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Blick auf den Finanzmarkt Dax unter 6000 Punkten

 ·  Die Talfahrt am deutschen Aktienmarkt setzt sich am Montag fort. Konjunktur- und Schuldensorgen lassen die Anleger auf Nummer Sicher gehen.

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Nach schwachen Vorgaben aus Übersee infolge globaler Konjunktursorgen gibt der deutsche Aktienmarkt am Montag zum Börsenstart nach. Nachdem der Dax in der Vorwoche rund viereinhalb Prozent verloren hatte, rutschte er erstmals seit Januar wieder unter die Marke von 6.000 Punkten. Er fällt um 1,2 Prozent auf 5976 Punkte. Der marktbreite FAZ-Index gibt 1,2 Prozent auf 1304 Punkte nach.

Zuvor waren bereits die asiatischen Aktienmärkte mit kräftigem Verkaufsdruck in die neue Woche gestartet. „Schwache amerikanische Wirtschaftsdaten sowie die Abkühlung der Wirtschaft in China gesellt sich zur eskalierenden Schuldenkrise in Europa“, sagt ein Marktbeobachter. Marktstratege Stan Shamu von IG Markets sieht die Märkte weiter von Risikoaversion geprägt, nachdem die wichtigsten Konjunkturindikatoren zuletzt die Wachstumssorgen durch die Bank nur noch verschlimmert hätten.

Trotz positiver Studiendaten können sich Bayer dem negativen Markttrend nicht entziehen. Sie geben 1,3 Prozent nach. Dabei konnte laut aktuellen Daten Alpharadin das Gesamtüberleben bei Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs verbessern, und das Mittel Regorafenib erzielte in einer abschließenden klinischen Studie (Phase III) eine signifikante Verlängerung des progressionsfreien Überlebens bei Patienten mit Gastrointestinalen Stromatumoren (GIST). In beiden Fällen soll in der zweiten Jahreshälfte die Zulassung beantragt werden. Ein Börsianer wertete insbesondere die Neuigkeiten vom potentiellen Blockbuster Alpharadin positiv. „Die neuen Ergebnisse der Phase III waren sogar noch etwas besser als bereits veröffentlichte Daten“, sagt er.

Zu den besseren Werten im Dax zählen Merck mit minus 0,6 Prozent sowie Thyssen-Krupp mit einem Aufschlag von 0,1 Prozent. Der vor einem weitreichenden Umbau stehende Pharma- und Chemiekonzern könnte in Deutschland nach Einschätzung des Betriebsrats fast 10 Prozent seiner Stellen ohne Kündigungen abbauen.

Nach einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ ist der Rohstoffkonzern Vale bereit, das Stahlwerk von ThyssenKrupp in Brasilien zu übernehmen. Ein Börsianer riet jedoch zur Vorsicht und verwies auf einen anderen Medienbericht, wonach eine Vale-Sprecherin das Interesse an einer Mehrheitsbeteiligung dementiert habe. Auch eine Posco-Sprecherin habe kein Interesse der Südkoreaner an einer Offerte gezeigt. Die Gespräche zwischen Vale und der brasilianischen Regierung seien aber wohl noch in einem frühen Stadium, sagte er.

Rentenmarkt tendiert schwächer

Nach einem neuen Allzeithoch von 146,89 Prozent am Freitag und damit elf weißen Wochenkerzen in Folge nehmen Anleger am Montagmorgen erste Gewinne in den Bund-Futures mit. „Die hochnervöse Marktlage sollte aber vorerst weiterhin gute Unterstützung bieten“, sagt Viola Julien von der Landesbank Hessen-Thüringen. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, verliert 15 Basispunkte auf 146,20 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future 9 Basispunkte auf 126,97 Prozent.

Am Primärmarkt für Euro-Staatsanleihen zieht die Aktivität in der Woche vom 4. bis 8. Juni deutlich an. Am Markt treten Deutschland, Frankreich und Spanien in Erscheinung. Die Experten der Unicredit veranschlagen das gesamte Emissionsvolumen auf 17 bis 19 Milliarden Euro.

Euro gibt in Fernost nach

Der Euro ist am Montag im frühen Handel in Fernost wieder unter Druck geraten. Die Gemeinschaftswährung sank um 0,3 Prozent auf 1,2390 Dollar. Nach den enttäuschenden amerikanischen Konjunkturdaten vom Freitag konzentrierten sich die Anleger wieder stärker auf die Probleme der Euro-Zone, sagten Analysten. Es gebe aber die Hoffnung am Markt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer Zinsentscheidung am Mittwoch neue Maßnahmen zur Stützung des Staatsanleihenmarktes auflegen könnte. Zum Yen wurde der Euro 0,2 Prozent schwächer mit 96,80 Yen gehandelt. Der Dollar lag in japanischer Währung kaum verändert bei 78,12 Yen. Der Schweizer Franken notierte bei 0,9690 Franken je Dollar und 1,2010 Franken je Euro.

Konjunktursorgen setzen Kurse in Asien stark unter Druck

Schwache amerikanische Arbeitsmarktzahlen und negative Konjunkturdaten aus China sorgen an den asiatischen Börsen zu Wochenbeginn für einen kollektiven Ausverkauf. Bei den Investoren verstärkten sich die Bedenken bezüglich der globalen Konjunkturentwicklung, was zu massiven Umschichtungen in die „sicheren Häfen“ führe, heißt es. So ist in China der Einkaufsmanger-Index für das Nicht-Verarbeitende Gewerbe im Mai den zweiten Monat in Folge gefallen - ein weiteres Anzeichen für eine Abschwächung in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Dazu kommt die Schuldenkrise in der Eurozone, die weiter das Sentiment belastet. In Tokio fällt der Topix-Index auf den niedrigsten Stand seit 1983 und der Hang-Seng-Index in Hongkong hat mit den Verlusten am Berichtstag die Gewinne des Gesamtjahres wieder abgegeben.

Die amerikanischen Arbeitsmarktdaten waren am Freitag so schlecht ausgefallen wie selten. Mit einem Stellenzuwachs von nur 69.000 im Mai wurde die Erwartung von plus 155.000 deutlich verfehlt - und das bereits zum dritten Mal in Folge. Der Stellenaufbau war zugleich der niedrigste seit einem Jahr. Dazu wurden auch noch die Vormonatsdaten nach unten revidiert. Mit einem Wert von 8,2 Prozent stieg zudem die Arbeitslosenquote erstmals seit einem Jahr wieder an.

„Wir sehen derzeit einen synchronisierten Abschwung der Welt-Konjunktur. Die Frage ist nun, ob die Märkte weiter nachgeben oder aber mit der Hoffnung auf ein politisches Eingreifen zu einer Gegenbewegung ansetzen“, meint Chris Weston, Händler von IG Markets.

Asiatische Fondsmanager haben laut einer Umfrage von Dow Jones Newswires vom 1. Juni die Einstufung für den Aktienmarkt auf „Sligthly Underweight“ von „Neutral“ gesenkt. Verwiesen wird zur Begründung vor allem auf die weiter schwelende Schuldenkrise in der Eurozone.

In Tokio stehen mit dem starken Yen die Exportwerte unter Abgabedruck. Hier komme es zudem zu verstärkten Umschichtungen in defensive Werte aus dem Lebensmittel- und Pharmasektor, heißt es. Honda fallen um 2,7 Prozent und Canon verlieren 4 Prozent. Im Gegenzug steigen Ajinomoto um 2,6 Prozent. „Das Schicksal der Märkte liegt nun in den Händen der Politik“, sagt ein Händler.

Die Aktien von Sony fielen zur Eröffnung in Tokio erstmals seit 32 Jahren unter die Marke von 1.000 Yen, liegen mittlerweile aber wieder leicht über diesem Niveau. Auch Panasonic sind zwischenzeitlich auf ein 32-Jahrestief gefallen. Allerdings deute derzeit eine Reihe von technischen Indikatoren darauf hin, dass das Schlimmste vorbei sein könnte, gibt sich ein Teilnehmer optimistisch.

Auch in China geben die Kurse auf breiter Front nach. Hier stehen vor allem die Öl- und Rohstoffwerte unter Abgabedruck wegen fallender Rohstoffpreise und einer sinkenden Nachfrage. So geben Petrochina um 1,3 Prozent und Jiangxi Cooper um 2,4 Prozent nach. Ein Fall des Shanghai-Composite-Index unter die wichtige Unterstützung bei 2.300 Punkten wird allerdings von Analysten nicht erwartet. Für diesen Fall werde mit stützenden Maßnahmen durch die chinesische Regierung gerechnet.

Nachbörsliche Kurse und Meldungen aus Amerika

Knapp behauptet präsentierten sich die Aktienkurse im nachbörslichen amerikanischen Handel am Freitag im Vergleich zum regulären Geschäft. Der Nasdaq After Hours Indicator stieg um 0,92 Punkte auf 2457,91 Zähler.

Groupon gaben nach den starken Verlusten aus der regulären Sitzung weiter nach. Das Papier verlor weitere 0,9 Prozent auf 9,60 Dollar. Zuvor hatte die Aktie rund 9 Prozent eingebüßt und war zwischenzeitlich auf das Rekordtief von 9,53 Dollar gefallen. Händler machten für die Verluste das Ende der Haltefrist von Insidern für insgesamt 600 Millionen Groupon-Aktien verantwortlich. Groupon war ein halbes Jahr zuvor an die Börse gekommen.

Hewlett-Packard stabilisierten sich dagegen von ihrem Minus von gut 6 Prozent und erholten sich um 0,2 Prozent auf 21,30 Dollar. Im regulären Handel hatte die Aktie unter einer Herabstufung durch Jefferies auf „Hold“ von „Buy“ gelitten.

Wall Street im Bann von Bernanke und Schuldenkrise

Die Anhörung von Amerikas Notenbankchef Ben Bernanke vor einem Ausschuss des Kongresses wird in der neuen Woche wohl die Wall Street am stärksten beschäftigen. Börsianer erhoffen sich von seinem Auftritt am Donnerstag Hinweise auf den Zustand der Konjunktur. Nach den katastrophalen Arbeitsmarktdaten am Freitag sei es möglich, dass die Federal Reserve weitere Stützungsmaßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft ankündige, sagte Tom Porcelli von RBC Capital Markets. „Der einzige Grund, den die Fed vom Handeln abhielt, war der Aktienmarkt. Nun aber geht es dort bergab. Die Börsen fallen und das war die letzte Hürde für die Fed. Alle anderen Kriterien für ein Eingreifen der Fed sind bereits erfüllt.“

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss am Freitag nur knapp über seinem Tagestief mit einem Abschlag von 2,2 Prozent bei 12.118 Punkten. Er liegt damit nun auch im Kalenderjahr im negativen Terrain. Der breiter gefasste S&P-500 gab 2,5 Prozent nach auf 1278 Zähler. Für den Index war es der höchste Tagesverlust seit dem 9. November. Der Index der technologielastigen Nasdaq verlor 2,8 Prozent auf 2747 Stellen. In der vergangenen Woche ging es damit für den Dow insgesamt um 2,7 Prozent bergab, für den S&P um drei und die Nasdaq um 3,2 Prozent. Viele Anleger scheinen also der alten Börsenweisheit „Sell in May - and go away“ gefolgt sein.

Überraschend schwache Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten, China und Europa schürten zuletzt Sorgen vor einem weltweiten Wirtschaftsabschwung. Auch in China erlitt die Industrie einen kräftigen Dämpfer. In Europa sank der Einkaufsmanager-Index für die Euro-Zone und auch die Sorgen über das spanische Bankensystem hielten sich. Das nächste Treffen des Offenmarktausschusses der Fed findet vom 19. bis 20. Juni statt. In einer Reuters-Umfrage rechnen 35 Prozent der befragten Händler mit einer Verlängerung der „Operation Twist“. Dabei handelt es sich um eine Umschichtung des Anleiheportfolios, bei der kurzfristige durch langfristige Anleihen ersetzt werden. Durch diesen Schritt könnte die Fed die langfristigen Zinsen drücken und so die Wirtschaft ankurbeln. Das Programm läuft im Juni aus. Eine quantitative Lockerung (QE3) durch Anleihenkäufe halten nun 50 Prozent der Befragten für wahrscheinlich nach zuvor nur 33 Prozent.

Neben der Zentralbank behalten die Investoren auch die Konjunkturdaten im Blick. In den Vereinigten Staaten gibt der ISM-Index für den Dienstleistungssektor (Dienstag) neue Hinweise über die Entwicklung der weltgrößten Volkswirtschaft. Er dürfte im Mai deutlich über 50 Punkte liegen und damit zeigen, dass der Dienstleistungssektor eine Stütze der amerikanischen Konjunktur bleibe, prognostizierte ein Banker.

Quelle: FAZ.NET, dpa-AFX, Reuters, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Dow Jones
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