26.02.2007 · An der Frankfurter Börse ist eine neue Epoche angebrochen: Das Zeitalter der runden Maklerschranken, der Deckenbeleuchtung je nach Tageslicht und des kerngeräucherten Eichenparketts. Sechs Millionen hat der Umbau des großen Handelssaals gekostet. Jetzt ist er fertig.
Von Daniel MohrPünktlich um neun Uhr am Montag morgen zur Handelseröffnung war es soweit. Umringt von Fernsehkameras und Fotografen, auf einem leicht erhöhten Rondell stehend, durfte Reto Francioni die Börsenglocke läuten. Die letzten Sekunden hatte er selbst heruntergezählt, um dann gut zehn Sekunden lang mit der „Originalglocke“ zu läuten. Das macht er nicht jeden Tag. Deswegen musste die Glocke auch länger gesucht werden. „Ich brauche die Originalglocke, sonst bringe ich eine Schweizer mit“, hatte der Börsenchef seinen Mitarbeitern gesagt. Nach drei Monaten hatten sie dann das gute Stück aufgetrieben.
Eingeläutet hat Francioni damit ein neues Zeitalter an der Frankfurter Wertpapierbörse. Das Zeitalter der fünf runden Maklerschranken, der Deckenbeleuchtung je nach Tageslicht, der ergonomischen Arbeitsplätze und des kerngeräucherten Eichenparketts. Sechs Millionen Euro hat sich die Deutsche Börse den Umbau ihres großen Handelssaals inmitten Frankfurts kosten lassen.
„Bescheiden, eben typisch Frankfurt“
Zur Einweihung war es dann auch gleich ein dichtes Drängen rund um die Handelsschranken, die neue 2,20 Meter hohe Informationssäule und die Buffettische. Auch die erste Bürgerin der Stadt, Petra Roth, hatte es sich nicht nehmen lassen, den neuen Handelssaal zu begutachten. Zwar hat sie „erst den Balkon gesucht, so einen wie in New York, wo die Glocke geläutet wird“, war dann aber doch angesichts des provisorischen Rondells im Handelssaal ganz zufrieden: „Bescheiden, eben typisch Frankfurt.“ Beschenkt wurde die Oberbürgermeisterin dann auch sogleich. Ebenso wie der hessische Wirtschaftsminister Alois Riehl bekam sie ein Stück des alten Parkettbodens von Reto Francioni überreicht. „Sie halten ein Stück in den Händen, über das dreistellige Millionenbeträge gelaufen sind“, sagte der Börsenchef.
Solch wertbeladene Stücke kann der normale Bürger auch erhalten. Während die meisten der 2000 Parkettstücke an „ausgewählte Kunden“ verschenkt wurden, kann sich der kundige Anleger mittels vier Quizfragen auf der Internetseite der Deutschen Börse für ein Gewinnspiel qualifizieren, an dessen Ende die Verlosung von 25 Stücken Börsenparkett steht.
„Eine sinnvolle Ergänzung“
Während die unbeschenkten Zuschauer noch über die Frage „Wie viele Fernsehstationen berichten vom Frankfurter Börsenparkett?“ rätselten, hatte Frau Roth ebenjenes schon verlassen und ließ sich auf der Veranda vom Börsenchef persönlich das Geschehen zu ihren Füßen erklären. Da ist am einen Ende die schwarze Kurstafel mit dem Dax-Verlauf. Sie hat den Umbau des Parketts unbeschadet überstanden. Emotionslos hat sie auch das Glockenläuten des obersten Dienstherrn hingenommen und den Handel mit 6992,12 Punkten praktisch unverändert begonnen.
Gleich unter der Dax-Tafel konnte Francioni Frau Roth die neue halbrunde Handelsschranke für Börsengänge zeigen und die fünf runden Schranken auf dem Parkett. 66 Bildschirme zieren zum Beispiel die Handelsschranke der Skontroführer ICF, Tritrade und Weber. Etwa 12 Arbeitsplätze befinden sich in einem Rondell. Insgesamt 70 Arbeitsplätze gibt es auf dem Parkett. Die Handelsschranken sind nun in milchigem Weiß gehalten, unten leicht bläulich und können ihre Farbe ändern. Das tut angeblich auch die neue Decke. Je nach Tageszeit soll sie „zwischen kühlem und warmem Licht variieren“. Für den Beobachter ohne Vorkenntnisse ist sie einfach ein weißes Rechteck.
Dass die Deutsche Börse mittlerweile weit mehr als 90 Prozent ihrer Handelsumsätze über das Computerhandelssystem Xetra erzielt, spielte in der allgemeinen Feierlaune keine Rolle. „Das Parkett ist eine sinnvolle Ergänzung und keine Konkurrenz zum elektronischen Handel“, sagte Francioni. Zufrieden blickte er, die Arme auf die Brüstung der Veranda gestützt, auf das Aushängeschild seiner Börse. Neben ihm Petra Roth in selber Haltung und „glücklich darüber, dass Frankfurt weiterhin täglich auf den Bildschirmen der Welt präsent sein wird.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |