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Frankreich : Volksbanken hadern mit der Fidor Bank

Demnächst wieder ohne Innovationen aus München: Geldautomaten der Banque Populaire, die zur BPCE-Gruppe gehört, in Toulouse. Bild: Bloomberg

Die beiden Kulturen passen nicht zusammen: Nur zwei Jahre nach der Übernahme könnte die Münchner Internetbank wieder verkauft werden.

          Die Ehe zwischen der rein digitalen Fidor Bank mit dem Konzern der französischen Volksbanken und Sparkassen hat nur gut zwei Jahre gehalten. Schon damals hatte die Übernahme der auf digitale Innovationen setzenden und durch die Handelsmöglichkeiten für Bitcoin bekannt gewordenen Internetbank durch die als konservativ geltende Banque Populaire – Caisse d’Epargne (BPCE) für Verwunderung gesorgt. Seitdem konnten die kulturellen Unterschiede nicht überbrückt werden. Der Chef der Fidor Bank, Matthias Kröner, räumt im Gespräch mit der F.A.Z. die Diskussion um einen Verkauf seines Instituts ein. Er spricht von einem „Kulturkonflikt“: Traditionelle Kulturen wie die der BPCE-Gruppe täten sich mit der Innovationskultur seiner Fidor Bank schwer.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In Frankreich gab es zuletzt einige Presseartikel, in denen es um die Unzufriedenheit der BPCE-Führung mit der Fidor Bank ging. Als sicher gilt, dass Fidor in Frankreich anders als früher geplant nicht als Online-Bank auf den Markt gehen wird. Es gebe schon genügend „Neobanken“, wie der im Juni angetretene Vorstandsvorsitzende der BPCE-Gruppe, Laurent Mignon, Mitte September in einem Interview sagte. Die weitere Zukunft wird von seinem Vertrauten Jean-Yves Forel geprüft.

          BPCE ist mit Fidor bisher nicht glücklich geworden. Im Jahr 2016 für knapp 142 Millionen gekauft, war im vergangenen Jahr eine Kapitalerhöhung um 89 Millionen Euro nötig geworden. Nun prüft die BPCE-Gruppe, ob sie Fidor weiter für das Geschäft mit Privathaushalten in Europa nutzen soll, wofür Investitionen von 300 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren bereitgestellt werden könnten, berichtete die Wirtschaftszeitung „Les Echos“. Genauso in Erwägung gezogen wird aber auch ein teilweiser oder vollständiger Verkauf. Es soll unter anderem Interessenten aus Nordeuropa und dem Mittleren Osten geben, hieß es in „Les Echos“. Die BPCE-Gruppe verfügt bisher nicht über eine eigene Online-Bank, sondern nur über ein abgespecktes Online-Angebot namens Enjoy. Eine Sprecherin der BPCE-Gruppe wollte die Spekulationen nicht bestätigen.

          Vorstellbar ist, dass das Geschäft mit den 300.000 deutschen Privatkunden der Fidor Bank unter dem Dach der BPCE verbleibt, während die digitalen Dienstleistungen für andere Banken an neue Eigentümer gehen. Die Fidor Bank ist zum Beispiel Partner für das mobile Bankgeschäft des Mobilfunkanbieters O2, der 43 Millionen Kunden zählt. Dazu passt, dass sich Fidor-Chef Kröner stärker auf die technischen Aspekte seines Geschäfts konzentrieren will.

          Internetforen sollen Bankberater ersetzen

          Ein möglicher Käufer könnte die Berliner Solarisbank sein, die sich selbst als erstes Technologieunternehmen mit Banklizenz versteht. Ziel ist es, eine digitale Banking-Plattform zu schaffen, an die sich andere Unternehmen anbinden können, um selbst Anbieter von Finanzdienstleistungen zu werden. Das passt zu den Vorstellungen, die Kröner für die Fidor Bank unter neuer Eigentümerstruktur hegt. Nach seinen Angaben hat Fidor das Geschäft dank des Großkundenbereichs (Business to business; B2B) seit der Übernahme durch BPCE „mehr oder weniger vervierfacht“.

          Vor dem Verkauf an BPCE hatte Kröner die Fidor Bank als Bank der Zukunft beschrieben. Er hatte auf soziale Netzwerke gesetzt. Die Internetforen sollten den klassischen Bankberater ersetzen. Aber das Privatkundengeschäft scheint ihn nicht mehr zu interessieren, nun setzt er auf Softwarelösungen für andere Finanzdienstleister. Von der BPCE-Führung hatte sich Kröner offenbar mehr Aufgeschlossenheit für digitale Innovationen erhofft. Doch eine Integration oder eine gemeinsame Strategie sei in den vergangenen zwei Jahren nie entwickelt worden. In den konservativen Kreisen der französischen Volksbanken und Sparkassen dürfte es nicht auf große Begeisterung gestoßen sein, dass die Fidor Bank als Partner der Plattform Bitcoin.de in Deutschland vor allem durch den Handel mit Kryptowährungen bekannt geworden ist.

          Zudem benötigte die Fidor Bank im Jahr der Übernahme auch die Rückendeckung eines großen Konzerns. Wie aus dem Geschäftsbericht 2016 hervorgeht, musste ein Verlust von fast 24 Millionen Euro ausgewiesen werden. Das Institut hatte sich offenbar mit dem Ankauf von Ratenkreditportfolios im britischen Gebrauchtwagenmarkt verhoben. Hier kam es zu Ausfällen. Deshalb befindet sich die Fidor Bank schon seit einiger Zeit mit der Deutschen Handelsbank im Clinch. Das Institut ist aus der Deutschen Kontor Privatbank hervorgegangen und wird von der Unternehmerfamilie Reimann kontrolliert. Fidor war Partnerbank des Instituts, das ebenfalls in die britischen Autokredite investiert und empfindliche Verluste erlitten hatte. Allerdings lässt eine Klage gegen Fidor schon zwei Jahre auf sich warten.

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