieder begehrter waren, weil an den Aktien-Börsen Sorgen über die Entwicklung der Weltkonjunktur die Kurse drückten.

Quelle: FAZ.NET, dpa-AFX, Reuters, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Dow Jones
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Emittenten-News
Anzeige
Für die Inhalte sind die Emittenten verantwortlich
Weitersagen
Finanzmärkte aktuell
Name Wert Änderung
  F.A.Z.-Index --  --
  Dax --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  F.A.Z.-Anleih… --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
  Bund Future --  --
Wertpapiersuche