Trotz schwacher Vorgaben aus Asien ist der Dax am Mittwoch stabil in den Handel gestartet. Der Leitindex notierte mit 7668 Punkten nur 0,1 Prozent niedriger. Auch die Warnung von Fitch an die Adresse Großbritanniens vor einem Verlust des Spitzenratings spielte kaum eine Rolle. „Viele Anleger wollten offenbar abwarten, wie die Bilanzsaison in den USA weiter verlaufen wird, ehe sie sich neu positionieren“, sagte ein Händler. „Und offenbar sind viele weiter zuversichtlich für die Aktien.“ Gegen Mittag stehen unter anderem die Zwischenberichte von JP Morgan und Goldman Sachs auf den Terminkalendern.
Im Dax führten die Aktien von Fresenius mit einem Plus von gut einem Prozent die Gewinnerliste an. Laut Händlern hatten die Analysten von UBS die Aktien trotz einer Senkung des Kursziels auf eine europäische Favoritenliste gesetzt. Auch die Aktien der Dialysetochter FMC zogen an. Schlusslicht im Dax waren Infineon mit einem Abschlag von 0,8 Prozent. Händler erklärten, UBS habe die Titel von seiner Tech-Favoriten-Listen gestrichen.
Im MDax notierten die Aktien von Metro nach der Vorlage von Umsatzzahlen für das vierte Quartal 1,8 Prozent höher. Unter Druck gerieten nach der Platzierung neuer Aktien die Aktien von Deutsche Wohnen. Sie büßten 1,3 Prozent ein.
Die Börsen in Ostasien passten sich am Mittwoch mangels frischer Impulse den uneinheitlichen Vorgaben aus den Vereinigten Staaten an. Insgesamt halten sich die Indexveränderungen in relativ engen Grenzen, einzige Ausnahmen sind die Leitbörsen in Tokio und Schanghai. Der Nikkei-Index ist mit einem Minus von gut 2 Prozent auf 10.651 Punkte klar das Schlusslicht, nachdem er an den vorangegangenen vier Handelstagen kontinuierlich zugelegt hatte und auf ein 32-Monatshoch gestiegen war. Händler begründen das deutliche Minus mit Gewinnmitnahmen vor dem Hintergrund der fortgesetzten Erholung des Yen.
In Schanghai fällt das Marktbarometer nach einer zunächst knapp behaupteten Tendenz in der zweiten Handelshälfte stark um 1,9 Prozent zurück. Auch in Schanghai ist von Gewinnmitnahmen die Rede, außerdem von Sorgen bezüglich der insgesamt schleppenden
Konjunktur.
Nachdem der Dollar Mitte Dezember noch gut 82 Yen gekostet hatte, war er in einer fast ununterbrochenen Aufwärtsbewegung im Hoch zuletzt bis auf über 89,70 Yen gestiegen. Nun kommt es zu einer kräftigen Gegenbewegung und der Dollar ist nur noch 88,13 Yen wert, verglichen mit 88,80 Yen im späten US-Handel am Dienstag. Im Tagestief waren es auch schon 87,94 Yen. Der Euro hat sich gleichzeitig auf 116,92 von 118,13 Yen verbilligt. Hinter der jüngsten Gegenbewegung des Yen steht die Warnung des japanischen Wirtschaftsministers Amari, dass eine zu starke Yen-Abwertung nicht gut für die japanische Wirtschaft sei.
An der Börse in Tokio leiden wie üblich insbesondere Aktien exportorientierter Unternehmen unter dem festeren Yen. Canon, Sony, Sharp und Honda Motor verlieren zwischen 2 und gut 3 Prozent. Um 1,6 Prozent abwärts geht es für All Nippon Airways nach Berichten, wonach die Fluglinie alle ihre 17 Maschinen vom Typ Boeing Dreamliner auf den Boden holen musste nach einer Dreamliner-Notlandung in Westjapan. Dagegen steigen die Aktien des Konkurrenten Japan Airlines um rund 1 Prozent. Japan Airlines hat Berichten zufolge seine Dreamliner zwar ebenfalls zurückgerufen, hat aber derzeit lediglich fünf Maschinen dieses Typs im Einsatz, wie das Wall Street Journal berichtet.
An der Börse in Schanghai stehen Aktien aus dem Immobiliensektor unter Druck. Dahinter stehen Aussagen von Ministerpräsident Wen Jiabao, wonach die Regierung mittel- bis langfristig eine Reform der Immobiliensteuer anstrebt. Poly Real Estate geben um 1,9 Prozent nach, Gemdale um 2,9 Prozent. In Hongkong verlieren die Titel des Immobilienentwicklers China Overseas Land 1,2 Prozent. Verkauft werden auch Versicherer wie Ping An Insurance und China Life Insurance, die über 3 Prozent einbüßen.
In Sydney geben die Aktien einzelner Rohstoffunternehmen gegen die positive Tendenz des Gesamtmarktes etwas nach. Hintergrund ist Händlern zufolge der um 1,1 Prozent gesunkene Eisenerzpreis, der unter Anzeichen einer nachlassenden Nachfrage aus China leiden soll. BHP Billiton kommen um 0,9 Prozent zurück, Rio Tinto um 1 Prozent und Fortescue Metals Group ebenfalls um 1 Prozent.
Amerikanische Kurse nachbörslich unverändert
Nahezu unverändert präsentierten sich die Aktienkurse auch im nachbörslichen amerikanischen Handel am Dienstag im Vergleich zum regulären Geschäft. Der Nasdaq After Hours Indicator stieg etwas um 0,07 Punkte auf 2724,79 Zähler. Die stärkste Bewegung kam von Apple, dessen Kurs nach nennenswerten Verlusten im regulären Handel wieder um 0,81 Prozent auf 489,87 Dollar anzog.
Kein klarer Trend an Wall Street
Kein klarer Trend hat sich am Dienstag an Wall Street abgezeichnet. Vor allem die festen Konsumwerte hievten den Dow-Jones-Index ins Plus. Überraschend gute Daten zum Einzelhandel im Dezember machten hier die Kurse. Im Letindex gingen Wal-Mart, Coca-Cola, Home Depot und Walt Disney fester. Dagegen standen Technologiewerte auf den Verkaufslisten. Denn noch immer lasteten die Neuigkeiten um Apple auf dem Sektor. Die Sorge vor einer zu laschen Nachfrage nach dem neuen iPhone hatte bereits am Montag die Stimmung verdorben.
Andere Konjunkturdaten bestätigten eher die Skeptiker. „Unterm Strich sind die Zahlen enttäuschend“, so ein Händler. Der Empire State Index lag bereits den sechsten Monat in Folge im roten Bereich, das zeigt eine fortdauernde Schwäche im verarbeitenden Sektor. Ein kleiner Lichtblick sei hier allerdings die bessere Beschäftigung, sagte ein Händler.
Die Themen der nächsten Wochen stehen fest: Berichtssaison und Schuldenobergrenze. Beides sorgte am Dienstag für Zurückhaltung. Am Mittwoch lassen sich die Großbanken Goldman Sachs und J.P.Morgan in die Bücher schauen. Und im Verlauf der Woche folgen unter anderem noch die Citigroup, Intel, American Express und General Electric.
Der Streit um die Schuldenobergrenze in den USA schiebt sich immer stärker in den Vordergrund. Bereits am Vorabend hatte US-Notenbankpräsident Ben Bernanke vor einer drohenden Zahlungsunfähigkeit der US-Regierung gewarnt. Es sei „sehr, sehr wichtig“, dass der Kongress die Schuldenobergrenze anhebe. Die Unsicherheit um die weitere Entwicklung ließ die Anleger zaudern.
Erneut blieb der technologielastige Nasdaq-Composite hinter den anderen Indizes zurück. Er verlor 0,2 Prozent. Der Dow-Jones-Index gewann dagegen 0,2 Prozent und der S&P-500 legte um 0,1 Prozent zu. Das Umsatzvolumen stieg leicht auf 0,60 (Montag: 0,59) Milliarden Stück. Den 1.740 (1.497) Kursgewinnern standen 1.298 (1.511) -verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 103 (125) Titel.
Euro unter Druck
Am Devisenmarkt kam der Euro im späten Geschäft unter Druck. Berichten zufolge sagte der Präsident der Eurogruppe Jean-Claude Juncker, der Euro notiere gefährlich hoch. Das brachte die Gemeinschaftswährung unter Druck und ließ sie zwischenzeitlich unter 1,33 Dollar fallen. Später erholte sich der Euro und stand knapp über dieser Marke.
Der Yen setzte seine Erholung gegenüber Dollar und Euro fort. Der Greenback wurde mit 88,85 Yen bezahlt, nachdem er am Montag mit 89,66 Yen auf den höchsten Stand seit Juni 2010 gestiegen war. Auslöser für die Stabilisierung sind Aussagen des japanischen Wirtschaftsministers Akira Amari, der die negativen Konsequenzen eines zu schwachen Yen betont hat. Seit Mitte November hatte die japanische Währung zu Dollar und Yen immer weiter abgewertet, belastet vor allem von der Erwartung einer noch expansiveren Geldpolitik der Notenbank, um die Konjunktur zu beleben.
Öl wird billiger, Gold teurer
An den Rohstoffmärkten bewegten sich Öl und Gold gegenläufig. Der Ölpreis litt unter dem starken Dollar und gab 86 US-Cents oder 0,9 Prozent nach auf 93,28 Dollar. Druck kam auch über den Benzinmarkt, wo Teilnehmer mit einem starken Anstieg der Lagerbestände rechnen. Der Goldpreis erholte sich dagegen und stieg auf 1.680 Dollar je Feinunze. Händler beobachteten eine stärkere Nachfrage aus Japan, zurückzuführen auf die Sorge vor Inflation.
Apple und Oracle geben nach, Dell-Kurs steigt nach Kaufgerüchten
Für die Apple-Aktie ging es um weitere 3,2 Prozent nach unten. Erstmals seit Februar 2012 lag der Schlusskurs wieder unter 500 Dollar. Auch Dell standen weiter im Fokus. Am Vortag hatte die Aktie im regulären Geschäft einen Kurssprung von 13 Prozent verzeichnet, am Dienstag ging es weiter mit plus 7,2 Prozent. Hintergrund war ein Bericht, wonach der PC-Hersteller von der Börse genommen werden soll. Demnach verhandelt Dell mit möglichen Aufkäufern.
Dagegen litten die Oracle-Titel leicht unter den Geschäftszahlen von Mitbewerber SAP. Gesamtumsätze und Software-Umsätze lagen jeweils knapp unter den Konsensschätzungen. Auch der operative Gewinn fiel unter den Konsensschätzungen aus. Die Oracle-Aktie gab um 0,7 Prozent nach.
Der Kurs von Facebook fiel um 2,7 Prozent. Die Aktie war zwischen Plus und Minus hin und her gependelt. CEO Mark Zuckerberg präsentierte eine neue Suchmaschine für seine Seite. Danach zog das Handelsvolumen in dem Titel zwar kräftig an, doch letztlich zeigten sich die Marktteilnehmer offenbar wenig beeindruckt. Die Aktie des Facebook-Konkurrenten Yelp stürzte aber dennoch um 6,2 Prozent ab.
American Express wurde von einer Abstufung durch J.P.Morgan belastet. Die Analysten haben die Titel auf „Underweight“ von „Neutral“ heruntergenommen. Die Titel von American Express verloren 0,7 Prozent.
Anleiherenditen fallen
Bei den US-Anleihen setzte sich die Erholung des Vortages fort. Hier sorgten vor allem die Bedenken wegen des Streits um die Schuldenobergrenze in den USA für Käufe. Dies ließ im Gegenzug die Renditen fallen.
Nur die Kurse zweijähriger Anleihen gaben um 2/32 Punkte auf 99 23/32 Punkte nach. Sie rentierten mit 0,261 Prozent. Fünfjährige Papiere rückten indes um 2/32 Punkte auf 99 31/32 Punkte vor. Sie rentierten mit 0,750 Prozent. Richtungweisende zehnjährige Anleihen stiegen um 5/32 Punkte auf 98 5/32 Zähler. Sie rentieren mit 1,830 Prozent. Longbonds mit einer Laufzeit von dreißig Jahren gewannen 10/32 Punkte auf 94 24/32 Punkte. Ihre Rendite betrug 3,017 Prozent.
