Home
http://www.faz.net/-gv6-10p2e
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Freitag, 10. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Frühaufsteher Verkaufswelle an den Weltbörsen

16.10.2008 ·  Die Aktienkurse stürzen auf breiter Front. Die Verkaufswelle an der Wall Street vom Mittwochabend setzt sich am Morgen in Asien fort. Am Morgen hat sie dann die deutschen Märkte erfasst - der Dax stürzt im frühen Handel um 6 Prozent.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Der deutsche Aktienmarkt dürfte am Donnerstag seine Talfahrt vom Vortag fortsetzen. Der Dax ist im frühen Geschäft um 6,1 Prozent auf 4563 Punkte eingebrochen. Banken und Broker sagten vor Handelseröffnung einen Rückgang des Dax um 7 Prozent auf 4519 Punkte voraus. Schon am Mittwoch schloss der Leitindex der deutschen Börse mit schweren Verlusten - er verlor 6,5 Prozent auf 4861,63 Punkte.

Händlern zufolge spielt der Markt nun hauptsächlich Rezessionssorgen. „Die Daten vom Vortag waren sehr schlecht, was dieses Szenario unterstützt und auch die amerikanischen Börsen nach unten gerissen hat. Aber das Tempo und die Härte, mit der die Märkte abgestraft werden, überrascht schon ein wenig“, sagte ein Börsianer.

Die Vorgaben sind entsprechend negativ: Die Wall Street hatte am Vortag einen der größten Tagesverluste ihrer Geschichte verzeichnet und der Future auf den amerikanischen Leitindex Dow Jones Industrial stand am Morgen um rund 570 Punkte unter seinem Stand zum Xetra-Schluss am Mittwoch. Auch die Börsen in Asien rutschten in die Tiefe - der Nikkei-225-Index brach zeitweise um mehr als 10 Prozent ein.

Anleger fürchten, dass die bisherigen Maßnahmen zur Beilegung der Finanzkrise und Lockerung der Kreditklemme nicht ausreichten, um eine weltweite Abkühlung der Konjunktur abzuwenden. Die Sorgen wurden durch skeptische Äußerungen des amerikanischen Notenbank-Chefs Ben Bernanke über den Zustand der Wirtschaft und schwache Konjunkturdaten zusätzlich angeheizt.

Finanzwerte werden einmal mehr für Gesprächsstoff unter den Börsianern sorgen. Die Schweizer Banken UBS und Credit Suisse erhalten Unterstützung. So hat die Schweizerische Nationalbank mit der UBS eine Grundsatzvereinbarung über die langfristige Finanzierung und geordnete Liquidation von illiquiden Wertpapieren und anderen Aktiva im Wert von höchstens 60 Milliarden Dollar abgeschlossen. Auch die Credit Suisse hat von einer kleinen Investorengruppe Tier-1-Kapital aufgenommen, der bedeutendste Anteil kommt hierbei von der Qatar Holding. Händlern zufolge könnten diese Maßnahmen die Aktien und auch den gesamten Sektor hierzulande etwas stützen.

Auch die Investoren der Deutschen Börse dürften etwas Erleichterung verspüren: Am Vortag kursierten Gerüchte über Probleme des Großaktionärs Atticus. Händler verwiesen nun auf Medienberichte, denen zufolge der Hedge-Fonds die Spekulationen dementiert habe. Dies sollte die Aktie etwas stützen, hieß es am Markt. Zudem will die Deutsche Börse unverändert in allen Zeitzonen der Welt Präsenz zeigen. „Dies gilt ganz besonders für die Wachstumsmärkte in Osteuropa, Nahost und Asien“, wiederholte Vorstandschef Reto Francioni frühere Aussagen.

Die Aktien von Eon werden ebenfalls im Blick stehen. Der Versorger vereinbarte eine Zusammenarbeit mit Abu Dhabi. Auch weitere Energiefirmen besonders aus dem Bereich erneuerbare Energien könnten in Bewegung kommen. Mubadala, eine der wichtigsten staatlichen Investment-Gesellschaften des ölreichen Emirats Abu Dhabi, will in deutsche Firmen aus diesem Bereich einsteigen, berichtet das „Handelsblatt“. Händlern zufolge klingt das zwar leicht positiv, dürfte im aktuell schwachen Marktumfeld den Kursen aber nicht helfen.

Kursgewinne am Rentenmarkt

Die europäischen Anleihemärkte haben im frühen Geschäft von der Unsicherheit an den Aktienmärkten profitiert. Der für den europäischen Rentenhandel richtungweisende Terminkontrakt auf deutsche Bundesanleihen, Bund-Future, legte um 27 Basispunkte auf 114,25 Punkte zu. Damit lag die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen bei 4,08 Prozent, nachdem sie am Mittwoch 4,12 Prozent betragen hatte.

Euro fällt unter 1,34 Dollar

Der Kurs des Euro ist am Donnerstag im frühen Handel deutlich gefallen. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde zeitweise mit 1,3365 amerikanischen Dollar gehandelt. Ein Dollar war 0,7482 Euro wert. Im asiatischen Handel hatte der Euro noch über 1,35 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwoch noch auf 1,3625 (Dienstag: 1,3752) Dollar festgesetzt.

Die erneute Unsicherheit an den Finanzmärkten und die massiven Kursverluste an den Aktienmärkten hätten den Euro belastet, sagten Händler. Viele amerikanische Anleger würden in diesem Umfeld Geld aus dem Ausland abziehen und in die Vereinigten Staaten transferieren. Schwache Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten hatten am Mittwoch Rezessionsängste verstärkt.

Ölpreise nach Talfahrt weiter gefallen

Die Ölpreise sind am Donnerstag nach der Talfahrt am Vortag im asiatischen Handel weiter gefallen. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im November sank auf 73,25 Dollar. Das sind 1,29 Dollar weniger als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im November fiel um 1,17 Dollar auf 69,63 Dollar.

Die sich verschärfenden Rezessionsängste hätten die Ölpreise belastet, sagten Händler. Bereits am Mittwoch hatten schwache Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten sowie ein trübe ausgefallener Konjunkturbericht der amerikanischen Regierung (Beige Book) den Ölpreis stark belastet. Der amerikanische Ölpreis war am Mittwoch um mehr als 4 Dollar gesunken. Die Folgen der Finanzmarktkrise machten sich zunehmend in der Realwirtschaft bemerkbar und dämpften auch die Nachfrage nach Rohöl, sagten Händler.

Rezessionsängste lassen Börse Tokio einbrechen

Dem erneuten Einbruch der amerikanischen Börsen hat auch den Tokioter Aktienmarkt am Donnerstag wieder auf einen Sturzflug geschickt. Am Markt herrschte die Sorge, dass die weltweiten Rettungspakete für die Finanzbranche nicht ausreichten, um eine schwere Rezession zu verhindern. Der Nikkei-Index der 225 führenden Werte stürzte im Verlauf um 11,4 Prozent auf 8458 Punkte ab. Damit lag er nur knapp unter dem höchsten Tagesverlust seit 21 Jahren, den er am Freitag erlitten hatte. Der breiter gefasste Topix-Index fiel um 9,5 Prozent auf 865 Zähler.

„Tokio folgt den Vorgaben aus New York“, sagte Börsenexperte Hideyuki Ishiguro von Okasan Securities. „Die Anleger werfen Aktien in großen Mengen auf den Markt.“ Man müsse von Panikverkäufen sprechen. Exportwerte wie Toyota litten zusätzlich unter einem stärkeren Yen. Die Aktie des Autogiganten büßte mehr als 6 Prozent ein. Die Papiere des Elektronikriesen Sony verloren zeitweise knapp 10 Prozent.

Die Furcht vor den Folgen der Finanzkrise hatte den Nikkei in der vergangenen Woche 24 Prozent stürzen lassen. Allein am Freitag erlitt der Leitindex mit einem Minus von knapp 10 Prozent den größten Tagesverlust seit rund 21 Jahren. Nach den weltweiten Rettungspaketen vom Wochenende hatte der Nikkei dann am Dienstag mit einem Kurssprung von mehr als 14 Prozent den größten Tagesgewinn seiner fast 60-jährigen Geschichte erzielt.

Asiatische Börsen im Sog der Wall Street

Nicht nur die Börse in Tokio auch viele andere asiatische Aktienmärkte gingen am Donnerstagvormittag im Sog der Wall Street auf Talfahrt.

Der Kospi-Index in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul fiel im Verlauf um 9,4 Prozent auf 1214 Punkte. Ein Analyst, den die nationale Nachrichtenagentur Yonhap zitierte, sprach von „Panik“ im Markt. Es machten sich Befürchtungen breit, dass es zu einer weltweiten Rezession kommen könne. Verluste im zweistelligen Prozentbereich gab es im Stahlsektor, bei Finanztiteln und in der Werftindustrie.

In Hongkong verlor der Hang Seng-Index um 7,4 Prozent auf 14.815 Punkte. Auch dort ging die Angst vor einer weltweiten Rezession um.

An der Börse in Singapur verlor der Straits-Times-Index 6,8 Prozent auf 1920 Punkte. Angesichts sinkender Rohstoffpreise gaben insbesondere Rohstoffwerte nach. Auch Immobilientitel sowie solche mit China-Bezug zeigen sich schwach. Der Subindex für chinesische Werte verlor zeitweise mehr als 8 Prozent.

eBay nachbörslich schwächer

Die Aktienkurse haben am Mittwochabend auch im nachbörslichen Handel in New York ihren Kurssturz fortgesetzt. Der Nasdaq-100 After Hours Indicator fiel um 1,15 Prozent auf 1229,9 Punkte.

Die Aktien der Internet-Verkaufsplattform eBay gerieten nachbörslich unter Druck. Das Unternehmen hat im dritten Quartal zwar die Gewinnzone erreicht, doch zugleich die Prognosen für Umsatz und Gewinn im vierten Quartal gesenkt. Diese liegen nun unter den Analystenschätzungen. Die Aktie fiel um 4 Prozent auf 14,85 Dollar.

Der Quartalsgewinn von Xilinx sank auf 0,29 Dollar je Aktie. Darin sind Sonderbelastungen von 0,09 Dollar enthalten. Analysten hatten 0,36 Dollar Gewinn erwartet. Das Papier des Chipherstellers verteuerte sich nachbörslich um 2,5 Prozent auf 19,98 Dollar.

Novellus kamen um 4 Prozent auf 13,90 Dollar zurück, nachdem das Softwareunternehmen im Anschluss an die Bekanntgabe der Drittquartalszahlen von einem „völlig unvorhersagbaren“ Sektorausblick gesprochen hatte. Der Gewinn von Novellus im Berichtsquartal war um 97 Prozent zurückgegangen.

Die Unternehmensleitung von Steel Dynamics prognostizierte für das vierte Quartal „deutlich niedrigere“ Stahllieferungen und zog die bisherige Gesamtjahresprognose zurück, ohne eine neue zu geben. Die Notierung stieg dennoch leicht um 0,1 Prozent auf 7,40 Dollar.

Schwerster Kurssturz an der Wall Street seit 1987

Verschärfte Rezessionsängste haben den amerikanischen Börsen zur Wochenmitte neue dramatische Verluste beschert. Die Wall Street erlebte ihren schlimmsten Tag seit dem Börsencrash im Oktober 1987.

Die Finanzkrise greift immer mehr auf die amerikanische Gesamtwirtschaft über. Der Ölpreis notierte wegen der sinkenden Nachfrage so tief wie seit mehr als einem Jahr nicht. Selbst teils überraschend gute Unternehmensergebnisse konnten den Kursverfall nicht stoppen.

Die Verluste der Leitindizes vom Mittwoch zählen mit zu den höchsten ihrer Geschichte: Der Dow-Jones-Index stürzte um mehr als 733 Punkte oder 7,9 Prozent auf 8577,91 Punkte. Der S&P-500-Index brach um 9 Prozent auf 907,84 Punkte ein. Der Nasdaq-Index verlor 8,5 Prozent auf 1628,33 Punkte.

Der Ausverkauf hatte sich zum Handelsschluss nochmals drastisch beschleunigt. Die Euphorie mit Rekordgewinnen zum Wochenstart schlug wieder in blankes Entsetzen um. Gleich eine ganze Reihe neuer Wirtschaftsdaten erschreckte die Anleger. „Die amerikanische Wirtschaft scheint in der Tat in einer Rezession zu sein“, sagte die Chefin der regionalen Notenbank von San Francisco, Janet Yellen. Die Einzelhandelsumsätze im September sanken stärker als geschätzt und lassen ein schlechtes Weihnachtsgeschäft erwarten.

Die schweren Kursstürze mit Verlusten von mehr als zehn Prozent bei vielen Werten zogen sich quer durch alle Branchen. Für schwache Lichtblicke sorgten allenfalls Einzeltitel nach positiven Quartalszahlen, doch selbst sie konnten sich nicht dem Abwärtssog entziehen und büßten am Ende vielfach ihr Tagesplus wieder ein.
Spitzenreiter im Dow-Jones war als einziger Gewinner Coca-Cola (plus 1,1 Prozent). Beim weltgrößten Softdrink-Hersteller sprudelte der Überschuss dank eines starken Auslandsgeschäfts.

Die zwei Großbanken J.P. Morgan Chase (minus 5,5 Prozent) und Wells Fargo (minus 0,5 Prozent) haben die Märkte trotz der schweren Finanzkrise mit unerwartet deutlichen Gewinnen überrascht.

Der weltgrößte Computerchip-Hersteller Intel (minus 5,9 Prozent) erzielte einen kräftigen Ergebnissprung. Auf den Rest des Jahres blickt der Branchenführer indes mit gemischten Gefühlen.

Die Fluggesellschaften American Airlines (minus 0,1 Prozent) und Delta (plus 1,2 Prozent) kämpfen weiter mit hohen Treibstoffkosten; die sinkenden Ölpreise ließen Anleger aber auf Entspannung hoffen.
Der Preis für Rohöl fiel zum Schluss des Parketthandels in New York auf 74,54 Dollar je Barrel (159 Liter) und damit erstmals seit August 2007 unter 75 Dollar.

Amerikanische Anleihen freundlich

Wieder aufgefrischte Konjunktursorgen haben am Mittwoch die Notierungen der amerikanischen Anleihen gestützt. Zehnjährige Anleihen mit einem Kupon von 4,00 Prozent gewannen 24/32 auf 100-4/32 und rentierten mit 3,98 Prozent. Der mit 4,50 Prozent verzinste dreißigjährige Longbond gewann 27/32 auf 104-20/32 und rentierte mit 4,22 Prozent.

Angesichts der offensichtlichen Konjunkturschwäche konnten die Anleihen ihren Status als sicherer Hafen ausspielen. Die amerikanischen Einzelhandelsumsätze sanken im September gegenüber dem Vormonat um 1,2 Prozent, wogegen Volkswirte lediglich einen Rückgang von 0,7 Prozent erwartet hatten. Es war der stärkste Rückgang in den letzten drei Jahren. Der Index für die allgemeine Geschäftstätigkeit im verarbeitenden Gewerbe des Distrikts New York sank im Oktober auf das Rekordtief von minus 24,62 und komplettierte damit das düstere Konjunkturbild.

Die jüngste Euphorie über die staatlichen Rettungsaktionen für das Finanzsystem geriet damit in den Schatten neuen Konjunktursorgen. Fed-Chairman Bernanke stützte diese Sicht, indem er darauf verwies, dass mit einer Stabilisierung des Finanzmarkts noch keine konjunkturelle Erholung einhergehen werde. Auch das Beige Book berichtete von einem sich abschwächenden konjunkturellen Umfeld.

Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Dow Jones, Bloomberg, Reuters, dpa-AFX, F.A.Z.

Den Frühaufsteher können Sie auch als kostenlosen Newsletter bestellen

Quelle:
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
09.02.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.788,80 +0,59%
 OK
10.02.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.788,80 +0,59%
FAZ-INDEX 1.515,08 +0,60%
TecDAX 773,23 −0,05%
MDAX 10.356,30 +0,39%
SDAX 5.020,58 +1,11%
REX 421,13 +0,02%
Eurostoxx 50 2.522,34 +0,37%
F.A.Z. EURO INDEX 81,31 +0,42%
Dow Jones 12.890,50 +0,05%
Nasdaq 100 2.563,93 +0,72%
S&P500 1.351,95 +0,15%
Nikkei225 9.002,24 −0,15%
EUR/USD 1,3275 −0,06%
Rohöl Brent Crude 118,69 $ +0,71%
Gold 1.748,00 $ +0,11%
Bund Future 137,23 € −0,37%