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Frühaufsteher Aktienmarkt zwischen Erleichterung und neuen Sorgen

17.09.2008 ·  Nach anfänglicher Erholung als Reaktion auf die vorläufige Rettung des amerikanischen Versicherers AIG ist der Dax am Mittwoch zeitweise deutlich ins Minus gerutscht und schwankt heftig um seinen Vortagesschluss.

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Nach anfänglicher Erholung als Reaktion auf die vorläufige Rettung des amerikanischen Versicherers American International Group (AIG) ist der Dax am Mittwochvormittag zeitweise deutlich ins Minus gedreht und bis auf 5.912 Punkte gefallen und schwankt heftig um seinen Vortagesschluss.

„Der Markt ist extrem nervös“, sagt ein Börsianer. Händler begründen die hohe Volatilität mit neuen Sorgen im Zuge der Finanzkrise. „Es gibt Spekulationen, dass HBOS die nächsten sind, die ins Straucheln geraten“, sagt ein Händler. Die Gerüchte gingen sogar bis zu einem drohenden Aus der britischen Großbank. Es würden massiv Anlegergelder abgezogen, ergänzt ein anderer Börsianer. Institutionelle Investoren wollen keinen zweiten Kollaps wie den von Lehman Brothers erleben. Die drohende Gefahr sei groß: HBOS habe Risiko aus mit amerikanischen Hypothekenkrediten gedeckten Wertpapiere (Asset Backed Securities/ABS) in Höhe von 38 Milliarden Euro. „Hoffentlich geht das gut“, so der Börsianer.

Renten-Futures tendieren fester

Fester tendieren darob die deutschen Renten-Futures. Der Kurs des Dezember-Kontrakt des Bund-Futures steigt um 28 Basispunkte auf 115,18 Prozent, der Bobl-Future gewinnt gleichfalls 28 Basispunkte auf 109,58 Prozent. Der Bund werde aktuell noch von der 115 Prozent-Marke gestützt, danach erst bei 114,60 Prozent. Ein sehr kräftiger Widerstand liege bei 115,50 Prozent.

Yen kommt nach AIG-Rettung unter Druck

Mit deutlichen Abschlägen sowohl gegen den Dollar als auch gegen den Euro präsentiert sich der Yen beim Übergang in den europäisch geprägten Handel am Mittwochmorgen. Die Nachricht, dass die amerikanischen Regierung über ein Rettungspaket von 85 Milliarden Dollar dem angeschlagenen Versicherungskonzern AIG unter die Arme greift, hat die japanische Währung belastet.

Für den Yen, der in den vergangenen Tagen stark von den dramatischen Turbulenzen an den Finanzmärkten und der damit gestiegenen Risikoaversion profitieren konnte, geht es vor allem gegen den Greenback nach unten. Die Kreditlinie an AIG überschattet die Leitzinsentscheidung der Federal Reserve vom Vorabend. Überraschend hatte die amerikanischen Notenbank den Leitzins bei 2 Prozent bestätigt.

Im Vorfeld der Entscheidung wurde an den Geldmärkten mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 80 Prozent eingepreist, dass die Federal Reserve die Zinsen um 25 Basispunkte senken würde, um die angeschlagenen Finanzmärkte zu stützen. Die Entscheidung sollte den Dollar zusätzlich stützen, obgleich sich die amerikanische Währung gegenüber dem Euro wenig verändert zeigt.

Nachdem die europäische Gemeinschaftswährung nach Bekanntwerden der Rettung durch die amerikanischen Notenbank zunächst fester tendierte, kostete sie am Mittwochmorgen mit 1,4170 amerikanischen Dollar wieder soviel wie am Vorabend.

Teilnehmer verweisen auf die große Unsicherheit an den Finanzmärkten. Es sei vollkommen unklar, inwieweit die Rettungsaktion von AIG die Märkte nachhaltig stützen könne.

Aktienkurse in Tokio schließen fest

Fester haben die Aktien an der Börse in Tokio am Mittwoch geschlossen, nachdem die Entscheidung der Federal Reserve, die AIG zu retten, den Markt gestützt hat. Allerdings wurden die Gewinne im späten Handel zu einem großen Teil wieder abgegeben, nachdem Sorgen wegen des amerikanischen Finanzsystems den Markt wieder belasteten. Der Nikkei gewann 1,2 Prozent oder 140 Punkte auf 11.750. Der Topix stieg um 0,4 Prozent oder 4 Punkte auf 1.121.

Die Meldung, dass die amerikanischen Notenbank der AIG 85 Milliarden Dollar zur Verfügung stellt, hatte deutliche Kursanstiege nach Shorteindeckungen zur Folge. Die Entscheidung bereite der absoluten Konfusion im amerikanischen Finanzsystem zumindest zeitweise ein Ende, so ein Händler. Aktien von Sachversicherern zeigten sich mit den Meldungen um AIG im Aufwind. So gewannen Sompo Japan Insurance 2,1 Prozent auf 867 Yen, während Tokio Marine Holdings sich um 5,3 Prozent auf 3.400 Yen verteuerten.

Die Titel der größeren Banken verbuchten am Vormittag ebenfalls Gewinne, die sie jedoch im späteren Verlauf deutlich reduzierten. Die Schlusskurse in der Branche tendierten uneinheitlich. Während Mitsubishi UFJ Financial Group 1 Prozent auf 800 Yen stiegen, fielen Mizuho Financial Group um 0,7 Prozent auf 415.000 Yen. Unter den übrigen Schwergewichten steigerten sich Canon um 3,4 Prozent auf 3.970 Yen, nachdem das Unternehmen mitgeteilt hat, es werde 1,1 Prozent seiner Aktien zurückkaufen.

Ölpreise legen zu

Die Rettung des weltgrößten Versicherungskonzerns AIG durch die amerikanische Notenbank hat den Ölpreisen am Mittwoch einen Schub nach oben verliehen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Oktober stieg nach Bekanntwerden der Rettungsaktion um 2,78 Dollar auf 93,93 amerikanischen Dollar. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im November stieg um 3,20 Dollar auf 92,42 Dollar. Damit haben sich die Ölpreise nach drastischen Kursverlusten in den vergangenen Wochen etwas stabilisiert. Die Rettung habe die verunsicherten Anleger etwas beruhigt und Sorgen um einen Kollaps des Finanzsystems gedämpft, hieß es.

Aktienmarkt in Hongkong am Mittag sehr schwach

Sehr schwach tendiert die Börse in Hongkong am Mittwochmittag, nachdem im frühen Handel noch Aufschläge erzielt wurden. Der HSI verliert 1,9 Prozent auf 17.961 Punkte. Ungeachtet der Rettungsaktion der Federal Reserve für die AIG ermangele es den Investoren angesichts der weiter lastenden amerikanischen Finanzkrise an Vertrauen, sagt ein Teilnehmer. Ein technisch orientierter Händler sieht eine Unterstützung bei 17.600 Punkten.

Chinesische Banken stehen nach der jüngsten Zinssenkung unter Druck, da die Sorge schrumpfender Margen lastet. China Construction Bank verlieren 5,6 Prozent auf 4,86 Hongkong-Dollar, ICBC geben 4,7 Prozent auf 4,24 Hongkong-Dollar ab, und Bank of Communications 5,3 Prozent auf 6,75 Hongkong-Dollar.

Konjunktursorgen treiben Ölpreis Richtung 90 Dollar

Die durch die globale Finanzkrise ausgelösten Konjunktursorgen haben den amerikanischen Ölpreis am Dienstag in Richtung 90 amerikanischen Dollar gedrückt. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Oktober sackte im asiatischen Handel um 3,98 Dollar auf 91,73 Dollar ab. Erst am Freitag war der amerikanischen Ölpreis erstmals seit Anfang April vorübergehend unter die Marke von 100 Dollar gefallen. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im November sank am Dienstag um 3,97 Dollar auf 90,30 Dollar.

Händler begründeten den beschleunigten Ölpreisverfall mit der Sorge vor einer kräftigen Eintrübung der Konjunkturperspektiven für die Vereinigten Staaten durch die jüngste Zuspitzung der Finanzkrise. Ein geringeres Wachstum hätte auch eine niedrigere Ölnachfrage zur Folge.

AIG mit Kapitalnöten nachbörslich unter Druck

Leichter tendierten sich die amerikanischen Aktienkurse nach Börsenschluss. Der Index Nasdaq-100 After Hours Indicator sank um 0,39 Prozent auf 1717,44 Punkte.

Die Aktie des Versicherungskonzerns AIG zeigte sich volatil, nachdem am Markt bereits über eine Rettungsaktion der Federal Reserve spekuliert wurde. Der Titel verlor gegenüber dem regulären Schlusskurs 30 Prozent auf 2,61 Dollar. Bei hohen Umsätzen war die Aktie im nachbörslich zwischen 1,44 Dollar und 5,40 Dollar geschwankt. Die Bestätigung der Rettungsaktion durch die Federal Reserve kam erst nach Beendigung des nachbörslichen Handels.

Morgan Stanley legten um 10,6 Prozent auf 31,75 Dollar zu, nachdem die Bank das Ergebnis des dritten Geschäftsquartals ausgewiesen hatte. Zwar wurde ein Rückgang um 7 Prozent beim Nettoergebnis ausgewiesen, doch wurden die Erwartungen des Markts übertroffen. Das Ergebnis habe an einem nervösen Tag an Wall Street die Investoren beruhigt, hieß es am Markt.

Adobe Systems legten um 3,6 Prozent auf 39,50 Dollar zu. Zuvor hatte der Software-Hersteller über den Erwartungen der Wall Street liegende Drittquartalszahlen vorgelegt. Auch vom Ausblick auf das vierte Quartal waren Analysten positiv überrascht.

Wall Street schließt fester

Die Wall Street am Dienstag nach einer turbulenten Sitzung fester geschlossen. Nachdem die amerikanischen Aktienmärkte mit deutlichen Abschlägen in den Handel gestartet waren, sorgten Spekulationen auf die Rettung des schwer angeschlagenen Dow-Schwergewichts AIG für Kauflaune. Bis Handelsende verloren AIG gut 21 Prozent auf 3,75 Dollar. Zuvor hatte die Aktie bereits mit über 50 Prozent im Minus gelegen.

Der Dow-Jones-Index für 30 Industriewerte (DJIA) gewann 1,3 Prozent oder 142 Punkte auf 11.059. Der S&P-500 erholte sich um 1,8 Prozent oder 21 Zähler auf 1.214 und der Nasdaq Composite um 1,3 Prozent oder 28 Punkte auf 2.208.

Der Zinsentscheid der amerikanischen Notenbank (Fed) wurde auf dem Parkett zwar mit „Buh-Rufen“ quittiert, belastete die Wall Street allerdings nur kurz. Größter Dow-Gewinner waren unterdessen Bank of America, die sich um 11,3 Prozent auf 29,55 Dollar erholten. Ähnlich erholt zeigten sich J.P. Morgan mit plus 10 Prozent. Hewlett-Packard legten um 6,8 Prozent zu. Das Unternehmen hatte mitgeteilt, 24.600 Stellen streichen zu wollen.

Schwach präsentierten sich dagegen General Motors mit minus 5,2 Prozent. Hier belastete die von Asien-Pazifik-Chef Nick Reilly gesenkte Wachstumsprognose für den chinesischen Automobilmarkt. Trotz besser als befürchteter Zahlen ging die Aktie von Goldman Sachs mit einem Abschlag von 2,5 Prozent auf 133,01 Dollar aus dem Handel.

Amerikanische Anleihen leichter

Die Kurse der amerikanischen Staatsanleihen haben sich am Dienstag nach der Zinsentscheidung der Federal Reserve leichter gezeigt. Die amerikanische Notenbank hatte den Leitzins unverändert belassen, auch wenn einige Experten zuletzt wegen der jüngsten Zuspitzungen der Finanzmarktkrise eine Senkung für möglich gehalten hatten.

Zweijährige Anleihen fielen um 11/32 Punkte auf 100 30/32 Punkte. Sie rentierten mit 1,880 Prozent. Fünfjährige Anleihen verloren 19/32 Punkte auf 102 5/32 Punkte. Sie rentierten mit 2,657 Prozent. Richtungweisende zehnjährige Anleihen büßten 27/32 Punkte auf 104 9/32 Punkte. Sie rentierten mit 3,483 Prozent. Schatzanweisungen mit einer Laufzeit von dreißig Jahren gaben um einen ganzen und 5/32 Punkte auf 107 1/32 Punkte nach. Sie rentierten mit 4,087 Prozent.

Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Dow Jones, Bloomberg, Reuters, dpa-AFX, F.A.Z.

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