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Blick auf den Finanzmarkt Deutsche Aktien fester

 ·  Nach dem Fed-Zinsversprechen tendieren die europäischen Aktienmärkte am Donnerstag fester. In Deutschland stehen Wacker Chemie im Fokus.

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Die unerwartet laxe Geldpolitik der amerikanischen Notenbank Fed treibt die Kurse am deutschen Aktienmarkt am Donnerstagmorgen nach oben. Der Dax steigt um 0,4 Prozent auf 6.450 Punkte. Der marktbreite FAZ-Index gewinnt 0,3 Prozent auf 1437 Zähler.

Die zuletzt besseren amerikanischen Wirtschaftsdaten scheinen die Fed nicht beeindruckt zu haben. Die Wachstumsprojektionen für die amerikanische Wirtschaft wurden sogar leicht nach unten genommen. Die Fed will nun bis mindestens Ende 2014 die Zinsen Nahe null halten. Bislang war von mindestens bis Mitte 2013 die Rede gewesen. Beobachter hatten zwar mit einer Verschiebung nach hinten gerechnet, nicht aber in einem solchen Ausmaß. Am stärksten haben die Märkte aber auf die Aussichten einer weiteren quantitativen Lockerung (QE3) reagiert. Notenbankgouverneur Ben Bernanke hat klar gestellt, dass weitere Anleihekäufe als Option auf dem Tisch lägen. Das wurde von den Finanzmärkten quasi als Vorankündigung weiterer Maßnahmen gesehen.

Auf der Gewinnerseite steigen Lufthansa um 2,2 Prozent auf 10,585 Euro; Nomura hat die Aktie auf die Kaufliste genommen und die Branchenvorlagen aus den Vereinigten Staaten sind nach überraschend guten Zwischenberichten sehr gut. Thyssen-Krupp ziehen um gleich falls 2,2 Prozent auf 21,645 Euro und Deutsche Börse gewinnen sogar 3,3 Prozent auf 44,975 Euro. Ein Scheitern der Fusion mit der New Yorker Börse zeichnet sich immer deutlicher ab. Händler meinen aber, ein Scheitern wäre besser als zu große Zugeständnisse an die Wettbewerbsbehörden wie ein Verkauf des lukrativen Derivategeschäfts. In der zweiten Reihe steigen Fraport um 2,3 Prozent auf 45,075 Euro, nachdem Morgan Stanley die Aktie auf die Kaufliste genommen hat.

Weitere Kursgewinne am Anleihenmarkt

Der deutsche Rentenmarkt tendiert am Donnerstag fester. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, gewinnt 39 Basispunkte auf 138,21 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future 23 Basispunkte auf 124,91 Prozent.

Händler begründen die anhaltend feste Tendenz am Rentenmarkt zum einen mit den schwachen asiatischen Aktienmärkten. Zum anderen wirke die Entscheidung der amerikanischen Notenbank vom Mittwochabend nach. Die Fed hatte eine Fortsetzung ihrer faktischen Nullzinspolitik bis mindestens Ende 2014 signalisiert. Eine derart weitreichende Festlegung einer Notenbank in ihrer Geldpolitik ist beispiellos.

Am Donnerstag könnten nicht zuletzt zahlreiche amerikanische Konjunkturdaten für zusätzliche Bewegung am Anleihemarkt sorgen. Veröffentlicht werden unter anderem die wöchentlichen Zahlen vom Arbeitsmarkt und der Auftragseingang langlebiger Güter. Im Euroraum stehen Daten zum Verbrauchervertrauen an.

Euro baut Gewinne weiter aus

Die amerikanische Notenbankpolitik setzt den Dollar am Donnerstagmorgen weiter unter Druck. Davon profitiert der Euro, der auf 1,3125 Dollar steigt von 1,3105 Dollar im späten amerikanischen Handel am Mittwoch. Einen großen Sprung hatte der Eurokurs nach der Sitzung der amerikanischen Notenbank gemacht, als er sowohl die Marke von 1,30 Dollar als auch von 1,31 Dollar überwand. Die amerikanische Notenbank will die Leitzinsen nun mindestens bis Ende 2014 auf sehr niedrigem Niveau halten, bisher war sie von Ende 2013 ausgegangen. Außerdem hat sie überraschend offen auf die Möglichkeit weiterer Staatsanleihenkäufe hingewiesen. Mit der erstmaligen Veröffentlichung eines Inflationsziels von 2 Prozent hat sie sich anderen Notenbanken angeschlossen.

Auch gegen den Yen gibt der Dollar nach. „Keiner der großen Teilnehmer ist an einer starken Währung interessiert, damit nimmt die Gefahr eines Abwertungswettlaufs zu“, so ein Marktteilnehmer mit Blick auf Japan, die Vereinigten Staaten und die wirtschaftliche Schwäche in Europa.

Im Blick steht aber auch weiterhin die Euro-Krise mit der ungelösten Griechenlandfrage und der Eskalation bei portugiesischen Papieren. Die Rendite für portugiesische Anleihen ist zuletzt auf 14 Prozent gestiegen. In Griechenland gibt es immer noch keine Vereinbarung zum Schuldenschnitt.

Neue Impulse könnten von Daten zum Verbrauchervertrauen in Italien und Frankreich ausgehen, von einer Auktion in Italien und von einem Reigen neuer amerikanischen Konjunkturdaten - darunter Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter und Neubauverkäufe.

Asiatische Aktien uneinheitlich

Die Ausweitung der faktischen Nullzinspolitik der amerikanischen Notenbank Fed hat in Asien am Donnerstag größtenteils für Gewinne gesorgt. Lediglich in Tokio schloss der Nikkei-225-Index etwas schwächer. „Der Markt ist überhitzt und Marktteilnehmer haben beides eingepreist: Die europäischen Schuldenprobleme sowie die Nachrichten aus den Vereinigten Staaten“, kommentierte ein Stratege die schwächere Tendenz in Japan. Zu den großen Verlierern gehörten hier Titel wie Sony, die etwa ein Fünftel ihrer Umsätze in Europa erzielen.

Der Nikkei 225 schloss mit einem Minus von 0,4 Prozent bei 8849 Punkten. Der MSCI Asia Apex 50, der die Aktienkurse der 50 größten Unternehmen Asiens exklusive Japan abbildet, gewann zuletzt 1 Prozent auf 814 Punkte hinzu. In Hongkong startete der Hang-Seng-Index mit einem Plus von zuletzt 1,45 Prozent auf 20.401 Zähler in die Woche. Wegen des chinesischen Neujahrsfestes war er an den vorangegangenen drei Handelstagen geschlossen geblieben. Der FTSE Straits Times Index in Singapur notierte dagegen zuletzt um moderate 0,2 Prozent tiefer bei 2.885 Punkten. Die Börsen in China und Indien blieben feiertagsbedingt geschlossen.

Aktienbörse in China nach Feiertagspause fest

Die Börse in Hongkong hat nach den dreitägigen Feierlichkeiten zum Beginn des chinesischen Jahres des Drachen den Handel am Donnerstag mit einer festen Tendenz wieder aufgenommen. In Schanghai wird dagegen erst wieder am kommenden Montag gehandelt. Der HSI in Hongkong gewinnt zur Mittagspause 1,2 Prozent auf 20.343 Punkte. Gestützt werde die Stimmung vor allem von der Ankündigung der amerikanischen Notenbank, das extrem niedrige Zinsniveau noch länger als bislang avisiert beizubehalten bis 2014.

„Wir glauben, dass dieses Versprechen von mehr Liquidität den Dollar schwächen und den Risikoappetit steigern wird; beides ist positiv für asiatische Aktien. Wir raten Anlegern weiter, zyklische Aktien zu kaufen“, so ein Teilnehmer. Für Kaufneigung sorge daneben der während der Feiertagspause aufgebaute Nachholbedarf gegenüber den internationalen Börsen. Zu den Tagesfavoriten gehören Wharf, New World Development, Swire Pacific, Bank of East Asia, Sino Land, Hang Lung Properties, Li & Fung, Chalco und China Life, alle mit Kursgewinnen von über 3 Prozent.

Nachbörsliche Kurse und Meldungen aus Amerika

Knapp behauptet präsentierten sich die Aktienkurse im nachbörslichen amerikanischen Handel am Mittwoch im Vergleich zum regulären Geschäft. Der Nasdaq After Hours Indicator fiel um 1,02 Punkte auf 2464,64 Zähler.

Sandisk, Netflix und Brocade Communications Systems standen nach dem Ausweis ihrer Geschäftszahlen im Fokus der Aufmerksamkeit. Für Sandisk ging es dabei steil um 8,5 Prozent auf 47,90 Dollar abwärts. Der Speichermedienhersteller hatte mit seinem unter Erwarten ausgefallenen Gewinn- und Umsatzausblick für das laufende erste Quartal enttäuscht. Die vorgelegten Viertquartalszahlen lagen dagegen knapp über den Erwartungen, bei einer allerdings auf 42 von 43,4 Prozent vor Jahresfrist gesunkenen Bruttomarge.

Aufwärts ging es dagegen für Netflix, nachdem der Videoverleiher über den Erwartungen ausgefallene Quartalszahlen berichtet hatte. Der Gewinn je Aktie betrug 0,73 Dollar, der Umsatz 876 Millionen Dollar. Die Durchschnittsprognosen lauteten auf 0,51 oder 857,3 Millionen Dollar. Der Kurs sprang daraufhin um 15,7 Prozent nach oben auf 109,99 Dollar.

Brocade Communications profitierten von einer Bonitätshochstufung durch Standard & Poor’s, die die Agentur mit dem im vergangenen Jahr verbesserten Kreditprofil des Unternehmens erklärte. Brocade zogen um 0,3 Prozent an auf 5,74 Dollar, konnten damit
zwischenzeitlich höhere Aufschläge aber nicht halten.

Fed und Apple bescheren Wall Street Gewinne

Unerwartet starke Quartalszahlen des Börsenlieblings Apple und eine Bekräftigung der Nullzinspolitik durch die Notenbank haben den amerikanischen Aktienmärkten am Mittwoch Gewinne beschert. Der Dow Jones drehte ins Plus, nachdem die Fed überraschend erklärt hatte, den Leitzins bis mindestens Ende 2014 bei fast null Prozent zu lassen. Die Sorgen über die Euro-Schuldenkrise und eine ungeordnete Staatsinsolvenz Griechenlands traten damit in den Hintergrund.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss rund 0,7 Prozent fester bei 12.758 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gewann 0,9 Prozent auf 1326 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq kletterte um 1,1 Prozent auf 2818 Punkte.

Die Börsianer zeigten sich überrascht, dass die Notenbank ihre Nullzinspolitik nun sogar bis mindestens Ende 2014 beibehalten will. Vor diesem Zeitpunkt sei wegen der schwierigen konjunkturellen Lage wahrscheinlich nicht mit einer Zinserhöhung zu rechnen, teilte die Federal Reserve (Fed) nach einer Sitzung ihres für die Geldpolitik entscheidenden Offenmarktausschusses (FOMC) mit. Den Leitzins beließ die Fed bei 0 bis 0,25 Prozent.

Begeistert reagierten Anleger auch auf die Bilanz von Apple. Gewinn und Umsatz lagen im wichtigen Weihnachtsquartal höher als je zuvor - der Umsatz kletterte um mehr als 70 Prozent. Auch nach dem Tod von Steve Jobs verkaufte Apple überraschend viele iPhones und iPads und holte sich die Smartphone-Krone von Samsung zurück. Die Aktie verteuerte sich zeitweise um sieben Prozent auf ein Allzeithoch von 454 Dollar und ging mit einem Plus von 6,2 Prozent aus dem Handel.

Dagegen fielen Yahoo-Aktien um 0,8 Prozent. Der einstige Internet-Pionier kommt trotz Chefwechsel und Konzernumbau nicht auf die Füße. Im vierten Quartal, das auch das in der Werbung ertragreiche Weihnachtsgeschäft umfasst, gingen Gewinn und Umsatz abermals zurück.

Auch die Papiere des Mischkonzerns United Technologies standen auf der Verkaufsliste: Der weltweit größte Hersteller von Fahrstühlen konnte dank der anhaltend hohen Nachfrage in Schwellenländern seinen Gewinn im vierten Quartal zwar steigern. Beim Umsatz blieb der Konzern aber leicht hinter den Erwartungen zurück. Die Aktie verlor rund 0,2 Prozent.

Neben der Fed-Mitteilung und den Quartalszahlen sorgten auch Übernahmenachrichten für Kursbewegungen: Der Schweizer Pharmariese Roche will sein Diagnostikgeschäft mit einer feindlichen Übernahme in den Vereinigten Staaten noch stärker auf die Gentechnik ausrichten. Für 5,7 Milliarden Dollar will der Baseler Konzern den Gentechnikspezialisten Illumina kaufen. Die Offerte stößt allerdings nicht auf Gegenliebe beim Management der kalifornischen Firma. Daher wandte sich Roche-Chef Severin Schwan am Mittwoch direkt an die Illumina-Aktionäre und bietet ihnen 44,50 Dollar je Aktie. Das Papier verteuerte sich um rund 46 Prozent auf 55,15 Dollar.

Amerikanische Kreditmärkte nach Fed-Sitzung uneinheitlich

Die amerikanischen Staatsanleihen haben sich am Mittwoch uneinheitlich präsentiert. Die zehnjährigen Staatsanleihen verbesserten sich 17/32 auf 99-30/32. Sie rentierten mit 2,005 Prozent. Die 30-jährigen Bonds traten bei 99-14/32 auf der Stelle und hatten eine Rendite von 3,153 Prozent. Marktteilnehmer sagten, dass Händler bei den 30-jährigen Anleihen nach einer Rally Gewinne mitgenommen hätten. Außerdem sei es zu Umschichtungen von Kapital aus Anleihen in Aktien gekommen. Die Fed hatte zuvor angekündigt, ihre Nullzinspolitik für weitere rund drei Jahre beizubehalten und damit deutlich länger als an den Finanzmärkten erwartet.

Quelle: FAZ.NET, dpa-AFX, Reuters, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Dow Jones
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