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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Blick auf den Finanzmarkt Deutsche Aktien etwas schwächer

 ·  Die Kurse deutscher Aktien zeigen sich zu Beginn der neuen Handelswoche wenig verändert. Als leichter Belastungsfaktor gilt, dass die Kurse chinesischer Aktien trotz des höher als erwarteten Wirtschaftswachstums nachgaben. Auch die Schwäche der Internetwerte wirke belastend.

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In Europa und den Vereinigten Staaten hatten die chinesischen Konjunkturdaten vom vergangenen Freitag die Börsen noch angetrieben. Auf der Konjunkturagenda stehen an diesem Montag unter anderem die EU-Handelsbilanz und die Einzelhandelsumsätze sowie Lagerbestände aus den Vereinigten Staaten.

Der Dax liegt bei 6558 Punkten praktisch auf dem Niveau des Freitagsschlusses. Der marktbreite FAZ-Index notiert gleichfalls unverändert bei 1422 Zählern.

Metro klettern um 2,3 Prozent auf 20,89 Euro. Die Schweizer Bank UBS hatte die Verkaufsempfehlung für die Papiere des Handelskonzerns gestrichen. Deutsche Bank legen um 0,4 Prozent zu. In der Affäre um manipulierte Zinssätze hofft der Branchenprimus offenbar, mit einer Kronzeugenregelung billiger davonzukommen.

Anleihenkurse legen zu

Der deutsche Rentenmarkt tendiert am Montag fester. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, gewinnt 23 Basispunkte auf 144,95 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future 4 Basispunkte auf 127,87 Prozent. „Der Blick auf die vergangenen Wochen zeigt, dass sich der Bund-Future wieder im Höhenflug befindet“, stellen die technischen Analysten von HSBC fest. Der letzte nennenswerte Widerstand in Form des Zwischenhochs vom 18. Juni bei 143,09 Prozent sei auf dem Weg zum bisherigen Rekordstand vom 1. Juni bei 146,89 überwunden worden.

Euro weiter über 1,22 Dollar

Der Euro hält sich zum Wochenstart über der Marke von 1,22 Dollar. Am Montagmorgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,2224 Dollar und hat sich damit der Marke im Vergleich zum Freitag wieder etwas angenähert. Am Montag dürften vor allem neue Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten im Fokus stehen. Veröffentlicht werden Zahlen zu den Einzelhandelsumsätzen, die als Indikator für den wichtigen privaten Konsum gelten. Amerikanische Wirtschaftsdaten deuten schon seit Wochen darauf hin, dass sich die Konjunktur der weltgrößten Volkswirtschaft zusehends abschwächt.

Sorge um chinesische Wirtschaft dämpft Stimmung an asiatischen Aktienmärkten

An den asiatischen Aktienmärkten ist die Stimmung trotz guter Vorgaben der amerikanischen Börsen überwiegend gedämpft. Gewinnwarnungen einiger chinesischer Unternehmen beunruhigen die Anleger, zumal die politische Führung des Landes sich bislang nicht im Detail dazu geäußert hat, wie sie das Wirtschaftswachstum anzukurbeln gedenkt.

Der Shanghai-Composite-Index fällt um 1,2 Prozent auf 2.160 Punkte. Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao hatte die Erholung der Wirtschaft als noch immer instabil bezeichnet. In Hongkong gewinnt der Hang-Seng-Index 0,2 Prozent auf 19.130 Punkte. Der südkoreanische Leitindex Kospi notiert kaum verändert bei 1.814 Punkten, in Sydney steigt der S&P/ASX-200 gestützt von den Bergbauwerten um 0,5 Prozent auf 4.104 Punkte. In Japan sind die Börsen am Montag wegen eines Feiertags geschlossen.

Die Aktien des chinesischen Telekomausrüsters ZTE fallen in Schanghai um das Tageslimit von 10 Prozent. In Hongkong brechen sie um über 15 Prozent ein, nachdem das Unternehmen mitgeteilt hatte, sein Gewinn werde im ersten Halbjahr um 60 bis 80 Prozent unter dem des vergleichbaren Vorjahreszeitraums liegen. Gewinnwarnungen drücken auch die Kurse von Sinopec Shanghai und Sinopec Yizheng um je rund 5 Prozent.

Gesucht sind die Aktien der australischen Bergbaukonzerne. Rio Tinto, BHP Billiton und Fortescue Metals gewinnen jeweils über 1 Prozent, nachdem die Metallpreise zugelegt haben.

Nachbörsliche Kurse und Meldungen aus Amerika

Gut behauptet präsentierten sich die Aktienkurse im nachbörslichen amerikanischen Handel am Freitag im Vergleich zum regulären Geschäft. Der Nasdaq After Hours Indicator stieg um 0,48 Punkte auf 2585,45 Zähler.

Die Aktien der Kreditkartenanbieter Visa und Mastercard profitierten von der Beilegung von Rechtsstreitigkeiten. Während der Kurs der Visa-Anteilsscheine um 2,2 Prozent auf 126,80 Dollar kletterte, legten die Titel von Mastercard um 2,9 Prozent auf 442,00 Dollar zu.

Mastercard erklärte am Freitagabend nach der Schlussglocke, der Finanzkonzern habe sich zusammen mit anderen beklagten Banken - darunter auch Visa - darauf verständigt, die rechtlichen Auseinandersetzungen mit Einzelhändlern beizulegen. In diesem Zusammenhang wird Mastercard 790 Millionen Dollar in bar bezahlen und über einen Zeitraum von acht Monaten die Gebühren für Einzelhändler um zehn Basispunkte reduzieren. Darüber hinaus wird der Kreditkartenvertreiber die Gebührenordnung bei einigen strittigen Punkten anpassen.

Wall Street steht turbulente Woche bevor

Im Gegensatz zu den europäischen Börsen steuert die Wall Street auf eine bewegte Woche zu. Eine ganze Reihe von Firmenbilanzen, Konjunkturzahlen und der Halbjahresbericht von Amerikas Notenbankchef Ben Bernanke vor dem Kongress werden die Anleger kräftig auf Trab halten. Es gibt keinen Tag, an dem nicht Zwischenberichte oder Daten anstehen.

Im Blickpunkt der neuen Woche stehen weitere Quartalsberichte großer amerikanischen Banken. Den Reigen eröffnet hatte schon am Freitag JP Morgan, die trotz eines Handelsskandals eine positive Überraschung für die Börsianer bereithielt. Am Montag folgt dann Citigroup, am Dienstag Goldman Sachs, am Mittwoch die Bank of America und am Donnerstag Morgan Stanley.

Auch bei den Größen verschiedenster anderer Branchen geht es in den kommenden Tagen Schlag auf Schlag: Am Dienstag haben sich die Anleger die Bilanzen von Intel, Johnson & Johnson, Coca Cola, und Yahoo in ihre Kalender geschrieben. Am Mittwoch richtet sich ihr Blick dann auf Ebay und American Express gefolgt am Donnerstag von Microsoft und AMD. Zum Abschluss zieht am Freitag noch General Electric die Aufmerksamkeit der Investoren auf sich.

An Wirtschaftsdaten erwarten die Börsianer am Montag die Einzelhandelsumsätze - eine wichtige Zahl, ist doch der Konsum eine zentrale Stütze der amerikanischen Wirtschaft. Außerdem steht der Industrie-Index der New Yorker Fed an. Am Dienstag folgen die
Verbraucherpreise, am Mittwoch das Beige Book der Federal Reserve, am Donnerstag der Industrie-Index der Philadelphia Fed und die Frühindikatoren.

Renditen amerikanischer Anleihen steigen

Die amerikanischen Staatsanleihen haben am Freitag mit Ausnahme der zweijährigen Titel etwas nachgegeben. Damit entfernten sich die Renditen wieder etwas von ihren jüngsten Rekordtiefs. Händler verwiesen auf die freundlichen Börsen, die den Anleihenmarkt belastet hätten. Gerüchten zufolge sollen zum Wochenausklang in größerem Maßstab Gelder aus amerikanischen Staatsanleihen in europäische Aktien umgeschichtet worden seien. Europas Börsen hatten zum Wochenausklang deutlich im Plus geschlossen. Experten sehen die Abkehr von den Staatstiteln aber nur als vorübergehend an. „Alle Indikatoren weisen auf einen wirtschaftlichen Abschwung hing, deshalb bleiben Anleihen weiter ein guter Kauf“, sagte ein Investmentstratege in New York.

Zweijährige Anleihen notierten unverändert bei 99 31/32 Punkten und rentierten mit 0,258 Prozent. Fünfjährige Anleihen gaben um 1/32 Punkte auf 100 18/32 Punkte nach und kamen auf eine Rendite von 0,635 Prozent. Richtungweisende zehnjährige Anleihen sanken um 9/32 Punkte auf 102 7/32 Punkte, die Rendite stieg auf 1,506 Prozent. Schatzanweisungen mit einer Laufzeit von dreißig Jahren rutschten um 16/32 Punkte auf 108 19/32 Punkte ab. Ihre Rendite betrug 2,586 Prozent.

Quelle: FAZ.NET, dpa-AFX, Reuters, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Dow Jones
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