Verstärkte Konjunktursorgen haben am Freitag zu weiteren Verlusten am deutschen Aktienmarkt geführt. Der Dax gab in den ersten Handelsminuten um 1,2 Prozent auf 6269,5 Punkte nach. Damit knüpfte der Leitindex an seine Entwicklung vom Vortag an, als er nach einer mehrtägigen Erholung erstmals wieder im Minus geschlossen hatte. Für den M-Dax ging es am Freitagmorgen um 1,3 Prozent auf 10.238 Punkte bergab und der Tec-Dax sank um 1,1 Prozent auf 740 Punkte. Der marktbreite FAZ-Index verlor 0,9 Prozent auf 1365 Punkte.
Anhaltend schwache Wirtschaftsdaten und die Ernüchterung der Anleger nach dem Nein der amerikanischen Notenbank zu einer weiteren Runde geldpolitischer Lockerungsmaßnahmen (QE3) sorgten für Druck auf risikobehaftete Anlagen wie Aktien, sagte Stan Shamu von IG Markets. Analyst Werner Bader von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sah zudem die Abstufung zahlreicher Banken durch die amerikanische Ratingagentur Moody’s als Belastung. Die Vorgaben fielen entsprechend negativ aus: Der Future auf den amerikanischen Leitindex Dow Jones verlor wegen der weltweiten Konjunktursorgen 1,1 Prozent seit dem Xetra-Schluss am Vortag. Auch die asiatischen Märkte tendierten wieder schwach, wobei Rohstoffwerte besonders unter Druck standen. Später sollte vor allem das Ifo-Geschäftsklima für Bewegung sorgen. LBBW-Experte Bader rechnet „nach dem kräftigen Einbruch im Vormonat mit einem weiteren Abrutschen“. Zudem treffen sich die EU-Finanzminister in Luxemburg.
Deutsche Anleihen verlieren leicht vor Ifo-Geschäftsklima
Die deutschen Staatsanleihen sind am Freitag mit leichten Verlusten in den Handel gegangen. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future sank am Morgen um 0,03 Prozent auf 141,48 Punkte. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, gewinnt 18 Basispunkte auf 102,2 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future 12 Basispunkte auf 99,66 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag kaum verändert bei 1,51 Prozent.
Zum Wochenausklang richtet sich die Aufmerksamkeit der Anleger auf die Unternehmensstimmung in Deutschland. Experten erwarten, dass sich das Ifo-Geschäftsklima zum zweiten Mal in Folge eintrüben wird. Dennoch hält sich das wichtigste Konjunkturbarometer Deutschlands im Vergleich zu anderen Frühindikatoren recht gut. So signalisieren die ebenfalls stark beachteten Einkaufsmanagerindizes schon seit langem eine schrumpfende deutsche Industrie.
Euro kaum erholt von starken Vortagsverlusten
Der Euro hat am Freitag weiter unter der Marke von 1,26 Dollar notiert. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,2560 Dollar und damit geringfügig mehr als am späten Vorabend. Ein Dollar war zuletzt 0,7962 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstagmittag noch auf 1,2670 (Mittwoch: 1,2704) Dollar festgesetzt. Am Donnerstag hatte der Euro mehr als einen Cent nachgegeben, nachdem bekannt geworden war, dass der ständige Euro-Rettungsschirm ESM wohl nicht wie geplant Anfang Juli in Kraft treten kann.
Das Bundesverfassungsgericht hatte den Bundespräsidenten gebeten, mit der Freigabe der Gesetze zu warten, bis anhängige Verfassungsklagen entschieden sind. Kurz zuvor hatten sich Bundesregierung und Opposition darauf verständigt, die Gesetze zum ESM zeitnah zu verabschieden. Zum Wochenausklang richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Unternehmensstimmung in Deutschland. Experten erwarten, dass sich das Ifo-Geschäftsklima zum zweiten Mal in Folge eintrüben wird. Dennoch hält sich das wichtigste Konjunkturbarometer Deutschlands im Vergleich zu anderen Frühindikatoren recht gut. So signalisieren die ebenfalls stark beachteten Einkaufsmanagerindizes schon seit langem eine schrumpfende deutsche Industrie.
Sorge um Weltwirtschaftslage beherrscht asiatische Aktienmärkte
Die stark angespannte weltwirtschaftliche Lage hat am Freitag die asiatischen Aktienmärkte belastet. So wiesen zahlreiche aktuelle Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten, etwa der kräftig gesunkene Philly-Fed-Index oder die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, auf einen Wirtschaftsrückgang in der weltgrößten Volkswirtschaft hin, hieß es von Börsianern. Zudem habe der Internationale Währungsfonds (IWF) von einer „kritischen Phase“ der Eurokrise gesprochen. Der MSCI Asia Apex 50, der die Aktienkurse der 50 größten Unternehmen Asiens exklusive Japan abbildet, sank um 1,6 Prozent auf 764 Punkte. „Die Dinge werden immer noch schlimmer“, sagte ein Aktienstratege. „Wenn man einen sehr schwachen Privatsektor hat, verlässt man sich auf Eingriffe der Regierung zu Stützungszwecken. Inzwischen sieht man aber eine zunehmende Schwäche in der Fähigkeit von Regierungen, einzuschreiten.“
Der japanische Leitindex Nikkei 225 sank kurz vor Handelsschluss in Tokio um 0,3 Prozent auf 8801 Punkte. In China sackte der CSI 300 Index, der die Aktien der 300 größten Unternehmen vom chinesischen Festland mit einer Börsennotierung in Shanghai oder Shenzhen enthält, um 1,6 Prozent auf 2512 Punkte ab. Der Hang-Seng-Index in Hong Kong verlor 1,1 Prozent auf 19.056 Punkte. Der Kospi-Index büßte in Seoul 2,4 Prozent auf 1844 Punkte ein und der FTSE Straits Times Index gab in Singapur um 0,5 Prozent auf 2817 Punkte nach. Der Sensex in Indien verlor 0,5 Prozent auf 16.947 Punkte.
Nachbörse Nyse: Bankenaktien nach Ratingabstufungen erholt
Fester präsentierten sich die Aktienkurse im nachbörslichen amerikanischen Handel am Donnerstag im Vergleich zum regulären Geschäft. Der Nasdaq After Hours Indicator stieg um 3,03 Punkte auf 2559,99 Zähler.
Bankenaktien haben am Donnerstag im nachbörslichen amerikanischen Handel nach der Ratingabstufung von 15 Großbanken durch Moody’s zu den Gewinnern gehört. Marktteilnehmer begründeten dies damit, dass die Abstufungen nicht so stark ausgefallen seien wie befürchtet. Die Herabstufungen waren erst nach Handelsende an Wall Street bekannt geworden. Im regulären Handel hatte der S&P-Banken-Index 1,7 Prozent verloren und sich damit etwas besser gehalten als der Gesamtmarkt. Nachbörslich gegen 19.59 Uhr (Ortszeit New York) zeigten sich auf nasdaq.com Morgan Stanley 3,2 Prozent fester mit 14,40 Dollar. Die Bank sei lediglich um zwei Stufen schlechter bewertet worden, während der Markt drei Stufen befürchtet habe, hieß es. Bank of America lagen 0,6 Prozent höher, Citigroup erholten sich um 0,7 Prozent und Bank of America um 0,6 Prozent. Für Goldman Sachs ging es um 0,5 Prozent nach oben.
Schwache Konjunkturdaten machen Wall Street zu schaffen
Schwache Konjunkturdaten haben die amerikanischen Börsen am Donnerstag in die Tiefe gezogen. Am amerikanischen Arbeitsmarkt ist noch immer keine Erholung in Sicht und der als Zugpferd für die Weltkonjunktur geltenden chinesischen Industrie scheint die Puste auszugehen. „Der Ursprung der Flaute liegt im angeschlagenen Europa. Die Krise erreicht nun alle anderen Regionen und Bereiche. Den Firmen brechen die Geschäfte weg“, sagte ein Börsianer. Zur schlechten Stimmung trugen auch enttäuschende Quartalszahlen von Unternehmen bei. Der Dow Jones Index schloss 2 Prozent tiefer bei 12.573 Punkten. Im Handelsverlauf bewegte er sich zwischen 12.561 und 12.857 Zählern. Der breiter gefasste S&P-500 sank 2,2 Prozent auf 1325 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 2,4 Prozent auf 2859 Stellen. In Frankfurt ging der Dax mit einem Minus von 0,8 Prozent auf 6343 Punkten aus dem Handel. In der vergangenen Woche stellten 387.000 Amerikaner einen Erstantrag auf Arbeitslosen-Hilfe. Volkswirte hatten auf eine etwas geringere Zahl gesetzt. Kim Forrest von Fort Pitt Capital Group äußerte die Befürchtung, dass die Firmen insgesamt langsam aber stetig viel Personal abbauen, obwohl es bislang kaum Nachrichten über Massenentlassungen gab. Zudem fiel der Konjunkturindex der Notenbank von Philadelphia im Juni auf minus 16,6 von minus 5,8 Punkten im Mai. Der Philly-Fed-Index gilt als einer der wichtigsten Früh-Indikatoren für die amerikanische Produktion.
Dass sich die Schuldenkrise und die Verlangsamung der Weltwirtschaft in den Bilanzen der Konzerne widerspiegeln, belegte der Tabak-Konzern Philip Morris. Das Unternehmen senkte seinen Geschäftsausblick und folgte damit anderen konsumabhängigen Konzernen wie Pepsi Cola und Procter & Gamble. Philip Morris-Aktien gaben 3,3 Prozent nach. Oracle verbilligten sich um 2,4 Prozent. Das Unternehmen hatte den Abgang eines Vizepräsidenten bekanntgegeben, den jedoch viele Anleger bereits erwartet hatten. Auf den Verkaufslisten standen auch Micron Technology. Die Dividendenpapiere des Chipherstellers brachen mehr als 7 Prozent ein, nachdem das Unternehmen das vierte Quartal in Folge einen Verlust ausgewiesen hatte. Chinas Industrie verliert weiter an Fahrt. Der vorläufig veröffentlichte Einkaufsmanager-Index der britischen Großbank HSBC fiel im Juni auf ein Sieben-Monats-Tief von 48,1 Punkten, nachdem er im Mai noch bei 48,4 Zählern gelegen hatte. Damit notiert das Barometer bereits seit acht Monaten unter der Schwelle von 50 Punkten. Werte darüber zeigen ein Wachstum an, darunter eine schrumpfende Geschäftstätigkeit.
Amerikanische Anleihen gewinnen überwiegend
Die als „sicherer Hafen“ geltenden amerikanischen Staatsanleihen haben am Donnerstag überwiegend Gewinne verbucht. Händler nannten unter anderem schwache Zahlen vom amerikanischen Arbeitsmarkt als Unterstützung. Dort scheinen sich die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe knapp unter der Marke von 400.000 festzusetzen - ein vergleichsweise hoher Wert. Die Zahlen gelten als Indikator für den monatlichen Arbeitsmarktbericht, der zuletzt zweimal in Folge enttäuscht hatte. Zudem hatte sich das Geschäftsklima in der Region Philadelphia im Juni stark eingetrübt. Der entsprechende Index der regionalen Notenbank von Philadelphia (Philly-Fed-Index) fiel auf den tiefsten Stand seit August 2011.
Zweijährige Anleihen stagnierten bei 99 28/32 Punkten. Ihre Rendite lag bei 0,3 Prozent. Fünfjährige Anleihen stiegen um 3/32 Punkte auf 99 15/32 Punkte. Sie rentierten mit 0,7 Prozent. Richtungsweisende zehnjährige Anleihen gewannen 15/32 Punkte auf 101 8/32 Punkte. Ihre Rendite lag bei 1,6 Prozent. Longbonds mit einer Laufzeit von dreißig Jahren kletterten um 1 3/32 Punkte auf 106 12/32 Zähler. Sie rentierten mit 2,7 Prozent.
