19.09.2008 · Der deutsche Aktienmarkt tendiert am Freitag im frühen Handel sehr fest. Besonders gefragt sind europaweit die Finanzwerte. Die Aktien der Deutschen Bank stiegen zunächst um 20 Prozent, die der Commerzbank um 17 Prozent.
Die Erleichterung über die für das Wochenende avisierten Gespräche von amerikanische Regierung und Federal Reserve über die Einrichtung einer „Bad Bank“ zur Abwicklung problematischer Wertpapiere hat den deutschen Aktienmarkt mit kräftigen Kursgewinnen in den Freitag starten lassen. „Davon sind viele auf dem falschen Fuß erwischt worden und müssen jetzt ihre Short-Positionen eindecken“, sagt ein Händler. Darüber hinaus wird die Aufwärtsbewegung durch den großen Verfall an der Terminbörse Eurex noch weiter verstärkt.
Besonders kräftig fallen die Kursgewinne bei den deutschen Finanzwerten aus, die nahezu durch die Bank prozentual zweistellig im Plus notieren. Im europäischen Vergleich sind die Aufschläge bei den zuvor arg gebeutelten britischen Banken jedoch noch außergewöhnlicher: Hier liegen die Gewinne angesichts der Unsicherheit über eingeschränkte Möglichkeiten zu Leerverkäufen in der Spitze bei über 60 Prozent. Deutliche Abschläge weisen nach der von vielen Marktteilnehmern als „irrsinnig“ bezeichneten Short-Squeeze-Rally vom Vortag hingegen VW auf.
Wie außergewöhnlich heftig die Kursausschläge zu Beginn der Sitzung zum Wochenausklang ausgefallen sind, zeigt, dass sich mit VW, BMW, Commerzbank und Deutsche Börse gleich vier Werte in der Vola-Unterbrechnung befunden haben.
Bis 9.40 Uhr steigt der Dax um 3,7 Prozent oder 219 Punkte auf 6.038, nachdem er zur Eröffnung bereits bis auf 6.139 Punkte gesprungen war. Auf Widerstand trifft das Kursbarometer im Bereich von 6.160 Zählern, unterstützt ist der Dax auf dem Niveau von 6.000 Stellen. In der zweiten Reihe fallen die Aufschläge noch deutlicher aus. Hier geht es für den MDax um 4,9 Prozent oder 361 Punkte auf 7.781 nach oben. Der TecDax steigt um 4,3 Prozent oder 30 Stellen auf 743.
Größter Gewinner unter den Standardwerten sind Commerzbank, die sich um 14,6 Prozent auf 15,15 Euro verteuern, im Tageshoch jedoch schon die 16,42 Euro gesehen haben. Deutsche Börse ziehen um 12,5 Prozent auf 71,37 Euro an, für Deutsche Bank geht es um 12,4 Prozent auf 56,52 Euro nach oben. VW verlieren hingegen 4,3 Prozent auf 291,20 Euro, Continental geben um 0,7 Prozent auf 70,50 Euro nach. Im MDax sind ProSiebenSat.1 mit einem Plus von 15,4 Prozent auf 5,48 Euro größter Gewinner. In den vorangegangenen Tagen hatte die Senderkette angesichts von Sorgen um zunehmende Probleme bei der Refinanzierung von Krediten kräftige Abschläge verzeichnet.
Deutscher Rentenmarkt tendiert schwächer
Am deutschen Rentenmarkt rechnen Experten am Freitag mit einer knapp behaupteten Tendenz. Das von der amerikanische Regierung geplante Rettungspaket für in Bedrängnis stehende Banken sollte die Flucht in Staatsanleihen dämpfen, heißt es im Morgenkommentar der HSH Nordbank. Angesichts der schweren Finanzmarktkrise erwägt die amerikanische Regierung Medienberichten zufolge eine Auffanglösung für notleidende Vermögenswerte der Finanzbranche. Den richtungsweisende Euro-Bund-Future sieht die HSH Nordbank im Tagesverlauf zwischen 114,70 und 115,70 Punkten. Im frühen Handel liegt der Bund-Future mit einem Minus von110 Stellen bei 114,18 Prozent und damit deutlicher unter den Erwartungen der Bank. Sie scheint die Volatilität des Marktes unterschätzt zu haben.
Dollar tendiert wieder fester
Der Kurs des Euro ist am Freitag nach Bekanntwerden eines von der amerikanische Regierung geplanten Rettungspakets für die Finanzbranche deutlich gesunken. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete am Morgen 1,4190 Dollar und damit rund zwei Cent weniger als am Vorabend. Ein Dollar war 0,7047 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstagmittag noch auf 1,4502 (Mittwoch: 1,4224) Dollar festgesetzt. Angesichts der schweren Finanzmarktkrise arbeitet die amerikanische Regierung zusammen mit der Notenbank an einer Lösung für notleidende Vermögenswerte der Finanzbranche. amerikanische Finanzminister Henry Paulson bestätigte entsprechende Medienberichte. Von fundamentaler Seite sollte der Devisenhandel am Freitag mangels Konjunkturdaten kaum Impulse erhalten.
Aktien in Tokio schließen sehr fest
Wie bereits an den amerikanische Börsen am Vorabend hat auch in Tokio die Meldung, wonach die amerikanische Regierung zur Beendigung der Finanzkrise eine Behörde schaffen will, die illiquide Hypothekenpapiere übernehmen soll um sie aus den Bilanzen der Finanzunternehmen zu entfernen, am Freitag für eine massive Erholungsbewegung nach den jüngsten Verlusten gesorgt. Der Nikkei-225-Index gewann 3,8 Prozent oder 432 Punkte auf 11.921, der Topix legte um 4,7 Prozent oder 51 Zähler auf 1.149 zu. Händler begründeten dies auch mit massiven Eindeckungen von Leerverkaufspositionen.
Neben dem Rettungsplan habe auch die konzertierte Aktion diverser Notenbanken vom Vortag zur Versorgung der Märkte mit Liquidität für neue Zuversicht am Markt gesorgt, so Beobachter. „Für den Moment sind die Anleger von den jüngsten Entwicklungen über eine internationale Kooperation ermutigt“, so ein Teilnehmer. „Einige Pensionsfonds scheinen zu kaufen“, sagte ein Experte von Tokai Tokyo Securities. Ob sich der Index weiter erholen könne dürfte auch von der Entwicklung des Dollar zum Yen abhängen, ergänzte er. Sollte sich der Dollar weiter erholen dürfte das Technologieaktien und anderen exportsensitiven Werten zugute kommen.
Unter den Exportwerten gewannen Toyota Motor 6,1 Prozent auf 4.720 Yen und Honda 5,4 Prozent auf 3.330 Yen. Canon zogen um 8,1 Prozent an auf 4.260 Yen und Sony um 3,1 Prozent auf 3.370 Yen. Advantest verbesserten sich um 11,4 Prozent auf 2.580 Yen und Tokyo Electron um 4,3 Prozent auf 5.800 Yen. Beide hätten Rückenwind von dem deutlich gestiegenen Halbleiterindex in den Vereinigten Staaten erhalten, nachdem sie zuletzt stark unter Druck gestanden hätten, hieß es.
Angeführt wurden die Gewinnerlisten aber von den zuletzt am stärksten gebeutelten Banken- und Versicherungsaktien. „Hier gibt es viel Raum für Shorteindeckungen“, erklärte ein Experte. Mizuho Financial Group verteuerten sich um 12,6 Prozent auf 447.000 Yen, Mitsubishi UFJ Financial Group erholten sich um 11,5 Prozent auf 862 Yen und Sompo Japan um 12 Prozent auf 925 Yen.
Stark gesucht waren auch Aktien von Reedereien, die zusätzlich vom dritten Anstieg in Folge des für das Frachtgeschäft wichtigen Baltic Dry Index profitierten. Teilnehmer warnten gleichwohl, die weltweite Konjunktur müsse erst Zeichen der Besserung signalisieren, bevor für das Frachtgeschäft nachhaltige Entwarnung gegeben werden könne. Mitsui O.S.K. Lines gewannen 10,1 Prozent auf 1.091 Yen, Nippon Yusen 9,9 Prozent auf 802 Yen und Kawasaki Kisen Kaisha 10,5 Prozent auf 755 Yen. Gegen den Trend gaben Seiko Epson leicht nach um 0,4 Prozent auf 2.585 Yen, belastet von einer Abstufung durch Goldman Sachs auf „Sell“ von „Neutral“.
Erholungsrally in Hongkong
Eine Erholungsrally erlebt die Börse in Hongkong am Freitag, nachdem Berichte über einen Rettungsplan der amerikanische Regierung für den in der Krise steckenden Finanzsektor schon die Kurse an den amerikanische Börsen massiv nach oben getrieben hatten. Auch die deutlichen Kursgewinnen an den chinesischen Börsen trieben den Index, heißt es. Zum Ende der ersten Handelshälfte steht der HSI 6,5 Prozent oder 1.147 Punkte höher bei 18.779 bei einem hohen Umsatz von 62,18 Milliarden Hongkong-Dollar. Händler berichten von neuer Zuversicht unter den Akteuren und von Eindeckungen von Leerverkaufspositionen. Sollte es dem Index gelingen, die technisch wichtige Marke von 19.300 Punkten zurückzuerobern, dann seien kurzfristig auch wieder 20.000 Punkte erreichbar, so ein Teilnehmer. Kurzfristig dürfte die weiter schwelende amerikanische Finanzkrise aber dessen ungeachtet für anhaltende Volatilität sorgen. ICBC schießen um 14,2 Prozent nach oben, China Construction Bank um 13,6 Prozent und Bank of China um 10,8 Prozent. Diese drei Titel profitierten zusätzlich von Berichten, wonach Central Huijin Investment, eine Tochter des staatlichen Vermögensfonds, die bereits Aktionär bei den drei Banken ist, ihre Anteile dort ausbauen will, um den Gesamtmarkt zu stützen.
Aktien in Singapur zeigen sich mittags deutlich erholt
Berichte vom Vorabend über einen Rettungsplan der amerikanische Regierung für den amerikanische Finanzsektor durch die Schaffung einer Behörde, die illiquide Hypothekenpapiere, die stark an Wert eingebüßt haben, übernehmen soll, sorgen am Freitag an der Börse in Singapur für eine deutliche Erholung. Gestützt werde die Stimmung daneben von neuen Maßnahmen Chinas zur Stabilisierung der Aktienmärkte, wie der Abschaffung der Stempelgebühr beim Kauf von Aktien. Hiervon profitierten besonders so genannte S-Aktien. Der STI steht zum Ende der ersten Handelshälfte 4,2 Prozent höher bei 2.521 Punkten, wobei auf einen Kursverlierer drei Gewinner kommen. Der nächste Widerstand liege bei 2.550 Punkten, heißt es aus technischer Sicht. „Weitere Details zu dem Rettungsplan werden nötig sein, um die Erholung nachhaltig zu machen“, heißt es bei DBS Vickers. Bei 2.300 Punkten scheine der STI dessen ungeachtet aber einen Boden gefunden zu haben. Größte Gewinner unter den Blue Chips sind NOL (+10,8 Prozent), Noble Group (+10,6 Prozent) und Sembcorp Marine (+8,6 Prozent). Unter den S-Aktien, Papieren von in Singapur notierten chinesischen Unternehmen, legen Yanlord Land um 20,4 Prozent zu und Cosco um 9,6 Prozent.
Nachbörslich ging es an der Wall Street nur noch leicht nach oben
Etwas fester tendierten sich die amerikanischen Aktienkurse am Donnerstag nach Schluss der kurzfristigen Erholungsrally. Der Index Nasdaq-100 After Hours Indicator stieg um 0,17 Prozent auf 1.700,32 Punkte.
Die Aktien von Oracle haben sich am Donnerstag im nachbörslichen amerikanischen Handel nach der Vorlage der Erstquartalszahlen des Softwareunternehmens deutlich fester gezeigt. Der Kurs stieg um 6,4 Prozent auf 19,95 Dollar. Oracle hatte einen Nettogewinnanstieg von 28 Prozent berichtet und lag damit über den Erwartungen des Marktes, während der Umsatz etwas hinter den Prognosen zurückblieb, wie Händler sagten. Das Unternehmen rechnet zudem mit keinen negativen Auswirkungen auf das eigene Geschäft von der gegenwärtigen Finanzkrise. Die Papiere von Palm rutschten dagegen um 9,3 Prozent ab auf 7,69 Dollar, nachdem sich hier der Verlust im ersten Geschäftsquartal trotz höherer Smartphone-Umsätze erhöht hatte. Unter den zuletzt im Fokus stehenden Finanzwerten zogen die Aktien von Morgan Stanley nachbörslich weiter um 10,6 Prozent auf 24,95 Dollar und Goldman Sachs um 10,1 Prozent auf 119,01 Dollar an.
Wall Street schließt nach Meldung um Rettungspläne sehr fest
Die Wall Street hat am Donnerstag auf Berichte um einen Rettungsplan für die stark angeschlagenen Finanzinstitute im späten Handel ein Kursfeuerwerk hingelegt und sehr fest geschlossen. Allein in der letzten Handelsstunde schoss der Dow-Jones-Index um rund 290 Punkte in die Höhe, nachdem Meldungen die Runde machten, amerikanische Finanzminister Henry Paulson plane den Aufbau eines Instituts zum Aufkauf stark im Wert gefallener Assets. Zudem wurden die Kurse von Plänen zur Ausweitung des Verbots von Leerverkäufen gestützt, wie es aus dem Handel hieß.
Der Dow Jones Industrial DJIA legte vor diesem Hintergrund um 3,9 Prozent oder 410 Punkte auf 11.020 zu. Der S&P-500 kletterte um 4,3 Prozent oder 50 Zähler auf 1.206 und der Nasdaq-Composite um 4,8 Prozent oder 100 Punkte auf 2.199. Die Pläne zum Aufkauf von praktisch wertlosen Assets sind genau das, was der Markt hören wollte“, kommentierte ein Händler die zu Handelsende noch vagen Meldungen. Im frühen Handel wurde die Wall Street noch von der konzertierten Aktion der weltweit größten Notenbanken gestützt, die am Donnerstagmorgen Liquidität in Milliarden-Höhe in den Dollar-Geldmarkt gepumpt haben.
Im Blickpunkt stand am Berichtstag einmal mehr der „Wackelkandidat“ Morgan Stanley. Die Aktie ging am Ende mit einem Aufschlag von 3,7 Prozent auf 22,55 Dollar aus dem Handel. Hier scheine das Leerverkaufs-Verbot langsam seine Wirkung zu zeigen, mutmaßte ein Händler. Zudem hätte die Aktie von den Plänen Paulsons profitiert. Zuvor hatten zahlreiche Händler auf fallende Kurse gewettet und die Aktie so zeitweise um 45 Prozent ins Minus gedrückt.
Auch die Bankentitel im DJIA rallierten. An der Spitze gewannen AIG 28,7 Prozent auf 2,69 Dollar, gefolgt von Citigroup mit einem Aufschlag von 21 Prozent. Auch Goldman Sachs schafften es ins Plus und schlossen bei 108 Dollar um 5,7 Prozent fester.
Amerikanische Anleihen schließen schwach
Nach einer volatilen Handelssitzung zeigen sich amerikanische Staatsanleihen am späten Donnerstagabend im New Yorker Handel deutlich schwächer. Zehnjährige Titel mit einem Kupon von 4,00 Prozent verloren 1-7/32 auf 103-21/32 und rentierten mit 3,56 Prozent. Der mit 4,50 Prozent verzinste 30-jährige Staatsanleihe rutschte um 2-1/32 ab auf 105-8/32. Seine Rendite lag bei 4,19 Prozent. Meldungen um einen Rettungsplan des amerikanische Finanzministeriums für in Not geratene Banken befeuerten im späten Handel die Notierungen an der Wall Street und lasteten auf den amerikanische Treasuries. So plant amerikanische Finanzminister Henry Paulson offenbar die Gründung eines Instituts, welches Banken ihre stark im Wert gefallenen Assets abkauft, wie der TV-Sender „CNBC“ berichtete.
Kräftige Gewinne auch an lateinamerikanischen Börsen
Auch an den größeren lateinamerikanischen Börsen gab es am Donnerstag teils kräftige Gewinne. Im brasilianischen Sao Paulo schoss der Bovespa-Index 2514,24 Zähler (5,48 Prozent) auf 48 422,75 Punkte in die Höhe. Der IPC-Index in Mexiko-Stadt stieg um 1121,06 Zähler (4,78 Prozent) auf 24 571,90 Punkte. Und in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires verbesserte sich der Merval-Index um 16,09 Zähler (1,08 Prozent) auf 1508,07 Punkte.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |