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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Blick auf den Finanzmarkt Dax schießt nach Gipfel-Einigung nach oben

 ·  Der deutsche Aktienmarkt reagiert mit starken Kursgewinnen auf die Einigung auf dem EU-Gipfel über weitere Finanzhilfen an Euro-Krisenländer. Der DAX stieg zu Handelsstart am Freitag um 2,5 Prozent auf 6305 Punkte.

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Positiv aufgenommene Signale vom EU-Gipfel haben dem Dax und dem Euro am Freitag kräftigen Rückenwind verliehen. Der deutsche Leitindex kletterte in den ersten Handelsminuten um 2,5 Prozent auf 6305 Punkte, während der Euro von den Aussagen aus Brüssel mit einem Anstieg von eineinhalb Cent profitierte. Der M-Dax sprang um 1,95 Prozent auf 10.135 Punkte hoch und der Tec-Dax gewann 1,4 Prozent auf 736 Punkte. Hinzu kommt als Stütze ein Schlussspurt an der Wall Street, der gemeinsam mit Kursgewinnen in Asien auch für gute Vorgaben aus Übersee sorgte.

Gerade als sich viele auf einen ruhigen Wochenausklang eingestellt hatten, hätten positive Aussagen aus Brüssel die Märkte wieder aufgeweckt, sagte Analyst Cameron Peacock von IG Markets. Positiv aufgenommen wurden aus Brüssel gleich mehrere Aussagen: Die Staats- und Regierungschefs der Eurozone haben sich darauf geeinigt, den großen Krisenländern Spanien und Italien unter die Arme zu greifen. Geplant ist offensichtlich, dass beide Länder auch ohne konkrete Auflagen auf die Rettungsfonds EFSF und ESM zugreifen dürfen. Darüber hinaus sollen die Finanzhilfen entgegen ursprünglicher Planungen nicht bevorzugt zu den Forderungen privater Gläubiger behandelt werden. Außerdem sollen künftig nicht nur Staaten, sondern auch Banken direkt auf die Rettungsfonds zugreifen können, sobald eine gemeinsame Bankenaufsicht installiert ist.

Deutsche Anleihen verzeichnen starke Verluste nach Gipfelbeschlüssen

Die deutschen Staatsanleihen haben am Freitag mit starken Abschlägen auf die Beschlüsse des wichtigen EU-Gipfels zur Schuldenkrise reagiert. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future sank am Morgen deutlich um 0,95 Prozent auf 140,38 Punkte. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, verliert 112 Basispunkte auf 101,075 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future verliert 41 Basispunkte auf 99,265 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg kräftig um 11 Basispunkte auf 1,62 Prozent.

In Brüssel verständigten sich die Staats- und Regierungschefs der Eurozone in der Nacht zum Freitag darauf, den großen Krisenländern Spanien und Italien unter die Arme zu greifen. Geplant ist offensichtlich, dass die beiden Länder auch ohne konkrete Auflagen auf die Rettungsfonds EFSF und ESM zugreifen dürfen. Darüber hinaus sollen die Finanzhilfen entgegen ursprünglicher Planungen nicht bevorzugt zu den Forderungen privater Gläubiger behandelt werden. Außerdem sollen künftig nicht nur Staaten, sondern auch Banken direkt auf die Rettungsfonds zugreifen können, sobald eine gemeinsame Bankenaufsicht installiert ist.

Euro springt nach Gipfelbeschlüssen über 1,26 Dollar

Der Euro hat am Freitag mit kräftigen Aufschlägen auf Ergebnisse des wichtigen EU-Gipfels reagiert. In der Nacht zum Freitag sprang die Gemeinschaftswährung um fast zwei Cent nach oben und kostete bis zu 1,2626 Dollar. Am Freitagmorgen kostete der Euro nur geringfügig weniger. Ein Dollar war zuletzt 0,7934 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitagmittag auf 1,2478 (Dienstag: 1,2475) Dollar festgesetzt.

Die Beschlüsse des EU-Gipfels zur Schuldenkrise sorgten für starken Auftrieb beim Euro. So haben sich die Staats- und Regierungschefs der Eurozone darauf geeinigt, den großen Krisenländern Spanien und Italien unter die Arme zu greifen. Geplant ist offensichtlich, dass die beiden Länder auch ohne konkrete Auflagen auf die Rettungsfonds EFSF und ESM zugreifen dürfen. Darüber hinaus sollen die Finanzhilfen entgegen ursprünglicher Planungen nicht bevorzugt zu den Forderungen privater Gläubiger behandelt werden. Außerdem sollen künftig nicht nur Staaten, sondern auch Banken direkt auf die Rettungsfonds zugreifen können, sobald eine gemeinsame Bankenaufsicht installiert ist.

Asiatische Aktienmärkte gewinnen deutlich

Die Einigung der Eurogruppe auf kurzfristige Hilfen für die bedrängten Mitglieder Italien und Spanien hat die asiatischen Börsen am Freitag beflügelt. Die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Staaten verständigten sich zudem im Kampf gegen die Rezession auf einen 120 Milliarden Euro schweren Wachstumspakt für mehr Beschäftigung und die Schaffung einer unabhängigen gemeinsamen Bankenaufsicht unter Einbeziehung der Europäischen Zentralbank (EZB). Dies gilt als Voraussetzung dafür, dass marode Banken sich direkt aus Mitteln der Rettungsfonds rekapitalisieren könnten.

Der MSCI Asia Apex 50, der die Aktienkurse der 50 größten Unternehmen Asiens exklusive Japan enthält, gewann 2,1 Prozent auf 775 Punkte. Für den japanischen Nikkei-225-Index ging es in der letzten Handelsstunde um 1,4 Prozent auf 9002 Punkte hoch - damit notierte der Leitindex erstmals seit Mai wieder über der viel beachteten 200-Tage-Linie. In China stieg der CSI 300 Index, der die Aktien der 300 größten Unternehmen vom chinesischen Festland mit einer Börsennotierung in Shanghai oder Shenzhen enthält, um 1 Prozent auf 2451 Punkte, und der Hang-Seng-Index in Hong Kong gewann 2,1 Prozent auf 19.426 Punkte. Der Kospi-Index in Seoul rückte um 1,4 Prozent auf 1844 Punkte vor. In Singapur stieg der FTSE Straits Times Index um 1,6 Prozent auf 2892 Punkte. Der Sensex in Mumbai gewann 1,9 Prozent auf 17.320 Punkte.

Nachbörse Nyse: Nike und RIM brechen mit Hiobsbotschaften ein

Deutlich leichter präsentierten sich die Aktienkurse im nachbörslichen amerikanischen Handel am Donnerstag im Vergleich zum regulären Geschäft. Der Nasdaq After Hours Indicator fiel um 4,27 Punkte auf 2532,38 Zähler.

Gleich zwei Aktien bekannter amerikanischer Unternehmen haben am Donnerstagabend ihr Kurs-Waterloo im nachbörslichen amerikanischen Aktienhandel erlebt. Die Anteilsscheine von Nike und Research In Motion (RIM) brachen nach neuen Hiobsbotschaften im Handel nach der Schlussglocke ein. Während die Papiere von Nike auf nasdaq.com bis 19.59 Uhr Ortszeit um 12,4 Prozent auf 84,85 -Dollar abstürzten, ging es für die Titel von RIM bis 19.59 Uhr Ortszeit gar um 14 Prozent auf 7,85 Dollar talwärts. Der Sportartikelhersteller Nike kämpft weiter mit schwächeren Gewinnmargen und der Restrukturierung des Geschäfts in Westeuropa. Trotz des Wachstums beim Umsatz verzeichnete das Unternehmen im abgelaufenen Quartal einen Gewinnrückgang. Im abgelaufenen Quartal sank die Marge zum sechsten Mal in Folge. Zudem verfehlte der Konzern die Gewinnerwartungen des Marktes. Noch trüber fiel der Geschäftsausweis von RIM aus. Der Hersteller mobiler Kommunikationsgeräte wie dem Black Berry hat seine Aktionäre gleich zwei neuen Schreckensbotschaften geschockt. Zum einen fiel der Verlust im zurückliegenden Quartal weit höher als befürchtet aus. Schlimmer noch: Das neue Telefon, auf dem die Hoffnungen des Unternehmens und der Investoren ruhen, wird erst Anfang nächsten Jahres eingeführt und verpasst das wichtige Weihnachtsgeschäft. Ford Motor gerieten nachbörslich ebenfalls unter Abgabedruck, wenngleich die Dynamik nicht mit Nike und RIM zu vergleichen war. Die Aktie des Automobilherstellers verlor bis 19.59 Uhr Ortszeit 2,9 Prozent auf 9,8 Dollar. Die Gesellschaft lieferte einen schwachen Ausblick auf das internationale Geschäft. So rechnet Ford mit einer Verdreifachung der operativen Verluste im zweiten Quartal im internationalen Geschäft im Vergleich zur ersten Periode. Einen regelrechten Höhenflug verzeichneten dagegen die Anteilsscheine des Waffenherstellers Smith & Wesson, die bis 19.58 Uhr Ortszeit um 12,9 Prozent auf 7,78 Dollar emporschnellten. Der in den Vereinigten Staaten beliebte Handfeuerwaffenanbieter übertraf im vierten Quartal die Gewinnprognosen des Marktes.

Gipfel-Pessimismus und Banken belasten Wall Street

Die Wall Street hat sich der Skepsis in Europa über den Ausgang des EU-Gipfels angeschlossen: Die Anleger in den Vereinigten Staaten machten sich am Donnerstag ebenfalls kaum Hoffnung auf einen Durchbruch bei den Verhandlungen über einen Ausweg aus der Schuldenkrise. Zumal der Streit innerhalb der Euro-Zone kurz vor Beginn des Gipfels einen neuen Höhepunkt erreichte. Die Meinungen über Wege zur Bewältigung der Krise gingen weit auseinander. Zudem wies das Bundesfinanzministerium einen Zeitungsbericht zurück, wonach die Bundesregierung ihre Position zu Euro-Bonds aufgeweicht habe. Der Dow Jones Index schloss 0,2 Prozent schwächer bei 12.602 Punkten. Im Verlauf pendelte er zwischen 12.450 und 12.626 Stellen. Der breiter gefasste S&P-500 fiel ebenfalls 0,2 Prozent auf 1329 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verzeichnete ein Minus von 0,9 Prozent auf 2849 Stellen. In Frankfurt ging der Dax mit einem Minus von 1,3 Prozent auf 6149 Punkten aus dem Handel.

Im Mittelpunkt des New Yorker Handels standen Bankaktien. Dies war allerdings nicht nur auf die Schuldenkrise zurückzuführen, sondern auch auf schlechte Nachrichten rund um die Spekulationsverluste bei JP Morgan Chase. Kreisen zufolge hat sich das Geldhaus mit komplexen Finanzpapieren dramatisch mehr verspekuliert als bislang angenommen. Die größte amerikanische Bank gehe inzwischen von einem Verlust von 4 bis 6 Milliarden Dollar aus. Die JP Morgan-Aktie verlor rund 2,4 Prozent. Ein weiterer Grund für die Verluste im Bankensektor war die Ausweitung von Ermittlungen wegen Zinsmanipulationen. Dabei geht es um den Vorwurf der Manipulationen des weltweit gültigen Interbanken-Zinssatzes Libor. Die Aktien der Citigroup ließen 2,6 Prozent Federn. Amerikanische Börsianer quittierten die Aufspaltung des Medienkonzerns News Corp mit einem Kursabschlag von 1,4 Prozent. Medienmogul Rupert Murdoch beugte sich den Rufen der Anleger und stimmte zu, das Verlagsgeschäft von der gewinnträchtigeren Unterhaltungssparte zu trennen.

Gesundheitswerte fanden nach der Bestätigung der Gesundheitsreform durch das Oberste Bundesgericht keine klare Richtung. Der entsprechende S&P-Index verlor 0,3 Prozent. Mehrere Einzeltitel sprangen jedoch deutlich in die Höhe: Tenet Healthcare um mehr als 5 Prozent, Centene um gut 2 Prozent, Molina Healthcare um mehr als 8 Prozent. Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten bestätigte mit der Gesundheitsreform das wichtigste innenpolitische Projekt von Präsident Barack Obama im Kern. Mit nur einer Stimme Mehrheit erklärten die neun Richter die allgemeine Versicherungspflicht, das Herzstück der Reform, für verfassungsgemäß. Wenig Beachtung am Markt fanden neue Daten zur amerikanischen Wirtschaft, die zu Jahresbeginn einen Gang zurückgeschaltet hat. Zwar beantragten in der vergangenen Woche weniger Bürger erstmals Arbeitslosenhilfe als in der Woche zuvor. Dennoch ist die Zahl nach wie vor zu hoch, um eine Trendwende am Arbeitsmarkt zu signalisieren.

Amerikanische Anleihen gewinnen zum Auftakt des EU-Krisengipfel

Die amerikanischen Staatsanleihen haben am Donnerstag zum Auftakt des EU-Krisengipfels überwiegend Kursgewinne verbucht. Die hohe Unsicherheit angesichts des Zusammentreffens der Staats- und Regierungschefs stütze die als sicher geltenden Titel, sagten Händler. Auf dem neuen Höhepunkt der Schuldenkrise ist die Europäische Union tief zerstritten über Nothilfen für Spanien und Italien.

Zweijährige Anleihen blieben unverändert bei 99 28/32 Zähler. Ihre Rendite lag bei 0,31 Prozent. Fünfjährige Anleihen stiegen um 6/32 Punkte auf 100 8/32 Punkte. Sie rentierten mit 0,69 Prozent. Richtungsweisende zehnjährige Anleihen legten um 13/32 Punkte auf 101 18/32 Punkte zu. Sie rentierten mit 1,58 Prozent. Longbonds mit einer Laufzeit von dreißig Jahren kletterten um 16/32 Punkte auf 106 25/32 Zähler. Sie rentierten mit 2,67 Prozent.

Quelle: FAZ.NET, dpa-AFX, Reuters, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Dow Jones
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