22.02.2012 · Nach dem Ende der Verhandlungen über das Rettungspaket für Griechenland steht an den europäischen Aktienmärkten die Lage der Unternehmen wieder im Vordergrund.
Mit einer Flut an Zahlen im Fokus tendiert der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag kaum verändert. Der Dax legt 0,1 Prozent auf 6851 Punkte zu. Der marktbreite FAZ-Index gewinnt 0,05 Prozent auf 1525 Zähler.
Mit dem Blick auf die Vorgaben fehle der eindeutige Impuls und der weiter erholte Euro helle die Stimmung im Gesamtmarkt auf, heißt es von Händlern. Bilanzvorlagen, unter anderem von der Commerzbank, der Deutschen Telekom und der Allianz stehen im Fokus. Hinzu kommen im Verlauf der ifo-Geschäftsklimaindex sowie Daten aus den Vereinigten Staaten, wie unter anderem der Ölbericht am Abend, die für Bewegung sorgen könnten. Nach dem beeindruckenden Start der Börsen ins neue Jahr sei es spannend, wie es nun weitergehe, sagt Stratege Stan Shamu von IG Markets. Investoren zögerten immer noch etwas mit Käufen wegen der Unsicherheiten in Europa und Wachstumssorgen in China.
Vor allem Commerzbank sorgen mit einer neuerlichen Kapitalerhöhung durch einen Umtausch von Hybridpapieren in neue Aktien für Gesprächsstoff. Der Aktienkurs fällt um 3,8 Prozent auf 1,991 Euro. Allianz-Aktien tendieren kaum verändert, obwohl Europas größter Versicherer einen deutlichen Gewinnrückgang für das Gesamtjahr 2011 auswies. Die T-Aktien geben um 0,8 Prozent nach. Das Geschäft in den Vereinigten Staaten und Griechenland haben dem Bonner Konzern die Bilanz verhagelt.
Die deutschen Staatsanleihen sind am Donnerstag mit weiteren Kursgewinnen in den Handel gegangen. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, gewinnt 27 Basispunkte auf 138,70 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future 13 Basispunkte auf 125,18 Prozent.
Am Donnerstag stehen wichtige Konjunkturdaten aus Deutschland auf der Agenda. Nachdem sich das ifo-Geschäftsklima in den letzten drei Monaten Zug um Zug verbessert hatte, rechnen Experten mit einer abermaligen Stimmungsaufhellung. Allerdings besteht die Gefahr einer negativen Überraschung: Am Mittwoch waren die ebenfalls stark beachteten Einkaufsmanagerindizes unerwartet schlecht ausgefallen. Darüber hinaus wird die EU-Kommission ihre neuen Wachstumsprognosen veröffentlichen.
Griechenland steht unterdessen vor einer weiteren wichtigen Entscheidung. Dort soll das Parlament über die Einführung sogenannter Umschuldungsklauseln (Collective Action Clauses) abstimmen. Damit soll sichergestellt werden, dass die Umschuldung Athens nicht an einer zu geringen Beteiligung privater Gläubiger scheitert. Das Vorhaben ist jedoch heikel, da es rechtliche und ökonomische Risiken birgt.
Kaum zu Dollar und Yen verändert ist der Euro in den Donnerstag gestartet. „Nach dem das zweite Rettungspaket für Griechenland geschnürt ist, gibt es bislang noch keinen neuen Grund, sich in der einen oder anderen Richtung neu zu positionieren“, erklärt ein Devisenhändler die auf der Stelle tretenden Wechselkurse. Bereits am Vormittag dürfte allerdings der ifo-Geschäftsklimaindex für neue Impulse sorgen.
Aus den Vereinigten Staaten wird am Nachmittag die Entwicklung der Erstanträge auf Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung erwartet. Hier lautet der Volkswirtekonsens auf ein Plus von 7.000 binnen Wochenfrist.
Getrieben von Schnäppchenkäufen hat die Börse in Tokio am Donnerstag frühe Verluste wieder aufgeholt und leicht im Plus geschlossen. Für Unterstützung habe auch ein abermals etwas leichterer Yen zum Dollar gesorgt, hieß es aus dem Handel. Der Nikkei stieg um 0,4 Prozent auf 9.596 Punkte, während der breitere Topix 0,4 Prozent oder auf 829 Punkte gutmachte.
„Zwar fehlt es an positiven Impulsen, dennoch ist das Kaufinteresse ziemlich stark“, sagte ein Analyst von Investrust. „Einige Investoren zielen für das Ende des Fiskaljahres im März die Hochs vom vergangenen Sommer bei rund 10.100 Punkten an“, fügte ein Experte von Chibagin Asset Management hinzu.
Aktien von Wertpapierhandelshäusern zählten zu den stärksten Gewinnern, gestützt von Hoffnungen auf eine anhaltende Markterholung und steigende Handelsumsätze. „Wenn der Handel zurückkehrt, sind sie (die Aktien von Wertpapierhandelshäusern) die Ersten, die gekauft werden“, so ein Händler. Nomura Holdings zogen um 4,2 Prozent auf 376 Yen an, Daiwa Securities Group um 4 Prozent auf 335 Yen.
Takeda Pharmaceutical gewannen nach einer Kurszielanebung durch die Credit Suisse 1,1 Prozent auf 3.600 Yen. Abwärts ging es unterdessen für KDDI (minus 2,1 Prozent auf 507.000 Yen) und NTT (minus 1,1 Prozent auf 3.760 Yen), nachdem Nomura die beiden Werte auf „Neutral“ von „Buy“ abgestuft hatte.
Sorgen über die heimische Konjunktur und globale Unsicherheiten haben die Börse in Schanghai bis zum Donnerstagnachmittag ins negative Territorium rutschen lassen. der Shanghai Composite Index verliert 0,2 Prozent auf 2.399 Punkte, während der HSI in Hongkong mit 1 Prozent Minus auf 21.338 Punkte stärker nachgibt. Angesichts fehlender positiver Impulse würden Gewinne mitgenommen, heißt es im Handel.
„Wir rechnen auf kurze Sicht mit weiteren Gewinnen, zumal die Erwartungen für weitere wachstumsfördernde Politikmaßnahmen im Vorfeld des jährlichen National Kongresses hoch sind. Gewisse Korrekturen sind angesichts der aktuellen ökonomischen Unsicherheiten aber nicht zu vermeiden“, sagte ein Analyst von Central China Securities.
Aktien von Wertpapierhandelshäusern leiden nach den Aufschlägen des Vortages unter Gewinnmitnahmen. China Merchants Securities fallen um 0,8 Prozent auf 11,77 Yuan und Everbright Securities um 0,3 Prozent auf 11,52 Yuan. Immobilienwerte profitieren unterdessen wie schon am Vortag von Hoffnungen auf eine Lockerung der staatlichen Regulierung des Sektors. In Hongkong steigen China Overseas Land um 1 Prozent und China Resources Land um 0,5 Prozent.
Knapp behauptet präsentierten sich die Aktienkurse im nachbörslichen amerikanischen Handel am Mittwoch im Vergleich zum regulären Geschäft. Der Nasdaq After Hours Indicator fiel um 0,78 Punkte auf 2579 Zähler.
Ein mit Enttäuschung aufgenommener Geschäftsbericht von Hewlett-Packard (HP) brachte den Aktienkurs des Technologiekonzerns unter Druck. Hewlett-Packard meldete einen Einbruch des Nettoergebnisses um 44 Prozent auf 1,47 Milliarden Dollar. Dies rangierte unter den Markterwartungen. Auch der Umsatz überzeugte nicht, der Ausblick fiel eher pessimistisch aus. Nach einem ersten Schock erholte sich die Aktie wieder ein wenig und gab insgesamt um 1,3 Prozent auf 28,56 Dollar nach.
Im Gegensatz dazu wartete Vivus mit positiven Schlagzeilen auf. Das Pharmaunternehmen darf auf eine Zulassung eines Mittels zur Gewichtsreduzierung hoffen. Der Kurs stieg um 100 Prozent auf 21,12 Dollar. Ein Ausschuss der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA stimmte mit großer Mehrheit zu Gunsten einer baldigen Zulassung des Diätmedikaments „Qnexa“.
Nach Veröffentlichung eines Ausblicks unter Markterwartung fielen Limited Brands um 3,0 Prozent auf 44,12 Dollar. Der Einzelhändler vertreibt Marken wie „Victoria’s Secret“ und „Bath & Body Works“.
Die steigende Rezessionsgefahr in Europa hat die amerikanischen Börsen am Mittwoch belastet. Der als wichtiger Konjunkturindikator geltende Einkaufsmanagerindex für die Euro-Zone fiel im Februar überraschend unter die Marke von 50 Punkten, ab der Wachstum signalisiert wird. Börsianer fürchteten Auswirkungen auf das Geschäft der amerikanischen Banken und trennten sich von Branchenwerten. „Wir haben es in Europa noch immer mit einer Konjunktur zu tun, die sich verlangsamt. Es ist nun die Frage, wie lange das dauert“, sagte Art Hogan von Lazard Capital in New York. Ein Rückgang der Ausfuhrbestellungen in China belastete ebenfalls den Handel. Die Stimmung hellte sich auch nicht durch eine Erholung des amerikanischen Immobilienmarktes entscheidend auf.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,2 Prozent tiefer bei 12.938 Punkten. Der breiter gefasste Index S&P-500 schloss bei 1357 Stellen, ein Abschlag von 0,3 Prozent. Der
Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,5 Prozent auf 2933 Punkte.
Finanzwerte standen auf den Verkaufszetteln: Papiere von Morgan Stanley gaben 2,8 Prozent und Citigroup rund drei Prozent ab. Die Aktie der Bank of America schloss knapp zwei Prozent tiefer.
Die Technologiebranche stand ebenfalls im Fokus. Der Navigationsgeräte-Hersteller Garmin übertraf im Quartal die Umsatz-Erwartungen. Auch die Prognose für das laufende Geschäftsjahr fiel positiver als die Einschätzungen der Branchenexperten aus. Die Anteilsscheine von Garmin legten mehr als neun Prozent zu. Dell verloren dagegen nach einem Gewinneinbruch 5,8 Prozent.
Die Teilnehmer an den Finanzmärkten haben Mittwoch riskantere Anlagen gemieden. „Seit dem Griechenland-Deal ist der Markt vorsichtig“, sagte Bill O’Donnell von RBS Securities mit Blick auf das Hilfspaket für das südosteuropäische Land. Gestützt wurde das Sentiment durch die schwachen Einkaufsmanagerindizes aus Deutschland und Europa. Zudem hat die Ratingagentur Fitch Griechenland auf „C“ von „CCC“ abgestuft. Zehnjährige Anleihen mit einem Kupon von 2,000 Prozent stiegen um 16/32 auf 99-30/32 und rentierten mit 2,01 Prozent. Der mit 3,125 Prozent verzinste Longbond gewann 1-5/32 auf 99-18/32 und rentiert mit 3,15 Prozent.
Mit den Daten zum Verkauf bestehender Häuser in den Vereinigten Staaten legten die Notierungen der Treasurys noch etwas zu. Eine Versteigerung neuer fünfjähriger Notes verlief unspektakulär. Die Rendite bewegte sich mit 0,9 Prozent im selben Rahmen wie am Sekundärmarkt. Allerdings war die Nachfrage mit einem Bid-to-Cover von 2,89 niedriger als im Schnitt der letzten vier Auktionen (3,02).
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |