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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Blick auf den Finanzmarkt China-Daten und Fed-Enttäuschung drücken Aktienkurse

 ·  Trotz der neuen Konjunkturhilfen der Fed verzeichnen die Aktienmärkte am Donnerstag Kursverluste. Für Enttäuschung sorgte die amerikanische Notenbank. Sie hatte am Vorabend zwar angekündigt, die in diesem Monat auslaufende „Operation Twist“, eine Umschichtung des Anleihenbestandes, zu verlängern. Börsianer hatten sich allerdings mehr erhofft. Auch schwache Konjunkturdaten aus China trübten laut Händlern die Stimmung.

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Nach mehreren positiven Handelstagen drücken Gewinnmitnahmen den deutschen Aktienmarkt am Donnerstag ins Minus. Als Belastungsfaktoren sehen Börsianer enttäuschende Daten aus China und die zunehmende Skepsis über eine weitere Lockerung der Geldpolitik in den Vereinigten Staaten und anderswo. Dies belastete auch die Wall Street sowie die asiatischen Börsen und sorgte so für negative Vorgaben. Der Dax gibt um 0,8 Prozent auf 6342 Punkte nach. Für den marktbreiten FAZ-Index geht es um 0,85 Prozent auf 1379 Punkte nach unten.

Die amerikanische Notenbank Fed hat am Mittwochabend mitgeteilt, zur Stützung der schwächelnden Konjunktur ihre „Operation Twist“ auszuweiten. Ein eigentlich bis Ende Juni befristeter Anleihen-Tausch werde bis zum Ende des Jahres fortgesetzt, hieß es. Notenbankchef Ben Bernanke machte auf einer Pressekonferenz zudem klar, dass man angesichts der eingetrübten Konjunkturaussichten zu einer abermaligen quantitativen Lockerung (QE3) bereit sei. Marktstratege David Buik von BGC Partners moniert allerdings, „dass ein Twist vielleicht nicht ausreichen wird“. Bernankes recht vage Aussagen zu einer möglicherweise expansiveren Geldpolitik könnten zu wenig sein und auch zu spät kommen, um die Anleger zu beruhigen.

Zudem warnen die Experten der VP Bank mit Blick auf enttäuschenden Einkaufsmanager-Daten aus China, es sei zweifelhaft, „ob geldpolitische Lockerungen der chinesischen Notenbank im derzeitigen Umfeld überhaupt die gewünschten Erfolge bringen“. Letztlich sei auch die chinesische Notenbank „der Rezession in der Eurozone machtlos ausgeliefert“. Entsprechend richten sich die Blicke der Anleger auf die anstehenden Einkaufsmanager-Indizes aus Frankreich, Deutschland und der Währungszone insgesamt. Zudem versteigert Spanien neue Anleihen. Am Nachmittag könnten dann noch amerikanische Daten wie etwa zum Verbrauchervertrauen Impulse geben.

Zu den größten Verlierern zählen Deutsche Bank mit einem Abschlag von 1,1 Prozent. Der Verkauf der Vermögensverwaltung des Instituts an Guggenheim Partners waren am Mittwoch gescheitert. Gefragt waren defensive Werte, wie Bayer und Merck, die um rund ein halbes Prozent zulegten.

Rentenmarkt stabilisiert sich

Nach zwei sehr verlustreichen Handelstagen stabilisieren sich die Kurse am deutschen Rentenmarkt. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, gewinnt 6 Basispunkte auf 140,55 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future verliert indes 2 Basispunkte auf 125,53 Prozent.

Die Commerzbank rät nach dem jüngsten Ausverkauf von Leerverkäufen des Bund-Future ab. Voraussichtlich schwache Einkaufsmanager-Indizes dürften vielmehr für stabile oder steigende Kurse sorgen. Veröffentlicht werden Einkaufsmanager-Indizes aus Frankreich, Deutschland und der Eurozone.

Euro vor Spanien-Auktion etwas schwächer

Der Euro tendiert am Donnerstag etwas schwächer. Am Morgen kostet die Gemeinschaftswährung 1,2667 Dollar und damit rund einen halben Cent weniger als am Vorabend. Die jüngsten Entscheidungen der amerikanischen Notenbank haben an den Devisenmärkten nur zeitweise für Bewegung gesorgt. Die Fed hatte am Mittwochabend eine geringfügige geldpolitische Lockerung vorgenommen, indem sie die Umschichtung ihres Anleihebestands von kurz- in langlaufende Titel (“Operation Twist“) bis Ende 2012 verlängerte. Zudem senkte sie ihre Wachstumsprognosen spürbar und signalisierte ihre Bereitschaft zu einer stärkeren geldpolitischen Lockerung.

Fundamental dürften die Einkaufsmanagerindizes für den Euroraum starkes Interesse hervorrufen. Spanien wird am Vormittag Anleihen mit Laufzeiten zwischen zwei und fünf Jahren versteigern. Zudem tritt Frankreich mit mehreren Staatspapieren in Erscheinung.

Asiatische Märkte von amerikanischer Notenbank enttäuscht

Die Finanzmärkte in Ostasien reagieren enttäuscht auf die jüngste geldpolitische Entscheidung der amerikanischen Notenbank (Fed). Belastet wird die Stimmung zusätzlich von schwachen Konjunktursignalen aus China. Lediglich in Japan legen die Kurse am Aktienmarkt zu. Hier sorgt die Schwäche des Yen für Käufe.

Mit der Verlängerung der so genannten Operation Twist, bei der kurzfristige gegen langfristige Anleihen mit dem Ziel getauscht werden, die langfristigen Zinsen zu drücken, habe die amerikanische Notenbank lediglich das Minimum dessen geliefert, was der Markt erwartet habe, heißt es. Vielfach erhoffte aggressivere Schritte seien dagegen ausgeblieben. Vor allem im Ölhandel sorgt dies für Enttäuschung. Mit gut 80 Dollar ist der Preis für das Barrel der amerikanischen Sorte WTI auf den niedrigsten Stand seit Oktober gesunken.

An den Börsen der Region, vor allem aber in China, belastet der von HSBC ermittelte vorläufige Einkaufsmanagerindex für China die Indizes. Mit einem vorläufigen Stand von 48,1 nach 48,4 im Vormonat ist er auf den tiefsten Stand seit sieben Monaten gesunken und deutet auf eine anhaltende Abkühlung der Konjunktur hin. Die Börse in Schanghai hat nach Bekanntwerden des Index ihre Verluste ausgebaut und verliert 1,6 Prozent. In Sydney verliert der S&P ASX 200 rund 0,9 Prozent, in Seoul geht es für den Kospi um 1,1 Prozent nach unten.

Die Börse in Tokio tendiert als große Ausnahme freundlich, der Nikkei-Index gewinnt 0,6 Prozent auf 8.806 Punkte. Hier treiben vor allem Käufe exportsensitiver Aktien, nachdem der Yen zum Dollar auch in Reaktion auf die Entscheidung der amerikanischen Notenbank deutlicher nachgegeben hat.

Hoffnung schöpfe der Markt indes aus den jüngsten Aussagen von EZB-Direktoriums-Mitglied Benoit Coeure, heißt es. Demnach könnte die Europäische Zentralbank bei ihrem Treffen Anfang Juli eine Zinssenkung erwägen. Zudem nimmt der Markt die rasche Regierungsbildung in Griechenland zumindest positiv zur Kenntnis.

Die mit dem schwachen HSBC-Index verbundenen Konjunktursorgen belasten an den Börsen die Kurse der zyklischen Aktien. So verlieren in Sydney Fortescue Metals gut 1 Prozent und in Hongkong China Coal Energy fast 3 Prozent. Der deutlich gefallene Ölpreis zieht die Kurse der Ölunternehmen nach unten. Die in Sydney notierten Santos büßen 3 Prozent ein und Cnooc rutschen in Hongkong um 3,4 Prozent ab.

Unter Druck stehen auch chinesische Finanzwerte. Bank of Communications geben um gut 1 Prozent nach, New China Life Insurance um knapp 4 Prozent. In Seoul leiden exportsensitive Aktien unter dem gestiegenen Won. Samsung Electronics und Hyundai Motor kommen um gut 1 Prozent zurück.

An der japanischen Börse gewinnen Nissan Motor knapp 2 Prozent. Der Autohersteller hat angekündigt, seine heimische Produktion um 15 Prozent zu senken, weil die Produktion in Japan zunehmend Wettbewerbsnachteile bringe.

Nachbörsliche Kurse und Meldungen aus Amerika

Knapp behauptet präsentierten sich die Aktienkurse im nachbörslichen amerikanischen Handel am Mittwoch im Vergleich zum regulären Geschäft. Der Nasdaq After Hours Indicator fiel um 0,37 Punkte auf 2622,96 Zähler.

Bed Bath & Beyond gerieten stärker unter Druck. Die Möbelhauskette hatte mit ihrem Ausblick die Erwartungen des Markte enttäuscht. Die außerdem vorgelegten Erstquartalszahlen waren insgesamt im Rahmen der Erwartungen ausgefallen. Bed Bath & Beyond rechnet im zweiten Quartal mit einem Gewinn je Aktie von bis zu 1,03 Dollar, während Analysten im Konsens zuletzt von 1,08 Dollar ausgingen. Der Kurs der Aktie rutschte um 10,6 Prozent auf 65,90 Dollar ab.

Steil nach unten ging es auch für Red Hat. Die Aktie verlor 8,5 Prozent auf 51,15 Dollar. Der Softwarehersteller hatte steigende Quartalsumsätze, aber auch deutlich höhere operative Kosten mitgeteilt. Analysten bemängelten, dass Red Hat, anders wie die Wettbewerber Oracle und Adobe zuvor, nichts zu den Auswirkungen der Schuldenkrise auf die weitere Gewinnentwicklung gesagt habe, obwohl es erste Anzeichen dafür gebe.

Wall Street nach Auf und Ab leicht im Minus

Die Anleger an der Wall Street haben am Mittwoch enttäuscht auf die neue Konjunkturstütze der amerikanischen Notenbank reagiert. Die New Yorker Börsen schlossen nach einem volatilen Handel kaum verändert. „Es herrscht wohl Enttäuschung vor, dass die Fed keine starken Signale für neue geldpolitische Ankündigungen ausgesendet hat“, sagte Fred Dickson von D. A. Davidson & Co Lake Oswego. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab 0,1 Prozent auf 12.824 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,2 Prozent auf 1355 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq trat mit 2939 Punkten auf der Stelle.

Unter den Einzelwerten stand der Konsumgüterriese Procter & Gamble im Blickpunkt. Zum zweiten Mal binnen weniger Monate senkte der Hersteller von Wella-Shampoo und Pampers-Windeln seine Geschäftsprognosen. Die Aktien gaben rund drei Prozent nach. Zu den größten Gewinnern gehörten die Finanzwerte. Citigroup legten 1,2 Prozent zu, Bank of America verteuerten sich um 0,4 Prozent. JPMorgan Chase rückten um gut drei Prozent vor. Das Geldhaus hat einem Fernsehbericht zufolge seine Milliarden-Verluste verursachende Handelsposition größtenteils verkauft. 65 bis 70 Prozent seien veräußert worden, berichtete der Sender CNBC.

Der Softwarehersteller Adobe senkte wegen schwacher Nachfrage in Europa seine Umsatzprognose. Die Papiere fielen um 2,7 Prozent. Erstmals seit knapp zwei Jahren stehen Anteilsscheine der Hamburger-Kette Burger King wieder auf den Kurszetteln. Das Papier legte 3,5 Prozent zu.

Amerikanische Anleihenmärkte zeigen sich uneinheitlich

Die amerikanischen Kreditmärkte haben sich am Mittwoch uneinheitlich präsentiert. Die zehnjährigen Staatsanleihen gaben 6/32 auf 100-30/32 nach. Sie rentierten mit 1,647 Prozent. Die 30-jährigen Bonds kletterten dagegen 8/32 auf 105-19/32 und hatten eine Rendite von 2,723 Prozent. Die Staatsanleihen mit 30-jähriger Laufzeit profitierten von den Konjunkturhilfen der amerikanischen Notenbank. Die Federal Reserve greift der lahmenden Wirtschaft weiter unter die Arme. Sie beschloss, ihre im Juni auslaufende Operation Twist bis zum Jahresende zu verlängern und dafür rund 267 Milliarden Dollar in die Hand zu nehmen. Dabei handelt es sich um eine Umschichtung des Anleiheportfolios, bei der kurzfristige durch langfristige Anleihen ersetzt werden. Durch diesen Schritt kann die Fed die langfristigen Zinsen drücken und so die Wirtschaft ankurbeln.

Quelle: FAZ.NET, dpa-AFX, Reuters, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Dow Jones
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