Am sogenannten Hexensabbat an den Terminbörsen ist der Dax am Freitag etwas fester in den Handel gestartet. Gestützt auf freundliche Vorgaben aus Übersee lag der deutsche Leitindex im frühen Geschäft mit 0,7 Prozent im Plus bei 6185 Punkten. Auf Wochensicht hat er damit bislang um 0,8 Prozent zugelegt. Der M-Dax stieg am Freitagmorgen um 0,6 Prozent auf 9993 Punkte, und die Technologiewerte im Tec-Dax legten moderat um 0,4 Prozent auf 726 Punkte zu. Der marktbreite FAZ-Index gewann 0,7 Prozent auf 1344 Punkte.
Die freundliche Eröffnung ist nach Ansicht von Analyst Christian Schmidt von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) weitestgehend auf die Kursgewinne an der Wall Street zurückzuführen. Dort habe die Hoffnung auf geldpolitische Maßnahmen der Notenbank Fed gestützt. Später gaben zudem noch Spekulationen Auftrieb, dass sich die globalen Notenbanken auf ein koordiniertes Einschreiten vorbereiten, sofern die Liquidität an den Finanzmärkten in Gefahr gerät. Analysten reagierten jedoch skeptisch auf diese Meldung.
Nicht nur der „Hexensabbat“, an dem im großen Stil Optionen und andere Derivate fällig werden und dadurch Kursbewegungen auslösen können, sondern vor allem auch die steigende Nervosität vor den Wahlen in Griechenland könnten im Verlauf aber für jene Schwankungen sorgen, die den bisherigen Wochenverlauf schon geprägt haben. „Im Vorfeld der griechischen Parlamentswahl am Sonntag werden die Finanzmärkte wohl von Unsicherheit geprägt sein“, sagte Schmidt. Gerüchte besagen, dass die konservative Nea Dimokratia als Favorit in den zweiten Wahlgang gehe. Selbst bei einem Sieg stünde aber weiter die Möglichkeit einer Regierungsbildung infrage.
Deutsche Anleihen kaum verändert zum Handelsauftakt
Die deutschen Staatsanleihen sind zum Wochenausklang kaum verändert in den Handel gegangen. Vor den brisanten Neuwahlen in Griechenland hielten sich die Anleger zurück, hieß es am Markt. Am Morgen notierte der richtungsweisende Euro-Bund-Future bei 141,77 Punkten und verharrte damit etwa auf Vortagsniveau. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, gewinnt 15 Basispunkte auf 102,59 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future verliert 1 Basispunkt auf 99,75 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag zuletzt unverändert bei 1,483 Prozent.
Unmittelbar vor der Wahl in Griechenland sind sich Experten uneins, ob die Bundesanleihen von der gestiegenen Nervosität profitieren können. Bis zur Wochenmitte gerieten die bislang als besonders sicher geltenden Titel gemeinsam mit fast allen anderen Staatspapieren aus der Eurozone auf die Verkaufslisten. Am Donnerstag konnten sie sich dann wieder leicht behaupten. Nach Einschätzung von Sintje Boie, Analystin der HSH-Nordbank, bleibt der deutsche Anleihemarkt als sicherer Hafen bestehen: „Mangels Alternativen ist zumindest auf kurze Sicht nicht mit einer Abkehr der Anleger von Bunds zu rechnen.“ Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) hält weitere Rücksetzer allerdings für möglich: „Offenbar nimmt die Unsicherheit der Marktteilnehmer zu und lässt Investoren wieder verstärkt sichere Anlagen suchen - die jüngsten Zweifel an der deutschen Bonität sind aber noch nicht gänzlich verflogen.“ Technisch bleibe das Umfeld schwierig.
Euro behauptet sich im Plus
Der Euro hat sich unmittelbar vor der brisanten Neuwahl in Griechenland knapp im Plus behauptet. Experten glauben jedoch kaum, dass der jüngste Anflug von Risikoappetit am Devisenmarkt anhalten wird. Nachdem die europäische Gemeinschaftswährung am Freitagmorgen im asiatischen Handel zwischenzeitlich bis nahe an die Marke von 1,26 Dollar fiel, wurde sie zuletzt wieder etwas erholt bei 1,2636 Dollar und damit minimal über Vortagesniveau gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstagmittag auf 1,2551 (Mittwoch: 1,2534) Dollar festgesetzt.
Am Markt kursierten Gerüchte über konzertierte Notfallmaßnahmen, die Notenbanken weltweit vor den griechischen Wahlen am Sonntag vorbereiten, hieß es aus dem Handel. Diese Spekulationen hätten die Risikofreude zuletzt leicht erhöht. Analysten zeigen sich jedoch skeptisch: „Wie schon so oft in den letzten Tagen bleibt uns auch diesmal nicht viel mehr übrig, als darauf hinzuweisen, dass solche Gerüchte wenig glaubhaft sind, da sie erhebliche inhaltliche Schwächen aufweisen“, sagt Commerzbank-Experte Lutz Karpowitz. Natürlich hätten die großen Notenbanken derzeit eine hohe Verantwortung und würden die Entwicklung genau beobachten, so Karpowitz. Allerdings sei zu beachten, dass die Finanzmärkte bereits seit Monaten mit Liquidität überflutet seien. In jedem Fall bleibt das Ereignisrisiko vor den Wahlen hoch. „Der Verbleib des Landes in der Eurozone ist nicht gesichert“, sagt Ralf Umlauf, Experte der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). „Vor diesem Hintergrund wird das Verhalten der Marktteilnehmer wohl von Zurückhaltung geprägt sein.“
Asiatische Aktienmärkte überwiegend freundlich
Die wichtigsten asiatischen Börsen haben am Freitag überwiegend freundlich tendiert. Spekulationen, wonach die weltweiten Notenbanken für den Fall einer erhöhten Liquiditätsgefahr an den Finanzmärkten konzertierte Aktionen vorbereiten, hätten Auftrieb gegeben, hieß es. Der MSCI Asia Apex 50, der die Aktienkurse der 50 größten Unternehmen Asiens exklusive Japan abbildet, stieg zuletzt um 0,4 Prozent auf 764 Punkte. An der Börse in Tokio gab der japanische Leitindex Nikkei 225 seine Gewinne jedoch wieder komplett ab und notierte unverändert bei 8568 Punkten, nachdem die Bank von Japan beschlossen hatte, die geldpolitischen Zügel vorerst nicht noch weiter zu lockern. Die Wirtschaft des Landes zeige Anzeichen eines moderaten Anziehens der Konjunktur, sagte die japanische Zentralbank. Sie belässt die Leitzinsen vorerst bei nahe null.
In China gab der Shenzhen CSI 300 Index, der die Aktien der 300 größten Unternehmen vom chinesischen Festland mit einer Börsennotierung in Shanghai oder Shenzhen enthält, zuletzt um 0,2 Prozent auf 2555 Punkte nach. Der Hang-Seng-Index in Hong Kong legte dagegen mit plus 1,2 Prozent auf 19.031 Punkte deutlich zu. Esprit-Aktien erholten sich wieder nach ihrem drastischen Kursrutsch der beiden Vortage. Südkoreas Kospi-Index sank um 0,6 Prozent auf 1861 Punkte. Hier belasteten vor allem Verkäufe bei den schwergewichteten Samsung-Aktien. Der FTSE Straits Times Index in Singapur gewann 0,6 Prozent auf 2789 Punkte und der indische Sensex in Mumbai rückte um 0,5 Prozent auf 16.764 Punkte vor.
Nachbörse Nyse: Huntsman mit Übernahmespekulation gesucht
Etwas fester präsentierten sich die Aktienkurse im nachbörslichen amerikanischen Handel am Donnerstag im Vergleich zum regulären Geschäft. Der Nasdaq After Hours Indicator stieg um 0,54 Punkte auf 2540,51 Zähler.
In einem relativ ruhigen und ereignislosen Handel haben sich am Donnerstagabend im nachbörslichen amerikanischen Aktiengeschäft Huntsman auffällig gezeigt. Auf nasdaq.com stiegen die Titel des Chemiekonzerns bis 19.59 Uhr Ortszeit um 2,1 Prozent auf 13,23 Dollar und beendeten die nachbörsliche Sitzung damit auf Tageshoch, allerdings war der Kurs zwischenzeitlich bis auf 11,87 Dollar gefallen. Im Handel wurde auf Berichte verwiesen, wonach Bank of America-Merrill Lynch unter Beteiligungsgesellschaften nach Käufern für das Unternehmen sucht. Die Gesellschaft gilt seit Längerem als Übernahmekandidat.
AOL fügten zu ihren Verlusten im regulären Geschäft von 5 Prozent nach der Schlussglocke bis 16.42 Uhr Ortszeit weitere 0,4 Prozent hinzu und sanken auf 25,5 Dollar. Die Aktionäre des Internetmedienkonzerns hatten den Versuch des Hedgetsfonds Starboard Value abgelehnt, den Board mit dessen Vertretern zu besetzen. Die Titel von Nokia erholten sich bis 19.59 Uhr Ortszeit minimal um 0,4 Prozent auf 2,36 Dollar. Im regulären Handel war der Kurs des finnischen Mobiltelefonherstellers um rund 16 Prozent eingebrochen, nachdem der Konzern abermals seine Prognose gesenkt und Massenentlassungen angekündigt hatte.
Amerikas Börsen hoffen auf Notenbanken-Aktion in Hellas-Krise
Wenige Tage vor der entscheidenden Parlamentswahl in Griechenland haben die amerikanischen Börsen zu einer Rally angesetzt. Antrieb erhielten die Kurse durch eine Reuters-Meldung, wonach die wichtigsten Notenbanken der Welt für eine koordinierte Aktion bereitstehen, sollte das Ergebnis der Parlamentswahl in Griechenland zu Kursturbulenzen führen. Andrew Wilkinson von Miller Tabak & Co in New York sagte, zudem spekulierten Anleger auf einen Sieg der Konservativen. Investoren setzten damit in einem sprunghaften Handel auf einen Verbleib des Landes im Euro, sollte sich die grundsätzlich reformwillige Neue Demokratie durchsetzen. Von schwachen Konjunkturdaten zeigte sich die Wall Street weitgehend unbeeindruckt. Die Herabstufung Spaniens belastete jedoch die Kauflaune der Anleger - viele hielten sich zurück. Der Dow Jones Index notierte zuletzt mit einem Plus von 1,2 Prozent bei 12.651 Punkten. Im Handelsverlauf pendelte das Marktbarometer zwischen 12.497 und 12.698 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index schloss bei 1329 Punkten, einem Aufschlag von 1,1 Prozent. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,6 Prozent und ging mit 2836 Punkten aus dem Handel. Der Dax in Frankfurt verlor 0,2 Prozent auf 6138 Zähler.
Von der Konjunkturfront erhielt der Markt keine Unterstützung. Rund 386.000 Amerikaner stellten in der vorigen Woche einen neuen Antrag auf Arbeitslosenhilfe und damit 6000 mehr als zuvor. Experten hatten im Schnitt mit einem Rückgang auf 375.000 gerechnet. Besonders im Fokus standen die in New York notierten Nokia-Aktien. Die Papiere des finnischen Handyriesen, der derzeit mit Stellenabbau und Restrukturierung gegen den kompletten Absturz kämpft, stürzten mehr als 15 Prozent ab. Nokia streicht ein Fünftel seiner Belegschaft. Ein kräftiges Minus musste mit 5,6 Prozent auch der einstige Internet-Star AOL hinnehmen. Aktionäre hatten die acht Mitglieder des Direktoriums wiedergewählt und so dem Hedgefonds Starboard Value eine Niederlage beschert. Der Investor wollte drei Mitglieder aus dem Führungsgremium verdrängen. Im Plus mit 6 Prozent lagen hingegen die Anteilsscheine der Supermarktkette Kroger. Börsianer zeigten sich mit den vorgelegten Quartalszahlen zufrieden.
Amerikanische Anleihen mit knappem Minus bei langen Laufzeiten
Die amerikanischen Anleihen haben am Donnerstag in längeren Laufzeiten ein wenig nachgegeben. Händler verwiesen vor allem auf eine Auktion 30-jähriger Anleihen, für die die Vereinigten Staaten einen Zins auf Rekordtief zahlen mussten. „Die Rendite war äußerst niedrig“, sagte ein Marktbeobachter. Mit freundlich tendierenden Aktienmärkten sei es deshalb kein Wunder, dass die Renditen auch einmal moderat zulegen. Im Fokus hätten aber auch enttäuschende Daten vom amerikanischen Arbeitsmarkt gestanden, die am Aktienmarkt für Rückenwind gesorgt hätten, hieß es. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe waren in der vergangenen Woche unerwartet angestiegen und schürten so abermalige Hoffnung darauf, dass die amerikanische Notenbank Fed bald neue geldpolitische Maßnahmen ergreifen könnte, um die Wirtschaft zu stützen.
Einzig zweijährige Anleihen standen unverändert bei 99 29/32 Punkten. Sie rentierten mit 0,298 Prozent. Fünfjährige Anleihen fielen um 3/32 Punkte auf 99 15/32 Punkte. Sie rentierten mit 0,729 Prozent. Richtungsweisende zehnjährige Anleihen sanken um 9/32 Punkte auf 101 4/32 Punkte. Sie rentierten mit 1,624 Prozent. Longbonds mit einer Laufzeit von dreißig Jahren fielen um 6/32 Punkte auf 105 22/32 Punkte. Sie rentierten mit 2,720 Prozent.
EZB wieder als Retter in der Not ?
Horst Brams (bonzo123)
- 16.06.2012, 22:34 Uhr
